Umzug mit Bienen über 600 km

  • Liebes Forum,


    ich ziehe am 1. August um und möchte meine Bienen mitnehmen.


    0.) Wie bereite ich das vor? Nachts, wenn alle Bienen drin sind, Flugloch verschliessen und Zuggurte dran?
    1.) Wie verschliesse ich meine beiden falzlosen Dadant-Beuten sicher? Reichen da zwei Zuggurte pro Beute und ein Verschluss des Flugloches? Oder muss ich stärker sichern?
    2.) Wie stelle ich sicher, dass die Bienen nicht verbrausen? Im Auto transportieren und Klimaanlage an? Auf dem Hänger transportieren?
    3.) Wie gehe ich am neuen Ort vor? Muss ich da erstmal das Flugloch zulassen, oder kann ich es direkt öffnen und sie fliegen sich neu ein?


    Danke für Eure Hilfe,
    Viele Grüße


    Pisolo


  • Hallo Pisolo. Als erstes ganz wichtig ist ein Gesundheitszeugnis, ohne kannst du den Transport glatt vergessen und die weiteren Fragen stellen sich erst garnicht !


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • ... wenn die Völker verbracht wurden, weil Du sie z.B. gekauft hast, brauchst Du nun ein neues, damit dikomentiert ist, wo Deinen Bienen denn nun schon waren, ehe sie 600km weiter ankommen.


    Zwei Völker würde ich im Kombi oder Hundefänger transportieren. Leisten - besser Balken - drunter, damit die Bodenlüftung eine ist. Obendrauf keine HR mit MW, sondern möglichst einen HR mit Leerwaben. Minetsdenst 3 Tage alles schön fest verbauen lassen ehe es los geht. Haben die Rähmchen viel Spiel und schaukeln die, dann das letzte Rähmchen durch die Zarge durch mit zwei Schrauben anspaxen oder mit zwei Spaxen anschrauben (geht beides). Dabei unterschiedliche Höhen wählen. Auf den HR mit LW kommt statt der Folie kurz vorm Verschließen der Fluglöcher Fliegegaze. Die soll überhängen und mit einem Kofferband umspannt werden. Das Fliegengitter wird so zur Oberlüftung, für den Fall, daß Du die Gurte abreißen und Luft geben mußt. Du kannst so auch ganz ohne Deckel wandern. Dann sollte die Gaze wirklich dicht sein. Die Fluglochschwämme mach ich immer naß. Wasser und Spritzflasche hab' ich immer dabei. Kühlakkus sind auch sinnvoll. Besser ist Crushed Ice von der Tanke. Das kann man notfalls auf die Gaze schmeißen. Klimaanlage ist aber oft ausreichend. Auch bei 6 Stunden Fahrt. Nachtfahrt bietet sich an. Oder die Morgenstunden.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Henry, danke, das ist ja sehr ausführlich. Ich verstehe noch nicht ganz: Warum nicht die HR drauflassen? Ehrlicherweise verkleben meine Bienen die Beuten "0,0"; auch wenn ich 10 Tage nicht reingeschaut habe, gehen die Zargen locker von Hand auseinander...


    Wie gehe ich mit den Völkern um, wenn ich angekommen bin? Flugloch noch zulasden, oder kann das dann direkt auf, weil sie ja sowieso nicht mehr heimfinden und sich daher direkt neu einfliegen?


    Danke, Viele Grüße, Pisolo

  • Ich würde die Beuten so ins Auto stellen, das die Rähmchen in Fahrtrichtung hängen. Damit sie sich durch Gefahrenbremsung nicht so leicht bewegen werden können. Die Beuten auch vor verrutschen der Zagen bei so einer Strecke schützen. Evt. die Zarkenübergänge mit Tape abkleben. Und die Beute bis an die Rücksitzwand schieben. Falls die Rücksitzwand schräg ist, dann den Hohlraum mit etwas (Decke) ausfüllen.

  • Warum nicht die HR drauflassen?

    Doch, nur eben leere und auch keine frisch geschleuderten.

    Ehrlicherweise verkleben meine Bienen die Beuten "0,0"; auch wenn ich 10 Tage nicht reingeschaut habe, gehen die Zargen locker von Hand auseinander...

    Es geht um die Rähmchen bzw. Waben. Die Beuten werden mit Gurten vergurtet. Die Rähmchen müssen von alleine (oder mit den Spaxen) halten.

    Wie gehe ich mit den Völkern um, wenn ich angekommen bin?

    Ankommen, zügig ausladen und an Ort und Stelle setzen - das sollte vorbereitet sein! - und sofort die Fluglöcher ganz auf und die Deckel zu! Bienen klimatisieren hervorragend, wenn sie ein breites Flugloch haben. Amis wandern mit geschlossenen Böden und offenen Fluglöchern ... Die fächeln lieber als zu flüchten.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Meine Notizen zum Transportieren von Bienenvölkern.


    1) Möglichkeit zum Verlassen der Wabengassen. Das Ruckeln während des Transportes läßt die Waben aneinander schlagen und die Bienen darin werden gequetscht - zumindest fühlt es sich für sie so an und ein Teil der Bienen verläßt daher gern die Waben, um sich irgendwo aufzuketten. Sinnvollerweise ist das im hohen Boden. (>= 4 cm Höhe reichen schon.) Oder im leeren Honigraum. (Ohne Waben.)


