Verzweiflung eines Anfängers

  • Hallo,


    ich lese schon einige Zeit hier im Forum, hatte bisher aber nicht den Mut, auch selber Fragen zu stellen. Man wird ja nicht von allen wirklich nett behandelt... Aber nachdem ich heute wieder an den Bienen gearbeitet habe, siegt meine Verzweiflung doch und ich möchte euch einige Fragen stellen.


    Seit letztem Jahr lese ich alles, was Amazon an Imkerbüchern zu bieten hat. Seit März besuche ich mit meinem Mann einen Imkerkurs und in der Theorie scheint beim Hören und Lesen auch alles klar. Aber seit wir Ende April 2 Buckfastvölker auf Dadant gekauft haben, stehe ich in der Praxis ziemlich verwirrt da. :roll: Die Bücherbienen sind das eine und die echten, ganz anders.


    Ich stehe vor folgenden Problemen:


    1. Wie gesagt, haben wir uns ja auf Dadant US festgelegt. Wenn ich die Rähmchen (mit Hoffmannseiten) zusammen schiebe, würden 13 Rähmchen in den Brutraum (Honigraum auch) passen. Aber Dadant ist ja für 12 Rähmchen. Wenn ich also Platz an der Seite lasse, wird Wildbau an der Wand betrieben. Wie kann ich das verhindern? Oder muss trotz Hoffmannseiten noch Platz zwischen den Rähmchen sein? Aber dann gibt es Wildbau zwischen den Rähmchen.


    2. Alle Völker haben seit 4 Wochen den Honigraum aufgesetzt bekommen. Zwischen Brutraum und Honigraum haben wir ein Absperrgitter mit Rahmen. Nun wird zwischen Absperrgitter und den Honigrähmchen auch gebaut. Hebe ich also den Honigraum ab, reißt der Wildbau und da dort auch Honig eingetragen war, tropft alles wie wild runter (ich stelle den Honigraum immer auf den umgedrehten Blechdeckel). Wie soll ich Räuberei vermeiden, wenn ich so ungewollt den Honig vertröpfele???


    3. Am Pfingstwochenende ist das eine Volk geschwärmt. Mit Schwarm ist alles in Ordnung - es wird fleißig gebaut und die ersten Maden waren heute zu sehen (wir haben uns hier für Naturbau entschieden). Das "alte" Volk mit der neuen Weiselzellenkönigin haben wir - so wie ich es hier im Forum gelesen haben - bis jetzt nicht angerührt. Heute habe ich das erste Mal in die Beute geschaut. Ich habe weder die Königin entdeckt (das fällt mir aber auch noch ziemlich schwer), noch Brut in irgendeinem Stadium finden können. Überall war nur Honig - d.h. 12 Waben mit frischem, glänzenden Honig! Was ist hier los? Das Volk verhält sich sonst ziemlich unauffällig. Fliegt wie wild, trägt sogar kleine Mengen Pollen ein und klingt auch nicht auffällig.
    Wenn im Brutraum alles voll Honig ist, wo soll die Königin dann legen? Ich habe in meiner Verzweiflung einen zweiten Honigraum aufgesetzt (der erste ist fast vollständig ausgebaut, z.T. verdeckelt) und 2 Waben aus dem Brutraum entnommen und durch Mittelwände ersetzt. War das richtig? Wenn nicht, was kann ich tun?


    Das sind im Moment die drängendsten Fragen, die ich habe. Vielleicht findet sich jemand, der sie mir konstruktiv beantworten kann. Schließlich habt ihr ja alle mal angefangen, oder?!


    Eine kleine Bemerkung noch: Ich habe leider keinen Imkerpaten, der mir helfen kann. Beim örtlichen Imkerverein habe ich schon einige Mal angefragt, aber es scheint keiner Interesse an Nachwuchs zu haben. Den Kurs führt unser Verein leider auch nicht durch, da müssen wir woanders hin fahren. Deshalb bekomme ich da wohl auch keinen Imkerpaten her. Falls also jemand aus der Hallenser Ecke kommt und Zeit und Geduld hat, würde ich mich freuen...


    Danke im voraus schon mal und allen einen schönen Abend,
    Malle

  • Hallo Malle,


    Der Beespace ist unter den Unterträgern der Honigrähmchen. Die Bienen bauen gerne Brücken durch das ASG hindurch, darüber laufen sie gern hoch und verbinden so den BR mit dem HR. Wenn lange nicht geschaut wurde, kann da was eingetragen sein.
    Die Unterträger der betroffenen Rähmchen (es sind immer nur ein paar) mit dem Stockmeißel komplett vom Wildbau befreien. Ein Tuch zum Abstreifen und zur Räubereizeiten (trachtlose Zeiten, nach der Ernte der Sommertracht betont) auch noch ein verschließbares Behältnis mitnehmen dazu. Das ASG ebenfalls reinigen. Den Rest machen die Bienen sauber.
    Du Stellst den HR dann ab und deckst ihn ab. Dann kommt an Honig erstmal keiner ran, Matschflecke hinterher reinigen!
    Wieviel ist den drim im HR und wieviel gebaut?
    Es gibt Empfehlungen, den zweiten erst zu geben, wenn der erste verdeckelt wird.
    Es gibt aber auch solche, den zweiten zu geben, wenn im ersten ein guter Bienenbesatz drin ist.


