Hilfe, Räuberei!

  • Hallo!


    Ich bin Jungimker und habe gestern wie gelernt mein Volk eingeengt (auf Dadant) und Waben mit Futterresten angeritzt hinter das Schied gestellt. Heute morgen musste ich mit Schrecken feststellen dass die angeritzten Waben anscheinend ausgelaufen waren. Habe zwar keine Kämpfe am Flugloch beobachten können aber mehrere Bienen die etwas ziellos vor dem Flugloch auf und abgeschwebt sind, und ich fürchte dass die Räuberei schon im Gange ist. Habe sofort alle Futterreste so gut wie möglich geputzt und das Flugloch eingeengt. Was mache ich jetzt weiter? Soll ich das Volk heute abend in den Keller stellen und eine leere Beute an dessen Stelle? Wie lange muss es im Keller bleiben? Wird bei Räuberei eigentlich "nur" das Futter geklaut, oder auch die Brut und Bienen geschädigt?


    Danke!

  • Hallo Picaflor,


    erstmal herzlich willkommen hier im Forum. Du hast sehr richtig erkannt, dass die Situation eine Gefaehrdung durch Raeuberei hervorrief und richtig reagiert mit Entfernung des Futters und Einengung des Flugloches. Vorausgesetzt das Volk ist OK, also weiselrichtig und einigermassen stark, wuerde ich jetzt nicht ueberreagieren sondern erstmal weiter beobachten.


    Du kannst weiter helfen, indem Du Raeume schaffst, wo die Waechterbienen Platz und Zeit haben, Ankoemmlinge zu kontrollieren. Ein Brett vor das Flugloch zwingt Raeuber dazu erstmal zu landen, bevor sie in das Flugloch krabbeln.


    Die Massnahmen sind graduell: Die staerkste Massnahme waere der Bau einer "Empfangshalle", die durch ein Loch erreicht wird, durch das immer nur eine Biene passt und von der es durch ein ebenso enges Loch in die Beute geht. Raeuberbienen scheuen nichts mehr, als Kontakt zu anderen Bienen auf ihrem Weg in die Beute. Die "Empfangshalle" dient als Raum, der dann wenn's richtig gemacht wird von Stockwaechterbienen besetzt und kontrolliert werden kann.
    Verengung des Flugloches ist die schwaechste Massnahme, wirksam, indem auch hier das Risiko fuer die Raeuber steigt, auf ihrem Weg in die Beute, anderen Bienen zu begegnen. Die naechste Stufe waere, ein Brett davor zu lehnen, damit das Flugloch nicht mehr angeflogen, sondern nur noch "angekrabbelt" werden kann.


    Es geht immer darum, den Waechterbienen Luft, eigenen von ihnen beherrschten und "bedufteten" Raum und Zeit zu geben, anfliegende Bienen zu kontrollieren.


    So wie Du es schilderst brauchst Du wahrscheinlich ausser der Verengung des Flugloches garnichts anderes. Die Verengung kann ruhig fuer 2-3 Tage, bis sich die Situation normalisiert ziemlich stark sein. Staus, Knubbelein, aufeinander landen etc. sind alles Pluspunkte fuer die Stock- und Waechterbienen.


    In den Keller stellen wuerde ich jetzt nicht machen, um das Volk nicht weiter zu irritieren. Irritierte Voelker sind wie Menschen unsicher und werden leichter Opfer.


    Wie gesagt, wenn das Volk OK ist, sollte die Fluglochverengung und die Beseitigung der Honigmatscherei reichen.


    Gruss
    Joe

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von cerana_joe () aus folgendem Grund: Loeschung eines evtl.provozierenden Satzes. So sicher bin ich da leider nie.

  • Hallo Anni


    Erstens mein Fehler mit den ausgelaufenen Futterwaben :-( , dann einerseits die Bienen die suchend vor dem Flugloch auf- und abfliegen und andererseits die Bienen die mit aufgestelltem Hinterteil vor dem Flugloch harren. Aber sicher bin ich mir selber nicht, es ist mehr eine Befürchtung...


    Liebe Grüße
    Picaflor

  • Hallo Picaflor
    Ich habe Räuberei einmal miterlebt, das ist ein Riesengewussel am Flugloch sehr Hektisch, kein Pollen wird eingetragen, es ist eine ganz komische unübliche Stimmung, das spürt man sofort.
    wenn geräubert wurde findest du am Flugloch viele Wachskrümmel und alles ist Klebrig verschmutzt.
    Wann hast du die Waben aufgeritzt? Morgen, Abend, Nachmittag? Sowas macht man am Abend dann entsteht keine Räuberei mehr, weil die meisten Bienen den Flug eingestellt haben. Wenn die Waben ausgelaufen sind was ich mir nicht so recht Vorstellen kann denn die Zellen sind so Konstruiert das nichts ausläuft, lief der Honig zur Beute raus? Dann mit Wasser wegwaschen. Ich denke die Bienen haben die Waben ausgefressen über Nacht oder kann das nicht sein? Einengen auf 2-3 cm vorläufig bis genug Tracht reinkommt oder wegstellen ist sicher keine Gute Idee bringt wohl eher wenig da die Mädels weit fliegen. Bei Gesunden,etwa gleich starken Völkern ist ("richtige") Räuberei eher ausgeschlossen. Ich denke bei starker Räuberei ist wohl alles verloren, weis ich aber nicht, mein geräubertes Volk letzten Frühling war völlig am Boden, sogar die Waben waren bis auf die Mittelwände abgefressen. Hoffe konnte Helfen Gruess Stefan

  • Hallo Pica,


    Joe hat es ja schon schön beschrieben.
    Ich durfte einmal Räuberei beobachten, das hat man deutlich bemerkt.
    Ein paar Bienen, die vor dem Flugloch auf und ab fliegen, deuten eigentlich nicht auf Räuberei hin, und hochgestellte popos der Bienen klingt für mich eher nach Sterzeln.


    Trotzdem sind ausgelaufene Futterwaben natürlich eine Gefahrenquelle und reizt zur Räuberei.
    Mir klingt es nur eben so, als wäre diese bei Dir ( noch) nicht im Gange.


    Daher denke ich, Du hast gut und schnell gehandelt und was Joe schreibt ist auch passend.


    LG: Anni


    Nachtrag: Stefan war schneller ;-)

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hach, vielen Dank euch allen, das erleichtert mich jetzt ungemein. Das Volk ist eigentlich stark und weiselrichtig, und Pollen wurden heute morgen auch eingetragen. Dann war das gar keine Räuberei, na Gott sei Dank! Das nächste Mal werde ich vorsichtiger aufritzen!


    Herzlichen Dank und liebe Grüße,
    Picaflor

  • Hey hey,


    bin selbst noch Anfänger, aber die Räubereien die ich gesehen habe, waren unverkennbar als solche zu erkennen. Ganz anders als das von dir beschriebene. Also erst mal entspannen, wenn alle gesund sind werden die ihr Flugloch schon verteidigt kriegen ;)


    Theoretisch gibts ja noch stille Räuberei, die man nicht so einfach erkennt - soweit ich weiß aber eher nicht zu dieser Jahreszeit und auch etws weniger bedrohlich als offene Räuberei, endet eher übel wenn das im Herbst auftritt und man nicht merkt dass ein still beräubertes Volk nicht mehr genug Winterfutter übrig hat. Soweit ich weiß tritt das aber eher auf wenn große Trachten herrschen und alle Völker auf die gleiche fliegen, so dass die Wächterinnen Probleme bei der Zuordnung der einzelnen Bienen zum Volk haben. Dieser Absatz ist jetzt aber reines Hörensagen und kenne mich nicht wirklich damit aus, da ich soetwas noch nie gesehen oder erlebt habe.


