Brutableger verstärken

  • Einen schönen Abend, liebe Imkergemeinde!


    Ich würde euch gerne noch einmal um fachkundigen Rat bitten:


    Vor etwa einer Woche wollte ich ein schwarmlustiges Volk mittels eines Brutablegers wieder zur Ruhe bringen.
    Ich habe dazu 3 Brutwaben entnommen, die ich 10 Tage vorher in den Honigraum umgehangen habe. (Eigentlich um darauf Nicot Näpfchen großziehen zu lassen)
    Die 3 Brutwaben habe ich mit 2 Futterwaben verstärkt und den Ableger zu einem etwa 10KM entfernten anderen Standort gebracht.
    Einige Stunden später habe ich eine unbegattete Königin zugesetzt, die zumindest jetzt, 5 Tage später auch noch im Volk rumwuselte.


    Inzwischen zeichnen sich meiner Auffassung nach 2 Probleme ab.
    - Ich habe vergessen, zusätzliche Bienen aus dem Schröpfvolk in den Ableger zu kehren, wodurch sich die Bienenmasse ziemlich in Grenzen hält. (4 mäßig besetzte Waben)
    - Einige Bienen aus dem umgehängten Brutwaben waren schon geschlüpft, so dass sich die verbleibenden gedeckelten Brutzellen auf etwa 25% der Wabenfläche beschränken, dafür ist jetzt wirklich vieeel Futter im Ableger.


    Kann ich den Ableger jetzt noch irgendwie mit zusätzlichen Bienen verstärken?
    Kann ich noch abgekehrte Bienen aus dem Schröpfvolk dafür nutzen?
    Kann ich noch aus irgendeinem Volk Brutwaben umhängen?
    Kann ich mit irgendwelchen Unternehmungen warten, bis die junge Königin ihre ersten Stifte setzt?



    Vielen Dank schonmal für eure Antworten.


    verregnete Grüße aus Niederbayern,


    Johannes

  • Servus Johannes!
    Lass am Besten alles so wie es ist. Es ist noch früh im Jahr, der Ableger entwickelt sich, zumahl du ihm ja nicht selbst eine Königin ziehen lassen hast sonder eine unbegattete zugesetzt hast, hast du Zeit gewonnen. Die Königin wird bald in Eilage gehen und dann richtig loslegen. Gut wäre es wenn du den Ableger regelmäßig kleine Mengen fütterst.


    LG


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Servus Johannes!
    Lass am Besten alles so wie es ist. Es ist noch früh im Jahr, der Ableger entwickelt sich, zumahl du ihm ja nicht selbst eine Königin ziehen lassen hast sonder eine unbegattete zugesetzt hast, hast du Zeit gewonnen. Die Königin wird bald in Eilage gehen und dann richtig loslegen. Gut wäre es wenn du den Ableger regelmäßig kleine Mengen fütterst.


    LG


    Simon


    Hallo Johannes, zufüttern solltest du erst wenn die Jungkönigin Eier legt, verteidigen sich dann besser. Aufpassen
    das der Königin genügend Zellen zur Eiablage bleiben. Vom Zuhängen von Brutwaben würde ich jetzt abraten weil
    die Königin noch nicht legt. Aber auch hier hat der Ableger Zeit genug sich bis zum Herbst zu einem überwinterungsfähigen Volk zu entwickeln.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Gegen das vorzeitige Verstärken mit Brutwaben spricht auch, dass dann die Chance vertan ist, den Ableger optimal - weil brutfrei - gegen Varroa zu behandeln. Verstärken kann Du den Ableger auch später noch, wenn er sich nicht ohnehin entsprechend entwickelt. Die Volksstärke wird erst zu Einwinterung ein wichtiger Faktor.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Johannes,


    ja, warte mit allem bis die Königin legt. Junge Königinnen sind relativ hektisch, dass kann sie bei Störungen schnell das Leben kosten. Sie muss sich erst beweisen und richtig angenommen werden. Neue Bienen wäre eine viel zu große Unruhe. Füttern und Brutwaben nachhängen erst nachdem die neue legt. Denn sie wird vermutlich erst anfangen zu legen, wenn alle Brut ausgelaufen ist. D.h. wenn Du jetzt Brutwaben nachhängen würdest, würde sich der Legebeginn weiter nach hinten verschieben.


    Lass sie lieber ganz in Ruhe. Wenn die junge Königin erst 5 Tage drin ist, muss sie ja wahrscheinlich noch raus zum Begattungsflug oder war sie am Dienstag schon alt genug? Wenn ja, war sie Dienstag draußen und beginnt gerade zu legen. Nächste Woche soll das Wetter besser werden. Warte noch mit dem Nachschauen und viel Glück.