    2) Lichteinfall als potentieller Auslöser für das Verbrausen der Völker. Die Bienen stürzen bei Bewegung der Beuten gegen das Licht und können so das Gitter zusetzen. Sie drohen dann zu ersticken und verbrausen dann. Daher ist Lichteinfall zu vermindern. Ein Gitterboden ist daher besser als eine Gitterdeckel. Die Bienen sind daher auch nachts zu transportieren. Ich fahre stets in die Nacht hinein - Zusammenpacken bei Sonnenuntergang. Losfahren nach Sonnenuntergang.


    3) Wärme als potentieller Auslöser für das Verbrausen der Völker. Sobald die Beute bewegt wird, heizen sich die Bienen durch die Aufregung auf. Eine gute Ventilation der Beuten ist daher notwendig. Ein durchgängiger Gitterboden ist da schon ausreichend. Zusätzlich sind die Bienen mit Wasser einzusprühen. Das Wasser hilft den Bienen bei der Kühlung des Bienenstockes. Des Weiteren schlecken sie das Wasser auf und das Wasser ist weniger belastend während des Transportes als Honig, Nektar oder Zuckerwasser. Während der Fahrt ist ausreichend Wasser mitzuführen, um im Notfall die Bienen duschen und damit abkühlen zu können. Ein Thermometer unter dem Deckel, dessen Anzeige im Fahrzeug gut lesbar angebracht wird, ermöglicht eine Überwachung der Temperatur während der Fahrt. Die Temperaturen nachts sind besser geeignet als Tagestemperaturen oder gar Sonnenschein.


    4) Honig oder aus den Waben spritzender Nektar (frisch eingetragen), versetzt die Bienen in eine zu große Aufregung und sie verbrausen sehr schnell. Daher verbietet sich z. B. ein Transport auf honigfeuchten Waben nach der Schleuderung.


    5) Alle Beutenteile sollten fest fixiert werden. Nichts sollte wackeln, rappeln oder davonfliegen. Spanngurte sind das Mittel der Wahl, um die Zargen untereinander und an das Transportmittel zu befestigen. Bei einem Unfall dürfen die Beuten nicht auseinanderfallen oder umherfliegen.


    6) Draht, Kneifzange, Taschenlampe (!), Ersatzbatterien, ein geladenes Handy für den Notfall, zusätzliche Schleier, ein gestopfter Smoker (bereit zum Anzünden), genügend Schaumstoffstreifen und Klebeband, Wasser+Sprühflasche, Getränke für den Imker :wink:,... eben die universelle Imkerwerkzeugkiste für alle Fälle sollte mitgeführt werden.


    Ablauf


    Ich mache es so. Am Vortag erledige ich alle Vorbereitungsarbeiten. (Abernten, zusammenpacken, Hindernisse aus dem Weg räumen, Sackkarrenreifen auf Dichtigkeit und genügend Druck prüfen, Beuten mit Zurrgurt zusammenbinden...) Am Transportabend warte ich bis der Bienenflug eingestellt wurde, was meist kurz vor dem Sonnenuntergang der Fall ist. Ich sprühe durch das Flugloch/den Boden die Bienen mit Wasser ein. Wenn es eine längere Fahrt wird, sprühe ich auch von oben und gebe eine leere Zarge oben drauf. Dann verschließe ich das Flugloch mit Schaumgummi. Auf die Sackkarre und dann auf den Hänger. Zwischen Sackkarrengabeln und Beute klemme ich immer etwas Schaumgummi, das klappert nicht so. Außerdem habe ich ein größeres Spanngummi, mit dem ich die Beute an die Sackkarre binde. Auf dem Hänger Lücken zwischen den Beuten lassen, damit der Fahrtwind durchstreichen kann. (Geht automatisch mit Griffleisten.)


    Am Ankunftsort im Scheinwerferlicht abladen und ganz zum Schluß die Schaumgummis aus den Fluglöchern entfernen.


    Mein Ablauf ist noch nicht so ganz optimal. Die Vortagsarbeiten ließen sich eventuell am gleichen Abend noch treffen, bevor es dunkel wird. Der Transport mit Leerzarge oben ist eventuell etwas übertrieben und bewirkt die Notwendigkeit am nächsten Morgen/Tag wiederzukommen und am Zielort die Leerzargen zu füllen. (Ich gebe dann zum Beispiel die geschleuderten Waben.) Ich versuche den Ablauf so zu gestalten, daß ich nur eine Fahrt benötige. Eventuell könnte ich die Honigzargen am Vortag abernten und dann mit dem Transport mitführen und am Zielort direkt nach der Ankunft geben. Allerdings könnten die Bienen dann noch etwas unter Dampf stehen und im Dunkeln Zargen aufzusetzen, bei hervorquellenden Bienen, ist gleube ich keine gute Idee.


    Wie machen es die alten Füchse und Hasen?



    PS: Ihr wart schneller...

  • Hallo Miteinander,
    bei Pausen oder längeren Halt den Motor laufen lassen.
    Das beruhigt die Bienen.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.