Augustowska (Dunkle Biene) hybridisiert

  • Hallo allerseits,


    auf meiner Reise durch die wissenschaftlichen Arbeiten, u. a. zur Dunklen Biene, fiel mir soeben "taufrisch" ein Dokument des Journals of Apicultural Research (dt. Journal für Bienenforschung) auf, das sich mit der Untersuchung der Augustowska-Biene in Nordostpolen (Schutzgebiet) beschäftigt. Demnach seien ca. 10-30% des Kern-Genpools und 3-50% der Mitochondrien in den untersuchten Augustowska-Populationen nicht identisch mit denen der heimischen Dunklen Biene. Außerdem bestätigten die Daten das Vorhandensein von Hybridbienen in diesen Augustowska-Populationen, die früher als die reinsten Dunklen Bienen Polens galten.


    Auf deutsch heißt dies: die Augustowska ist "im Kern" hybridisiert, der gesamte Bestand hat Fremdgene aufgenommen, auch wenn die M-Gene wohl noch überwiegen. Dennoch liegt hier leider eine fortschreitende Vermischung vor.


    Leider leider bestätigen sich auch hier meine Beobachtungen, dass es in Polen keine Dunkle Biene mehr gibt.


    Der komplette Artikel zur Augustowska-Studie ist hier erhältlich: http://www.mendeley.com/catalo…llifera-mellifera-poland/


    Gruß
    KME

  • Lieber Kai, Du hast die Arbeit wirklich gelesen und verstanden?
    Die Autoren kommen zu einem anderen Schluss. Es gibt in Polen die authochtone Mellifera im Nordosten (Augustwald). Sie zeigen auf, von 30 Bienenstöcken im Kerngebiet, weist nur ein Stock Introgression auf.
    Des weiteren weisen sie auf die Bedeutung der DNA- Untersuchungen, gegenüber der unsicheren Morphometrie, hin.
    :daumen: Avis

  • .... Es gibt in Polen die authochtone Mellifera im Nordosten (Augustwald)......


    Hallo,


    das haben sie so nicht gesagt, aber mit viel Phantasie könnte man das aus der Arbeit herausinterpretieren, das stimmt.


    Es ist immer eine Definitionsfrage, was man noch als "Dunkle Biene" durchgehen lassen will, und was nicht. Wie weit ist dort Dein Toleranzbereich? Wie weit würdest Du die Definitionsgrenzen für A.m.m. stecken?


    Ich sehe die Ergebnisse und die Arbeit viel kritischer.. Die Untersuchung der mtDNA mag ja interessanten Aufschluss darüber geben, welche Bienen mütterlicherseits welchen Ursprung haben. Hier sind es im Untersuchten Gebiet sogar 32,9% C-Anteil mütterlicherseits. D. h. ein Teil der Völker entstammen (mütterlicherseits) nicht einmal der Mellifera, sondern der Carnica.


    Wie soll es da zu einer Reinerhaltung der Dunklen Biene im flachen Land gekommen sein?


    Die Ergebnisse der Mikrosatelliten in der Kern-DNA ergab offensichtlich eine Wahrscheinlichkeit einer Vermischung von (im Schnitt) wohl 10-30%. Dies mag zwar auf den ersten Blick wenig erscheinen, aber die Erfahrung hat ja gezeigt, dass gerade eine schleichende Hybridisierung für einen Bestand so gefährlich ist, und dass die Fremdgene sich mit der Zeit "anreichern" und letztendlich die Biene morphologisch verändern, wie wir es in den letzten Jahrzehnten bei der Braunelle gesehen haben und wie es derzeit bei der Laesoe-Biene dramatisch erfolgt.


    Ich erwarte dieses Jahr Bienenproben der Augustowska, an denen dann mittels der Flügelvermessung eine Hybridiserung gemessen werden soll. Und wenn diese bereits im Flügelgeäder festgestellt wird, also mit Flügeldaten, die die Dunkle Biene nicht in ihrem natürlichen genetischen Spektrum hat, dann müsste dies auch in der DNA-Analyse vorliegen.


