Wildbeeren in Wäldern

  • Hallo Bienenfreunde,


    ich habe in einem Wald hier in der Region im letzten Jahr bei einem Spaziergang größere Flächen mit Wildhimbeeren gefunden. Sodann überlegte ich, inwieweit diese blühen würden, sodass ich mit dem Gedanken spielte mit ein oder zwei Völkern anzuwandern. Nun dachte ich mir aber, ich frage einfach mal nach, ob schon jemand mit solchen Erfahrungen hat. Von Brombeeren ist mir bekannt, dass diese in solchen Mengen auch einen Brombeerhonig bringen können.
    Als ich gestern wieder dorthin gelaufen bin, um diese noch einmal zu besehen, kam ich des Weges an einer mindestens ebenso großen Waldfläche vorbei, welche mit Blaubeeren, also Wildheidelbeeren, teilweise auch als Bickbeeren bekannt, bewachsen war. Hier befand sich nichts weiter als diese Pflanzen im Unterholz unter den Kiefern, soweit das Auge reichte. Hat jemand mit diesen Erfahrungen?
    Schließlich fragte ich mich, ob es auch Preiselbeerhonig gäbe bzw. Honig von den Cranberries, welche in den USA auch in Plantagen angebaut werden. An sich sollte dis möglich sein, bei einem finnischen Imker habe ich einmal Moltebeerenhonig gesehen, eine Beerenart, die nur sehr weit im Norden vor kommt.


    Freundliche Grüße
    Friedrich

  • Hallo Friedrich,
    Himbeere ist die beste Trachtpfanze hierzulande.
    Da stell ruhig mehr wie ein oder zwei Völker hin.
    Blaubeere blüht etwas zu früh, um nennenswert Honig zu liefern.
    Ist aber eine gute Entwicklungstracht.
    Frag den Förster, stell da ruhig sechs oder mehr Völker hin.
    Bienen gehören in den Wald!
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Lothar : ich wohn ja im Blaubeerland - da sind Bienen nur "side-worker", nachdem die Hummeln die Blüten angebissen haben.
    Es gibt definitiv KEINEN Honig aus Blaubeeren in D.
    Ich hab hier um die Ecke eine 25ha Blaubeerplantage, und selbst der Betreiber weiß, daß der "Blaubeerhonig" zwar auf der Plantage geschleudert wird, aber lt Analyse eher Rapshomig vom 6km entfernten Rapsfeld ist....:cool:
    (und der Betreiber hätte viel lieber Hummelvölker zur Bestäubung, aber dann würde sich das beim Kauf der Hummeln nicht mehr rechnen....)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Ich sitz mittendrin und hab mir nie so richtig angeguckt, wie ertragreich die Himbeere ist und welche Trachtlücke sie schließt!
    Keinen Überblick, wieviele Hektar hier an Brachflächen über und über vor Himbeeren strotzen.
    Warum unser Honig so hell war, weiß ich nun auch, und überlege,
    mal eine Pollenanalyse machen zu lassen :cool:


    Erstmal Obst, dann mal gucken.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • ...Blaubeeren... ?


    ERfahrungen hier im Forum


    historisch von Spitzner beschrieben im Abschnitt "April" S.48-50


    Trachtkalender Niedersachsen


    Trachtkalender Siebengebirgsimker



    Zitat

    3. Die Kirschenzeit (April - Mai): Kirsche, Spitzahorn und Heidelbeere liefern schon rund 10 Tage vor Beginn der Blütenhaupttracht neben Pollen schon reichlich Nektar, bei optimalem Vorkommen und günstiger Witterung schon bis zu 1,0 kg über mehrere Tage. Vogelkirsche und Spitzahorn sind neben den Weiden die wichtigsten Bäume in der Entwicklungsphase der Bienenvölker, denn die im April aufgezogenen Bienen sind entscheidend für den Gesamtertrag eines Jahres. Diese Bienen lösen nämlich die Winterbienen gänzlich bei der Brutaufzucht ab, so dass die Winterbienen zusammen mit jenen aus dem ersten Brutnest im März die Blütenhaupttracht einbringen. Nach dem Brutgeschäft im Mai sind sie für den Eintrag der Waldtracht verantwortlich.

    Quelle


    usw. usf.




    Es gibt definitiv KEINEN Honig aus Blaubeeren in D.

    Wie kommst Du denn nur von EINER Kulturheidelbeerplantage auf die Schlussfolgerung, dass es wiederum von Vaccinium myrtillus in ganz D keinen Honig gibt :confused:


    Außerdem kennst Du als verantwortungsbewußte Bestäubungsimkerin von Heidelbeerplantagen sicherlich die basics aus dem Leitfaden:

    Zitat

    Honigbienen kommunizieren in ihrem Volk, wenn sie eine ergiebige Nektarquelle entdeckt haben. Ist kein oder nur wenig Nektar in den Heidelbeerblüten vorhanden, fliegt ein Großteilder Honigbienen lieber zu anderen Trachtquellen, wenn solche im Flugradius vorhanden sind.
    Zur Produktion ausreichender Mengen an Nektar in den Blüten, benötigt die Pflanze eine regelmäßige Wasserzufuhr. Gerade auf sandigen Böden kann es hierbei zu erheblichen Schwankungen kommen. ...
    Sollte gar kein oder nur sehr wenig Nektar vorhanden sein, müssen Sie die Wasseraufnahme der Pflanzen unbedingt durch zusätzliche Bewässerung regulieren, sonst werden keine Bienen zur Bestäubung angelockt.



