Gute Idee (!)? - Oder: Retten viele neue Imker die Bienen?

  • Ich bin mir nicht sicher: Ist es eine gute Idee, oder hält auch dieses Projekt nur den "ewigen" Kreislauf - Neuimker - Bienenverluste - Bienenimporte - Varroa - Petizide - Bienenverluste - Eximker - am laufen?


    "Das Frühjahr steht vor der Tür, so viel ist sicher. Doch ob auch alle unsere „Majas“ wieder den blauen Himmel sehen, steht ganz und gar nicht fest! Das mysteriöse Bienensterben. Ein weltweites Problem. Unser Problem. DEIN Problem. Deshalb brauchen wir rasch jungen Imkernachwuchs, der um die drei Grundprobleme der Biene – Varroamilbe, Pestizide und Nahrungsmangel – Bescheid weiß. Wir wollen dieses Wissen an Bamberger Schulen vermitteln."


    http://www.startnext.de/schulbiene


    Ich bin mittlerweile der Meinung, dass das krampfhafte "Imkernachwuchsgewinnungsrennen" der Imkererbände die Augen verkleistert, vor den eigentlichen Problemen der jetzigen Landwirtschafts-Praxis...


    Wie denkt Ihr darüber?


    rst

  • Masse statt Klasse hat noch keinem genützt. Aktuell würde ich als Bienenverkäufer diese Entwicklung sehr begrüßen und fördern. Als Schulungsreferent würde ich mich freuen, dass man mich sehen will und das die meisten alles morgen wieder vergessen haben.


    Als DIB würde ich mich auch über neue Kundschaft freuen und die Vereine ja sowieso. Ob die Alten mit den nörgelnden Neuen so einfach klarkommen, ist fraglich.


    Ja, wie geht es der Biene? Alles bleibt gleich.

  • Sicherlich wird es künftig ein Problem werden: Wo kriegt man die ganzen Völker her, bei dem Nachwuchszuwachs?


    Eigentlich gehörte in jedem Landkreis mind. 1 . Vermehrungsbetrieb installiert.


    So würden Importe vermieden werden und Krankheitsübertragungen minnimiert.


    Aber sorry, irgendwie bekomm ich Bauchweh bei dem Gedanken.


    Völkerproduktion für den Chemiefresserteufel.


    Vermehrung für die Katz.


    Da schrei ich irgendwann: Erbarmen.



    Rettung für unsere Honigvögel gibts nur mit einer PSM freien Landwirtschaft, die ökologisch ausgerichtet ist und solange wir das nicht haben,
    wird dem Simmerl sein Bauchweh nicht gut.


    Herzliche Griass
    Simmerl

  • Ich zitiere mal Heinrich Storch:


    So mancher tritt ein in unsere Reihen - bar jeder Vorkenntnisse.


    Wo bleibt der Idealismus bei jenen Imkern, die in Unwissenheit verharren und in deren Händen die Bienenvölker jahraus, jahrein einzig und allein aus dieser Ursache verschiedene Drangsale und Leiden, oft sogar Not und Tod erdulden müssen ?
    Nur der Wissende ist imstande, sie vor Unbill zu bewahren........

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo zusammen,


    hattet Ihr eigentlich mitbekommen, daß auf einem Berufsimkertreffen von einem namhaften Referenten nach den gemeinsamen Zielen gefragt wurde. Er hat sich dann etwas provokant selbst geantwortet "Haben wir Interesse daran, daß jeder sich 1,2 Bienenvölker halten kann?" Angespielt wurde darauf, daß die meisten Imker mit der Varroabehandlung überfordert sind...


    Gruß Jörg

  • So wenig ich auch von pauschalen Urteilen halte, so sehr denke ich inzwischen, dass es der Biene mehr nutzen würde, die entsprechenden Schulstunden lieber in guten theoretischen, nicht schöngefärbten Unterricht als in das Drahten von Mittelwänden zu stecken. Fördert auch die wichtigen Kompetenzen. Man muss nicht jedes selber Tier halten, um es schützen zu können. Das funktioniert schließlich auch bei Walen ganz gut anders. Aber mal weg vom Thema Schulbienen: Ich frag mich seit Monaten, ob es an unserer Zeit oder der Sozialisation von Menschen liegt, dass inwischen scheinbar jeder dritte Neuimker noch vor der ersten Einwinterung zu meinen scheint, ein Buch über sich und seinen Weg zu den Bienen schreiben zu müssen. Wir brauchen mehr Herzblut-Imker als Ego-Imker, und seien es auch nur halb so viele.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Fest steht, dass nur mit der "notwendigen Anzahl" Interessen mit Nachdruck verfolgt werden können. Nur mal als Analogie: In der Politik kann dein Programm so gut sein wie es will, wenn du nicht gewählt wirst, nützt das nichts. Daher brauchen wir interessierte Menschen! Leute, die sich für die Bienen, den Naturschutz und unsere Umwelt engagieren. Ich denke schon, dass es im besten Fall auch Imker sind. Wir sind doch eine kleine Speerspitze im Bereich Umwelt und Ökologie und (1) merken als erste, wenn sich Zusammenhänge ändern, wenn Ökosysteme auseinanderdriften und (b) ist es immer etwas anderes und heftigeres selbst solche Dinge zu beobachten und davon betroffen zu sein, als in der Zeitung wieder mal zu lesen, dass in der Umwelt irgendwas nicht stimmt.


    Falsch ist sicher, "wir suchen uns mal ein angesagtes Thema" und schwimmen dann mit. Bienenhaltung ist immer noch Tierhaltung und wir übernehmen auch Verantwortung damit, Verantwortung für die Bienen, die wir betreuen und damit ist "mal ausprobieren" eben keine gute Idee. Hier ist sicher mehr Engagement nötig als vielleicht gedacht. Bei uns im Verein werden Neu-Imker nur finanziell gefördert, wenn sie einen fachlich kundigen Imkerpaten nachweisen können.

  • Hallo zusammen,


    hattet Ihr eigentlich mitbekommen, daß auf einem Berufsimkertreffen von einem namhaften Referenten nach den gemeinsamen Zielen gefragt wurde. Er hat sich dann etwas provokant selbst geantwortet "Haben wir Interesse daran, daß jeder sich 1,2 Bienenvölker halten kann?" Angespielt wurde darauf, daß die meisten Imker mit der Varroabehandlung überfordert sind...


    Gruß Jörg


    Ja ja die liebe Angst

  • Nabend,


    sicher ist Neuimker suchen nicht die Lösung aller Probleme (offensichtlich, behauptet ja aber auch niemand). Aber wenn man etwa sschützen oder ändern will, reicht es bekanntlich nicht, "recht zu haben" - man braucht auch genug Leute die das Problem überhaupt kümmert.
    Ich weiß nicht wieviele Neuimker und Imkerlehrgangsbesucher wirklich dauerhaft dabei bleiben, sicher nicht alle. Aber auch die, die es nicht dauerhaft betreiben wollen, haben auf dem Weg was über Imkerei und v.a., was vermutlich wichtiger ist, über "reale" Ökologie gelernt (jenseits von platten, populären Zerrbildern). Und diese Leute bleiben ja teils engagiert und sensibilisiert und sind somit ein wichtiger "Ressonanzkörper" wenn die Imkerschaft "aufschreit."


    --> Es ist sicher für niemanden verkehrt sich mit den Bienen zu beschäftigen und rudimentär auszukennen. Die die es mit der Imkerei probieren aber es nicht dauerhaft machen wollen, sollte man deswegen nicht verurteilen. Sofern sie ihre Bienen verantwortlich wieder abgeben und so lange gut behandelt haben... all good.

    "Neunzig Jahre in einer Landschaft und in gesegneten frohstimmigen Stunden wird sie der Greis immer noch sehenswert finden, neugierig durchsuchen und Manches entdecken, als sähe er sie zum ersten Male mit reifem Auge."
    - Alexander v. Warsberg, Odysseeische Landschaften.

  • Hallo Zusammen,


    ich sag mal ganz provokant: Leider (oder Gott sei Dank) ist es einfacher, dass mittlerweile jeder Depp, völlig dem Gefühl für natürliche Abläufe und der Kreatur in ihrem eigentlichen Kern, sich einen "Fiffi" anschaffen kann und diesen dann mit Hilfe des mittlerweile dazu gewachsenen Industirezweigs vermenschlichen, verhätscheln, zu Tode füttern und "lieben" wird.


    Es ist teils ein Problem, dass über die Entfernung zur Natur dem Tier nicht mehr seine Artgerechtigkeit gelassen wird. Übertreibung und verdrehte Ansichtsweisen, Unwissenheit zu dessen Grundbedürfnissen und Zuteilung von Bedeutungen und Aufgaben, die das Tier überhaupt nicht erfüllen kann, dazu dann Verwirklichungsdrang, Ehrgeiz, Hintergrundideologien, soziale Vereinsamung, die das Tier ausbaden muß auf Kosten passender Haltungsbedingungen und Umgang oder "Erziehung".
    Teils gibt es dann die Überforderten, die Strohfeueranzünder, die Konsequenzlosen oder sonstwie Schludrigen, die alles über Kurz oder Lang verwarlosen lassen oder gar Schlimmeres. Das Gegenstück sozusagen.
    Ich meine, die goldene Mitte wird immer schmaler. Menschen, die noch ein vernünftiges Miteinander mit der Tier- und Umwelt erleben, vorgelebt bekommen, dem nicht zu weit entrückt sind.
    Die Sehnsucht dahin wird komischerweise aber immer größer, was auch dazu führt, dass vieles absolut idealisiert und in rosa Wölckchen vernebelt wird. Das ebnet dann wiederum den Weg in die Übertreibung.


    Ich denke, wer Bienen halten will, kann dies nicht "mal eben" im Garten ohne fundierte Grundkenntnisse. Das sollte auch niemandem weis gemacht werden. "Für jeden" geht einfach nun mal nicht (Hamsterhaltung schon eher...). Man darf Anfängern jedoch auch nicht sofort mit der Großkeule kommen, sie mit zu viel und Kompliziertheit erschlagen. Gute Lehrer tun Not. Praxisbegleitung ist ganz wichtig. Auch hier muß der Mittelweg gefunden werden.
    Damit aus dem erwünschten Mittelfeld der Interessenten Jungimker entstehen können, die es können und den Bien in die Zukunft weiter begleiten! Je besser das klappt, umso besser für die Bienen und umso besser für alle damit zusammenhängende Fragen!


    Stellt Euch mal vor:
    Nicht nur das kleine Gemüsebeet wird wieder weiter verbreitet, sondern auch die Bienenhaltung im kleinen Rahmen. Was das für ein Riesenbackup an Energien und Interessen in die bessere ökologische Richtung darstellen würde.


    Oder wieder überspitzt:
    Wenn jeder mit gleicher Inbrunst wie für seinen verhätschelten Fiffi für sein Bienenvolk im Kleingarten in die Bresche springen würde....



    Ein Hoch auf die goldene Mitte


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Marion, mit alledem was Du in die Presche wirfst, kann ich mich zu 95% identifizieren und soviel steckt auch Wahrheit darin.


    In meinen Einführungskursen gibts auch mindestens 1/3 anteilsmäßig, womit die Interessierten auf Naturschutz eingeschworen werden und es wird ihnen gutmütig einsuggeriert, als künftige Imkerinnen und Imker auch als Anwälte, für sämtliches Gesummsel zu fungieren, wie auch politisch aktiv zu werden, um Änderungen zu bewirken, die eine zukunftsfähige und überlebensgarantierende Umwelt für unsere Honigvögel sicherstellen.


    Andererseits, kann ich gut auf die oft verheerenden "Betriebsweisen" alteingesessener Imker verzichten, die oft so manchen Neuankömmling nicht nur mit Geiz oder Missmut vergiften. Das gabs früher schon und gibts auch heute noch.


    Vor Blödheit - ist eben niemand gefeit!


    Jetzt solltet Ihr aber NDR ansehen!


    Griass
    Simmerl