    Zum Volk mit vermutlich begatteter Prinzessin. Denn sie tragen Pollen ein, schreibst Du:
    Von Pfingsten an, könnte sie sozusagen täglich loslegen (im wahrsten Sinne des Wortes). Der Nektar unten wird dann von den Bienen ganz flott nach oben umgetragen oder nach und nach für die Brut verbraucht.
    Hast Du vielleicht (nicht große) freie Flächen gesehen, wo die Bienen schon Zellen frei geräumt haben und die Zellen putzen?
    Die Nektarwaben konntest Du drin lassen mM nach.


    Eine Jungkönigin in einem vollen Volk zu sehen ist nicht immer leicht, schon gar nicht als Anfänger.


    Und zum Platz in der Beute: Wenn ihr 12 Waben drin haben wollt im Brutraum: Pack ein Schied in den Leerraum, dann kommt da auch kein Wildbau hin :wink:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Malle,


    zu 1.: ist eigentlich garkein Problem. Du kannst selber entscheiden, ob Du 13 Raehmchen reintust oder nicht. Bei Hoffmann waeren dann allerdings an den Seitenwaenden nur der halbe Beespace. Da muessten also eigentlich auch Abstandshalter von innen an die Beutenwand, um den richtigen Beespace, der ja aus 2 mal Hoffmann-Abstand besteht zu bekommen. Wenn nicht werden diese Waben auf der Wandseite halt etwas flacher. Auch kein Problem, da sie meist nur zur Honiglagerung benutzt werden. Dasselbe gilt fuer evtllen Wildbau (wird an den Seiten auch nur bei knueppelvollen Beuten ausgefuehrt): Wenn da Wildbau gemacht wird, wird da Honig eingelagert. Ist doch prima: lass ihn dran und das Platzproblem ist damit doch bestens geloest.
    Ich persoenlich habe gerne auf einer Seite etwas Platz, damit ich die erste Wabe erst etwas freiruecken kann, bevor ich sie ziehe, andere quetschen soviele Raehmchen rein, wie reingehen. Geschmackssache.


    Zu 2. Ich wuerde den Rahmen weglassen und das ASG direkt auf die OT des BR legen. Da wird zwar dann auch festgebaut, aber soviel Platz, dass da auch noch Honig reingeht, bleibt da normalerweise garnicht.


    Zu 3. Haette ich auch so gemacht. Ich haette die 2 Raehmchen von unten nach oben gehaengt. Man koennte auch untersetzen aber so geht's wie von Marion beschrieben auch.



    Gruss
    Joe

  • Ich habe in meiner Verzweiflung einen zweiten Honigraum aufgesetzt (der erste ist fast vollständig ausgebaut, z.T. verdeckelt)



    Ich setzte Honigräume immer UNTER - sprich unter den ersten Honigraum kommt der Zweite.
    Sonst kann es Dir passieren, dass die Bienen den zweiten Honigraum nicht annehmen.
    Verhonigte Waben würde ich in diesen umhängen.


    LG: Anni

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.


  • Sonst kann es Dir passieren, dass die Bienen den zweiten Honigraum nicht annehmen.
    Verhonigte Waben würde ich in diesen umhängen.


    LG: Anni


    Hallo Anni , "Buckfast in Dadant". Buckfast sind auf Brutnestferne Honigstapelung selektiert. Also Honigräume aufsetzen. Honigräume immer aufsetzen wenn der Erste halb voll ist. Und bei Dadant können keine verhonigten Waben umgehangen werden .


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Moin,


    die Info, dass der erste HR schon voll und z.T. verdeckelt war, hab ich glatt übersehen.
    Dann war es einfach allerhöchste Eisenbahn, dass der zweite HR gegeben wurde und erklärt auch die starke Nektarablagerung im Brutraum - wo sonst sollen sie den hinpacken?
    Außerdem verbauen sie dann vermehrt sonstwo; frühzeitiger den nächsten HR, dann können sie sich da orientieren und zum Bauen haben sie Möglichkeit genug da drin.
    Vermutlich haben sie nun bereits umgeschaltet auf unten ablagern und Bauen sonstwo.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Anni , "Buckfast in Dadant". Buckfast sind auf Brutnestferne Honigstapelung selektiert. Also Honigräume aufsetzen. Honigräume immer aufsetzen wenn der Erste halb voll ist. Und bei Dadant können keine verhonigten Waben umgehangen werden .


    Gruß Josef


    Hallo Josef,


    ja das mit dem Umhängen war ohne Berücksichtigung der Dadant Beute, war mein Fehler.


