Verirrte Bienen in der Reihenhausanlage

  • Wir sind ganz neue Imker und haben erst vor wenigen Tagen mit dem Halten von Bienen begonnen. Wir halten die Bienen in unserem kleinen Reihenhausgarten (wer mehr wissen möchte findet unseren Blog unter http://bienenimgarten.wordpress.com). Als wir am ersten Tag nach der Ankunft unserer Bienen das Haus verlassen haben, hat uns unsere Nachbarin erzählt, dass sie auch plötzlich relativ viele Bienen am Balkon hat. Wir hielten das im ersten Moment für einen Zufall. Es wurden aber rasch ein gutes Dutzend. Richtig auffallend wurde es, als auch zweite Nachbarn von überdurchschnittlichen vielen Bienen bei ihrem Balkon berichteten. Kann es sein, dass sich einige unserer Bienen verirren?
    Wie wir auf diese Idee kommen, muss ich kurz erklären. Wir leben in einer Reihenhausanlage, bei der jedes Reihenhaus aus jeweils drei Wohnungen nebeneinander besteht (siehe Bild unten). Unser Haus ist ein Mittelhaus. Dort steht unser Bienenstock am Balkon im ersten Stock. Die verwirrten Bienen schwirren genau in der nächsten und vorigen Reihe herum. Sie bleiben auch strikt beim Mittelhaus und umkreisen dort nur den Balkon. Offenbar verwechseln die Bienen die Häuser obwohl die Gärten vor den Häusern sehr unterschiedlich sind (wir haben z.B. einen Teil unserer Wiese zu einer Blumenwiese gemacht).



    Uns hat dieses Verhalten sehr überrascht. Wir haben viele Bücher über Bienen gelesen, Kurse besucht und uns mit erfahrenen Imkern unterhalten. Dieses Verhalten haben wir aber nirgends gehört oder gelesen.
    Jetzt nach drei Tagen werden die Bienen bei den Nachbarbalkonen zum Glück nicht mehr mehr. Es scheint im Moment, als hätten sich die Bienen in der Phase des Einfliegens verirrt. Genau werden wir es aber erst in ein paar Tagen wissen. Unsere Nachbarn reagieren zum Glück gelassen und sind sehr verständnisvoll.


    Meine Frage hier im Forum: Kann sich jemand dieses Verhalten erklären? Ist das typisch für eine solche Umgebung? Irgendwelche Ideen, wie wir das Problem kurzfristig lösen könnten? Ein Tuch mit Nelkenöl auf den Balkonen haben wir schon probiert - bisher ohne Erfolg.


    Viele Grüße,
    Rainer.

  • Hallo Rainer,


    herzlich willkommen hier bei den Bienenverrückten!


    Ich könnte mir vorstellen, daß Deine Nachbarn durch Deine Bienenkisten animiert zum ersten Mal genau hingesehen haben, was für Insekten so herumfliegen...
    Außerdem gibt es zu Zeit, zumindest bei uns, sehr viele Mauerbienen (=Wildbienen / Solitärbienen = harmlos), die Nistmöglichkeiten im Mauerwerk o.ä. suchen. Diese Wildbienen sind oft nur auf den 2.Blick von Honigbienen zu unterscheiden.


    Ein Tip von mir, aus leidvoller eigener Erfahrung - such Dir schon mal einen 2. Standplatz, irgendwo im Wald o.ä. Auch wenn Deine Nachbarn jetzt noch gelassen sind, spätestens, wenn der Erste gestochen wurde, werden plötzlich alle Nachbarn eine Bienengiftallergie vorweisen...


    Gruß Jörg, der mit einem 2000m²-Garten, aber ohne Bienen im Garten

  • Hallo Jörg!


    Ich durfte mir die Bienen bei den Nachbarn persönlich ansehen. Das sind ganz sicher Honigbienen und sie fliegen so auffällig rund um den Balkon herum, dass kaum Zweifel besteht, dass sie von uns kommen. Die Balkone daneben sind praktisch bienenfrei. Unsere Mitbewohner haben sich wirklich nur genau die Balkone ausgesucht, die in den angrenzenden Reihenhausreihen exakt an der gleichen Stelle sind wie unserer.


    @Bienengiftallergie: Ich hoffe, das wird bei uns nicht passieren. Naja, wir haben auf jeden Fall einen Plan B, auf den wir zurückgreifen können, falls die Nachbarn doch noch die Geduld verlieren. Bis jetzt sind sie sehr nett und interessiert. In Österreich gab und gibt es im Moment heiße Diskussionen darüber, warum Bienen so gefährdet sind. Insofern sind die meisten im Augenblick äußerst bienenfreundlich eingestellt.


    lg,
    Rainer.

  • Hoi Rainer!


    Verflug gehört zum Leben der Bienen wohl oder übel dazu ;-) Angeblich bei Buckfast mehr als bei Carnica, aber sei's drum (gibt auch einen anderen Thread, über den Nutzen unterschiedlich bemalter Beuten dazu). Wird wohl auch weniger werden, wenn sie gut eingeflogen sind. Aber da es immer Nachwuchs gibt, der sich noch einfliegen muss, wird's immer mal passieren.


