Wo sind denn all die Bienen hin?

  • Hallo,


    diese Woche hatten wir ja gutes Flugwetter, und (fast) alle Völker sind geflogen und haben auch Pollen gebracht (um diese Jahreszeit soll das ja auf Weiselrichtigkeit hindeuten?)


    Nur bei einem Volk Totenstille:
    - auf dem Gitterboden lagen eine Handvoll toter Bienen herum.
    - in einer Futterwabe steckten etwa 100 weitere Bienen kopfüber in den Zellen, etwa 1cm neben offenem Futter.
    - Sonst alles leer. Keine Brut, keine Bienen, nur Futter
    - Insgesamt also nicht einmal eine kleine Kaffetasse voll toter Bienen in der gesamten Beute.


    Das Volk war ein Brutableger vom vergangenen Sommer:
    - 4. 7. Volk gebildet als Brutableger
    - 30. 7. Neue Königin in Eilage: gezeichnet, MS-Behandlung
    - 3.9. zweiten BR aufgesetzt, da das Volk aus allen Nähten platzt
    - 12.9. bis 22.9. Langzeitbehandlung mit NAssenheider professional


    Von Ende Juli bis Anfang Oktober (letzte Nachschau) war die Königin kräftig in Eilage, ein Mangel an Winterbienen kann es also eigentlich nicht sein?


    Was ist denn da passiert? Wo sind all die Bienen hin? Stiften gegangen?
    Seit Oktober haben sie etwa 7kg Futter verbraucht. 10kg waren noch im Stock.


    Hat jemand eine Idee, wo die alle hin sind?

  • Hallo,


    Fernmutmaßungen sind immer schwer.
    1. hätte ich dieses Volk nicht nochmal langzeitbehandelt, wenn die brutfrei schon eine Behandlung bekommen hatten. Jede Behandlung schwächt. Oder waren die Milbenzahlen danach, dann ist aber was falsch gelaufen bei der MS-Behandlung.
    2. Hätte ich persönlich am 4.7. nicht mehr einen Brutableger gebildet.(Woraus und wie stark?)
    Winterbienen werden teils bereits ab Juli erbrütet. Um einen Volksaufbau zu schaffen, müssen aber doch erst einmal solche Jungbienen geschaffen werden, die richtig arbeiten müssen: Die müssen pflegerisch tätig sein, bauen, etc. sonst wächst das Volk nicht. Genau diese sind aber eben keine Winterbienen, im Gegenteil, je mehr Belastung sie haben - und so spät müssen sie den Turbo eingeschaltet haben - desto kurzlebiger werden sie.
    Winterbienen sind fette, feiste, faule Bienen, die tun nur eins: Essen und nix. Reserve spielen. Rumgammeln.(Später Heizen und Arbeiten noch später)
    Von daher würde ich die Frage

    Zitat

    ein Mangel an Winterbienen kann es also eigentlich nicht sein?

    mit einem "doch, möglich" betrachten.
    Nicht alles, was so voll in der Kiste aussah, waren evtl. langlebige Überlebensbienen, dann wäre auch denkbar, wo sie hin sind: abgeflogen zum Sterben (Es war oft und lange noch mild im Spätherbst/ Frühwinter, also Abflugmöglichkeit)


    Sicher wäre aber auch eine Vergiftung mit Kahlfliegen eine mögliche Ursache. Typisch ist so ein ein leergeflogenes Volk mit viel Futter und einem Kleinrest an Bienen ja für einen Varroaschaden.


    Auswaschprobe der Toten?
    Viel Milbenkot in den Waben?


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Typisch ist so ein ein leergeflogenes Volk mit viel Futter und einem Kleinrest an Bienen ja für einen Varroaschaden.


    Sehe ich auch so! Die MS-Behandlung hat halt nicht den Wirkungsgrad wie eine AS-Stoßbehandlung. Wenn das Volk aus "allen Nähten geplatzt" ist, war sicher auch der Brutumsatz hoch. Ich würde auf jeden Fall die AS früher machen! Und wichtig: Den Behandlungserfolg dann messen, damit man ggf. nochmal nachbehandeln kann, wir hatten im letzten Spätherbst massive Probleme mit Reinfektionen!

  • Hallo zusammen,


    ich habe auch eher Probleme mit (zu) spät gebildeten Völkern (Ableger, Kunstschwärme). Trotz ordentlicher Volksstärke kommt es mir so vor, als wenn sie irgendwie (noch) nicht richtig harmonisch sind oder so. Anfang Juli klingt aber eigentlich noch nicht so spät. Juni wäre natürlich besser gewesen.


    Oder Joew hat vielleicht im guten Glauben den Ableger mit viel verdeckelter Brut gebildet, im brutfreien Zustand nicht behandelt und somit dem Ableger die Milbenlast des (der?) Altvolkes vererbt...


    Gruß Jörg

  • erfahrene Imker behaupten, dass Juni, Juli und August die Winterbienen erzeugt werden. Was danach kommt, überlebt den Winter nicht. Habe ich auch hier drin gelesen:
    http://www.bienenbuch.de/


    Übrigens ein lesenswertes Buch. Mir hat's gefallen...


    Ich mache auch aus einem anderen Grund so spät keine Ableger mehr. Da ist bei uns Ende, null Komma garnix mehr mit Tracht - die Ableger werde aufgefressen von den Wirtschaftsvölkern...


    Gruß Wolfgang

  • Langlebige Winterbienen müssen sie auch später erzeugen können. Ich habe mitte August mit einer verdeckelten Weiselzelle einen Brutableger gebildet aus grade mal drei Waben (war reine Neugier, ob das noch hinhaut). Die Königin hat dann im September und Oktober gelegt wie der Teufel. Behandelt habe ich dann nur noch mit Milchsäure 2x. Das Einfüttern hat Probleme gemacht, ich musste jetzt vor einer Woche zwei Futterwaben zuhängen. Aber nun fliegen sie wie alle anderen Völker und tragen fleißig ein. Und sind gar nicht so schwach. Das müssen eigentlich schon Winterbienen aus September bis November sein.

    "Er (der Mensch) nennts Vernunft und brauchts allein, um tierischer als jedes Tier zu sein"
    J.W. Goethe

  • Hallo zusammen,


    Dr. Liebegs "teilen und behandeln" ist auch bis anfang August und da überleben meist auch beide Volkseinheiten wenn man nicht zusammen setzt. Ich höre oft das Völker wegen Varoadruck die Beute verlassen. Ich tippe bei dir auch auf Varoadruck.

  • Langlebige Winterbienen müssen sie auch später erzeugen können. Ich habe mitte August mit einer verdeckelten Weiselzelle einen Brutableger gebildet aus grade mal drei Waben (war reine Neugier, ob das noch hinhaut). Die Königin hat dann im September und Oktober gelegt wie der Teufel. Behandelt habe ich dann nur noch mit Milchsäure 2x. Das Einfüttern hat Probleme gemacht, ich musste jetzt vor einer Woche zwei Futterwaben zuhängen. Aber nun fliegen sie wie alle anderen Völker und tragen fleißig ein. Und sind gar nicht so schwach. Das müssen eigentlich schon Winterbienen aus September bis November sein.


    Ich stimme diesem Beitrag zu, es war nicht zu spät zur Winterbienenproduktion.


    Joew, wie geht es denn deinen anderen Völkern?


    Ist das verstorbene Volk auf einem anderen Patz gestanden, wo die Bienen zugang zu Neonikotin-behandelten Pflanzen hatten?


    Die Beschreibung paßt nämlich nicht auf Varroa sondern auf Colony Collapse Disorder, CCD, das von diesen systemischen Pestiziden verursacht wird.
    Aus bisher unbekannten Gründen scheint es durch sie mit der Winterbienenproduktion nicht mehr zu klappen, und das Volk fliegt sich plötzlich im Winter kahl.


    Probiere bitte herauszufinden, wo das Gift angewendet wurde: behandelter Raps, Mais, Obstbäume, Prak, Golplatz oder ähnliches sind oft Schuld an diesen Vergiftungen.


    Hoffentlich sind deine anderen Völker nicht betroffen.