    DNA-Analysen jedoch, die eindeutige Mischbienen "reinwaschen", taugen aber nichts.
    Gruß
    KME


    Nachtrag: Hinweisen möchte ich auf Flügel von mehreren Augustowska-Königinnen aus dem Jahr 2009, die ich erhielt: kein einziger dieser Flügel lag im Mellifera-Bereich.- Fotos siehe hier.

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  • Nachtrag 2 zu der von Dir angeführten "Morphometrie":


    In dem Bericht wird angeführt, dass die bisherigen morphometrischen Untersuchungen anhand des Cubitalindexes, der Breite des 4. Tergits und der Rüssellänge erfolgten. Diese Messungen seien "inadäquat"!


    Völlig zu Recht!!!!


    Adäquat sind ausschließlich die Bewertung des Cubitalindexes in Korrelation mit der Discoidalverschiebung und des Hantelindex! Diese Messungen wurden in Polen noch nie vorgenommen. Leider.


    Die Schweden zeigen uns derartige Arbeiten vorbildlich!


    Gruß
    KME

  • @ Kai , das heisst auf Deutsch : Diese Methoden sind ungeeignet ( inadequat)! Versteh es doch richtig.
    Morphometrische Bestimmungen betreffen den Phänotyp, nicht aber den Genotyp. Deshalb werden morphometrische Messungen nicht mehr für die Frage der Reinrassigkeit verwendet.
    :Biene::u_idea_bulb02: Avis


  • Nein, das stimmt schlicht und ergreifend nicht! Phänotyp und Genotyp sind untrennbar miteinander verbunden.


    Warum verbreitest Du als Jungimker hier solche Unwahrheiten? Was hat das für einen Hintergrund?


    Auch die "genetische Vielfalt" hilft hier nicht weiter, denn genetische Vielfalt bedeutet bei Bienen die Zerstörung der natürlichen Subspezies.
    Gruß
    KME

  • @ Kai, vielen Dank für die Blumen, aber von Genetik verstehst Du nichts!
    Avis
    To whom it concerns: Jeder kann die Arbeit lesen und sich eine eigene Meinung bilden.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von gast016 () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • Zitat

    Phänotyp und Genotyp sind untrennbar miteinander verbunden.


    Sorry, das ist ja wohl schon länger als 80 Jahre widerlegt.
    Zwei Lebewesen können den exakt gleichen Genotyp haben und trotzdem sehr verschiedene Phänotypen zeigen.
    Sonst gäb es keine Albinos oder eben auch keine legenden Arbeiterinnen in einem Volk mit toller Königin - was es aber nachweislich gibt.


    Der Genotyp bietet nur Möglichkeiten, ist aber kein Zwang für alle.
    Das Überleben ist da das einzige Selektionskriterium.


    Du hast nicht recht - ich hab schon Buckis gehabt, die wie Dunkle aussahen, und so helle Carnis, daß sie als Buckis duchgegangen wären.
    Von daher interessiert mich der Phänotyp als Kriterium gar nicht mehr.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Zu welchem Erfolg?


    Rassebildung ist immer auch Verringerung der genetischen Vielfalt im Habitat.


    Hallo wald&wiese,


    ganz genau so ist das, um die Sachverhalte hier mal wieder in die wahrhetsgetreuen Bahnen zu lenken. Bei der Bienenzüchtung geht "genetische Vielfalt" immer einher mit der Zerstörung von lokalen Ökotypen, manche nennen es "Rasse". :wink:


    Leider hat dies u. a. die Augustowska von der "Dunklen Biene" entfremdet, wenn ich es mal so bezeichnen darf. Natürlich ist Augustowska noch Augustowska, genauso wie Nigra Nigra ist. Aber die Gefahr der schleichenden Hybridisierung ist bei der A. nicht mehr nur Utopie - LEIDER.


    Dies wird auch bislang als "sicher" geltende Populationen betreffen, z. B. aus Skandinavien. Erstmals durfte ich in 2013 LEIDER die ersten Ligustica-Einflüsse in der Dunklen Biene aus Skandinavien feststellen (siehe meinen aktuellen Bericht). Leider!


    Wenn das so weitergeht mit der schleichenden Hybridisierung, ist die Mellifera in wenigen Jahren endgültig vom Erdball verschwunden.


    Gruß
    KME