Erstes Imkerjahr, Schwärme und Honig...?

  • Hallo Imkerforum,


    Erstmal großes Lob, arbeite mich schon eine Weile durchs Forum und es ist sensationell, was hier für ein Erfahrungsschatz "lauert"...


    Möchte gerne meine Erfahrungen aus meinem ersten Jahr kurz schildern und am Ende gerne auch noch ein paar Fragen stellen...


    Habe seit letztem Jahr Bienen. Als sich mein bereits seit längerem schwelendes Interesse für die Bienen gerade begann zu verstärken, flog mir auch schon ein Schwarm zu. Den habe ich mit Hilfe meines Nachbarn, der Imker ist, gefangen und gut über den Winter gebracht. Meine Oma hatte bereits Bienen und meine Mutter hatte es nach Omas Tod wenige Jahre weitergeführt. Berührungspunkte gab es also schon und eine Grundausstattung an Zargen, Rähmchen und Co war vorhanden...


    Im Frühjahr habe ich noch ein zusätzliches Volk von einem Bekannten übernommen, einen Sammelbrutableger, sehr stark.


    Ich wuße noch nicht so ganz genau, was da so im Frühling und Sommer auf mich zukommt, aber durch viel Lesen und Fragen hatte ich so eine grobe Vorstellung...
    Habe beiden Völkern, die auf einer Zander-Zarge saßen, im noch relativ kalten Mai (Allgäu) einen zweiten Brutraum gegeben, der angenommen wurde, wenn auch zögerlich. Als dann diese Wahnsinns-Kältephase vorbei war, haben beide noch einen Honigraum bekommen, da ja die Tracht bevorstand.
    Als es dann wärmer wurde war gleich starke Schwarmstimmung, v.a. in meinem Vorjahres-Volk. Ich wußte zwar, daß die Schwarmkontrolle hier das A und O ist, mangels Erfahrung war mir jedoch die Bedeutung des "Schröpfens" durch Ableger und Co. nicht so klar. Irgendwie dachte ich, daß Zellen ausbrechen reicht.


    Nach erneuter Lektüre entschied ich mich dann dazu, Ableger zu machen, zumal ich eh gerne noch ein paar Völker mehr hätte.
    Vom mittlerweile stark auf zwei Zargen stehenden, übernommenen Sammelbrutableger habe ich dann einen Ableger gemacht, bei meinem Alt-Volk konnte ich die Königin nicht finden. Also weiter Zellen gebrochen, mitunter auch bereits verdeckelte.


    Habe den Ableger dann 3km entfernt in die Pampa gebracht (an eines unserer Felder am Waldrand), aufgestellt, alles gut installiert. Als ich gerade wieder fahren wollte, hatte ich immer noch so ein Summen im Ohr. Dachte zunächst, das "summt" halt ein wenig vom Ableger-Machen nach. Aber plötzlich war mir klar, dass die paar Bienchen in dem Ablegerkasten nicht so einen Krach machen können. Ich steig also wieder aus, horche, schaue, und als mein Blick zuletzt nach oben geht, sehe ich auf dem ausladenden Fichtenast am Waldrand direkt über meinem Auto einen wahrhaft riesigen Schwarm sitzen.
    So eine Kugel hatte auch auf Fotos aus dem Netz noch nie gesehen...
    Leider in ca. 12m Höhe. Zu hoch, um mit Leiter, Frontlader, Gabelstappler, etc. hinzukommen...
    Erst dachte ich kurz: Schade. Doch dann war irgendwie mein Jagd-Instinkt geweckt.
    Also Kumpel (Holzer) geholt, der auf den Baum rauf, ich darunter mit einem riesigen Karton, Ast am Stamm langsam abgesägt bis sich der Ast senkte. Kam dann dann so bis auf 5m Höhe runter, dann ist der Schwarm "abgestürzt" und hat sich in alle Himmelsrichtungen zerstoben, viele Bienen sind auf dem staubigen Hohlweg umgekommen oder im Feld oder im Wald gelandet. Aber eine gehörige Portion hatte ich gefangen und einen weiteren großen Teil, in einer dunklen Bienwolke stehend, mit Schaufel und Besen zusammengekehrt. Wir haben dann erst mal alles so stehen lassen, es waren überall in der Umgebung noch kleine Bienenträubchen und eine etwas größere Traube sammelte sich wieder auf einem benachbarten Ast der gleichen Fichte.
    Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte ich die Königin eigentlich gar nicht erwischen können, zumal sich eine neue, größer werdende Traube sammelte. Hab den Schwarm dann abends in eine Zarge eingebracht und ein wenig Futter rein. Am nächsten Morgen war doch eine große Menge Bienen drin und sonst waren keine mehr zu sehen. Hab den Schwarn dann zu mir gebracht, aufgestellt und sicherheitshalber eine Brutwabe mit Stiften aus einem anderen Volk zugesetzt. Bei der Durchsicht nach 3 Tagen fiel mir erst auf, daß es auf der zugesetzten Brutwabe keine Nachschaffungszellen gab und wenig später ist mir promt die Königin auf meine Hand gelaufen, die das Rähmchen hielt... Also erstmal alles gut. Entweder hatte ich die Königin durch Glück beim Schwarm-Auffangen erwischt, oder sie ist dann abends noch in die Zarge eingezogen.


