Falsch deklarierter Akazienhonig bzw eigentlich Betrug

  • Letztens lese ich bei einem Imker aus der Gegend, "Akazienhonig aus heimischen Wäldern".


    Da Akazien nicht bei uns wachsen, bin ich mal wohlwollend von einem Imker ausgegangen, der botanisch nicht so bewandert ist und deshalb die Robinie mit der Akazie verwechselt hat.


    Gleich mal angerufen und gefragt.


    Dabei war das gespräch dann zusammengefasst so.


    Ich: Hi sie verkaufen akazienhonig aus heimischen Wäldern
    Er: Ja genau, wieviel wollen sie?
    I: erzähle ihm das die hier nicht wachsen und frage ob er eventuell Robinien meint
    Er: Ja das ist doch das gleiche
    I: Nein ist es nicht, hab es ihm dann erklärt, und ob er jetzt irgendwas machen wird
    Er: Nein, die Leute würden bestimmt keinen Robinienhonig kaufen, deswegen verkauft er ihn als Akazienhonig, und legte dann auf.


    Hab dann noch etwas weiter geforscht und noch andere Imker gefunden, die ganz klar "Akazienhonig aus heimischen wäldern" verkaufen.
    Da Akazien hier nicht wachsen, zumindest nicht in Mengen (gibt sicher ein paar extrem behütete in botanischen Gärten und in wenigen Privatgärten) das man daraus Honig kriegen könnte, bzw die Arten die Honig bringen, ist das also entweder zugekaufter Akazienhonig aus dem Ausland, oder eben Robinienhonig, beides auf jedenfall falsch deklariert.


    Wie seht ihr das?
    Im Grunde genommen ist das wie Pferdefleisch/Rindfleisch. Beides Top Produkte wenn richtig zubereitet, aber eine Falschdeklaration ist dennoch unter aller Sau.


    Eigentlich ist das Betrug mit 100% Vorsatz dazu.


    Wenn Ihr mitkriegen würdet, das ein Imker im Nachbarort, Waldhonig aus Xy importiert und als heimischen Waldhonig für das Xfache des Einkaufspreises verkauft, würdet ihr doch auch was tun, oder?
    Die Frage ist nur was?


    Interessiert sich der DIB für solche Machenschaften?


  • Eigentlich ist das Betrug mit 100% Vorsatz dazu.
    [...]
    Interessiert sich der DIB für solche Machenschaften?


    Ein kleiner, kurzer Blick in das nichtwissenschaftliche Nachschlagverzeichnis im deutschsprachigen Internet (www.wikipedia.de) hätte geliefert:


    Akazienhonig
    von der Scheinakazie wird in Deutschland von Robinienwäldern (falsche Akazie, Robinia pseudoacacia L.) geerntet. Er ist von sehr mildem, lieblichen Geschmack und eignet sich sehr gut zum Süßen von Tee und Backwaren. Robinienhonig bleibt extrem lange flüssig und hat eine helle (wässrige) bis goldgelbe Farbe.


    Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Akazienhonig#Bl.C3.BCtenhonige


    Bevor man also Pest, Tod und Teufel schreit, erst mal selbst schlau machen.


    Stefan

  • Meines Wissens macht bei der Robinie/Akazie sogar der DIB eine Ausnahme, da der Begriff "Akazienhonig" sich so eingebürgert hat, dass der DIB es nicht als falsche Auszeichnung versteht. Ansonsten sind die schon ziemlich streng, was die Sortenbezeichnung angeht.

  • Angrist


    Ich habe hier auch eine Klage gegen unseren Essensanbieter wegen solcher betrügerischer Falschdeklaration laufen. Das von ihm angebotene "Jägerschnitzel" enthält nämlich keinerlei Jägerfleisch! Unglaublich, was da abgeht!



    :roll:

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)

  • Hi Angrist,


    es ist so, dass "unsere Akazie" korrekt auf deutsch Robinie und auf botanisch Robinia pseudoacacia heisst.
    Akazien wachsen wirklich eher in Afrika als in Deutschland.


    Es ist aber meines Wissens keinesfalls so, dass eine Deklaration von Akazienhonig aus Deutschland falsch oder gar Betrug ist, sofern natürlich Honig aus hauptsächlich Robiniennektar drin ist :wink:
    Blütenhonig aus Robinia pseudoacacia darf tatsächlich nach der Deutschen Honigverordnung als Akazienhonig deklariert werden. "Akazie" ist nun mal die in Deutschland gängige Bezeichnung für dies Gewächs.
    Siehe z.B. hier: http://www.deutscherimkerbund.…wnloads/Merkblatt_3-4.pdf
    Vielleicht gibt es für die Robinia auch noch andere deutsche Bezeichnungen................ Jedenfalls kenne ich als berufsmäßiger Gärtner viele Gewächse, die je nach Landstrich sehr verschiedene deutsche Namen haben. Darum sind für und Profis deutsche Bezeichnungen oft Schall und Rauch und nur botanische Namen maßgebend.


