Brut und Volkstärke

  • Bei der derzeitigen Disskussion über Völkervereinigung tauchen zwei Poole auf, die ich in mir selber(zwei Seelen schlagen - ach in meiner Brust...) ebenfalls gut kenne.
    Viele von uns sind sehr interessiert an natürlicher, wesensgemäßer Bienenhaltung, ich persönlich verändere meine Betriebsweise auch Schritt für Schritt entsprechend. Dann gibt es noch die Ebene, dass wir auch Honigverkäufer sind, einen festen Kundenstamm haben; wobei das persönliche-in-die-Hand-geben des selbst erzeugten Honigs auch eine eigene Befriedigung jenseits finanzieller Erwägungen ist.
    Was nun aber wesensgemäß ist, was den Bienen gut tut oder schadet wird sehr unterschiedlich bewertet, manchmal erscheint mir das ein oder andere Argument als recht ideologisch, bzw. überbewertet. Ich trage ja auch den Gedanken in mir, die Bienen "einfach machen zu lassen". Aber wo lassen wir sie machen und wo leiten wir, greifen ein? Wenn sich jemand beispielsweise in der Verneinung von Völkervereinigungen als besonders natürlicher Imker ansieht und er/sie entsprechend "vereinigende "Imker bewertet, ihnen gar Panik oder auch Geldgier vorwirft, so kann dieser Imker möglicherweise auf einem anderen Gebiet seiner Betriebsweise als wesentlich weniger natürlich imkernd erscheinen und wird dann wiederum von anderen Kollegen entsprechend dafür abgelehnt.
    Wäre doch hilfreicher , sich produktiv zu inspirieren/kritisieren, als regelmäßig abwerternd zu kommunizieren...
    Wie schließt sich diese innere Polarität auf dialektische Weise?
    Ich kann Maßnahmen wie eine Völkervereinigung, um doch noch eine Frühtracht zu bekommen, mit eigenen Bedürfnissen (die tausenden von Euro für die ganzen Imkerklamotten konnte ich nicht gerade aus der Portokasse zahlen) und dem globaleren Gedanken gut vertreten : Viele der Leute, die meinen Honig kaufen, kaufen ihn ansonsten nicht regional sondern bestenfalls im Bioladen, wo er auch häufig von weit her, aus Mexiko beispielsweise, kommt. Für das Gesammtsystem Erde, also die Ökobillanz, (hochtrabendes Wort, aber für mich ein wichtiger Bezugspunkt, mit dem ich mein Handeln regelmäßig abzugleichen versuche - gelingt natürlich nur bedingt) erscheint mir also eine evtl. Fragwürdigkeit der Völkervereinigung als das wesentlich kleinere Übel, wenn es denn überhaupt eines ist.
    Grüße,
    Björn

  • Hallo Ihr Lieben,


    ich bin dafür Ruhe zu bewahren und die Entwicklung der nächsten Wochen abzuwarten. Leider habe ich nicht die jahrelange Erfahrung die Situation genau einschätzen und bewerten zu können. Aber ich habe die Hoffung, daß die Bienen dieses komische Frühjahr irgendwie "gut" meistern werden und diese Hoffnung wurde durch einige Posts der erfahrenern Leute hier gestützt/genährt (Danke!).
    Außerdem weigere ich mich standhaft irgendeine Einnahmen-Ausgabenrechung zu machen, weil ich weiß, daß dabei deutlich draufzahle...
    Björn : Versuch doch Deine Investition in den Imkerkrempel als Investition in Deine Zufunft (+Zukunft der Bienen usw.) zu sehen. Wenn Du mit Macht versuchst beispielsweise die "1000€" wieder zu erwirtschaften, dann finde ich das sehr kurzsichtig! Ich freue mich über das regelmäßige Taschengeld durch die Honigverkäufe, aber wenn ich aus objektiven Gründen (Wetter o.ä.) weniger verkaufen könnte, dafür aber meine Bienen besser durchkommen, dann wäre das auch ok. für mich.
    Bernhard : Ist das bei Dir trachtmäßig wirklich so schlimm? Unterschätzt Du nicht vielleicht die Trachten in den Siedlungen?


    Ich freue mich unheimlich auf die nächsten Wochen! Und wenn es wirklich so katastrophal mit fehlenden Trachten und unsynchronen Bienenentwicklungen, dann füttere ich sie eben durch den Sommer und kann im nächsten Jahr wieder durchstarten!


    Gruß Jörg, der Optimist (immer!)


  • Björn : Versuch doch Deine Investition in den Imkerkrempel als Investition in Deine Zufunft (+Zukunft der Bienen usw.) zu sehen. Wenn Du mit Macht versuchst beispielsweise die "1000€" wieder zu erwirtschaften, dann finde ich das sehr kurzsichtig! Ich freue mich über das regelmäßige Taschengeld durch die Honigverkäufe, aber wenn ich aus objektiven Gründen (Wetter o.ä.) weniger verkaufen könnte, dafür aber meine Bienen besser durchkommen, dann wäre das auch ok. für mich.


    Hallo Jörg, eigene finanzielle Erwägungen sind doch nur ein Teilaspekt meiner Agumentation. Bitte das Ganze sehen! Ich sehe die Investition natürlich auch als sinnvolle Investition in die Zukunft an, auch in eine ökologischer gelebte Zukunft. Und der Ausspruch "mit Macht" - wird manchmal gerne genommen, um einen anderen Standpunkt in das Licht zurücken, als wolle man (wie das bei den US-Imkern in den Mandelbaum-Horror-Plantagen ja tatsächlich zu sein scheint) mit der Brechstange über alle Bedenken hinweg etwas völig Unnatürliches durchsetzen.Mensch - "Ich" habe alle 20 Völker gut überwintert und werde zu gegebener Zeit 2, bzw. 4 davon vereinigen. Ein Argument für nachhaltiges Bienenleid oder darüberhinausgehenden Schaden dieser Maßnahme ist mir noch nicht zu Ohren gekommen. Dann wäre ja jeder Eingriff, besonders die Honigentnahme nicht mehr zu rechtfertigen.
    Die Verhältnismäßigkeiten von Kritik und tatsächlichem "Schaden" erscheint mir persönlich als etwas unausgewogen. Es gibt genug eklatante Dinge, die der Kritik dringend bedürfen.
    Viele Grüße,
    Björn

  • Hallo Björn,


    sorry! ich wollte die nicht angreifen etc. Von mir aus kann jeder der möchte seine Völker vereinigen, ich sehe nur im Moment für mich nicht die Notwendigkeit und den greifbaren Nutzen.


    Gruß Jörg

  • Hallo ihr Lieben,


    es geht so oder so um Bienenmasse. Jetzt eine Königin in Eilage abzudrücken erscheint mir nicht wirklich produktiv.
    Zumal sie selbst wissen was Sache ist und jetzt stiften als gäbs kein Morgen.
    Meine, ganz persönliche Meinung, wenn ihr vereinigen müsst (was sich manchmal nicht umgehen läßt und wichtig ist) dann wartet noch bis zur Tracht.


    Grüssle

  • Moin


    Bin seit diesem Wochenende aus Asien zurück.
    Ich habe Anfang April einmal kurz durch ein paar Völker geschaut.
    Status: nur ein paar Stifte auf Kaffetassen großen Flächen bei den Jungvölkern.


    Meine starken 2 Zarger Wirtschaftsvölker habe ich nicht weiter durchgeschaut, da Wärme zu spüren war.
    Dieses Wochenende nun durch die Wirtschaftsvölker geguckt:
    Ich habe die erste auslaufende Brut gesehen.
    Drohnenwaben, welche bei mir drinbleiben, sind verdeckelt.


    So richtige Durchschnittliche Völker sind nicht dabei.
    Entweder richtig stark, oder etwas schwach auf der Brust, teilweise so schwach, das sie einen Anschubser benötigen.


    Ansonsten: der Raps hat in der letzen Woche auf fast Kniehöhe aufgeschossen und man kann bei den Knospen einen Gelbschimmer durch die Kelchblätter schimmern sehen.
    Die Kirsche steht in den Startlöchern, ist aber noch nicht aufgebrochen.
    Weide blüht und pollt.


    Selbst im Moorwald kommt irgend etwas rein. Frischer Pollen ist zu sehen.


    Das Tal scheint bei den Starken Völkern erreicht.
    Ab jetzt geht es aufwärts.


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Habe gestern in die Völker geschaut und bin fast umgefallen:


    Noch vor knapp 2 Wochen hatte ich Völker, die sich einen Teufel um die zweite Zarge kümmerten.
    Gestern: Alle Drohnenrähmchen ( außer bei einem Ableger) komplett ausgebaut und voll bestiftet.
    Zudem von 22 Rähmchen auf mindestens 14 Rähmchen Brut in allen Stadien, teilweise komplett verdeckelte Rähmchen mit komplett geschlossenem Brutnest.


    Das Futter, welches mir vor 2 Wochen noch als "zu viel eingefüttert" erschienen ist, liegt jetzt nur noch als Futterkranz um einige Brutwaben herum.
    Ein Glück hatte ich letzte Woche bei den stärksten Völkern die Honigräume mit MW aufgesetzt:
    Es wird kräftig ausgebaut und seit 3 Tagen blüht bei uns die Kirsche.


    Ein für mich persönlich sehr befriedigendes Bild ( habe heute Nacht sogar geträumt, ich würde einen dritten Brutraum benötigen)


    Auffälliges Verhalten stelle ich am Teich fest:
    Seit Tagen, wenn ich mich dort hin hocke und versuche, dem ein oder anderen Bienchen aus dem Wasser zu heofen, welches doch noch irgendwo ins Wasser gefallen ist, werde ich sofort attakiert.
    Bin 2 x gestochen worden vorgestern, ohne dass ich irgend was böses gemacht habe und auch nicht in der Anflugschneise stand. *schulterzuck*


    Ich beobachte auch manchmal Bienen, die sich am Teich prügeln und beißen und dann beide ins Wasser fallen - was soll das?


    LG: Anni

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Das Prügeln am Wasserloch habe ich auch vereinzelt beobachten können. (Gestochen wurde ich da aber nicht.)