    Zwei, drei Tage später hatte ich dann das Gefühl, daß an meinem Altvolk (Feldrand an einer Hecke hinter dem Haus) einklein weniger Flugbetrieb herrscht, als an dem diesjährigen starken Ableger, der direkt daneben steht.
    Nach einigen Tagen unsicherheit und Volksdurchsichten war klar, daß hier ein Schwarm abgegangen und das Volk weisellos war. Die Altkönigin war wohl beim Vorhandensein verdeckelter WZ davon gezogen und ich hatte, nichtwissend, alle Schwarmzellen ausgebrochen. Natürlich sehr schade, da dieses Volk genau genommen mein einziges Alt- und Wirtschaftsvolk war.
    Außerdem stellt sich natürlich die Frage, ob ich da vielleicht in einer waghalsigen Aktion, meinen eigenen Schwarm eingefangen habe. Wenn es auch durch den Zufall der Entdeckung und die Entfernung zum Volk (gut 2km Luftlinie) sehr unwahrscheinlich wäre... Werde es wohl nie erfahren...


    Jetzt mußte ich erst mal überlegen. Durch meine eifrigen Durchsichten, hatte ich alle Weiselzellen gebrochen, ohne zu wissen, daß die Königin weg ist. Also sollte eine Brutwabe vom Nachbarvolk rein, als dies jedoch anstand, hatten mein abgeschwärmtes Volk 6 WZ nachgeschafft, es war also anscheinend noch junge Brut dagewesen. Morgen oder übermorgen müßte die neue Königin schlüpfen. Da das Volk trotz Schwarm noch stark war, wollte ich keinen zweiten Schwarm riskieren und habe nur eine WZ übrig gelassen.


    Meine Hauptfrage ist nun, was soll ich mit dem Honig machen. Das Jahr war bisher maximal bescheiden, bis zum Schwarmabgang hat das Volk den HR ausgebaut und er ist jetzt auf ca. 4 Rähmchen je zu 3/4 der Zellen und je Zelle ca. zur Hälfte gefüllt.
    Die Spritzprobe ergab wiederholt keinen einzigen Tropfen, also müßte der Honig trotz fehlender Verdeckelung, da die Waben ja nur halb voll sind, "reif" sein. Aber halt wenig und momentan ist keine üppige Tracht.
    Im HR des daneben stehenden Ablegervolkes sieht es ähnlich aus, eher noch ein bißchen weniger, ich vermute weil Ableger.


    Meine Frage: Soll ich den Honig jetzt schleudern? Wäre sicher keine große Menge, aber ich hätte gerne trotz leichter Mißerfolge ein wenig eigenen Honig im ersten kompletten Bienen-Jahr...


    Oder kann ich, was mir eigentlich am Sinnvollsten erscheint, einfach noch die Sommertracht abwarten und hoffen, daß die Völker die HR noch voll machen? Und dann einfach einmal am Ende des Bienenjahres schleudern? Oder ist es nicht gut, wenn auf den jetzt fertigen Honig in den HR später wieder frischer draufgepackt wird?
    Je nach Lektüre denke ich eher, daß das nichts ausmacht. Die Bienen werden sich ihre Vorräte schon so einpacken, daß es paßt, oder?


    Und kann ich den HR überhaupt auf dem abgeschwärmten Volk lassen? Oder brauchen die alles selbst? Denn bei kurz bevorstehendem Schlupf der neuen Königin gibts ja nach Hochzeitsflug und "Eingewöhnung" frühestens in ca. 4 Wochen neuen Nachwuchs. Aber je nachdem die neue Königin legt, müßte das Volk doch dann zur Sommertracht im Juli nochmal ein wenig wachsen, oder? Ein wenig bringen sie auch jetzt noch in abgeschwärmten Zustand ein...


    Sorry, für die lange Geschicht, aber irgendwie wollte ich mir diese spannenden Erfahrungen auch mal "von der Seele schreiben". Insgesamt macht es großen Spaß, das Gelesene jetzt "live" zu erfahren, v.a. auch festzustellen, daß die Bienen es eh so machen, wie sie es für richtig halten und nicht immer so, wie es im Buch steht...


    Also mal meine Fragen noch mal in Kürze:


    - den ca. zu 1/4 gefüllten HR auf dem abgeschwärmten, jedoch zahlenmäßig noch starken Volk belassen?
    - alles als einzige Schleuderung Ende Juli abschleudern?
    - muß der HR vielleicht sogar vom abgeschwärmten Volk entfernt werden?
    - wieviel muß Schwarmvölkern oder Ablegern zugefüttert werden?
    - was tun, wenn keine neue Königin schlüpft, oder diese verloren geht? Eine kaufen und zusetzen?
    - was, wenn im (deutlich schwächeren) Ableger keine schlüpft? Neue zusetzen oder Ableger auflösen, weil er nicht mehr Überwinterungsstärke erreicht?


    Dem großen Schwarmvolk, das mittlerweile auf zwei Zargen brütet, hätte ich jetzt außer der normalen, späteren Wintereinfütterung nix mehr gegeben, meinen Ableger, der demnächst erst eine neue Königin bekommt, würde ich hingegen noch was geben...


    Vielen Dank, wer bis hierhin mit dem Lesen durchgehalten hat.
    Bin mal gespannt, was ihr mir ratet, da ja doch eine halbwegs spezielle Situation, habe ich in der Suchfunktion nix Passendes gefunden.


    Schönen Gruß aus dem Allgäu und nochmals Danke für Rat und Geduld,


    Christian


  • Hallo Christian, zu den Fragen.
    1) Honigraum belassen ? Ja
    2) einzige Schleuderung Ende Juli ? Ja
    3) muß der HR vielleicht entfernt...? nein
    4) wieviel muß Schwarmvölkern oder Ablegern zugefüttert werden? 2 Zarger ca. 20kg 1 Zarger ca.14 kg
    5) was tun, wenn keine neue Königin schlüpft ? Aus den 2 Zarger Ersatzableger bilden und ewentuell vereinigen.
    6) Ableger demnächst eine neue Königin. ? Ab schlüpfen der neuen Brut täglich in kleinen Portionen 1X1 füttern.
    7) Bitte Profil ausfüllen


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.