Drohneneierbesamung

  • Hallo zusammen,


    ich versuche mal aufzuschreiben, was ich an der Geschichte interessant finde:

    1.) Ablauf - mir schwebt folgendes vor -> einfach morgens eine leere Drohnenwabe ins Brutnest hängen und abends rauszunehmen, zu markieren und die Stifte mit Drohnensperma zu betupfen. Entweder direkt mit einem frisch ausgestüpten Drohn oder einem Wattestäbchen. Die Drohnen dafür würde ich aus ausgewählten Völkern in Fangwabentaschen schlüpfen lassen, Posca-zeichnen und nach 14 Tagen abfangen. Farbcodierung usw.

    Die befruchteten Stifte/Larven würde ich dann ganz regulär umlarven usw.

    2.) Vorteil - a) gezielte "Verpaarung", z.B. zur Linienzucht b) Ich habe sehr schöne Königinnen, die "nur" standbegattet sind. Vielleicht sind die von der Veranlagung so toll oder nur durch einen Heterosis-Effekt. Mit diesem Kunstgriff (Drohnenstifte = haploid = 100% Kopie ihrer Mutter) könnte ich das herausfinden und ggf. wieder so verpaaren, dass der Heterosiseffekt wieder genauso wirkt.


    Gruß Jörg

  • Die Drohneneier dürfen nach dem oben verlinkten Bericht von NEUMANN/WÜRSCHING nicht älter als 4 h sein und die Kö. pausiert nach dem Käfigen zunächst mit der Eiablage (letzte Seite):

    http://www.apis-mellifera-mell…s/drohneneierbesamung.pdf

    Es müssen daher für eine vorhersagbare Erfolgsrate Drohneneier mit möglichst stundengenau definiertem Alter verfügbar sein. Das erreichen die Autoren offenbar dadurch, daß sie Kö. mittags auf die andere Wabenseiten ihres Käfigs sperren.

  • Hallo zusammen,


    (...)

    Mit diesem Kunstgriff (Drohnenstifte = haploid = 100% Kopie ihrer Mutter) könnte ich das herausfinden und ggf. wieder so verpaaren, dass der Heterosiseffekt wieder genauso wirkt.

    Wenn ich da gerade nicht irgendwas übersehen habe, sind die Drohnen zwar mit 100% Genen aus der Mutter, aber bei der Produktion der haploiden Eizellen kommen nur 50% der diploiden Muttergene als Mischung ihrer Gene da rein. Die Variabilität ist dann zwar kleiner, aber trotzdem bekommt man keine genetisch identischen Eizellen vor der Befruchtung.

    Bei den Drohnen wird der ursprünglich bereits haploide Satz nicht weiter reduziert (nur zwischenzeitlich dupliziert und wieder reduziert), sodass hier bis auf Mutation genetisch identische Spermazellen entstehen müssten

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Würde bedeuten eigentlich müsste die Besamung der Drohneneier mit Eiern von einer künstlich besamten Königin erfolgen, die nur von einem Drohne Sperma erhalten halt, um Töchter mit identischen genetischen Anlage zu erhalten... :/
    Irgendwie ist mir das zu arg...

    wenn das so ist... dann bin ich eben weg.

  • Irgendwie ist mir das zu arg...

    Kann ich gut verstehen! Ich bin gerade auch etwas verwirrt. Auf die Schnelle würde ich Amape zustimmen; müsste aber zu meiner Gewissheit nochmal Eigil Holms Büchlein durchkauen.


    Es würden sich auf alle Fälle interessante Möglichkeiten mit relativ geringem Aufwand (im Gegensatz zur künstlichen Besamung) ergeben. Skeptisch bin ich hinsichtlich der Qualität der Königinnen, aber vielleicht kann Jörg K. demnächst Erfahrungswerte liefern.

