Wichtigkeit von Drohnen für Honigbienenvölker

  • Professor Seeley hat gezeigt, daß bei einem hohen Anteil von Drohnenbrut - wie er bei naturnah gehaltenen Völkern vorkommt - der Honigertrag drastisch sinkt. Die Aufzucht von Drohnen benötigt sehr viel Energie!


    http://www.apidologie.org/index.php?option=com_article&access=standard&Itemid=129&url=/articles/apido/pdf/2002/01/Seeley.pdf


    Mit Drohnen: 25 kg Ernte.
    Ohne Drohnen: 48 kg Ernte.


    Die Brummerchen und Stimmungsmacher des Volkes sollen ihren Anteil bekommen. Für mich zeigt diese Investition aber auch, das Drohnen ziemlich wichtig für ein Honigbienenvolk sein müssen!

  • Hallo Bernhard und Allerseits,


    Danke fürs Verlinken dieser Arbeit:p_flower01:, hatte ich mal gespeichert aber schon fast wieder vergessen.


    sehr erwähnenswert auch, dass nicht nur im Wesentlichen die Aufzucht Energie verschluckt, sondern, dass die Unterhaltung der Jungs eine Menge benötigt:
    Beachtlich finde ich die "Spritkosten" für die Drohnenflüge. Es wurden von 4 pro Tag ausgegangen mit einer geschätzten Dauer und bei Drohnenzahlen von 5000 bis 15:000. Über den Daumen 800.000 Flüge, macht ca. 8 kg Honig. Die Aufzucht dagegen wurde mit 2,2 bis 6,6 kg hochgerechnet. (Unterhalt im Leerlauf darf man auch nicht aus den Augen lassen :wink:)


    Drohen sind wichtig. Und wie! Fortpflanzung und Arterhaltung ist DAS THEMA bei allen Lebewesen: Leben, Erhalt und Fortbestand.
    Der weibliche Zyklus beim homo sapiens benötigt im Schnitt 300 kcal täglich. Wieviel Prozent seines Körpergewichtes verliert der Platzhirsch bei der Brunft nochmal? Manchen reicht die Reserve nicht. Auch bei unserer Spezies werden in Werbung und "Drohnenflug" doch unendliche Energiemengen gesteckt :cool:


    Die Frage, ob Drohnenbrutkillen jetzt diesen Energieverbrauch absenken kann wurde jedoch nicht geklärt! (Für alle, die jetzt entsetzt den Honigtaschenrechner zücken)
    Wieviel mehr Streß setzt man, wenn man die Planung immer wieder zerstört? Neuer Drohnenwabenausbau, neue Brut. Wann hätten sie normalerweise den Ansatz heruntergefahren? Und ziehen sie stattdessen wirklich mehr Arbeiterinnen auf oder bleibt die Zahl konstant?
    Es ist eben nicht wie eine einmalige Kastration bei Säugetier, welches diesem sicher oft viel Streß und vermehrten Verbrauch erspart.
    Der Bien reagiert auf jede Amputation mit Reparaturmechanismen - und die kosten auch!


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Die Brummerchen und Stimmungsmacher des Volkes sollen ihren Anteil bekommen. Für mich zeigt diese Investition aber auch, das Drohnen ziemlich wichtig für ein Honigbienenvolk sein müssen!


    Das schreibt Seeley aber nicht. ;-) unter "Implications for beekeepers" nennt er nur zwei Dinge:
    - gleichmäßigerer Wabenausbau der Arbeiterinnen-Waben, wenn die Bienen Drohnenwaben haben
    - 50% weniger Honigertrag



    Hmmm, so ganz kann ich die Zahlen zum Honigertrag aber nicht nachvollziehen. Ich habe auch einige Zeit nur mit Arbeiterinnen-Mittelwänden gearbeitet. Wir hatten damals aber sicher nicht das doppelte an Honig wie heute. Interessant finde ich dass die Drohenvölker 7,5x mehr fliegende Drohnen haben. Bedeutet das, dass der Verflug von Drohnen doch nicht so stark ist wie manchmal vielleicht angenommen?

  • Marion : genau DAS predige ich doch schon seit Jahren - Drohnenbrut schneiden schwächt das Volk und versaut die Standbegattung, weil zuwenig fruchtbare Drohnen zum richtigen Zeitpunkt da sind.
    Der Aufwand, nochmal mit Drohnenaufzucht anzufangen, schwächt das Volk mehr, als wenn man sie drin läßt.
    Und ein paar Kilo Honig mehr oder weniger sind mir sowas von egal, das ist ja nun wirklich NICHT unser Hauptproblem....:roll:

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen


  • Und ein paar Kilo Honig mehr oder weniger das ist ja nun wirklich NICHT unser Hauptproblem....:roll:


    Stimmt,
    unser Hauptproblem, neben böser Agrar-u.Spritzmittelindustrie, ist die Varroa.



