Edelkastanie als Waldbaum in Norddeutschland

  • Ich habe entdeckt, dass im nahegelegenen Staatsforst die Förster mit Edelkastanien als Waldbaum experimentieren. Hier in Südwestmecklenburg kein wirklich gängiger Baum.
    Hat jemand Erfahrung, ob die Edelkastanie hier im Norden ausreichend zur Blüte kommt?
    Ich habe die Blüte letztes Jahr nicht beobachtet, weil mir die Bäume erst im Herbst aufgefallen sind. Es hingen aber im Herbst reichlich leere Fruchthüllen an den wenigen älteren Bäumen. Dass wir in unseren Breiten keine Maronen ernten, ist klar, aber die Blüte sollte ja dennoch stattfinden.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Moin


    Jo, Edelkastanie ist für uns Förster/Waldbesitzer in Zeiten der Klimaerwärmung ein interessanter Baum.
    Zumindest aus Dresden, Hoyerswerda und noch ein bisschen nördlich Richtung Spreewald kann ich von gelungener Fruktifikation (und auch Blüte) berichten. Wie es bei euch letztendlich wird, musst du mal beobachten. Kann sehr gut sein, das auch mal Spätfröste noch dazwischen funken, aber tendenziell wird es sehr wahrscheinlich wärmer und damit wahrscheinlicher werden, das die Kastanie auch mal vernünftig blüht.


    Wenn es interessiert, hier noch eine Diplomarbeit aus Tharandt, allerdings eher zu den Wachstums-Leistung der Edelkastanie. Ab S.17 geht die Dame jedoch auch auf die zu erwartende Klimaerwärmung und damit die verbesserten Chancen für die Edelkastanie ein.


    Grüße, Robert, der mittlerweile auch 20 Edelkastanien im Wald gepflanzt hat

  • Moin, moin,


    blühen und fruchten tut die auch in Schleswig-Holstein. Bienen in der Blüte habe ich auch schon gesehen. Von Tracht zu reden... Dafür kenne ich hier keine ausreichenden Bestände. Honigwürze aber gibt sie mitunter.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo,
    wir haben auf unserem Grundstück seit ca. 15 Jahren zwei Esskastanien. Sie blühen und fruchten wunderbar. Letzten Herbst ca. 5 kg aufgesammelt. Die Mädels finden sie sehr interessant. Die Bäume sind jetzt ca. 10 m groß und haben ca. 15 m Kronendurchmesser
    Kann den Anbau auch im Norden nur empfehlen, allerdings braucht man viel Platz und mindestens zwei, da nicht selbstfruchtbar.
    Ingrid

  • Hallo,


    juchuh und hallo an alle, mein erster Kommentar hier im interessanten und hilfreichen Forum. Ich habe noch keine Bienen, aber mache gerade einen Anfängerkurs im benachbarten Imkerverein mit und hoffe, dieses Jahr selbst mit dem Imkern beginnen zu können.
    Zu Edelkastanien kann ich bestätigen, dass sie im Raum Bremen auch gut wachsen. Wir haben selbst eine ältere Marone mit einer Höhe von 11 m auf dem Grundstück stehen. Sie hat in den letzten drei Jahren, in denen wir sie beobachten konnten, immer kräftig geblüht und gut gefruchtet. Während der Blüte summt es unter dem Baum nur so, da fliegen wirklich etliche Insekten rein.
    Ungefähr 7 m entfernt haben wir nun im letzten Jahr noch eine veredelte Marone gesetzt, wir hoffen, dass wir die Früchte von der jungen später besser pulen können. Und die Bienen haben dann hoffentlich auch was von einem weiteren Baum.


    Gruß,
    Inga

  • Hallo Wolfgang,


    ich weiß von einigen Bäumen in Privatgärten und Parks in der Nähe von Grimmen, daß die Edelkastanie sehr wohl in MeckPomm blüht & fruchtet. Blütezeit ist ja erst Juni/Juli, friert es so spät noch dort, wo Du wohnst?


