Bienen-Verbot durch Nachbar

  • Hallo,


    ich bin neu hier und bin von der Vielzahl der wissenswerten Beiträge hier begeistert -
    Vielen Dank für die Freischaltung!


    zu dem o.g. Thema: Kann in einem Wochenendhausgebiet der Nachbar die Haltung von 5 Bienenvölkern verbieten, wenn diese schon da waren bevor der Nachbar das Grundstück gekauft und ein Wochenendhaus gebaut hat? Der Grund ist, dass die Bienen angeblich die ganze Familie regelmäßig stechen. Wir selbst und die anderen Anliegen wurden jedoch kein einziges gestochen. Ich meine einmal etwas gehört zu haben, dass erstens die Bienen (und andere Nutztiere) bleiben können, wenn sie zuerst da waren und dass man zweitens Bienen dulden muss, da sie ein allgemeines Lebensrisiko darstllen.
    Kennt sich hier jemand mit der rechtlichen Seite aus?


    Viele Grüße
    Chris

  • Hallo Chris,


    ein einfaches "JA" oder "NEIN" wird schwer zu geben sein.


    Benutze mal das Stichwort ortsüblich in der Suchfunktion, sollte dir relativ viele bisherige Themen finden, die sich mit deiner Frage beschäftigen.


    Einerseits gilt: Die Bienen dürfen bleiben, weil es dein Recht, diese zu halten.
    Andererseits: Du musst die Auswirkungen auf die Nachbarn und deren Grundstück so niedrig wie möglich halten: also die Bienen z.B. nicht so hinstellen, dass diese zu 100% über deren Grundstück abfliegen.


    Stefan

  • Moin Chris,


    das hängt so etwas davon ab, wo Du die Bienen hältst. Normalerweise dürfte der Nachbar in einem Wochenendhausgebiet keine rechtliche Handhabe gegen 5 bestehende Bienenvölker haben. Deinen imkerlichen und nachbarschaftlichen Frieden kann er möglicherweise dennoch stören, die von Dir angerissenen Argumentationslinien lassen da Potential ahnen...


    Ob dieses Potential sich auch ohne Bienen Bahn brechen würde: Man hat von solchen Fällen gehört.


    Wenn die Bienenhaltung dort ortsüblich ist, sollte man eigentlich unter vernünftigen Menschen zu einer Einigung mit den Bienen auf Deinem Grundstück kommen können. Nu ist bei Homo sapiens das Artepitheton "sapiens" nicht wirklich immer deskriptiv zu verstehen; eher als Ziel, und manche Exemplare verfehlen es weit...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Chris,


    ich habe ganz am Anfang, bevor jemand sich beschwert hat, schon Honiggläser an den Nachbarn verteilt. Ich habe 8 Völker und die stehen etwa 3 m vorm Zaun, allerdings ist der Zaun 2 m hoch und mit Pflanzen zugewachsen.
    Ich habe nachm ersten Jahr alle meine Kö umgeweiselt und ich konnte einen riesen Unterschied bei der Sanftmut wahrnehmen. Ich möchte dir also raten, kaufe dir mindestens eine sanfte Kö und ziehe von ihr deine Kö, dein Imkerleben kann viel einfacher werden, nicht nur wegen deiner Nachbaren, sondern auch für dich bei der Bearbeitung der Völker.


    LG Salsero

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant

  • Moin Salsero,


    wenn ich den Chris richtig verstanden habe, hatte er die Bienen da schon länger. Dann kaufte jemand das Nachbargrundstück und errichtete sein WEH.


    Nun nimmt er an den Bienen, die bis dahin weder den Chris noch seine Familie, noch die anderen Nachbarn gestochen haben, Anstoß und behauptet, gestochen zu werden...


    Wann wäre da der richtige Moment fürs Honigglas gewesen?


    Nach meinem Gefühl müsste da schon einmal die Rechtslage verdeutlicht werden und auf der Basis dann nach den näheren Bedingungen der Koexistenz gesucht werden... Es hilft da der Schiedsmann, vielleicht?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Vielen Dank für die Antworten!


    Auf sanftmütige Königinnen weisle ich auch bei "neuen Königinnen" um, wenn diese keine sanftmütigen Arbeiterinnen hervorbringen, und warte nicht, bis die Königin "alt" ist. Ich achte schon darauf, keine "Stecher" zu halten. Honig wird und wurde bei den Anliegern auch immer gratis verteilt. Auch wurden dort von 3 Parteien auch schon seit Jahrzehnten Bienen gehalten. Ich bin allerdings der letzte Überlebende :daumen: und (fast) alle sind froh, dass die Obstbäume reichlich tragen... Allerdings vernehme ich durch den Nachbarn immer häufiger eine Verstimmung wegen angeblichen Stichen wahr und ich vermute, dass da bald etwas nachkommen könnte. Der Bienenstand ist einbetoniert und kann nicht so einfach versetzt werden. Ein Abflug über das Grundstück kann nicht verhindert werden, da die Grundstücke auf voller Länge parallel verlaufen und die Bienen auch die Sichtschutzhecke überfliegen.

  • Mit der Rechtslage kenne ich mich nicht aus, aber auf der Reichenau im Bodensee hat ein Imker sein Bienenhaus direkt an der Straße, die Flugbretter ragen über den Fußweg über, kein Witz! und ich wurde von seinen Bienen schon zweimal gestochen, während ich langsam auf dem Fahrrad auf der anderen Straßenseite gefahren bin. Ich musste diese Strecke fast täglich fahren und selbst als Imker hatte ich Angst vor den Bienen, die waren nicht friedlich und wahrscheinlich durch den Verkehr noch extra aufgereizt. Als ich danach gefragt habe, wurde mir erzählt, dass er die Bienen dort hatte, bevor die Straße gebaut wird und daher darf er seine Bienen dort lassen.