    Schön dass deine Nachbarn bienenfreundlich gesonnen sind, ich wünsche dir, dass das so bleibt. Bissl mit einbeziehen, aufklären und mal eine nette Gabe, können das unterstützen. Ich könnte mir vorstellen, dass das Abkoten der Bienen eher ein Problem sein könnte als das Stechen. Grad nach langen Schlechtwetterphasen, besonders aber im Frühjahr würde ich deine Nachbarn davor warnen und im "Schadensfall" bei der Reinigung behilflich sein. Und hoffen dass die Hauswand nicht aussieht wie Sau :-D



    //ed

    "Neunzig Jahre in einer Landschaft und in gesegneten frohstimmigen Stunden wird sie der Greis immer noch sehenswert finden, neugierig durchsuchen und Manches entdecken, als sähe er sie zum ersten Male mit reifem Auge."
    - Alexander v. Warsberg, Odysseeische Landschaften.

  • Hallo Rainer,
    ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Jetzt sag mal ehrlich, ist es nicht ein Wunder, dass nicht alle Bienen sich verirren sondern nur wenige? Stell dir nur mal vor, dein Hirn wäre geschrumpft auf die Größe eines Stecknadelkopfes, Du wärst benebelt von Nektar, schwer behangen mit Pollen und in den letzten deiner Lebenstage. Würdest Du die richtige Eingangstur finden? Ich wahrscheinlich nicht.
    Viele Grüße
    Wolfgang, der Bienen auf einem Balkon unter vielen Gleichen nicht für ideal hält. Am Grundstücksrand auf dem Boden in Richtung Acker wäre wohl besser

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Wolfgang!


    Als Mensch würde ich dir zustimmen. Ich hätte aber nicht damit gerechnet, da das auch für Bienen gilt, da uns gesagt wurde, dass man einen Bienenstock nicht mal um einen halben Meter verrücken darf, da die Bienen sonst nicht mehr nach Hause finden. Außerdem dachten wir, dass ein auffällig anderer Garten Orientierungspunkt genug sein sollte. Für 99% der Bienen ist es offenbar auch so. Ein paar verfliegen sich jedoch offenbar tatsächlich.


    bienen am Balkon vs. Grundstücksrand: Grundsätzlich stimme ich dir zu. Optimal wäre anders. Trotzdem möchten wir es probieren, da wir einfach keine andere Möglichkeit haben und die Insekten in unserem Garten Jahr für Jahr abnehmen.


    lg,
    Rainer.

  • Hallo,


    Willkommen im Forum.


    Der Vorschlag von Joe ist gut! Berichte bitte auch mal.
    Wo Einheit herrscht, muß man sich abheben um erkannt zu werden. :wink:


    Ich wette, sie prägen sich das gut ein und werden besser!


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Stell dir nur mal vor, dein Hirn wäre geschrumpft auf die Größe eines Stecknadelkopfes, Du wärst benebelt von Nektar, schwer behangen mit Pollen und in den letzten deiner Lebenstage. Würdest Du die richtige Eingangstur finden? Ich wahrscheinlich nicht.


    Seit wann benebelt Nektar denn das Bienengehirn?


    Ich habe von Bienen gehört, die sich verflogen haben nachdem sie Pestiziden ausgesetzt waren.
    Es ist auch schon bewiesen, daß Neonikotinoide das Gedächtnis der Bienen beeinflussen, es sind ja immerhin Nervengifte, und in sublthalen Dosierungen gibt es dann eben solche Effekte.


    Also bitte die Augen offenhalten, falls es nochmals vorkommt ist es viellecicht nötig zu recherchieren was so in der Nachbarschaft gespritzt oder ins Gießwasser gemischt wird.

  • Nun mach aber mal nen Punkt.


    Dieses ständige "PSM sind an allem schuld" macht Euch am Ende noch dauerhaft unglaubwürdig. Hebt den Protest auf für die tatsächlich nachweisbaren Fälle. Das sind schließlich auch noch genug.


    Lies bei Golz, der hatte auch Verflug-Probleme, die bis zum Fast-Zusammenbruch der aus der Hauptanflugrichtung nicht sichtbaren Völker gehen konnten.



    André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Hallo Rainer,


    aus einem Vortrag über die Orientierungsleistung meine ich mich zu erinnern, dass Bienen sich den Weg als einen Wechsel von Kontrasten merken, im Prinzip wie eine Art Strichcode. Bei dem Bild der Reihenhaussiedlung wundert es mich nicht, dass sich welche verfliegen: absolut gleiche Häuser, aber keine Bäume, die individuelle Abweichungen im Einheitsbild erzeugen würden.


    Mein Vorschlag: pflanzt Kletterpflanzen an die Säulen des Balkons. Wilder Wein z.B. würde die Hausfassade in kurzer Zeit unverwechselbar machen, aber ihn auf Dauer zu kontrollieren wäre mehr als mühsam. Deshalb: wie wäre es mit Weinreben (Vinis vitifera, essbar) oder auch mit Minikiwis (Actinidia arguta). Beide können sich nicht selber an eine Fassade heften, aber man könnte sie mit ein paar Schnüren oder einem Rankgitter leiten. Vermutlich wäre es nötig, dass die Pflanzen bis unters Dach reichen, damit schon von weitem ein optischer Orientierungspunkt gesetzt wird.


    Für die erste Hilfe noch diesen Sommer: Kletterbohnen, bzw. Feuerbohnen in Kübeln auf dem Balkon wachsen und die 'Säulen' hochklettern lassen. Gurkenpflanzen von der Brüstung hängen lassen?


    Im Garten Bäume pflanze. Aufgrund des arg begrenzten Platzes evtl. Säulenformen, z.B. Säulenapfelbäume? Die sollten aber schon über 4 m hoch werden, um den Häusern gegenüber optisch auffällig zu sein.


    Grüße,
    Robert