"Small Cells" und verkürzte Brutzeit

  • Hallo ihr erfahrenen und viel belesenen Imkersleut.


    Kleine Zellen sollen, so liest man, die Brutzeit verkürzen.


    Nun wurde diese Aussage eines Mitimkers bei unserer letzten Vereinsversammlung zum Stein des Anstoßes.


    "Wenn iech Hienerkickn brietn will und irgnd welche Tricks awend, damid die ehr schlipfn, dann kimmt do nie was guds drbei raus. Die sei immer kränglich und aefach net voll endwigld."


    - Sprich: Verkürzte Brutzeit bedeutet minderwertige Nachkommen!


    Das war der Konsens der Masse.


    Wie ist das nun bei Bienen?


    Gibts da Studien oder Erfahrungen?


    MfG André

  • Moin André,


    ich glaube, da muss man unterscheiden zwischen Frühgeburt und schnellerer Entwicklung...


    Wenn die wirklich früher fertig sind, weil Störungen in der Entwicklung vermindert wurden, ist das, glaube ich, kein Problem.


    Die Frage scheint mir eher zu sein: Gibt es den Effekt wirklich? Und um wieviele Stunden handelt es sich? Wie entsteht er?


    Und das ist nicht einfach einwandfrei festzustellen, weil da eine Unschärferelation besteht: wenn ich den Schlupf zeitlich erfassen will, muss ich wesentlich engmaschiger kontrollieren. Jede Kontrolle aber stört den Wärmehaushalt des Volkes und besonders noch mal der kontrollierten Wabe... Videos aus dem unmittelbaren Brutnest... Da könnte auch eine Störung vorliegen. Außerdem sieht man nicht sehr viele Zellen, wegen vieler Bienen...


    Wenn er entsteht, doch hierzulande nur dadurch, dass besser gepflegt und gewärmt wird, weniger Wärmelücken entstehen. Wärmelücken bedeuten Wachstumsstörungen. Die werden durch ein kompakteres Nest vermieden oder vermindert. So jedenfalls leuchtet es mir ein.


    Und wenn man schon die Hienerkickn heranzieht: Nachgeschlüpfte kümmern auch. Welche, deren Glucke zu überlangen Spaziergängen neigt, schlüpfen auch schlechter.


    Toyota schrieb hier irgendwo von den Spätfolgen der Clothianidinvergiftungen, dass Brutpflege gestört war und die Königinnen 2 Tage länger brauchten im Folgejahr und nicht taugten. Könnte in das Bild passen.


    Eigene Erfahrungen habe ich nicht.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Du erwartest doch nicht wirklich, dass man nun schon wieder zwischen kleinzelligen Bienen, früheren Versuchen ohne die Materialien von heute und den Startern von heute hin- und herdiskutiert?


    Wir sollten die Zeit für jede Gruppe verwenden. Die, die daran arbeiten und die, die es nicht veruschen und nicht daran glauben.


    Ich arbeite daran, verwende aber meine Zeit für Gleichgesinnte.

  • nur mal so ein bisschen OT:
    Mir gefallen die Mannlake-MWs irgendwie bedeutend besser, als die HSC - alles rein theoretisch/ sind noch nicht in den Völkern.
    Ich werde wohl gemischt starten. Mal sehen, was die Bienen besser annehmen.


    Gruß Jörg

  • @ Timsen & Remsi:


    Ich gehöre keiner der von Timsen erwähnten Gruppen an und möchte hier auch ausdrücklich
     keine plakative Diskussion pro / kontra Small Cells anregen.:p_flower01:


    Ich möchte hier auch nicht über sonstige Aspekte des Themas SC diskutieren.
    Meine Frage betrifft die vermeintlich kürzere Brutzeit.:confused:


    Ich meine zu erkennen, dass es unabhängig von der Varroafrage für die Volksentwicklung sinnvoll sein könnte, kleinere Zellen zu verwenden. Im Zuge meiner Entscheidungsfindung wurde ich mit o.g. Argument konfrontiert und suche nun nach belastbaren Informationen.


    Habt Ihr Informationen, dann her damit. Wenn nicht, dann lest mit, vielleicht können wir etwas lernen.:u_idea_bulb02:


    @ Kleingartendrohn: Danke für den Link. Werd mich mal heut abend reinvertiefen.


    MfG André

  • Also, wenn der Zusammenhang der kleineren Zellen und der verkürzten Entwicklungszeit stimmen, dann sollte das keine negativen Auswirkungen auf die Lebensdauer der Bienen haben. Sagt mir mein Blick auf die Naturbauwaben. Dort gibt es nämlich allerlei Zellgrößen auf einer Wabe...


    rst



    der nur aus der Beobachtung diesen Schluss zieht.

  • @ Ich meine zu erkennen, dass es unabhängig von der Varroafrage für die Volksentwicklung sinnvoll sein könnte, kleinere Zellen zu verwenden. Im Zuge meiner Entscheidungsfindung wurde ich mit o.g. Argument konfrontiert und suche nun nach belastbaren Informationen.
    MfG André


    Hallo, woher kommt diese Erkenntnis?


    Dies als Gegenfrage, da ich dies noch nie gehört habe. Seit 34 Jahren halte ich Bienen in normalen, natürlichen Zellen, und ich sehe keinen Bedarf, andere Zellen zu verwenden.
    Gruß
    KME

  • Hallo Kai,


    dass Du das noch nie gehört haben willst nehm ich Dir jetzt mal nicht ab, und verstehe Deine Frage hiermit als rethorisch.:wink:


    Ich, der ich mich erst seit einigen Wochen in die Thematik einlese, las z.B.
    bei Reier Schwarz und RS(aber auch Anderen), dass z.B. die Frühjahsentwicklung deutlich besser vonstatten geht.
    Es wird das kompaktere Brutnest gelobt und ein damit einhergehendes besseres Beutenklima. ...
    Mir scheint der Zusammenhang plausibel und die Erfahrungen glaubhaft.


    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Du das noch nie gehört hast.:cool:


    MfG André

  • HAllo,


    danke für den wertvollen Link, das war mir tatsächlich bislang unbekannt.


    Ein schöner Bericht, vor allem auch in Bezug auf den (fehlenden) Zusammenhang "Kleine Zellen ---> VArroaresistenz".


    Den SAtz (Zitat)

    Zitat

    " Die Frühjahrsentwicklung ist stabiler und über die gesamten Völker gesehen gleichmäßiger, d.h. auch schwach ausgewinterte Völker starten gut los und erleiden keinen Futterabriss mehr. Mit Brutkrankheiten hatte ich nie wirklich ein Problem"

    finde ich zwar interessant, aber auch eher wenig aussagend, da ich diesbezüglich nie Probleme hatte.


    Gruß
    KME


  • Und das ist nicht einfach einwandfrei festzustellen, weil da eine Unschärferelation besteht: wenn ich den Schlupf zeitlich erfassen will, muss ich wesentlich engmaschiger kontrollieren. Jede Kontrolle aber stört den Wärmehaushalt des Volkes und besonders noch mal der kontrollierten Wabe... Videos aus dem unmittelbaren Brutnest... Da könnte auch eine Störung vorliegen. Außerdem sieht man nicht sehr viele Zellen, wegen vieler Bienen...


    :u_idea_bulb02::daumen::liebe002:


    Nach dem Spruch von Albert Einstein nun die Heisenbergische Unschärferelation. Passt genau.
    Aber wenn kleine Imker sich mit grossen Physikern messen, sollten wir wissen, dass wir über den Bien nichts wissen. Und wir sollten danach handeln.
    Nämlich so wenig wie möglich dem Bien in sein Werk pfuschen.

  • Hallo Miteinander,
    komisch - bei mir schlüpfen aus den größten Zellen die Bienen zuerst und diese haben auch die längste Lebenszeit.
    Mal im ernst:
    der umgekehrte Weg geht auch: größere Zellen gleich mehr Futtersaft gleich früherer Schlupf gleich weniger Varroa.
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.