    Was das Brutnestferne Honigstapeln der Buckfast betrifft bin ich jedoch verwirrt.
    Ich habe Buckfast und das Untersetzen der Honigräume ( also neue MW unter halbvollen HR gesetzt) hat bis jetzt immer schnellere Annahme und Ausbau bewirkt, als Aufsetzen.

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.


  • Hallo Malle.
    Zu1. Schied rein. Du kannst dann erst das Schied rausnehmen und die Waben vor dem ziehen verrücken. Gibt keine gerollten Bienen.
    Zu 2. Absperrgitter ohne Rahmen verwenden.
    Zu 3.Das Muttervolk sollte nach Abgang eines Schwarms grundsätzlich durchgesehen werden und nur eine Weiselzelle belassen werden,( Was ihr gelesen habt bezog sich auf Ablegerbildung ) denn sonst kann es vorkommen das dieses Muttervolk weitere Schwärme abgiebt und nur eine geringe Bienenmasse übrig bleibt. Wenn das Volk Pfingsten geschwärmt hat, ist noch alles im grünen Bereich und es werden bestimmt von den Bienen Wabenmittig Flächen frei gehalten damit die Jungköniginn Legefläche hat. Bedenkt das zum Begattungsflug bestimmte Vorraussetzungen vorliegen müssen bevor die Junge zur Begattung ausfliegt.
    Honigräume immer aufsetzen wenn der Erste halb voll ist.
    Hier noch einige Links zur Dadant Betriebsweise.
    http://www.imkerei-schwarz.de/…schuere-Dadant-A5-web.pdf Imkern mit Dadant
    http://www.imkerei-gerdes.de Imkern mit Dadant


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Zitat

    Der Beespace ist unter den Unterträgern der Honigrähmchen.


    Hast du hier einfach was verwechselt beetic?
    Der sog. Beespace beschreibt eigentlich den für die Bienen optimalen Abstand zwischen den Waben. Praktisch also die breite der Wabengassen. Der optimale Beespace ist so groß, dass gerade so 2 Bienen übereinander durch die Wabengasse kommen. Daher sind ja auch die Hoffmann-Rähmchen so geformt mit ihren speziellen Seitenteilen, damit direkt der Beespace ohne großen Aufwand eingehalten wird.
    Falls ich mich irre lasse ich mich aber gerne eines besseren belehren.
    Gruß


  • Falls ich mich irre lasse ich mich aber gerne eines besseren belehren.


    Beespace wird von den Bienen nicht nur vertikal, also zwischen den einzelnen Waben eingehalten auch in der horizontalen Bau.


    Sieht man auch an den Wabenunterkanten, da bleiben etwa 8-9mm Platz zwischen Wabenunterkante und Oberseite Unterträger.
    Dann nochmal 8-9mm Platz zwischen Unterseite Oberträger und der Oberseite des Rähmchenoberträgers der Zarge unten drunter.


    Stefan

  • @ Anni,
    ich setze die HRs auch gerne runter - und das auch bei der Bucki. Aber das sind ja auch schon F1-Buckis, bei denen ist das womöglich nicht mehr so ausgeprägt mit der "brutnestfernen" Einlagerung.
    Hauptsache, man macht es einheitlich oder markiert die HRs damit man bei der Ernte nicht durcheinander kommt (wenn man nun viele Völker hat). Oder halt benummern und Nummern aufschreiben.


    Melanie

  • Herzlichen Dank euch allen! Ich bin jetzt schon etwas beruhigter.


    @ Joseph: Ich habe mich nicht so richtig ausgedrückt: Nachdem der Schwarm abgegangen war, haben wir natürlich das Volk durchgesehen und bis auf 2 oder 3 alle Weiselzellen gebrochen. Aber nach dem berechneten "Schlupftermin" haben wir das Volk in Ruhe gelassen und waren nicht mehr dran. Welche Voraussetzungen braucht denn eine Jungkönigin, um loszufliegen? Sicher spielt das Wetter und die Temperatur eine Rolle. Worauf kommt es noch an?


    Ich war heute an unserem dritten Volk und hab gleich versucht, das Absperrgitter ohne Rahmen auf den Brutraum zu setzen. Hab dann aber doch wieder zum Rahmen gegriffen, weil ich den Honigraum nicht auf den Brutraum bekommen hätte, ohne zig Bienen zu zerdrücken. Habe es mit Rauch versucht, aber schnell wie der Wind saßen alle wieder am Rand...


    Den neuen Honigraum habe ich auch unter den "alten" getan. Hatte ich mal gelesen und wusste nicht, dass es bei Buckfast anders ist. Ich lasse es jetzt erst mal so und werde sehen, ob der zweite HR angenommen wird. Ihr schreibt, dass der 2. HR auf- oder untergesetzt wird, wenn der 1. zur Hälfte voll ist. Heißt das zur Hälfte mit Honig voll oder zur Hälfte schon verdeckelt? Das andere Volk hat auch schon einen gut gefüllten HR, aber bisher noch nichts verdeckeltes. Soll ich hier den 2. HR geben?


    Vielen Dank allen fleißigen Ratgebern,
    Annett