    Gruß,
    zonia

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Hallo zonia,


    gerade komme ich mir hier zwar vor wie in Sibirien (Mitte März nachts 10 Grad minus), nach Mitte Mai habe ich aber noch keine Fröste erlebt.
    Das Klima ist hier (50 km südlich von Schwerin) allerdings deutlich rauer als an der Nordsee und eher kontinental (trocken und im Winter kalt). Den Einfluss der Ostsee (ca. 100 km entfernt) spürt man nicht. Es gibt hier eine "kontinentale Klimazunge", die aus Polen bis zur Elbe ragt. (Spötter sprechen ja von Mecklenburg-Vorpolen.)
    Ich hatte schon einen Versuch gestartet mit Edelkastanie. Das Bäumchen wollte aber nicht anwachsen. Bei der Menge an Edelkastanien, die ich hier im Wald gesehen habe, muss ich wohl nicht selbst pflanzen. Die Bäume sind z.T. nicht mal einen Kilometer weit weg. Ein paar Jahre wird es noch dauern, dann könnte es Kastanienhonig geben.
    Wann ist denn in unseren Breiten die Blüte? Hoffentlich erst nach der Linde (Mitte Juni - Anfang Juli).


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)


  • ...Hoffentlich erst nach der Linde (Mitte Juni - Anfang Juli).


    Kommt auf die Lindenart an. Hier blühen die (Sommer-) Linden meistens zusammen mit den Edelkastanien, aber ich bin ja noch eine ganze Ecke süd-westlicher. Die Bäume mögen tiefgründige, eher nährstoff- und kalkarme Böden- mach' doch einfach nochmal einen zweiten Versuch, es lohnt sich wirklich, ich finde, Edelkastanien sind neben dem guten Pollen-und Nektarangebot sehr dekorative Bäume. Viel Glück!

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Kommt auf die Lindenart an. Hier blühen die (Sommer-) Linden meistens zusammen mit den Edelkastanien, aber ich bin ja noch eine ganze Ecke süd-westlicher. Die Bäume mögen tiefgründige, eher nährstoff- und kalkarme Böden- mach' doch einfach nochmal einen zweiten Versuch, es lohnt sich wirklich, ich finde, Edelkastanien sind neben dem guten Pollen-und Nektarangebot sehr dekorative Bäume. Viel Glück!


    Zu einem Threat über meinen absoluten Lieblingsbaum muss ich mich auch äußern...
    Bei uns im Teutoburger Wald (zwischen Osnabrück und Münster) blüht die Edelkastanie häufig zwischen der Sommer-und Winterlinde. Ich habe in meinem Imkertagebuch den Beflug der etwa 20jährigen Marone (nur 20m vom Bienenstand entfernt) mit der Entfernung, aus der ich den Baum hören konnte, gemessen(mdst. 30m). Diesbezüglich stand sie der Linde, die direkt daneben steht in nichts nach.
    Sowohl Pollen als auch Nektar wird sehr reichlich gesammelt.
    Hervorzuheben ist neben ihrem Nutzen für die Bienen und andere Insekten die bereits erwähnten kohlenhdratreichen Früchte, der würzige Geruch (böse Zungen vergleichen ihn unsensibel mit Spermageruch...) und das Holz mit einer hohen Widerstandsklasse und Spaltfähigkeit, weshalb Staketenzäune daraus hergestellt werden.


    Grüße,
    Björn

  • Hallo zusammen ;)



    Wir haben ein paar Kilometer weiter einen 1,7 ha großes Wäldchen mit Edelkastanien.
    Dieser wurde 1790 von einem Grafen mit 8 jährigen Bäumen angelegt und 1811 wurden 26 Zentner Maronen exportiert.
    Es stehen noch über 100 stattliche Bäume. Sie blühen jedes Jahr und man kann vor lauter Maronen kaum treten.
    Und das hier, im Harz!


    Laut Wikipedia "das nördlichste zusammenhängende Esskastanien-Vorkommen Mitteleuropas".


    Lieben Gruß, Sanni

  • Hallo,


    einen Versuch ist es sicher wert. Man spricht zwar von Jahres- øtemp. von 8°C, aber: in einer Kleinstadt in meiner Nähe steht eine vor der Mittelschule, 450 Höhenmeter, Jahrestemp. um die 5°C. Die letzten Winter hatte es öfter mal Tiefsttemp. unter -20°C, das jedenfalls überstehen sie.


    In meinem Wohnort beobachte ich ein paar Esskastanien, die ca. 1998 an einem Südhang als ca. 1,80 hohe Bäumchen gepflanzt wurden. Sie tun sich schwer, eine ging auch an einer Pilzerkrankung ein, trieb aus dem Stock aber neu. Früchte habe ich auch schon gesehen. Ob die gescheit ausgereift waren, weiss ich nicht, meine Saatversuche gingen bisher daneben. Frost in der Blüte dürfte nicht das Problem sein, aber Spätfrost trifft den jungen Blattaustrieb.

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)