  • Ich habe gerade ganz interessiert den ganzen Thread gelesen, was es da doch alles gibt. Ich lasse doch lieber die Drohneneier von der Königin bestiften. ;)

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Würde bedeuten eigentlich müsste die Besamung der Drohneneier mit Eiern von einer künstlich besamten Königin erfolgen, die nur von einem Drohne Sperma erhalten halt, um Töchter mit identischen genetischen Anlage zu erhalten... :/

    Nein. Womit die Königin besamt wurde, spielt keine Rolle, das kann einfache Standbegattung sein. Drohneneier haben nur eine Mutter, aber keinen Vater.

    Genetisch identische Drohneneier erhält man in keinem Fall wegen des doppelten Chromosomensatzes der Mutter, der durch das Crossing over während der Reifeteilung auch noch zusätzlich gemischt wird. Man erhält also nicht einmal 2 Gruppen von Drohneneiern mit identischem Erbgut.

    Gruß Ralph

  • Hallo,

    Genetisch identische Drohneneier erhält man in keinem Fall wegen des doppelten Chromosomensatzes der Mutter

    das ist nun auch nicht ganz richtig, daher der Verweis auf Königinnen die "ein Drohn" besamt sind. Diese liefern ziemlich identische Drohneneier, nur das verschiedene Crossing Over macht dann noch einen Unterschied...


    Aber ich denke bei dieser Diskussion ist nicht das Ziel mehrere identische Königinnen zu erhalten (Clone), sondern ich denke das Ziel ist es einfach Königinnen zu erhalten bei denen der Vater wohl bekannt ist und das ohne sichere Belegstelle, Mondscheinbegattung oder künstliche Besamung... - das ist eine andere Diskussion als eine "Voll-Clone" Diskussion... ;-)



    Gruß

    Franz

  • Das erste mal, dass ich davon überhaupt etwas lese und höre.
    Ich wäre nie auf die Idee gekommen, aber so, wie man das liest, ist das alles sehr logisch und auch gar nicht soo schrecklich aufwändig. Extrem spannend zu lesen, auch wenn es wahrscheinlich in meiner eigenen kleinen Hobby-Imkerei praktisch kaum eine Rolle spielen wird.

    Dank an alle, die hier ihre Gedanken teilen und ihr Wissen weitergeben!

    Hans

    Die Glücklichen sind neugierig. (F. W. Nietzsche)

  • Hallo,

    das ist nun auch nicht ganz richtig, daher der Verweis auf Königinnen die "ein Drohn" besamt sind. Diese liefern ziemlich identische Drohneneier, nur das verschiedene Crossing Over macht dann noch einen Unterschied...

    Fall 1: Königin, von einem Drohn besamt

    Königin genetisch: A, B

    Drohn genetisch: C

    Haploide Eier der Königin genetisch: A, B oder A-B-Mix

    Nanu? Wo bleibt denn der Drohn mit seinem C?

    Fall 2: Königin Mutter, von vielen Drohnen besamt

    Ergebnis Königin: Hat auch nur 2 Chromosomensätze, egal mit wie vielen Drohnen es ihre Mutter getrieben hat, also auch nur A, B. Deshalb dasselbe wie im Fall 1.

    Gruß Ralph

  • Guten Morgen zusammen,


    ihr kommt ja gleich wieder vom Hundertstes zum Tausendstel...8)

    Wenn ich schrieb "...100% Kopie der Königin...", dann meinte ich in meiner Einfachheit natürlich die bestmögliche, genetische Ähnlichkeit im Rahmen der Zucht. Also kein Klon.

    Sicher gibt es eine Aufspaltung, so wie es Kleingartendrohn und FranzXR beschreiben, aber das ist alles noch im Rahmen der üblichen Ergebnisse vom KB oder sicheren Belegstellen oder eben besser.

    Mein Ziel ist es mit meinem begrenzten Möglichkeiten züchterisch doch noch etwas weiterzukommen. Und zumindest theoretisch wäre dieses Verfahren ein guter Baustein dafür.


    Gruß Jörg