    Ich meine, vielleicht kann man als Imker sich vieles erlauben, aber man muss ja nicht übertreiben :)
    Informiere dich einfach bei deinem Imkerverein, nur damit du weiß wo du Recht hast und wo nicht, "nachgeben" und "nettsein" kannst du ja immernoch bleiben, nur falls deine Nachbarn übertreiben sollten, kannst du ihnen zeigen, wo dein Recht und ihr Recht ist.

    imkere als Hobby seit 2011 mit Dadant


  • Wann wäre da der richtige Moment fürs Honigglas gewesen?


    Der richtige Augenblick dem Nachbarn das Honigglas an den Kopf zu werfen wäre gewesen, als er sich das erste Mal beschwert hat.


    Wie hoch ist denn die Sichtschutzhecke? Evtl kannst Du durch geschickte Zupflanzung noch die abfliegenden Bienen in eine Höhe über 3 Meter zwingen, wodurch sich dann der Nachbar gar nicht mehr gestört fühlen kann.

  • Das sind ca. 3 m, aber anscheinend ist die Hecke wohl immer noch zu niedrig? Ich könnte noch einen 10 m hohen Sichtschutzzaun bauen, was dann wohl auch für Unmut sorgen könnte...

  • Moin, moin,


    also, ich kenne das jetzt nur aus Deiner Darstellung. Es sieht für mich aber so aus, dass der sich einfach behelligt fühlen möchte. Finde heraus, ob die Gemeindesatzung zur Ortsüblichkeit was Explizites hergibt. Falls ja, kannst Du auf der Grundlage weitermachen. Wenn nicht, sollten Wochenendgrundstücke ländlich liegen und Bienenhaltung von daher ortsüblich sein.


    Auf der Basis würde ich, sollte der Nachbar das nicht einsehen, den Schiedsmann bemühen. Eventuell vorher noch einmal einen Anwalt aufsuchen. Hüten solltest Du Dich vor weitgehenden Zugeständissen, die Du schriftlich oder sonst belegbar von Dir gibst, wenn Du sie nicht wirklich meinst. Denn an denen musst Du Dich möglicherweise festhalten lassen.


    Vielleicht hatte der ja auch ein Wespennest irgendwo, und kann die nicht von Bienen unterscheiden... Eine 3 m hohe Hecke bewirkt, dass die Bienen über dieser Höhe einfliegen, dann sollten sie kein Problem sein.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Imker123,
    ein Imker der Mitglied im Imkerverein ist, ist über seinen Landesverband Rechtschutz versichert für solche Nachbar Streitigkeiten.
    In der Regel haben die da einen Anwalt, der solche Sachen bearbeitet und Dir deshalb entsprechenden kostenlosen Rat geben kann.
    Also mal bei Deinem Landesverband nachfragen.
    Im Streitfall wird ein Gutachter bestellt, nach meiner Erfahrung ist das z.b. ein Mitarbeiter Deines Bieneninstitut.
    Also mal da Deinen Fall schildern, eventuell haben die einen Bienenzucht Berater der mal raus kommt und sich die Sache ansieht.
    Oder die empfehlen Dir einen BSV, der Ahnung von der Materie hat.
    Im Idealfall kannst Du Deinen Nachbarn dann an die obengenannten verweisen und die sagen ihm was Sache ist.
    Und Du wüsstest auch schon mal, was der Gutachter im Streitfall dazu sagen würde.
    (Wenn man aus Deinem Profil Deinen Landesverband erkennen könnte, könnte Dir bestimmt hier jemand die entsprechenden Ansprechpartner und Kontaktdaten nennen.)


    Gruß Hubert

  • Hallo Chris,


    erstmal abwarten!
    Lass den Nachbar zum Anwalt rennen, wenn er denkt er hat Geld, Zeit und Nerven zuviel, wirf die Briefe von diesem dann weg!
    Erst wenn ein Brief vom Gericht kommt reagiere.
    Auf alle Fälle befolge Huberts Rat und schau dass Du versichert bist!
    Alles andere ist Geld- und Angstmacherei.


    @Alle: der Drohn weiß, dass sich hier auch "ängstliche" Nachbarn als Imker ausgeben könnten um zu fragen welche Rechte sie gegenüber wirklichen Imkern haben:daumen:


    nix für ungut Chris!


    dD

  • Lass den Nachbar zum Anwalt rennen, wenn er denkt er hat Geld, Zeit und Nerven zuviel, wirf die Briefe von diesem dann weg!
    Erst wenn ein Brief vom Gericht kommt reagiere.


    Aber doch nicht wegwerfen die schönen Briefe, lieber schön alle Sammeln. Imker sind doch im Grunde ihres Herzes Sammler und Nixwegwerfer (siehe Ururururaltschleudern bei Ebay, die angeblich "ideal für Anfänger sind").


    Rechtlich gesehen kann der Nachbar kaum etwas machen. Eine mögliche Alternative wäre für ihn sicherlich: 5 LKWs Beton bestellen und Rasen, Blumenbeete und Co einfach zubetonieren, dann fliegen auch keine Bienen dort mehr hin.


    Wenn man seinen Bienenstand richtig anlegt, mit Hecke/Sichtschutzwand, dann merkt man in 5m Entfernung von den 5 Bienenvölkern nichts mehr.


    Stefan
    Nuturschutz? Ja bin ich dafür, aber warum denn ausgerechnet gerade bei mir hier vor der Tür? *zwinker*