Zuchtstoffkönigin versus Nachschaffungskönigin

  • Liebe Imkers, wir hatten vor kurzem eine Diskussion , die Ablegerbildung betreffend. Ein Kollege meinte Nachschaffungsköniginnen F1, F2, würden nichts taugen ! Ein Anderer meinte Zuchtstoffköniginnen wären
    von Menschen ausgesucht und gemacht und von daher nicht so gut , wie vom Bien selbst nachgezogene Königinnen!
    Was sind Eure Erfahrungen und Eure Meinung zu diesem Thema ?
    MfiG Avis

  • Hallo Avis,


    beide haben sie Recht. Ich kenne einen wirklich erfolgreichen Züchter, der ganz offen sagt: Die besten Königinnen, sind die Königinnen, die vom Volk selbst aus der Schwarmstimmung gezogen werden. Diese werden von Anfang an optimal versorgt und auf ihr Leben als Königin vom Volk unter optimalen Bedingungen herangezogen. Nur bei optimaler Vorbereitung seiner Zuchtvölker könnten seine "auf Termin" (für die Inselbeschickung) gezogenen Königinnen diese Qualität auch nur annähernd erreichen.
    Not-Nachschaffungsköniginnen, die in (womöglich noch kleinen) Brutablegern, von diesen selbst nachgezogen werden, haben diese Voraussetzungen nicht. Königinnen aus willkürlich gewähltem fremdem Zuchtstoff, in nicht optimal aufgebauten Zuchtvölkern herangezogen, ebenfalls nicht.


    Gruß
    Ludger

  • Nein.


    Die Schwarmköniginnen und die not-nachgeschafften sind nicht schlechter - weil sie die Anprüche des Volks erfüllen, aber wahrscheinlich zu 95% nicht die des Vermehrers.
    Die Bienen sind nicht so blöd, ihr Überleben von ernsthaft mangelhaften Königinnen abhängig zu machen - und sie sind auch nicht so doof, zu alte Larven zu Königinnen umzustricken.
    Die Absichten von Mensch und Biene unterscheiden sich da gründlich - das muß man erkennen und respektieren.


    Es ist der Mensch, der denkt, er könne sagen, welche Königin gut ist - entscheiden tun letzten Endes die Bienen, was gut für SIE ist. Egal, welchen Aufwand man treibt mit Belegstelle oder Besamung.


    Das Ziel der Bienen ist primär das nackte Überleben, wie bei uns allen, aber danach kommt gleich die Verbreitung der Gene.
    Da ist der allerletzte Ausweg die legende Arbeiterin (die gar nicht soooo selten sind), aber das ist dann schon das Ende der Möglichkeiten.
    Und bei den vielen wandernden Drohnen ist eine "kontrollierte" Begattung eh Selbstbetrug.:cool:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • ... und sie sind auch nicht so doof, zu alte Larven zu Königinnen umzustricken.
    Die Absichten von Mensch und Biene unterscheiden sich da gründlich - das muß man erkennen und respektieren.


    Hallo Sabine,


    Würdet Du dann bei Ablegerbildung mit Brutwaben die Ladies selber entscheiden lassen, welch Larve sie aufpäppeln?
    1, 2, 3 Tage alte...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Moin,
    was kriegen ALLE Larven in den ersten drei Tagen?
    Futtersaft, sonst nix.
    Wo ist da dann der große Unterschied?:cool:
    Ich seh da keinen.


    Mich täte viel mehr interessieren, ob sie bei der Auswahl der Larven Präferenzen bei den Sub-Familien haben - ob also Larven vom eigenen Vater bevorzugt werden von den Pflegerinnen...
    Das dürfte mehr ausmachen als der physische Umbau der Zelle.


    Wenn sie weisellos sind, muß eine neue Königin her - egal wie.
    Wenn das Wetter mistig ist, kann es mit der Begattung vom Zeitfenster her eng werden, aber solange es überhaupt für neue Brut reicht, ist es für sie okay - dann wird eben nochmal umgeweiselt, wenn sie meinen, es paßt mit dem ersten Versuch nicht.


