Schwarmverhinderung durch Verwendung einens Honigraumflugloches

  • Hallo Bienenfreunde!


    Im deutschen Bienenjournal 04/2012 ist ein Beitrag von Dieter Sachs abgedurckt. Demnach lassen sich Schwärme durch folgende Vorgehensweise verhindern:



    1. die Brutwaben der oberen Brutzarge werden über das Absperrgitter gehängt.
    2. die Königin und die restlichen Brutwaben verbleiben im Brutraum, welcher mit Mittelwänden aufgefüllt wird
    3. das Flugloch über dem Absperrgitter, also im Honigraum wird geöffnet
    4. das Original Flugloch wird Abgedeckt, es bleibt nur ein Drohnennotflugloch


    Die schwarmverhindernde Maßnahme sollte dadurch zustande kommen, dass im Brutraum keine Honigkränze angelegt werden, da die Bienen direkt in den Honigraum einfliegen und dass nur der notwendige Pollen durch das Absperrgittern getragen wird und keine Pollenvorräte im Brutraum angelegt werden.


    Eine Frage, arbeitet jemand mit dieser Betriebsweise? Wie schaut es da mit der Volksentwicklung aus, ist die gehemmt?


    MfG
    Honigmaul

  • Lieber Bienenfreund Honigmaul!
    Nach den vielen Schwärmen, die dieses Jahr durchs Land flogen, möchte ich Ihnen auch auf diesem Wege meine Methode der Völkerführung empfehlen. Es entstehen große Völker, da die Königin ununterbrochen stiftet. Entsprechend fällt die Honigernte aus. Trotzdem brauchen Sie keine Schwärme befürchten, solange noch Platz im Honigraum ist. Der Bien schwärmt erst, wenn der Kontakt zwischen Futterkranz und Brutnest wieder hergestellt ist. Wenn einige Arbeiterinnen über das Boderflugloch aus- und auch einfliegen, so schadest dies nicht. Sie müssen nur sicherstellen, dass die Masse der Flugbienen über das Honigraumflugloch einfliegt.
    Mit freundlichen Grüßen Dieter Sachs

  • Hallo Dieter!


    Vielleicht könntest du deinen Artikel der im Bienenjournal 4/2012 abgedruckt war auch hier veröffentlichen, damit alle mitlesen könnten.


    Ich habe deine Betriebsweise gedanklich auf meine Magazinsbetriebsweise umgelegt und möchte 2015 ein paar Völker versuchsweise danach führen. Ich bin mir aber noch nicht sicher, wie ich das Ganze bezüglich des Fluglochverlagerns angehen werde, ohne dass ein gewaltiges Tohuwabohu ausgelöst wird.



    Wozu dient eigentlich das beschriebene Abdecken der Front des Brutraumes mit Zeitungspapier?


    Wie groß ist dein Notflugloch?



    Ich bin mir über die Zusammenhänge noch nicht so recht schlüssig. Welchen Nutzen hat das Hinaufhängen der Brut in den Honigraum. Sollten dadurch die Flugbienen hinauf und somit zum Honigraumflugloch gelockt werden. Würde ohne Umhängen der Brut, nur mit dem Einengen des Brutraumflugloches auf Drohnennotfluglochgröße und das gleichzeitige Öffnen des Honigraumflugloches nicht die gleiche Wirkung erzielt werden?


    Wenn ich das richtig verstanden haben, dann wird von dir nur einmal Brut in den Honigraum umgehängt. Nach dem Auslaufen dieser Brut wird nur noch die neg. Eigenschaft des Absperrgitters, dass es eine gewisse Trennlinie darstellt, zur Schwarmverhinderung genutzt um den Brutraum vor allem pollenfrei zu halten. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dadurch aber auch die Volksentwicklung leidet. Sehe ich das richtig?