    Was spricht dagegen, in "varrosversüfften" Völkern Drohnenbrut zu schneiden, um den Varroabefall, zumindest bis zum Abschleudern, auf ein erträgliches Maß für die Bienen zu halten?
    Vermehren möchte ich von diesen Völkern sowieso nicht, aber Honig ernten schon.


    Was spricht dagegen, in den Topvölkern, die Imkerlein vermehren möchte, keine Drohnen zu schneiden?


    Herzliche Grüße
    Regina

    Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.(Oliver Hassencamp)

  • Noch eine Frage:
    Warum sollten 1000 Drohnen aus Völkern in denen sich die Varroa lustig vermehrt erfolgreicher sein bei dem Wettflug um die Paarung mit der Königin als 100 Drohnen aus Völkern in denen der Drohnenrahmen zur Varroa Kontrolle regelmäßig entfernt wird ?

  • Vermutlich falsch. Denn am Drohnensammelplatz versammeln sich laut Untersuchung die Drohnen zu gleichen Anteilen aus den Völkern. Außerdem hat sich gezeigt, daß Drohnen durch Parasitierung mit der Varroa zu geschwächt sind, um mithalten zu können - sie haben keine Chance hinsichtlich Begattung.

  • Ich gebe zu bedenken, dass der Drohnenschnitt dem Bien Stress bringt. Die beste Vorbeugung gegen den Verlust des Genoms, ist der Verbreitung durch fruchtbare Tiere. Der Schnitt muss durch das Volk anderweitig wieder ausgeglichen werden. Außerdem heizen Drohnen die Brut mit. 100 Drohnen verbreiten weit weniger das Genom, als 1000.


    Abgesehen davon, will man ja die Varroa in der Drohnenbrut sehen und nicht im Arbeitervolk. Was also gibt es besseres, als die ganzen Begleiterkrankungen von den Leistungsträgern im Stock auf die eigentlichen Wirtstiere umzuleiten?


    Fazit des Drohnenschnitts:


    Aufgewendete Energie zur Erzeugung der Drohnen verpufft


    Der Bien bekommt Stress in seiner Fortpflanzung, die Varroa auch


    Beides führt zu einem weiteren Einsatz von Energie und Stress


    Der Imker hat Mehrarbeiten, mehr Eingriffe in dem Bienenstock und die Drohnenbrut nun bunt gemischt im Brutnest und kurz daneben



    Nehmen wir den Menschen auch die Erstgeborenen weg, weil die nix taugen und nur Geld kosten?

  • Vermutlich falsch. Denn am Drohnensammelplatz versammeln sich laut Untersuchung die Drohnen zu gleichen Anteilen aus den Völkern. Außerdem hat sich gezeigt, daß Drohnen durch Parasitierung mit der Varroa zu geschwächt sind, um mithalten zu können - sie haben keine Chance hinsichtlich Begattung.


    Wo soll denn das stehen mit den gleichen Anteilen!? Dann würde es auf Belegstellen keinen Sinn machen Drohnenvölker mit sagen wir mal 2-3 Drohnenrähmchen aufzustellen, wenn im Belegstellenradius ein Volk mit einer oder keiner Drohnewabe steht.


    Wenn der Varroadruck aber so hoch ist, müsste der ja den Völker mit wenigen Drohnenzellen noch mehr zusetzen, was wieder dafür spräche, dass von den eh nur 100 Drohnen noch weniger übrig blieben.

  • Es lebe der Drohn!


    Die Zeit des Drohns ist noch nicht gekommen! Kalte Winde aus dem Norden und nassschwangere Wolken aus dem Westen verhindern die Zeit des Drohns. Warme Tage machten uns nur glaubend, dass es bald so sei, aber alles ist nichtig, noch! Sogar in Rom hat man sich zusammengerottet um im Geheimen über die Mächte der Zukunft zu beratschlagen. Aber in einer fernen Zukunft wird er auferstehen. Vaterlos, nur von mütterlicher Seite gezeugt, rein und unfähig sich zu verteidigen, in der Wärme des Stocks sinnend um eines fernen Tages aufzubrechen in die Welt des gleißenden Lichts.