    Bei dir dürfte schon alles noch im Lot sein, sauber halten, Flugloch klein halten und entspannt beobachten :)

    "Neunzig Jahre in einer Landschaft und in gesegneten frohstimmigen Stunden wird sie der Greis immer noch sehenswert finden, neugierig durchsuchen und Manches entdecken, als sähe er sie zum ersten Male mit reifem Auge."
    - Alexander v. Warsberg, Odysseeische Landschaften.

  • Hey hey,


    ...
    Theoretisch gibts ja noch stille Räuberei, die man nicht so einfach erkennt - soweit ich weiß aber eher nicht zu dieser Jahreszeit und auch etws weniger bedrohlich als offene Räuberei, endet eher übel wenn das im Herbst auftritt und man nicht merkt dass ein still beräubertes Volk nicht mehr genug Winterfutter übrig hat. Soweit ich weiß tritt das aber eher auf wenn große Trachten herrschen und alle Völker auf die gleiche fliegen, so dass die Wächterinnen Probleme bei der Zuordnung der einzelnen Bienen zum Volk haben...


    Stille Raeuberei ist so ein Stichwort, das so etwas willkuerlich ist aber etwas Licht auf die Raeuberei wirft. In Wahrheit sind die meisten Raeubereien ab einem bestimmten Zeitpunkt oder ab einer bestimmten Entwicklung in diesem Sinne nicht unbedingt "still" aber jedenfalls schwer durchschaubar. Wenn es Beissereien gibt, dann sind das dann hauefig Raeuberbienen untereinander oder Raeuberbienen, die "ihr" Flugloch gegen heimkehrende Stockbienen verteidigen. Das Problem sind wahrscheinlich die Duefte, die Auskunft geben, von wem der Stockeingang dominiert wird. In Wahrheit -so glaube ich- sind die Faehigkeiten der Waechterbienen, ankommende Bienen am Duft zu erkennen begrenzt. Was anfangs aber immer da ist, ist die Abneigung der Raeuberbienen, kontrolliert zu werden. Nach meiner Theorie erkennen die Waechterbienen Raeuber eher an der Reaktion auf die Kontrolle als am Duft, weil das "Duftgeschehen" am Flugloch zu dieser Zeit hoechst dynamisch ist.


    Bei fortgeschrittener Raeuberei sind die Raeuber selbstbewusster geworden, erkennen den Stock als "ihre" Trachtquelle, haben den Eingang entsprechend markiert und "bewachen" ihn, wie Waechterbienen gegen Bienen anderer Stoecke. Die urspruengliche Abwehr ist komlett ueberrannt und ausgeloescht. Stockeigene Jungbienen raffen sich "in jugendlicher Entwicklung" mangels erfahrener Soldaten zu heldenhaften Opfertaten auf und werden schnell abgestochen. In dieser meist kurzen Zeitspanne kann man manchmal beobachten, wie heimkehrende Pollensammler aggressiv untersucht, benagt und sogar vertrieben werden. Danach kommt dann die Phase, wo man keine Pollensammlerinnen mehr sieht.


    Das ist die Endphase, in der wirklich nur noch Verstellen auf einen Aussenstand hilft, weil die Raeuber sogar im Stock uebernachten, nur noch ganz junge Stockbienen leben gelassen werden, bis die Vorraete aufgebraucht sind, dann sterben auch die und die Koenigin, die Brut wird ausgeraeumt oder gefressen und es bleiben nur tote Bienen und leere Waben. Beissereien finden nach wie vor statt aber die Bienen, die sich wie Waechterbienen verhalten sind eben Raeuberbienen.


    Wirklich stille Raeuberei gibt's bei mir manchmal, wenn sich Teile des Volkes aus der Beute entfernen und ein anderer Teil zurueckbleibt. Der ausgeflogene Teil ist noch irgendwo in der Naehe und benutzt den von den daheimgebliebenen Schwestern benutzten Stock als "Tankstelle". Wenn man sowas hat, braucht man 1.die Koenigin im Stock, 2.viel Geduld und das Wissen, dass der Teil ohne Koenigin irgendwann weg sein wird, 3. die Hoffnung, dass sich durch die raeumliche Trennung nach und nach auch die duftliche Eigenidentitaet voneinander absetzt. In diesen Faellen kommt meine "Empfangshalle" zum Einsatz. Werde mal sehen, ob ich bei Bedarf mal ein paar Fotos hochladen kann.


    Zu Picaflor zurueck: In der nun beginnenden Bluetenexplosion des Fruehjahres gibt es fast nie dauerhafte Raeuberei. Das ist eher ein Problem in trachtlosen Zeiten. Im Uebrigen stimme ich allen anderen zu: Es ist nicht klar, ob es ueberhaupt Raeuberei war, aber wenn es Dir komisch vorkam, dann behalte das enge Flugloch 2-3 Tage bei.

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  • Wirklich stille Raeuberei gibt's bei mir manchmal, wenn sich Teile des Volkes aus der Beute entfernen und ein anderer Teil zurueckbleibt. Der ausgeflogene Teil ist noch irgendwo in der Naehe und benutzt den von den daheimgebliebenen Schwestern benutzten Stock als "Tankstelle". Wenn man sowas hat, braucht man 1.die Koenigin im Stock, 2.viel Geduld und das Wissen, dass der Teil ohne Koenigin irgendwann weg sein wird, 3. die Hoffnung, dass sich durch die raeumliche Trennung nach und nach auch die duftliche Eigenidentitaet voneinander absetzt. In diesen Faellen kommt meine "Empfangshalle" zum Einsatz. Werde mal sehen, ob ich bei Bedarf mal ein paar Fotos hochladen kann.


    Hey Joe,


    danke erst mal für die Aufklärung ;) Nachdem Picaflor jetzt erst mal beruhigt sein dürfte, hätte ich dazu noch eine Frage: bei dir geht ein Schwarm ab, ohne Kö, der sich von seinem Muttervolk noch eine Weile lang ernährt bevor er abzieht und dann fort ist?! Hab ich das richtig verstanden? Sowas gibts?

    "Neunzig Jahre in einer Landschaft und in gesegneten frohstimmigen Stunden wird sie der Greis immer noch sehenswert finden, neugierig durchsuchen und Manches entdecken, als sähe er sie zum ersten Male mit reifem Auge."
    - Alexander v. Warsberg, Odysseeische Landschaften.

  • Ceranas, Ed, (ich vermute mal das ist Dein Name(?))


    Eigensinn hoch 23. was sie einfach unzumutbar finden wird demokratisch entschieden. Koenigin, Ueberleben, Zukunft... Sch.... drauf! Freiheit ist das hoechste Gut. Es scheint die wissen ganz genau, wem sie eins auswischen, wenn sie den Tod waehlen statt fremdbestimmter Gefangenschaft.


    Lieber 3-4 Monate jede Menge Spass mit unseren Afterweiseln als ein Leben lang Stress und unnaturgemaesse Behandlung durch diesen Bienenvatera....h. Die Koenigin war sowieso Mist, sonst waeren wir garnicht erst darein geraten. Sanuk, heisst das in Thailand: der hoechste Lebenszweck, das ohne was das Leben wertlos ist = Sanuk = Spass. Die Koenigin bleibt notfalls alleine zurueck, falls sie nicht durch das ASG vorm Flugloch kommt, selber schuld!


    In diesem Sinne wirklich bemerkenswert, wenn auch wenig imkerlich genutzt, wie man ja schon vermuten kann.


    Bin allerdings nicht ganz ueberzeugt, dass auch bei den Melliferas sich die moeglichen Optionen auf die schulbuchmaessig beschriebenen eingrenzen lassen. Es sieht eher so aus, als wenn fuer den unabhaengigen, kritischen Beobachter oefter mal Raetsel auftauchen, die sich durch Kenntnis der Sachbuecher alleine nicht erklaeren lassen.


    Kurz: Bin noch am Beobachten, am Lernen, daher nimm erstmal lieber die Sklenar'sche oder Liebig'sche Definition von stiller Raeuberei an und beobachte selber. Die Bienen sind dem Bienenvater garnicht so fremd, wie man aufgrund der biologischen Unterschiede annehmen muesste.


    Also kurz: Ja das gibt's, wenn die demokratische Abstimmung von Teilen einfach nicht akzeptiert wird, die dann ihr eigenes Ding weitermachen.


    Ja und dieser koeniginlose Schwarm geht tatsaechlich manchmal ab, zieht vermutlich irgendwo ein oder bleibt auch monatelang haengen, womit die Schulbuecher mit ihren 6 Wochen Lebensdauer mal wieder ad absurdum gefuehrt werden.

  • Ceranas, Ed, (ich vermute mal das ist Dein Name(?))
    Eigensinn hoch 23. was sie einfach unzumutbar finden wird demokratisch entschieden. Koenigin, Ueberleben, Zukunft... Sch.... drauf! Freiheit ist das hoechste Gut. Es scheint die wissen ganz genau, wem sie eins auswischen, wenn sie den Tod waehlen statt fremdbestimmter Gefangenschaft.


    Moin Joe. Ja, Ed ist mein Name, richtig erkannt ;) Hoffe mal du unterstellst den Bienen den Eigensinn, nicht mir, hab ja nur nachgefragt *g* Hab sowas noch nie gehört, bin aber auch neu. Und gelesen hab ichs bisher halt auch noch nicht, aber fands interessant. Merci für die Ausführungen, mal schauen ob ich sowas auch mal irgendwo erlebe.


    Lieber 3-4 Monate jede Menge Spass mit unseren Afterweiseln als ein Leben lang Stress und unnaturgemaesse Behandlung durch diesen Bienenvatera....h.


    Wie frech! Das "unsere" ist ja wohl aus Sicht der vermeintlich aus Freiheitsliebe selbstmordbegehenden Bienen geschrieben - sehr naturphilosophisch, erinnert schon etwas an Maeterlinck... bis auf die Ausdrucksweise vielleicht, da ist Maeterlinck dann doch etwas galanter. Gedanklich sucht ja aber auch immer nach dem tieferen Sinn des Daseins der Natur (dem Zweck allen Handelns).


    Nun, das sprengt jetzt hier sicherlich den Rahmen, aber okay - wenn du das so interpretierst, Freitod um der Freihheit willen (weil Leben beim Imker im Stock = Gefangenschaft), mit prämortalem Schmarotzertum (stille Räuberei bei den abtrünnigen, daheim bei der Kö verbliebenen Bienen) - es sei dir zugestanden, auch wenn ich's mir nur schwerlich vorstellen kann. Natürlich bin ich auch noch ein Bienenneuling, mal sehen was man noch so lernt im Leben :Biene:

    "Neunzig Jahre in einer Landschaft und in gesegneten frohstimmigen Stunden wird sie der Greis immer noch sehenswert finden, neugierig durchsuchen und Manches entdecken, als sähe er sie zum ersten Male mit reifem Auge."
    - Alexander v. Warsberg, Odysseeische Landschaften.

  • Moin Ed,


    Joe imkert mit Apis cerana, das ist eine andere Art mit anderer Biologie. Die verlässt, zum Beispiel, auch ein Nest mit vermilbter Brut und fängt woanders neu an. Und in Thailand, das ist klimatisch auch was anderes als hier.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • .. Merci für die Ausführungen, mal schauen ob ich sowas auch mal irgendwo erlebe. ..


    :) Bitte, gerne! Der Clas hat's ja schon aufgeklaert: Ceranas sind Wildbienen, d.h. bisher ohne bewusste Zuechtung auf vom Imker erwuenschte Eigenschaften. Kannst Du also auch erleben, aber dann in Asien. In Japan gibt's sogar eine Unterart, die imkerlich besser nutzbar ist.
    Mit Melliferas duerfte das hoechstens auftreten, wenn die Umstaende in der Beute voellig untragbar oder lebensfeindlich werden. Die Melliferas ertragen wesentlich mehr und haengen auch mehr an ihrer Brut. Eines meiner letzten Abscondings (also Komplett-Auszug) trat auf, weil es ihnen in den Mini-Plus tagsueber zu hell war. Sie sind halt SEHR wild und eigen und wollen erstmal sorgfaeltig gezaehmt werden.



    .... sehr naturphilosophisch, erinnert schon etwas an Maeterlinck... bis auf die Ausdrucksweise vielleicht, da ist Maeterlinck dann doch etwas galanter. Gedanklich sucht ja aber auch immer nach dem tieferen Sinn des Daseins der Natur (dem Zweck allen Handelns). ....


    :-D Vielen Dank fuer die Blumen, aber der Schuh ist ganz sicher einige Nummern zu gross fuer mich. Ich muss gestehen, ich kannte den garnicht, kann aber auch nicht gut genug franzoesisch aber als ich dann nachguckte: Nobelpreise sind ja offenbar auch nicht mehr, was sie mal waren, aber ich werde mit ziemlicher Sicherheit nie einen kriegen. :wink: 
     
    Ceranas sind halt von Imkern mit der in unserem Sinne schon fast "vernuenftigen" Mellifera schwer zu verstehen und ich suche daher nach Erklaerungen, die soweit passen, dass sie fuer die Bearbeitung nutzbar sind. Da kommen dann mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse halt manchmal solche Vermenschlichungen bei raus.


    Das geht aber jetzt sehr weit OT. Was die Raeuberei angeht, glaube ich, dass die Mechanismen bei beiden Arten vergleichbar sind. Stille Raeuberei bleibt fuer mich ein unscharfer Begriff, der aber dadurch berechtigt ist, dass er verschiedene Vorgaenge bei Raeuberei anspricht.


    Nun, das sprengt jetzt hier sicherlich den Rahmen, aber okay - wenn du das so interpretierst, Freitod um der Freihheit willen (weil Leben beim Imker im Stock = Gefangenschaft), mit prämortalem Schmarotzertum (stille Räuberei bei den abtrünnigen, daheim bei der Kö verbliebenen Bienen) - es sei dir zugestanden, auch wenn ich's mir nur schwerlich vorstellen kann. Natürlich bin ich auch noch ein Bienenneuling, mal sehen was man noch so lernt im Leben


    Wenn wir schonmal aus dem Rahmen sind: Freiheit als das hoechste Gut zu bezeichnen, ist zwar altmodisch und wahrscheinlich unzeitgemaess und es muesste auch “moeglicher Freitod um der Freiheit” willen heissen, denn die sind ja noch nicht tot, wenn sie ausziehen, es gibt vorbeiziehende Schwaerme, denen man sich anschliessen kann, es gibt sogar verirrte Koeniginnen, es gibt Thelytokie, vielleicht kommt die Koenigin auch irgendwann frei und schliesst sich an. Vielleicht raeubern die auch nicht nur, sondern versuchen auch das Absperrgitter durchzunagen und die Koenigin zu befreien und waeren dann garkeine Raeuber, sondern “Freiheitskaempfer in den Bergen” und die Stockbienen spenden den Honig freiwillig. (sog."stille Spenderei"):) So genau weiss ich das alles nicht.


    Freitod in der resignativen Bedeutung wie bei Menschen duerfte im Tierreich eher kaum vorkommen.
    Aber die Menschen, die sich entschieden, ihre Freiheit und die der ihren notfalls auch bis zum Tod zu verteidigen waren nicht immer die schlechtesten.


    Und wenn ich auch etwas zur Literaturecke beisteuern kann: Stell Dir mal "Farm der Tiere" ohne den Willen zur Freiheit vor. Oder doch schon.....?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von cerana_joe () aus folgendem Grund: Kuerzung