    MfG
    Honigmaul

  • Lieber Bienenfreund Honigmaul!
    Heute möchte ich zunächst auf einige Deiner Fragen eingehen.
    Nachdem ich den Artikel veröffentlicht hatte, besuchte mich auch ein thüringer Imker, der durch die plötzliche Erkrankung seines Vaters in dem Jahr die Betreuung der Bienen übernehmen mußte bzw. auch wollte. Der Vater hielt die Bienen in den bekannten zweietagigen Standardbeuten. Er sägte nun von je einer Beute das halbe Bodenbrett und von der anderen das halbe Deckbrett weg und stellte beide Beuten aufeinander. Den Spalt auf beiden Seiten verschloß er mit einer Leiste. Er berichtete von einer verzögerten Annahme des Honigraumes. Das verwundert mich auch nicht, da in der Obstblüte nur langsam Überschüsse erzielt werden. Warum sollen sich größere Bienenmengen in einem kaum gefüllten Raum aufhalten.
    Ich verbinde die Honigraumgabe mit der Erneuerung des Wabenmaterials, da ich nur dieses eine Mal im Jahr in den Brutraum eingreife. Ich hänge die mit Brut und Honig gefüllten Waben der oberen Zarge (also des zweiten Raumes) in den dritten und die des untersten in den zweiten. Dabei achte ich darauf die Drohnenwaben nach hinten zu hängen und sortiere ungeeignetes Wabenmaterial aus. Den nun leeren untersten Raum fülle ich mit Leerwaben, Mittelwänden und Leerrähmchen auf. Die um diese Jahreszeit noch leicht zufindende Königin bleibt in den zwei Zargen Brutraum. (Auch wenn ich keine Zargen habe eignet sich der Begriff wohl gut zur Beschreibung.) Das Volk wurde also durch eine untergesetzte Zarge erweitert und die obere durch ein Absperrgitter von den beiden Zargen Brutraum abgetrennt. Das tun viele Imker zu dieser Jahreszeit und läßt sich beim Magazinimker mit wenigen Handgriffen umsetzen. Ich öffne jetzt aber das Flugloch für den Honigraum (also für die dritte Zarge). Die Bienen haben sich auf das Flugbrett der ersten Zarge eingeflogen und sollen nun umlernen. Dazu verfremde ich das Aussehen der Beute. Sehr einfach geht dies bei mir mit dem losen Davorhängen einer Zeitung. Nun können einzelne Bienen an der Zeitung vorbei abfliegen, die Masse der ankommenden Sammlerinnen lernt aber rasch das obere Flugloch anzunehmen. Nach einer Woche benötige ich die Zeitung oft nicht mehr. Die zurückkommenden Sammlerinnen möchten natürlich auf kürzestem Wege zum Volk. Würde ich den Bienen gleichberechtigt die Wahl zwischen den Fluglöchern lassen, so würden bald alle wieder unten einfliegen. Darum erschwere (verlängere) ich den direkten Zugang zum Brutraum. Dazu lege ich zur Honigraumgabe den Reiber vor ( Es bleibt nur ein Quadratzentimeter Durchgang), klappe das untere Flugbrett hoch und öffne das zweite einen Spalt breit. Da ich das Zwischenbrett im Wandervorsatz entfernt habe, fliegen die Drohnen und einzelne Arbeiterinnen nun unten ab, aber fast alle in den Honigraum zurück. Es liest sich kompliziert ist aber oft in einer Minute erledigt. Auf welche Weise Du den Zugang erschwerst bedarf Deiner Kreativität.
    Ein bayrischer Imker konstruierte einen flachen Zwischenboden in den er das Absperrgitter einlegte und der ein breites Flugloch aufwies. Er schickte mir damals auch Bilder zur Stellungnahme. Ich denke zur Probe brauchst Du nur drei 8 mm dicke Leisten u-förmig auf Deine obere Brutraunzarge auflegen. Vorausgesetzt Du willst nicht wandern und arbeitest mit einem Absperrgitter. Sollten Deine Beuten paarweise aufgestellt sein, empfielt sich die gleichzeitige Honigraumgabe, da sonst ein Teil der Sammlerinnen zum Nachbarvolk wechselt.
    Während die Königinn ihr Brunest über die zwete Zarge ausdehnt und es langsam in die untere Zargr wächst, schlüpfen im oberen die Bienen und die leeren Zellen werden mit Honig und später auch mit Pollen belegt. In einem Jahr fiel die Frühtracht witterungsbedingt komplett aus. Aber auch in diesem Jahr entwickelte sich das Brutnest normal weiter.
    Vor der etwa vier Wochen später einsetzenden Robinientracht schleudere ich die Völker ab. In diesem Jahr benötigten sie schon vorher einen zweiten Honigraum. Ein Schwarm bildet sich erst, wenn die Bienen den Raum über dem Absperrgitter gefüllt haben. Das Brutnest muß erst wieder Kontakt zum Futterkranz haben. Vorher wird nicht geschwärmt. Bei einsetzender Massentracht muss also evetuell noch eine dritte Honigraumzarge auf das Absperrgitter (also unter die zwei zuvor gegebenen) gesetzt werden. Weitere Kontrollen sind unnötig. Man spart sich also jede Kontrolle des Brutraumes, jedes Brechen von Schwarmzellen und jedes Schröpfen.
    Da die Königin ununterbrochen stiftet, können sich die Milben auch ununterbrochen vermehren. Dies möchte ich als einzigste negative Begleiterscheinung benennen. Es hat doch aber jeder Imker die Möglichkeit zu einem von ihm gewählten Zeitpunkt die Völker zu vermehren oder zu behandeln. Die nach hinten gehängten Drohnenwaben entnehme ich im Sommer deshalb auch im verdeckelten Zustand. Deshalb und nur deshalb öffne ich auch mal das Brutraumfester. Gegen Ende des Sommers kann der Brutraum im hinteren Teil 2-3 Honigwaben aufweisen.
    Mein Artikel wurde von der Redaktion gekürzt und mit dem etwas eingängigerem Titel versehen. Dazu bei Bedarf ein andermal.
    Einen guten Rutsch Dieter Sachs