    LG Olivia


    Nachtrag: Hast Du nur nackte Brutwaben ohne ansitzende Bienen umgesetzt? Wenn 50% der Bienen schon geschlüpft sind, müsste der Ableger voll sein mit Bienen.?

    Wiedereinsteigerin nach 20 Jahren. :Biene:

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Catbee () aus folgendem Grund: Nachtrag: Warum kaum Bienen im Ableger?

  • Ich würde am Stand vorläufig auch nichts mehr verändern und mich momentan fern davon halten.
    7 Tage nach dem Schlupf ist eine Kö. geschlechtsreif. Dann macht sie bei gutem Wetter (über 18 Grad hab ich gelernt), ihren Hochzeitsflug und der Standplatz sollte nicht durch deine Anwesenheit anders aussehen, als wie die Kö. ihn bei Verlassen in Erinnerung hat.
    Wenn du zu viel in der Nähe herumstehst, bekommt die Kö. evtl. falsche Landmarken und findet nicht mehr zurück. So hab ich es zumindest gelernt.


  • Kann ich den Ableger jetzt noch irgendwie mit zusätzlichen Bienen verstärken?


    Ja, am besten aus dem Muttervolk. Das senkt dessen Schwarmtriebigkeit.

    Zitat


    Kann ich noch abgekehrte Bienen aus dem Schröpfvolk dafür nutzen?


    Ja.

    Zitat


    Kann ich noch aus irgendeinem Volk Brutwaben umhängen?


    Welchen Zweck sollte das haben?

    Zitat


    Kann ich mit irgendwelchen Unternehmungen warten, bis die junge Königin ihre ersten Stifte setzt?


    Auch möglich. Auch Nichtstun, wie bereits geschrieben, ist sinnvoll. Ich würde aber jetzt Bienen aus dem schwarmtriebigen Volk zugeben, um dessen Schwarmtrieb zu dämpfen.


    Gruß Ralph

  • Schönen guten Abend!


    Zuerst einmal vielen Dank für die Antworten!
    Es ist beruhigend zu wissen, dass man hier so zuverlässig schnelle Hilfe für die vielen kleinen Fragen bekommt, die sich bei meinen ersten Gehversuchen mit den Mädels täglich so ergeben.
    So viele Frauen auf einmal werfen mich doch recht schnell aus der Bahn... ;)


    @ Wolfgang: Wie definiert sich denn Brutfrei genau? Es sind im Moment noch verdeckelte Zellen auf den Waben - wenn auch nichtmehr viele. Kann ich jetzt schon mit Milchsäure behandeln?
    Wenn die neue Chefin ansonsten (so hoffe ich) die Tage irgendwann auf ihren Hochzeitsflug geht, ist ja auch recht bald schon wieder mit frischer Brut zu rechnen, so dass es möglicherweise Überschneidungen von noch verdeckelten Zellen auf den Waben und frischer Brut durch die neue Mutter kommen könnte.


    @Olivia: Ich habe Brutwaben mit aufsitzenden Bienen umgehängt. Die Crux an der Sache ist, dass die Brutwaben die ich umgehängt habe, schon vor dem umsetzen zu großen Teilen geschlüpft waren und nur noch relativ wenig Brut enthalten haben. Daher scheint mir der Ableger z. Zt. etwas mager besetzt.


    Ralph : Danke für die detailierten Antworten! Jetzt muss ich ganz ketzerisch fragen: Wenn ich jetzt noch Bienen umsetze, darf ich die dann einfach von den Waben in ein Kisterl kehren und anschließend in das neue Volk schütten? Oder muss ich sonst noch etwas beachten, dass die mir nicht gleich über die junge Weisel herfallen?


    Beste Grüße


    Johannes

  • Lass alles so wie es ist, warte, bis die neue legt, versäume nicht zuvor, wenn alle Brut geschlüpft ist einmal zu behandeln.


    Wenn die neue zuverlässig legt zeichne sie (ganz wichtig) und wenn Du dann immer noch der Meinung bist das sie Unterstützung brauchen, dann räucherst Du ein Volk stark ein, lässt ihnen mehrere Minuten Zeit sich mit Honig voll zu saugen (ganz wichtig), stößt dann die benötigte Bienenmenge in einen Eimer (leicht nass sprühen) und kippst diese Bienen vor das weit geöffnete Flugloch des Ablegers.


    Die Bienen bringen durch das einrauchen Hong mit und dürfen rein. Mach das ganze spät abends, dann sind die zugekehrten Bienen froh, das sie direkt ins Flugloch einlaufen dürfen.