    Oder, was vermutlich auch nicht so selten geschieht, es bettelt sich ein Nachschwarm ein, was vermutlich nicht unbedingt auffällt.:wink:


    Was ich damit sagen will: wir können ja gern glauben, daß wir irgendwas bestimmen, aber die die Realität sieht dann doch "etwas" anders aus....:cool:


    Nachtrag: ich mach doch keine Ableger mehr, weil die keinen Plan vom Naturbau haben. ;-)

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    Bruce Springsteen

  • Moin, was kriegen ALLE Larven in den ersten drei Tagen?
    Futtersaft, sonst nix.
    Wo ist da dann der große Unterschied?:cool:
    Ich seh da keinen.


    Sehe ich auch so. Aber es heißt immer: Zuchtstoff von jüngsten Larven ...
    Deshalb die Frage nach dem Unterschied.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • Hallo Sabine,


    Würdet Du dann bei Ablegerbildung mit Brutwaben die Ladies selber entscheiden lassen, welch Larve sie aufpäppeln?
    1, 2, 3 Tage alte...


    Bienen selber nehmen nie ältere Larven als 48 Stunden alte, x Imker festgestellt, im Normalfall sogar nicht ältere als 36 Stunden alte Larven

    Nur wir Imker können funktionierende Varroa Abwehr schaffen, sicher nicht die Chemie

  • Liebe Sabi(e)ne, Du siehst es ähnlich wie ich. In Abwandelung des Zitates " Der Mensch denkt, aber der Bien lenkt " sehe ich die Probleme weniger bei den Bienen, als beim Menschen. Letztes Jahr habe ich erlebt, dass meine Bienen aus 1- tägigen Eiern nachgeschafft haben und 1, 2, 3-tätige Larven nicht ausgewählt haben.
    Zu den Geschwistergruppen, wenn nur 10 Drohnen die Weisel begattet haben, gibt es 20 verschiedene Arbeiterinnengruppen, die auswählen können. Zur Vermehrung mit dem Schwarmtrieb: Ich habe in 5 Jahren einen
    einzigen Schwarm erlebt, ich wünschte mir es wären mehr, aber meinen Carnica ist der Schwarmtrieb weggezüchtet! Dies alles ohne Zellenbrechen! Für mich ist die Lebenskraft der Bienen das Wichtigste.
    Der Honigertrag eines Volkes ist für mich sekundär, da der Honigertrag von zu vielen Variablen abhängig (Klima,
    Standort, Tracht, Pollenversorgung, Volksstärke) ist. Wenn man die Zuchtwerte von beebreed.eu analysiert gibt es, nach statistischer Auswertung, keine statistische Signifikanz zwischen den einzelnen Bienenvölkern.
    Von daher: Stehen wir( Menschen) über Allem, oder sind wir Teil von Allem !
    MfiG Avis

  • Moin, Avis,

    Zitat

    Zur Vermehrung mit dem Schwarmtrieb: Ich habe in 5 Jahren einen
    einzigen Schwarm erlebt, ich wünschte mir es wären mehr, aber meinen Carnica ist der Schwarmtrieb weggezüchtet! Dies alles ohne Zellenbrechen! Für mich ist die Lebenskraft der Bienen das Wichtigste.


    Da gingen bei mir aber sämtliche Alarmanlagen los, wenn nicht mal ansatzweise ernsthafte Schwarmbemühungen wären....:confused:
    Da hätte ich aber schon lange mit einer anderen Unterrasse gekreuzt - was nicht schwärmt, hat in meinen Augen eine so massive Behinderung, daß man davon nicht weiter vermehren sollte.
    (Der Genpool ist eh so eng, daß man ihn nicht auch noch selbst weiter verkleinern sollte.....)
    Das ist aber nur *meine Ansicht*.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen