Wichtigkeit von Drohnen für Honigbienenvölker

  • Hallo,


    also, ich schneide zwar keine Drohnenbrut jedoch kann ich hier einiges nicht ganz nachvollziehen


    Drohnenschnitt ist radikal, Säuren sind auch nicht ohne, die bringen auch Streß.
    TBE ist auch Streß, oder?
    Ein-zwei Waben weisellos, eine kleine Volkseinheit ohne Flugbienen in eine neue Kiste als geplanter Ableger. Ist als Bien überlegt auch länger ganz schön stressig, find ich.
    Drohnenschnitt ist eine Möglichkeit, die in bestimmten Situationen ihre Berechtigung haben kann. Man sollte vielleicht nicht kategorisch Nein sagen.
    Es sollja Imker geben, die schneiden Drohnenbrut nicht nur mit Behandlungsgedanken, sondern um "unnütze Fresser" zu eliminieren. Da streike ich dann spätestens. Ich habe einen Beruf und brauche diese Gläser Honig meiner Jungs nicht.


    Was Regina schrieb, was den Vermehrungswunsch des Imkers angeht: An Königinnen denken immer alle, es wird schleunigst umgeweiselt, zum Nachziehen überlegt etc.
    Dass Nicht-Nachzuchtwürdige nicht nur kein Material geben sollten zum Königinnenvermehrung, sondern auch sonst "kastriert" werden sollten, da denken dann nicht mehr alle dran, betreiben aber Standbegattung...


    Zitat

    Außerdem heizen Drohnen die Brut


    Das hatten wir doch schon hier. Arbeiterinnen heizen die Brut noch besser, energetisch noch effektiver und vor allem in der Brutwabe, und wenn sie damit fertig sind, machen sie noch andere Jobs.:wink:


    Zitat

    Was also gibt es besseres, als die ganzen Begleiterkrankungen von den Leistungsträgern im Stock auf die eigentlichen Wirtstiere umzuleiten?

    Das gilt aber nur für die Aufzuchtphase der Milbe und für die betroffene Larve, nach dem Schlupf sind auch andere dran und freie Bahn für die Verbreitung von Viren. Je mehr Beißer, desto größere Streuung.


    Zitat

    Der Imker hat Mehrarbeiten, mehr Eingriffe in dem Bienenstock und die Drohnenbrut nun bunt gemischt im Brutnest und kurz daneben

    Die üblichen drohnenbrutschneidenen Imker erledigen das bei einer anstehenden Durchsicht etc. nebenher. Da ein neuer Drohnenrahmen eingehängt wird bzw der ausgeschnittene erneut, entsteht auch genau hier erneute Drohnenbrut und nicht überall bunt gemischt (Das sagt Seeley ja gerade in der Arbeit). Das würde nur passieren, wenn bei ausschließlich MW kein Drohnenrahmen angeboten wird.


    Zitat

    Nehmen wir den Menschen auch die Erstgeborenen weg, weil die nix taugen und nur Geld kosten?

    Der Vergleich hinkt, denn Erstgeborene eines Säugetieres sind nicht vergleichbar mit Drohnenbrut eines Bienenvolks. Drohnen sind hier Teile eines Lebewesens, die Keimzellenträger. Es kommt wohl eher einer Kastration mit wiederholten Nachschneiden gleich. Will man dem Bien den Erstgeborenen nehmen, dann muß man an den Vorschwarm bzw. den ersten Nachschwarm.


    Der Drohnenanteil mMn gehört in ein harmonisches Volk, sie schicken sie raus und lassen andere dafür ein. Sie gehören im Aufschwung einfach dazu. Das ist der Idealfall. Wenn alles stimmt, dann sollen proppere Völker sie haben, aufziehen, füttern, Flugsprit spendieren. So Honigerpicht bin ich nicht.
    Aber wie gesagt: Sag niemals nie.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Marion : das Timing ist entscheidend.
    Wenn zur Schwarmzeit nicht genug zeugungfähige Drohnen zur Auswahl da sind, geht jede Standbegattung in die Hose.
    Und grad bei den frühen Schwärmen ist das das k.o.-Kriterium für später.
    Ich hab letztes Jahr per Buschtrommel im Sommer nur Gutes gehört, aber ab Juli gab es eher Verlustmeldungen über drohnenbrütige oder einfach gar nicht legende.
    Ich kann nicht sagen, wieviel davon den PSM zuzurechnen ist, aber daß Drohnenschneiden alles nur noch verschlimmert, ist ein Fakt.
    Außer man hat eine Großimkerei und wandert früh genug aus.
    Nimm doch bloß mal den Zeitrahmen.
    Hierzulande fallen die ersten Schwärme für gewöhnlich Anfang Mai +/-2 Wochen, je nach Wetter.
    Drohnen brauchen 6 Wochen vom Ei bis fruchtbar.
    Sprich, ab Mitte März werden die ersten Drohnen aufgezogen, und Anfang April sieht der Imker die Drohnenzellen.
    Wenn ich Anfang April schneide, müssen sie wieder ganz bei Null anfangen, also sind die nächsten erst Ende Mai reif - das ist ZU SPÄT für Vorschwärme.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Wenn ich Anfang April schneide, müssen sie wieder ganz bei Null anfangen, also sind die nächsten erst Ende Mai reif - das ist ZU SPÄT für Vorschwärme.


    Vorschwärme fliegen mit einer begatteten Kö aus. Deshalb werden noch keine Drohnen zur Begattung benötigt. Die bald darauf ausfliegenden Nachschwärme haben unbegattete Königinnen. Dann müssen ganz viele geschlechtsreife Drohnen fliegen.


    Wolfgang, der Heidjer

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Singervorschwarm?:wink:
    Nein, mal ohne Scherz - das System Bienenvolk hat sich über lange Zeit entwickelt, und anscheinend bringt es einen evolutionären Vorteil, die Drohnen so früh fertig zu haben, sonst würden sie es ja nicht so machen. DerAufwand für Drohnen ist gewaltig - warum das in die Tonne kloppen?

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

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  • Ich hab letztes Jahr per Buschtrommel im Sommer nur Gutes gehört, aber ab Juli gab es eher Verlustmeldungen über drohnenbrütige oder einfach gar nicht legende.
    Ich kann nicht sagen, wieviel davon den PSM zuzurechnen ist, aber daß Drohnenschneiden alles nur noch verschlimmert, ist ein Fakt.




    Meinereine würde dem letztjährigen , kühl-verregnetem Begattungs-Wetter die Schuld in die Schuhe schieben.
    (Drohnen sind bekanntlich bekennende Warmduscher :cool:)


    Nur wenn jedes Jahr in aller Regelmäßigkeit "Verlustmeldungen" über schlecht begattete Damen drommelmäßig zu hören wären...... dann, würde ich eventuell Drohnenmangel und andere pöse Pupen in Betracht ziehen.
    Aber ich kann mich an sonnige Jahre erinnern, wo die Begattungsergebnisse 100%ig superklasse waren....haben in diesen Jahren die Imker vergessen Drohnen zu schnippeln?



    Sonnige Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Moin Leute,
    draußen liegt Schnee und ich habe die Grippe.
    Sonst hätte ich diesen Faden vielleicht gar nicht gelesen.
    Nur kurz meine Meinung:
    Der Grundgedanke von Seeley (und der von Bernhard, vom Drohn, oder auch von mir) ist doch ganz einfach.
    Wenn ein Volk so viel Energie in seine Drohnen investiert, dann muss es einen verdammt wichtigen Grund dafür haben !
    Honig ist die knappste Ressource, die ein Bienenvolk hat. Und diese schmeisst es mit vollen Händen raus!
    Das System funktioniert, so seit -mindestens- 30 Millionen Jahren. Erfolgreich.
    Wenn wir diese 30 Millionen Jahre mal mit 24 Stunden gleich setzen, dann mischt der Mensch ungefähr seit - egal- 3,5 Minuten ? aktiv in diesem gut funtionierenden System mit, und möchte es als natürlich
    als erstes mal so richtig optimieren.
    Die Bienen lehren uns doch täglich, dass wir eigentlich nur Stümper sind; ja, eigentlich gehen wir ihnen so ziemlich am A...e vorbei.
    Nützen wir doch einfach die Gelegenheit, schwächen wir unsere Völker nicht auch noch zusätzlich durch solche Kinkerlitzchen wie Drohnenschneiden und andere imkerliche Eingriffe, die in Wahrheit
    nur störend wirken müssen auf ein fein abgestimmtes , seit Jahrmillionen perfekt funktionierendes symphonisches Orchester.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck

  • Zitat

    Wenn ein Volk so viel Energie in seine Drohnen investiert, dann muss es einen verdammt wichtigen Grund dafür haben !
    Honig ist die knappste Ressource, die ein Bienenvolk hat. Und diese schmeisst es mit vollen Händen raus!



    Hallo Michael und die anderen Bienenfreunde!


    Es ist ein großer Unterschied ob ein Volk im Interesse des Imkers oder im Interesse der Evolution steht. Es wird niemand auf die Idee kommen und die heutigen Bienen mit den Bienen vor dem Eingreifen der Menschheit vergleichen. Der Mensch will Honig ernten und die Evolution will die Art verbreiten. Das verträgt sich nur bedingt. Es wird ein naturnahes Volk nicht 100 kg Honig horten, sondern sobald es geht schwärmen. Die Verlgleiche zwischen den Bienen vor dem Eingreifen der Menschen und danach hinken immer. Es vergleicht auch niemand einen naturbelassenen Wolf mit einem durch Menschen gezüchteten Pudel. Vermutlich wird auch niemand auf die Idee kommen und einen Pudel auswildern wollen.


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo Honigmaul,
    ich gehe vollkommen mit Dir konform, vollkommen.

    Zitat

    Das verträgt sich nur bedingt.


    Daher meine These, dem Volk sozusagen "aufs Maul schauen" und versuchen heraus zu bekommen, was geht, und was nicht geht.
    Ein guter Dirigent, um mal bei dem Bild zu bleiben, kitzelt aus einem Orchester Höchstleistungen heraus.
    Ein schlechter kann es aber auch ruinieren.

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck

  • Moin
    Ein weiterer Aspekt, wenn auch nicht erforscht, ist der Einfluss der Neonikotinoide auf den Drohn.
    Wenn selbst Arbeiterinen nicht nach Hause finden, wie mag es da um den Drohn stehen?
    LG Elk