Reform der Agrarpolitik 2013

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    P

    Um erfolgreich als Biobauer zu arbeiten gehört viel Erfahrung und Wissen dazu. Im Ökobereich arbeitet man anders.
    Da können Fehler z.B. nicht einfach mit Spritzmittel ausgebessert werden. Da muss auch die Fruchtfolge usw. alles passen :)


    Gruß
    Florian


    Was heißt das im Umkehrschluss :lol:

  • Dann sind österreichische Bauern dreimal so klug wie deutsche Bauer. Die haben knapp 20 % Biobauern und wir knapp über 6 %.



    Ich finde das war früher wesentlich einfacher als jetzt, wo man jeden Spritzmittel und Düngeaufwand mit dem PC errechnen muss und immer schön nach oben aufrunden.


    Die Politik hat doch gar kein Interesse hier mehr Bauern umzustellen, ansonsten müsste schon längst in den landwirtschaftlichen Berufsschulen, beziehungsweise in der Landwirtschaftschule der Bioanbau unterrichtet werden, damit sich wenigstens die jungen Leute hier hochqualifziert die Umstellung wagen.

  • Guten Abend!


    honigmayerhofer : Die Ausweitung der Ökologischen Landwirtschaft ist in unserer Region ein Problem der Struktur:
    Biobetriebe, die jetzt umstellen wollen, konkurrieren mit den riesigen Bio-Betrieben im Osten der Republik und stehen das nicht durch. Ein Landwirt der heute "aufgibt" bestellt seine Flächen zu 100% mit Mais, den er an Großbetriebe oder Biogas(-Bauern) verkauft. Dazu muß er nix investieren und kann außerdem einen vollen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft einnehmen. Will er umstellen, muß er mind. in neue Maschinen, wahrscheinlich zusätzlich in Um- und/oder Neubauten investieren, bei Pachtflächen drehen ihm die großen konventionellen Betriebe den Hals um und beim Absatzmarkt bestimmen die Ostbetriebe die Bedingungen.
    Wer unter solchen Bedingungen umstellt, muß mehr als Optimist sein.
    Ein paar Kilometer weiter hat bei uns ein in 2. Generation als Bioland-Betrieb geführter riesiger Hof auf konventionelle Ldw. umgestellt, weil er nicht mehr mithalten konnte.
    Kleine Biobetriebe gibt es sowieso nicht mehr, außer vielleicht in der Selbstversorgerszene. Nebenberufliche Bio-Ldw. ist wegen des erhöhten Arbeitsanfalles nicht mehr möglich.
    Die Biodiskussion bzw. Förderung ist nichts weiter als zum Schein...
    Woher also sollen die Umsteller kommen?


    Noch `nen schönen Abend Ralf

  • Und warum geht es in Östereich mit weiter steigenden Zahlen?
    Ich höre nur, dass die Biobauern die Umstellung nicht bereut haben, außerdem wird immer mehr Bio aus Deutschland gekauft, der Osten ist keine Konkurrenz.
    Der Grund ist auch größtenteils darin zu suchen, dass die Landwirtschaftsämter hier völlig noch auf den alten Strukturen beraten und der konventionelle Landwirt sich das Geld sehr einfach verdient. Als Biobauer brauchst du mehre Standbeine, wie Urlaub auf dem Bauernhof usw., der Biolandwirt muss kreativ sein, das ist das Problem, aber die Landwirte werden sich umstellen müssen, so sicher wie das Amen in der Kirche.

  • Dazu passend in der aktuellen Ausgabe der Südddeutschen Zeitung ein Artikel über eine Familie, die mit der Umstellung ganz glücklich ist: Die Lösung liegt in der Bio-Landwirtschaft


    Die entscheidende Frage in allen Berufen ist doch immer: Wie viel ist mir genug? Also wie weit muss ich das "höher, schneller, weiter - Spiel" mitmachen. In manchen Fällen will man ja selbst immer 101% des Möglichen, obwohl man mit viel weniger auch gut leben (besser?) kann. Es gibt aber natürlich auch Fälle, wo man mit 99% des Möglichen gerade noch über die Runden kommt. Aber gerade ein Schritt zurück ist immer schwer. Wir haben auch lange überlegt, ob wir die finanziellen Einschränkungen von geteilter Teilzeit für beide Eltern in Kauf nehmen sollen, um wieder mehr Lebensqualität zu haben. Jetzt wissen wir, dass es das wert war, aber nicht jeder hat den Luxus, dass er diese Alternative hat.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Hallo Ralf, hallo Franz Xaver,
    nun bin ich im "Osten" beheimatet, aber riesige ÖKO- Betrieb? WO? Ich kenne hier auch nur kleine. Wenn klein nicht 10 ha heißt!
    Und wie diktiert der große Öko-Betrieb die Bedingungen? Es ist doch wohl der "Großhandel" d.h. die Super-Super-Makt-Konzerne. Wenn das so wäre wie gemeint, dann wären die Ab-Hof-Preise eben so wie es der Bauer möchte / für angemessen = Gewinn bringend hält. Ist aber nicht so!!!!
    Auf dem Thüringer Wald gab es einen großen Rinderbetrieb. Er, der große, hat aber wegen der nichtmehr gegebenen Wirtschaftlichkeit aufgegeben. Erkonnte nicht anders als jeden Tag seine Milch an die Molkerei zu verkaufen. Stabeln oder Produktion vorübergehend einstellen geht doch nicht. Und damit werden die lw. Betriebe unter Druck gesetzt. Das ist doch das Übel.
    Und natürlich ist das so:"Der Osten ist keine Konkurrenz".
    Solange es keine politisch gewollten Festpreise ab Hof für BIO-Produkte gibt wird sich nichts ändern. Für mich ist die "Heumilch" in Österreich das Beispiel. Die Verarbeiter müssen sich etwas einfallen lassen um ihre Produkte verkaufen zukönnen. Derzeit ist es doch einfach nur so, dass es Einkaufs-Preise der Verarbeiter gibt und die Landwirtschaft muss so billig produzieren, dass noch etwas an "Gewinn" (oft unter 1%) übrig bleibt.
    In Österreich sind sicher die Bedingungen andere. Sie müssen ja nicht besser sein.
    Gruß
    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Ein Bio-Betrieb bei uns in Sachsen-Anhalt hat im Durchschnitt 184 ha. Das ist schon erheblich. Selbst konventionelle Betriebe haben in Westdeutschland im Durchschnitt "nur" 54 ha.


    Die Schwierigkeit bei der Umstellung auf ökologischen Landbau besteht darin, dass du für zwei Jahre deine Produkte weiter als konventionelle Ware verkaufen musst, während die schon komplett nach ökologischen Richtlinien produzieren musst. Für den Landwirt, der Ackerbau macht, bedeutet das, dass er nun noch mehr als zuvor über Fruchtfolge etc. dafür sorgen muss, dass Schädlinge sich nicht vermehren können, das Unkraut nicht hoch kommt, usw. In Richtung der Schädlinge ist dies gerade in Anbetracht der immer milderen Winter ein echtes Problem. Wenn irgendwas nicht geklappt hat, kannst du als konventioneller Landwirt nochmal mit der Spritze nachsetzen. Wenn du im Ökolandbau ein erheblich stärkeres Aufkommen von Unkräutern, Pilzsporen oder Schädlingen hast, ist die Ernte in den meisten Fällen zu großen Teilen verloren. Das ist ein Risiko, dass man nachvollziehbarerweise scheut, wenn man in der Ausbildung überwiegend lernt, welches PSM man auf welches Problem einsetzt.
    Das zweite Problem ist Landgrabbing. Die Bodenpreise werden immer teurer, die hiesigen Pachtpreise kann man sich kaum als konventioneller Landwirt noch leisten, da zählt jeder Cent, den man vom Hektar runterkriegt. Insbesondere Flächen der BVVG gehen hier, trotz Ackerzahlen zwischen 20 und 30 für 8000-9000€ über den Tisch, die Pachtpreise liegen selten unter 500€/ha/Jahr. Das bedeutet insbesondere auch für junge Landwirte, die beispielsweise an der HNE Eberswalde Ökolandbau studiert haben, dass sie größte Schwierigkeiten haben, erstmal Fuß zu fassen.
    Aber auch die hiesigen konventionellen, die 700ha und mehr haben, haben teilweise Schwierigkeiten, neue Flächen zu kriegen, sofern sie keinen Investoren im Hintergrund haben. Effektiv kann man sich die meisten Flächen als Landwirt nur leisten, wenn man darauf Maismonokultur macht und das dann in die Biogasanlage stopft. Das kann man als Bio-Landwirt nicht leisten, insbesondere nicht, wenn man gerade erst als solcher anfängt.


    Interessant ist auch, dass der Anteil der verkauften ökologischen Lebensmittel in Deutschland jedes Jahr um etwa 10% zunimmt, während von 2014 zu 2015 der Anteil der ökologisch bewirtschafteten landwirtschaftlichen Flächen wieder abnahm. Das bedeutet, dass wir insgesamt einen wachsenden Biomarkt haben, während an diesem aber immer weniger die heimische Landwirtschaft beteiligt ist. Zudem setzt auch in der Biobranche zunehmend die "Geiz-ist-geil"-Mentalität ein. Bio-Landwirte müssen auch immer noch billiger produzieren, weil viele Verbraucher die Bio-Eigenmarken von Aldi, Lidl und Co. kaufen, ohne zu hinterfragen, wo die eigentlich herkommen und wieso die eigentlich gar nicht so viel teurer sind als die konventionellen Lebensmittel.
    Entsprechend empfehle ich meinen Kunden immer, nicht einfach nur auf das EU-Bio-Siegel zu achten, sondern am besten auch ein Verbandssiegel dabei zu haben, sich aber gleichzeitig im Optimalfall auch mit dem Betrieb hinter dem Produkt zu beschäftigen - sprich Regionalität wert zu schätzen und nach Möflichkeit sogar direkt beim Erzeuger einzukaufen.


    Soweit mal meine Gedanken zum benannten Problem.


    Viele Grüße
    Friedrich

  • Hallo Friedrich,
    danke für die ausführlichen Gedanken zu diesem Thema.
    Ich bin von dem ausgegangen was ich hier in meiner nachbarschft kenne. Und für uns hier im Osten sind 180 ha keine Größen.
    Aber solche Preise kenne ich aus Sachsen-Anhalt und hier in Thüringen nicht. Zumindestens bei den Pachten nicht! Und 1,-€ pro m² ist doch nicht zuviel. Wenigstens für den, der verkauft.
    Das Problem ist doch der "ab Hof Preis" für BIO-Produkte.
    Hat denn schon mal einen interessiert wo was herkommt? Der größte Schrott wird gefr..., Hauptsache billig! Dann aber richtig viel!
    Aber lassen wir das. Wir änderns nicht.
    Gruß
    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • Entsprechend empfehle ich meinen Kunden immer, nicht einfach nur auf das EU-Bio-Siegel zu achten, sondern am besten auch ein Verbandssiegel dabei zu haben, sich aber gleichzeitig im Optimalfall auch mit dem Betrieb hinter dem Produkt zu beschäftigen - sprich Regionalität wert zu schätzen und nach Möflichkeit sogar direkt beim Erzeuger einzukaufen.


    Hallo Friedrich,


    das ist doch nicht verwunderlich, dass die Flächen mit ökologischer Bewirtschaftung in D auf dem absteigenden Ast sind. Das Wetter hier bei uns ist doch mittlerweile eine absolute Katastrophe geworden, da kann man es niemandem verdenken, wenn lieber konventionell erzeugt wird, weil es sicherer für die eigene Existenz ist und für jedes Problem das passende Mittel bereitsteht.


    Als Verbraucher bringt mir ein solches Regionalsiegel herzlich wenig, wenn da im konventionellen Meer ein paar kleine Bioinseln weitläufig verstreut zu finden sind. Große zusammenhängende Bioflächen, das wäre eine Option, da braucht man aber mit 3-stelligen Hektarzahlen garnicht erst anfangen, das ist nicht groß genug, wenn außenherum konventionell gewirtschaftet wird.


    Trotzdem, Saisongemüse würde ich schon hier kaufen, Getreideprodukte eher nicht. Da steige ich dann doch lieber auf Bioprodukte aus dem Süden um, wo das Wetter deutlich stabiler ist und z.B. Fungizide generell nicht in der Menge eingesetzt werden müssen, wie das hier bei uns der Fall ist.


    Grüße Sven

  • Hallo,
    es ist nicht 2013, wir haben 2016 und wenn ihr mal sehen wollt wie es wirklich aussieht, dann mal die "Ostthüringer Zeitung" vom heutigen Tage online ansehen: "Rettung nur mit Marktumbau".
    Dort geht es nicht um ein paar BIO-Bauern. Es geht um die konv. Milchbauern! Es ist eine Schande!!!!!! Was die Politiker in dieser Zeit so machen ist mir ein Rätsel.


    Gruß
    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?

  • hallo Franz Xaver,
    natürlich, eine gute Sendung. das macht der BR tatsächlich gut. Muss ich neidvoll zugeben.
    Lösungen!? Sie müssen her!! Wer findet welche? Es sind die einzelnen menschen, die sich aufraffen und kosequent ihre Schiene fahren. Es müssen aber die Massen sein! Nicht Massen von Tieren, Fleisch, Milch, Eiern. Massen Menschen, die eingesehen haben, dass das, was sie bisher getan haben, nicht so weitergehen darf. UND DANACH HANDELN!
    Morgen wird in unserer Kleinstadt mit 8500 Seelen ein neuer, der neueste, REWE-Markt eröffnet. 10% auf alles! Na was meinst Du? Genau, alles was Beine hat ist morgen dort.
    Aber nichts gegen den neuen markt. Es ist ein Ersatzbau für so eine Billigscheune, die 1990 aus einer beliebigen Lagerhalle herausgezogen wurde und nach 3 Jahren regnete es durch. War teuer und die Baufirma kam ..., na woher schon? Diesesmal waren es Niedersachsen. Schaun wir mal!
    Ich wette, es geht noch lange so weiter.
    Es gibt auch etwas anderes. Heute hat ein Landwirt (fast schon mein Landwirt) in meiner Nachbarschaft auf seinem Grundstück damit begonnen, eine Feldhecke zu pflanzen. Es ist ein Wiesenstreifen neben seinem Acker von dem er bisjetzt nichts wusste. Er hat Abstand davon genommen, auf seinem Acker eine solche Hecke zu setzen. Er darf sie ja nie wieder wegnehmen. Sie hat unmittelbar nach der Pflanzung Bestandsschutz! Auf der Fläche, die ihm quasi zugefallen ist, k ann sie für alle Ewigkeit bleiben. Ein anderer hätte den Streifen bei nächster Gelegenheit umgepflügt und gut. Er ist eben BIO!
    Aber eben keine Massenbewegung. (Eine Theorie wir zur materiellen Gewalt, wenn sie die Masse(n) ergreift!)
    Gruß
    Harald

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  • der Drohn
    der keine Subventionen will, sondern ehrlich entlohnt werden will für seine Arbeit mit den Bienen.

    http://ec.europa.eu/agriculture/cap-post-2013/index_de.htm
    Hallo,
    dass ich nochmal auf diese Zeile zurückkomme hat seinen Grund.
    Ich zitiere sinngemäß: " Ich produziere ein hochwertiges Lebensmittel und möchte dafür ehrlich entlohnt werden".
    Das hat so oder so ähnlich ein Bauer in einer Gesprächsrunde im Deutschen Fernsehen zum Ausdruck gebracht. Zur Zeit ist es immernoch so, dass er das nicht durch ehrliche Arbeit an 365 Tagen im jahr erreicht, sondern durch mehr Masse. Oder durch industrielle Organisation der landwirtschaftlichen Produktion und die Beschäftigung von angelernten Teilzeitkräften. Den Rest des Gedankens kann ich mir wohl ersparen. Mancheiner hat sicher schon davon gehört.


    Drohn, Du bist Imker, kein Landwirt! Es sei denn Du hast diesen Beruf erlernt und auch eine Zeitlang praktiziert.
    Und Subventionen haben die subventionierten nicht weitergebracht. Es wird auch die Imker nicht weiterbringen. Es geht nur über den Preis für das Produkt. Da hilft dir keiner!!!
    Gruß
    Harald

    Es wird in jedem Jahr Frühling, nur wann?