    Robinienhonig darf m.W. alternativ auch als Robinienhonig deklariert werden :lol:


    Also halt bitte den Ball flach und informiere Dich erst, bevor Du "ein Fass aufmachst" und Andere der unlauteren Deklaration beschuldigst :roll:


    Nachtrag p.S.: Ich habe nach Verfassung und Posten des Textes gesehen, dass schon Andere sinngemäß das Selbe geantwortet haben. Wollte nicht klugscheißern, hat sich nur überschnitten :oops:

    :Biene: Stephan aus dem Vogtland :Biene:

  • Das von ihm angebotene "Jägerschnitzel" enthält nämlich keinerlei Jägerfleisch! Unglaublich, was da abgeht!


    Wenn ich jetzt noch schreibe, dass ich heute morgen meine Hände mit Babyöl eingecremt habe, dann befürchte ich, wird der Thread hier schneller geschlossen, als ich meinen Kinderteller zum Mittag verputzen kann.


    Stefan

  • Wenn ich jetzt noch schreibe, dass ich heute morgen meine Hände mit Babyöl eingecremt habe, ...


    :lol:


    Habe im "Rothmaler" (Exkursionsflora Deutschlands -Gefäßpflanzen") geschaut: Da steht als deutscher Name für Robinia pseudoacacia L. :
    Robine, Falsche Akazie.


    Umgangssprachlich lautet der Name für diesen Baum hier in der Gegend "Akazie".


    Etwas Information zu diesem Baum gibt's hier (vor allem Herkunft und Biologie):
    http://www.floraweb.de/neoflor…/robiniapseudoacacia.html


    PS: "Falschen Akazienhonig" sollte man den Akazien/Robinienhonig allerdings nicht nennen, das gäbe Verwirrung :wink:

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Mellina


    So wie ich es kenne wird ein Jägerschnitzel nicht aus jägerfleisch hergestellt, vielmehr ist es ein ganz normales Schnitzel, bei welchen die Pilzsoße es zum Jägerschnitzel werden läßt.
    Müßte auch im Raum Dresden so sein. Jägerfleisch kenne ich garnicht.


    LG Ingo

  • Ich meine auch man sollte die Sache, mit den Bezeichnungen, sehr locker sehen. :wink: Wichtig ist, die Qualität stimmt und die Kunden sind zufrieden.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • elbieno
    Ich muß einräumen: In meiner Antwort waren Spuren von Ironie enthalten, und das auch noch undeklariert. Da kann es, wie bei Dir, zu Unverträglichkeiten kommen. Das hätte ich beachten müssen - Vorsorgeprinzip und so.


    Was ich eigentlich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass ich Agrist´ Beitrag und den darin mitschwingenden aggressiven Unterton als völlig unverhältnismäßig empfinde. Akazienhonig ist eine in Deutschland längst übliche Bezeichnung für Robinienhonig. Botanisch gesehen natürlich alles andere als korrekt, und auch ich zucke immer noch bisschen zusammen, wenn mein Nachbar unsere Robinien als Akazien bezeichnet, aber eben üblich, und das seit Jahrzehnten. Da muß man doch nicht gleich mit Begriffen, wie Falschdeklaration und Betrug um sich werfen. Ganz davon abgesehen, dass das Thema hier wohl schon oft genug besprochen wurde.


    Und wenn man (angrist) trotzdem nicht anders kann, hätte er sein Anliegen mit ein bisschen schreiberischem Fingerspitzengefühl sogar in Melanies "Robinie perdu"-Thread unterbringen können, ganz ohne hier so einen reißerischen neuen Thread aufmachen zu müssen. Der Imker, den er da am Telefon hatte, hat mein größtes Mitgefühl. Der Arme.


    LG
    Mandy



    *© by Wolfgang 2013

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)

  • Ich finde diesen Fall auch weit weniger angreifbar als die vielen Imker, die mit expliziter Regionalität, etwa einem Stadtteil o.ä. werben und, wenn sie dies erfolgreich tun und das Angebot folglich nicht lange die Nachfrage decken kann, klammheimlich von überall zukaufen und kein Wort drüber verlieren. Oder eine einwandfreie Erstlieferung an Abfüllstellen leisten und dann im Tonnenbereich billig in den EU-Nachbarstaaten eingekaufte Ware als einheimische eigene Ernte nachliefern, zu dann aufgrund der Mengenstaffelung annehmbaren Ankaufspreisen.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter