Heidetracht in moderner Imkerei

  • Hallo Spezies!
    Wie läßt sich die Heidetracht in die moderne Imkerei einbinden? Meine Anfängererfahrung sagt mir, dass sich starke Völker im Frühjahr, Ameisensäurebehandlung im Juli und anschließende Einfütterung auf der einen Seite und die Nutzung der Heidetracht auf der anderen Seite doch etwas widersprechen. Läßt sich dies gegebenenfalls durch zahlreiche Ableger, mit denen man dann in die Heide wandert, lösen? Dies würde ja die Überwinterungsvölker schonen! Mit Spannung erwarte ich eure erfahrenen Hinweise!!
    Danke im Vorraus
    Tregi

  • Hallo !


    Ich würde es so machen:


    Die Ableger werden zu Überwinterungsvölkern, die Heidevölker werden dann nach der Tracht aufgelöst.


    Mal schauen wie es hier in diesem Jahr mit der Balsamine wird,
    >> dann mache ich es genau so !


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Hat jemand Erfahrungen mit der Heidetracht? In der Heideimkerei in der Lüneburger Heide hat man ja eine intensive Vermehrung über Schwärme im Frühjahr betrieben (3-7 Schwärme pro Volk) und über diese dann die Schwächung der Völker, welche den Heidehonig gesammelt haben, ausgeglichen.


    Wodurch kommt die Schwächung der Völker in der Heide eigentlich zustande? Vielfach habe ich hier in unserer Region gehört, dass die zahlreichen Spinnennetze im "Altweibersommer" das Problem seien und die Bienen sich darin verfangen würden. Die Imker meinten, das läge daran, dass die Heide nicht beweidet würde. Normalerweise würden die Schafe die Netze dann zerstören.
    Eine andere Theorie ist, dass die Flugbienen in der Heide schon die Winterbienen seien, die damit geschwächt würden.


    Ich habe im letzten Jahr die Heide Anfang August angewandert. Ich bin fünf Wochen dort geblieben, dann aber noch vor Blühende abgewandert, da mir der Termin zur Einwinterung zu knapp wurde. Dann habe ich den Heidehonig geerntet und schnell die erste Varroabehandlung mit 60%iger Ameisensäure durchgeführt. Danach habe ich die Völker aufgefüttert. Einige haben nur zwei Kilogramm abgenommen, da es schon recht schnell kalt wurde, den meisten habe ich neun Kilo eingefüttert. Das hat auch für alle gereicht, wobei man dazu sagen muss, dass ich mit dem Bienenwagen in der Heide war, also die Völker in Hinterbehandlungsbeuten sitzen. Dann habe ich Anfang Oktober die zweite Varroabehandlung mit 60%iger Ameisensäure vorgenommen. Nachdem das alles soweit geklappt hatte, folgte nur noch im Dezember die Oxalsäurebehandlung. Für die Ameisensäure benutze ich übrigens den Nassenheider Verdunster horizontal.
    Nach meinem Einschätzen lagen die recht hohen Verluste bei mir dieses Jahr, jedoch nicht an der Varroa und nicht am Futter, ich konnte aus allen Völkern wieder Futterwaben entnehmen.
    Zudem fiel mir auf, dass die Flugfronten mehr verkotet waren als im letzten Jahr. Nun ist für mich bei allem nur die Frage, ob es an der Heidetracht, am komischen Frühjahr oder an einer möglicherweise unausgereiften Varroabehandlung gelegen hat.
    Ist die Varroa Mitt September schon soo stark präsent in den Völkern?


    Freundliche Grüße
    Friedrich

  • Nach meinem Einschätzen lagen die recht hohen Verluste bei mir dieses Jahr, jedoch nicht an der Varroa


    Das ist leider nur zum Teil eine Fehleinschätzung.


    Du hattest massiv geschädigte Winterbienen.
    Die Varroa hatte sicher ihren Anteil. Viel schlimmer war aber, daß Deine Winterbienen 3x Säure mitmachen mußten!



    LG André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Megachiropter () aus folgendem Grund: u.a. Satzbau

  • Hat jemand Erfahrungen mit der Heidetracht? In der Heideimkerei in der Lüneburger Heide hat man ja eine intensive Vermehrung über Schwärme im Frühjahr betrieben (3-7 Schwärme pro Volk) und über diese dann die Schwächung der Völker, welche den Heidehonig gesammelt haben, ausgeglichen.


    Wodurch kommt die Schwächung der Völker in der Heide eigentlich zustande? Vielfach habe ich hier in unserer Region gehört, dass die zahlreichen Spinnennetze im "Altweibersommer" das Problem seien und die Bienen sich darin verfangen würden. Die Imker meinten, das läge daran, dass die Heide nicht beweidet würde. Normalerweise würden die Schafe die Netze dann zerstören.


    Die Aussagen zu den Spinnen und Heidschnucken sind richtig.
    Die Vermehrung durch Schwärme dient nicht dem Ausgleich der Völkerschwächung in der Heide. Die starke Schwarmvermehrung, ca. eine Verdreifachung der Völkerzahl, dient ausschließlich der Bildung von Wirtschaftsvölkern für die Heidetracht, die ja die einzige Tracht der Korbimkerei bei uns war. Der wirtschaftliche Grund: Nur rund 1/3 der benötigten Trachtvölker müssen zum Winter eingefüttert werden. > Kostenreduzierung!


    [/QUOTE=Imkerei Fläming;364314]Eine andere Theorie ist, dass die Flugbienen in der Heide schon die Winterbienen seien, die damit geschwächt würden.[/QUOTE]


    Die Bienen brüten noch während der Heidetrachtzeit. In den Körben hören sie ungefähr 10 - 14 Tage nachdem sie aus der Heide zurückgekommen sind, bzw. die Heide nicht mehr honigt, also rund Ende September auf zu brüten. Erst dann können auch die Bienen aus den Körben abgestossen und der Honig geerntet werden.


    [/QUOTE=Imkerei Fläming;364314]Ich habe im letzten Jahr die Heide Anfang August angewandert. Ich bin fünf Wochen dort geblieben, dann aber noch vor Blühende abgewandert, da mir der Termin zur Einwinterung zu knapp wurde. Dann habe ich den Heidehonig geerntet und schnell die erste Varroabehandlung mit 60%iger Ameisensäure durchgeführt. Danach habe ich die Völker aufgefüttert. Einige haben nur zwei Kilogramm abgenommen, da es schon recht schnell kalt wurde, den meisten habe ich neun Kilo eingefüttert. Das hat auch für alle gereicht, wobei man dazu sagen muss, dass ich mit dem Bienenwagen in der Heide war, also die Völker in Hinterbehandlungsbeuten sitzen. Dann habe ich Anfang Oktober die zweite Varroabehandlung mit 60%iger Ameisensäure vorgenommen. Nachdem das alles soweit geklappt hatte, folgte nur noch im Dezember die Oxalsäurebehandlung. Für die Ameisensäure benutze ich übrigens den Nassenheider Verdunster horizontal.[/QUOTE]


    Grob gesagt heißt es, dass die Heidetracht vom 12. August bis zum 12. September geht. Verschiebungen um 14 Tage sind aber möglich. Genauso, wie es vorkommt, dass die Heide zwar blüht aber nicht honigt. Wegen der starken Verluste an Bienen durch die Heide (Spinnen) ist es erforderlich die Völkerzahl zu reduzieren. Faustformel: aus zwei Völkern wird eines durch Abfegen der Beutenvölker, wobei die noch belegten Brutwaben umgehängt werden. Die Körbe werden ja sowieso abgestossen und aus dieser Menge der Bienen entweder neue starke Völker gebildet oder Ammenvölkern Bienenmasse hinzugefügt. Die nackten Völker kann man mit Ms einsprühen, die anderen werden mit As und Schwammtuch behandelt. Wenn man will, so kann man die überzähligen Kö heraussuchen, genau wie bei den zusammengestossen Nachschwärmen, und weiter verwerten oder aber auch zwischen den Bienen lassen; denn diese werden dann die Auswahl treffen. Auch im Oktober nehmen die Bienen noch Sirup auf und die Korbbienen bauen bei Vorhandensein einer gesunden Kö auch noch ausreichend Wabenwerk neu aus. Je nach Wetterlage behandele ich drei Mal mit As. Ich habe aber auch schon ApiLiveVar gegeben. Dabei spielt das Wetter keine ganz so große Rolle. Zwischen den Jahren behandle ich mit Ox. Und zwar so spät wie möglich; denn vom Jahreswechsel bis zum Ende der Heidetracht müssen diese Völker mit der Milbe klarkommen.


    [/QUOTE=Imkerei Fläming;364314]Nach meinem Einschätzen lagen die recht hohen Verluste bei mir dieses Jahr, jedoch nicht an der Varroa und nicht am Futter, ich konnte aus allen Völkern wieder Futterwaben entnehmen.
    Zudem fiel mir auf, dass die Flugfronten mehr verkotet waren als im letzten Jahr. Nun ist für mich bei allem nur die Frage, ob es an der Heidetracht, am komischen Frühjahr oder an einer möglicherweise unausgereiften Varroabehandlung gelegen hat.
    Ist die Varroa Mitt September schon soo stark präsent in den Völkern?


    Freundliche Grüße
    Friedrich[/QUOTE]


    Durch die Milbe habe ich noch kein Volk verloren. Es gibt aber leider andere imkerliche Fehler, die zu Verlusten geführt haben.
    Deine Aussagen, dass die Bienen teilweise sehr wenig Futter aufgenommen und stark gekotet haben deutet daraufhin, dass noch Heidehonig im Brutraum war. Auf Heidehonig können sie nicht gut überleben, weil er zu Durchfall führt und es war kein Platz für Winterfutter. Dieser Vorgang hat mich im März ein Volk gekostet: Im letzten Jahr hat die Heide sehr gut gehonigt und bei einem Volk waren vier Waben im Brutraum voller Heidehonig und die restlichen mit Sirup gefüllt. Dies habe ich nicht bemerkt, weil nicht hineingesehen. Die Bienen saßen mit der Wintertraube auf der Honigseite. Das Winterfutter haben sie gar nicht berührt. Zusätzlicher Fehler von mir war die Entfernung des Mäusegitters Anfang März bei schönstem Wetter. In den folgenden Tagen hat eine Maus diesem Volk noch einen Besuch abgestattet und ist quer durch die Wintertraube an die Honigwaben gegangen. Auch die Maus wollte den Zuckersirup nicht. So war das Volk doppelt geschädigt und hat vier Wochen später nicht mehr gelebt. Zur Varroakontrolle haben ich dann die Bienen ausgewaschen. Dabei wurden lediglich drei Milben gefunden, also unverdächtig.


    Spättracht kann mühsam und risikoreich sein.
    Wolfgang, der Heidjer

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von heidjer () aus folgendem Grund: Eigentlich wollte ich den Text als mehrere Zitate (gelbe Felder) angeben. Konte ich leider nicht.

  • Zitat

    Dann habe ich Anfang Oktober die zweite Varroabehandlung mit 60%iger Ameisensäure vorgenommen. Nachdem das alles soweit geklappt hatte, folgte nur noch im Dezember die Oxalsäurebehandlung. Für die Ameisensäure benutze ich übrigens den Nassenheider Verdunster horizontal.
    Nach meinem Einschätzen lagen die recht hohen Verluste bei mir dieses Jahr, jedoch nicht an der Varroa und nicht am Futter, ich konnte aus allen Völkern wieder Futterwaben entnehmen.


    Ich glaube nicht das die Varroabehandlung soweit geklappt hat. Welche Temperaturen und welche Luftfeuchtigkeit hattest Du zur Zeit der Behandlungen im Oktober ?
    Optimal dürften die nicht gewesen sein.
    Alles Weitere wurde schon gesagt.
    Beste Grüße
    Hartmut

  • @ André


    Herzlichen Dank für Deine prompte Hilfe! - Kleine Dinge > große Wirkung.


    MfG
    Wolfgang

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • In Sachen Heidetracht:


    kürzlich habe ich von einem Heide Imker gehört, dass er seine Heidevölker ca. 4 Wochen vor dem Beginn der Heidetracht mit Ameisensäure behandelt, dann auffüttert, die Futterzargen dann abnimmt, mit leeren Honigräumen in die Heide wandert, um anschließend die zuvor gefüllten Futterzargen nach der Heideschleuderung wieder aufzusetzen.


    Ist das so möglich? Insbesondere ist die Frage, ob sich die Ameisensäure dann nicht teilweise auch in dem abgeschleuderten Heidehonig wieder findet?!


    Kann dazu jemand etwas sagen?


    Tregi

  • 2 Gegenfragen die Deine Fragen beantworten sollten:
    Wann darf man mit AS behandeln?
    Was passiert mit evtl. im Brutraum zwischengelagertem Futter, wenn die Bienen zur Heidetracht meinen das das da plötzlich stört und nach oben muß?


    Beste Grüße
    Hartmut

  • Hallo Miteinander,
    meine Überlegung wäre:
    nur mit den starken Völkern in die Heide.
    Der Rest verbleibt zu Hause, wird als Futtermacher genutzt.
    Deren Futterwaben bekommen dann die Völker, die in der Heide waren.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.