    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von molle ()

  • molle : weil er mit mir sehr offen gesprochen hat, und das Problem in NZ/US dasselbe ist wie hier - Honigbienen bestäuben keine Blaubeeren, die zutzeln den Nektar aus aufgebissenen Blüten (side-workers), und bestäuben tun viel kleinere Insekten, die er aber nicht genau benennen konnte/wollte. Da er aber seit vielen Jahren mit dem lokalen IV verbandelt war, hatte er sich entschlossen, das Problem nicht als solches anzusehen, sondern einfach für seine Blaubeeren das Beste zu hoffen, und den IV nicht zu vergraulen.:wink:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Moin Sabine,


    auf Plantagen wachsen in der Regel irgendwelche Kulturblaubeeren mit Stammsitz in Nordamerika. Vaccinium corymbosum Hybride. Auch dort aber wandern Bestäubungsimker in die Heidelbeere. Dafür kriegen die Geld, deswegen machen die das, und für Sideworkers zahlt der Blueberryfarmer nicht...


    http://agdev.anr.udel.edu/maar…ation-rentals-PNWEAST.pdf


    Auch Herr Jaesch verkauft die corymbosum als Bienenpflanze.


    Unsere heimische Bickbeere honigt durchaus, wenn die Wasserversorgung stimmt und wird auch von Bienen frontal bedient. Selber schon beobachtet. Und gerne. Honig kriegt man da wahrscheinlich eher bei Bergwanderungen, die geht in der Frühtracht unter.


    Ich möchte mal vermuten, er möchte nicht auf Bestäubungsprämien zu sprechen kommen.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Heidelbeerhonig hatte ich schon, glaube in Springe/Niedersachsen gekauft. War relativ hell, hart aber zartcremig und fein im Geschmack. Dort im Deister gibt es grössere Heidel/Blaubeerflächen, weiss aber nicht, ob es doch von Kulturen war.
    Gruss, Jan

  • Moin Molle,


    ich meinte: Im Bewußtsein der Welt... Als Sortenhonig gibt es den nicht so oft. Brandenburger Wälder kenne ich nur vom Vorbeirasen, da hast Du recht... und weiß noch nicht mal bei allen, ob sie nicht Mecklenburger Wälder waren oder Anhaltinische... Da bin ich irgendwie DDR-Opfer: als ich Zeit und Interesse gehabt habe, mir die Landschaft da per Fahrradtour und Wanderung zu erschließen, hatte die eine Regierung, die das nicht als Reisegrund ansah und auch nicht haben wollte...


    Meine diesbezüglichen Erkenntnisse stammen also von Heidelbeerflächen im Gebirge und in Franken, wo ich Bienen in den Bickbeeren sah, auch viele, aber eben nie so, dass nicht auch reichlich andere Blüte da war und beflogen wurde...


    In der Schule aber habe ich gelernt, Brandenburg sei sandig und gefähdet durch Dürre.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • ...ich meinte: Im Bewußtsein der Welt...

    Der deutschen Welt ?:cool:
    Erzähl das mal den Nord- und Nordosteuropäern...



    ...eine Regierung, die das nicht als Reisegrund ansah...

    :daumen:...dabei wohnten und jagten sie selber gerne im Wald rum:lol:



    In der Schule aber habe ich gelernt, Brandenburg sei sandig und gefähdet durch Dürre.

    Viel Sandboden gibts auf jeden Fall, doch der muss nicht immer trocken sein und Dürre ist auch eher partiell so eine Sache. Im innerdeutschen Vergleich sicher trockener, da wir einfach schon teilweise unter den Einfluss kontinentalen Klimas kommen. Zukünftig ist ja auch nicht klar wie durch den Klimawandel sich Niederschlagsmuster verteilen werden...
    Wenn so langsam über Jahrzehnte noch der Waldumbau von reinen Kiefernplantagen zu gemischten Beständen auf den besseren Böden greift, hält sich im Humus und Laubwald die Feuchtigkeit besser und alles wird mehr abgepuffert. Zukunftsmusik auch für Imker:)


    Schulbildung wird wohl wesentlich überschätzt und ein Physiotherapeut erzählte mir neulich, dass minderjährige Patienten zunehmen, bedingt durch das Rumgesitze in Schule und Freizeit (Computer).


    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“


  • ich habe in einem Wald hier in der Region im letzten Jahr bei einem Spaziergang größere Flächen mit Wildhimbeeren gefunden. Sodann überlegte ich, inwieweit diese blühen würden, sodass ich mit dem Gedanken spielte mit ein oder zwei Völkern anzuwandern.


    Bei uns hier am Rande des Hunsrück sind Wildhimbeeren und -brombeeren die Haupttracht im Sommer. Niederwälder, Windbrüche und gerodete Bereiche sind voll damit.
    Ich muss sie zum Glück nicht anwandern, sie sind überall :)


    Klaus

  • Das finde ich ja sehr interessant. Danke schonmal für die zahlreichen Antworten. Allerdings überlege ich jetzt: In "Die Bienenweide" von Schick und Sürgin wurde die Blütezeit für die Heidelbeere mit Mai bis August angegeben. Die könnte also schlecht in der Frühtracht untergehen, ist das dann die Kulturheidelbeere?
    Wenn wir gerademal dabei sind: Wann blühen denn Himbeere und Heidelbeere tatsächlich? Teilweise werden in Trachtbüchern sehr lange Zeiträume angegeben. Blühen die dann über die gesamte Zeit alle vereinzelt?


    Freundliche Grüße
    Friedrich