Beitrag "Giftige Stäube" DBJ 6/2013

  • Na, den Beitrag kann man aber fast als Bewerbungsschreiben für den Bayer-Aufsichtsrat verstehen. Mal wieder brutales Herunterspielen einer für die Bienen bes*****enen Situation. An Zynismus kaum zu überbieten:


    - die Bienenvölker sind nicht flächendeckend zusammengebrochen, wenn sie im Raps standen
    - Die Effekte lägen am Stress durch Einzelhaltung im Labor
    - Die Biene hat zwar Kopfschmerzen, aber sie geht trotzdem arbeiten
    - Man sollte nicht drauf hoffen, dass ab dem übernächsten Sommer kein Volk mehr stirbt, weil Raps icht mehr mit Neonics gebeizt werden darf (Stimmt, wie lang war noch mal die Halbwertzeit von dem Dreckszeug?)
    - Bienenvölker haben gigantische regenerative Fähigkeiten. Sie können eine Menge abpuffern


    Echt interessant, dass die schwierige bis nicht machbare Übertragbarkeit von Laborergebnissen ins freie Feld diesen Vögeln immer nur dann ein Nachdenken wert ist, wenn es ihnen politisch genehm ist.


    Und es ist echt bezeichnend, dass von offizieller Seite aus irgendwie mal wieder jeder nur über die Ausbringungstechnik nachdenkt, die verbessert werden soll. Mir erschließt sich nur nicht so recht, warum eine bessere Drilltechnik die systemische Wirkungsweise in der Pflanzen verändern können soll. Unsere Bienen kommen nicht nur durch Stäube oder Abdrift mit dem Mist in Kontakt.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Hallo Marcus,
    es ist leichter sich mit der Ausbringtechnik zu beschäftigen als mit den Langzeitfolgen. Außerdem lenkt es wunderbar ab vom Kernthema und zeigt „Wir tun was“.
    Warum ist es leichter? Die Korngröße des Staubes ist leichter zu bearbeiten als die eventuell schädliche Wirkung und die Automobilindustrie hat wunderschön vorgemacht das und wie es funktioniert. Was nicht messbar ist, ist nicht vorhanden und was nicht vorhanden ist, kann auch nicht schädlich sein oder? Selbst der NABU gibt sich mit derartigen Taschenspielertricks zufrieden…

    LG
    Andreas

  • Das habe ich dem Bienenjournal geschrieben:


    In dem Interview mit Dr. Klaus Wallner kommen mir einige Fragen auf!
    Der DBIB hat schon 2002 sich in Hohenheim beklagt, dass mit Beginn der Rapsblüte ein großer Flugbienenabgang einher geht. Dies war auch ein Thema auf dem APISTICUSTAG 2003 bei dem Dr. Klaus Wallner und auch ich beteiligt waren!


    Sowohl Dr. Klaus Wallner als auch Dr. Werner Mühlen waren auf der Tagung der ICPBR im September 2002 in Bologna, bei der das Thema Neonic-Beizmittel und die möglichen Bienenvergiftungen schon damals behandelt wurde! Siehe Kästchen BJ Seite 9 unten rechts!


    Auf die Idee zu kommen, dass diese Flugbienenverluste von der Maissaat kommen könnten ist wohl keiner dieser Forscher gekommen! Dazu mussten 2008 erst mal 12 500 Bienenvölker ihr Opfer bringen!


    Eine sehr sehr traurige Bilanz!


    Was mich aber jetzt ganz aktuell in der Diskussion um die Neonic Beizen beim Raps stört ist, dass hier wohl die Wirkung der Neonics von Dr. Klaus Wallner offensichtlich immer noch nicht richtig verstanden wurde!


    Anders kann ich seine Äußerungen zu den Orientierungsversuchen nicht verstehen!


    Dr. Klaus Wallner sagt, dass das Bienenvolk gigantische regenerative Fähigkeiten besitze, und die Bienen eine Menge ab puffern könne!


    Ja das mag richtig sein, aber bei den Neonics ist es so, dass diese sich im Bienenkörper kumulieren also anreichern und irreversibel sind. Also nicht ab zu puffern sind!


    Weiter schreibt Dr. K. Wallner, dass man im Honigblaseninhalt der Sammelbienen 0,000135 Mikrogramm Clothianidin gefunden hätte!


    Es muss also erst mal festgehalten werden, dass die alten Behauptungen von Dr. Rosenkranz, Ohe und anderen deutschen Forschern nicht mehr haltbar sind, dass nichts im Raps oben ankommt!


    Weiter ist fest zu halten, dass eine Biene mit einer Dosis von 0,37 Mikrogramm Clothianidin schon stirbt! Auch dieser Wert wurde früher von den deutschen Bienenforscher als viel zu gering bewertet. Seit 2008 jedoch nicht mehr!


    Es ist weiter festzuhalten, dass diese 0,000135 Mikrogramm Clothianidin, welche man im Honigmagen gefunden hatte überhaupt nichts aussagen, wie viel Clothianidin die Sammelbiene tatsächlich aufgenommen hat, weil ja der Ventiltrichter bestimmt schon auf dem Heimflug einiges davon herausgefischt hatte! Es wäre daher besser mal zu wissen, wie viel Clothianidin der Nektar tatsächlich enthält. Gleiches gilt auch für den Pollen!


    Wenn nun eine Sammelbiene diesen zu nächst rein optisch sehr geringe Konzentration von 0,000135 Mikrogramm Clothianidin pro Sammelflug ausgesetzt ist und sie am Tag nur 10 Sammelflüge macht, bekommt diese Sammelbiene nach 10 Tagen schon an eine Beträchtliche Dosis dieses Nervengiftes ab. Im Raps macht aber eine Sammelbiene bis zu 100 Ausflüge pro Tag. Dann haben wir rein rechnerisch nach 10 Tagen Tracht einen Wert von 0,135 Mikrogramm Clothianidin in dieser Biene! Das ist grob ein drittel der Tödlichen Dosis!


    Doch was ist mit dem Pollen?


    Wohl sagt Dr. Klaus Wallner, dass man im Bienenbrot nichts finden würde!


    Aber wenn Clothianidin schon im Nektar enthalten ist, dann kann man davon ausgehen, dass es auch im Pollen zu finden ist!


    Warum wird das nicht untersucht?


    Bienen, welche mit diesem Pollen aufgezogen werden, haben bestimmt nicht die selbe Kondition wie solche mit unbelastetem Pollen!


    Soviel ich weiß ist das aber genau der Grund, warum die Franzosen die Rapsbeizen schon im Sommer 2012 verboten haben!


    Hinzu kommt, dass ja trotz der Neonic-Beizen die Blütenspritzungen nicht ausbleiben!


    Nein, es muss dennoch gespritzt werden, noch dazu mit Tankmischungen in sehr fraglichen Cocktails und ebenfalls mit Neonics!


    Ein ganz anders Thema ist die Saat vom Neonic gebeitzen Raps!


    Niemand, weder in Hohenheim noch sonst wo in Deutschland, hat bis jetzt geschaut, ob nicht auch die Saat vom Raps mikrofeinen Abrieb macht, welcher sich wie beim Mais ja auch im elektrostatischen Haarkleid der Bienen verfangen kann!


    So lange dies (wie Lodesanie) durch Käfigversuche hinter der Sämaschine her tragend nicht widerlegt ist, kann man auch hier davon ausgehen, dass Schädigungen statt finden können!


    Belastungen vom Raps-Feld auf blühende Kulturen wie Goldrute oder Balsamine könnten möglich sein!


    Warum aber solche Versuche von deutscher Seite ausbleiben und man Konzentrationen und Dosierungen durcheinander bringt, bleibt nicht nur für mich ein großes Rätsel!


    Die Sorge, dass der Rapsanbau mangels Neonic-Beizen ausbleibt teile ich nicht mit Dr. Klaus Wallner! Es wird sich einiges ändern, das ist richtig. Aber warum sich darum Wallner sorgen machen muss ist mir unklar.


    Raps wird nach wie vor ein gesuchtes Produkt bleiben. Allein schon wegen der Beimischungen zum Diesel.


    Was ausbleiben wird, ist höchsten Falls etwas Umsatz bei den Chemie-Konzernen und dem Agro-Handel!


    Warum freut er sich also nicht für einen deutlich besseren Bienenschutz?


    z.B. für unsere Kollegen in Österreich?



    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hi Toyotan
    wäre gut wenn sie den Brief auch veröffentlichen


    Marcus , die Zeitschriften leben von Anzeigenkunden
    ist im Moment in der Diskussion in den Verlagen
    Wenn sie kritisieren, ist der Kunde weg !!
    In der letzten " Die Biene " zB war nur noch ne halbe Seite von Bayer
    War auch schon mal bedeutend mehr !
    Gruß
    Helmut
    der jetzt auch die letzte Bienenzeitschrift abbestellt hat

  • jo Helmut, genau so ist es, wenn die Imker keine Bienen mehr haben brauchen sie auch keine solche schlauen Heftchen mehr!


    Dann ist dieses Thema auch erledigt!


    Und auch BAYER braucht kein BAYVAROL und PERIZIN mehr zu bewerben, wer solls denn noch kaufen?


    das spart dann auch noch Unmengen an Werbekosten!


    du siehst alles wird gut! ;-)


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!


  • Marcus , die Zeitschriften leben von Anzeigenkunden
    ist im Moment in der Diskussion in den Verlagen
    Wenn sie kritisieren, ist der Kunde weg !!


    Ist mir schon klar. Aber: Sinken die nachzuweisenden Leserzahlen, sinken auch die Werbeeinnahmen. Allzu schwachsinnig sollte der Inhalt, für den der Leser zahlt, also nicht sein, sonst muss der Verlag sein Kerngeschäft auf die Produktion von Verharmlosungsbroschüren und Werbeflyer verlagern. Aber die gibt´s billiger im Online-Versand.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter