Argumentationshilfe für bessere Honigpreise

  • Hallo,


    in der Tat ein interessanter Artikel. Aber eine Argumentationshilfe für bessere Honigpreise ist dein Motto nicht. Nenne mir einen Wirtschaftszweig, in dem durch ein negativ besetztes Thema ein Kaufanreiz bzw. die Bereitschaft der Kundschaft geweckt wird, höhere Preise zu bezahlen.


    Sowas erreicht man imho nur durch die Steigerung der Attraktivität.


    Kurz zu meiner Person: Ich habe vor etwa 3 Jahren mit der Haltung von Bienen angefangen und Honig verkaufe ich nur im Bekanntenkreis, Freunde, Nachbarn und im Verein der Gartenfreunde. Also mein Absatz ist sehr überschaubar ... ein 250gr Glas bekommt man bei mir für € 2,50.


    Bei Gesprächen rund um das Thema Bienen bzw. Honig ist mir aufgefallen, bei vielen wird Honig mit Zucker gleichgesetzt. Und Zucker ist böse!


    Daraus resultiert für den Honig ein Imageproblem! Die Menschen wissen nicht, dass es die unterschiedlichsten Arten von Zucker gibt, und eben Zucker nicht gleich Zucker ist. Fast jeder Gesprächspartner ist erstaunt, wenn ich ihm erzähle, wie wenig "Haushaltszucker" eigentlich im Honig ist und welche Charakteristiken die im Honig enthaltenen Zucker eigentlich haben.


    Für Bienenhalter mag das mit dem Zucker selbstverständlich sein, aber für Kunden eben nicht. Gibt man hier den Interessierten die richtigen Denkanstöße, dann erreicht man sehr viel ... und letztendlich die Bereitschaft für einen höhren Preis, weil die Wertigkeit in der Wahrungnehmung des Kunden gestiegen ist.


    Ein Beispiel: Dextroenergen ... viele Kinder bekommen das von ihren Eltern. Ist ja gesund und hilft in der Schule. Ein Honigbrötchen kann das auch, nur viel besser mit seinen Enzymen und Spurenelementen ... und: es schmeckt lecker!


    Ergo: Eine Argumentationshilfe für bessere Honigpreise ist die Wertigkeit des Lebensmittels Honig zu unterstreichen, besonders beim Thema Zucker sehe ich sehr hohen Informationsbedarf.


    Für Kontraproduktiv halte ich hingegen, immer mit negativen Themen "werben" zu wollen. Mit Bienensterben, fehlender Bestäubung und gepanschten Importhonig kommt selbst mir der Frust ... und das soll einen Kunden zu höhren Preisen Motivieren? Nicht falsch verstehen! Bei diesen Themanfeldern gibt es viel zu und mit anderen Bienenhaltern diskutiere ich das auch engagiert, aber dem Kunden sollte man das nicht aufdrücken.


    Nein, die Wahrnung des Honig in der Bevölkerung muss gesteigert werden. Zucker ist eben nicht gleich Zucker ... ich wundere mich eigentlich, dass in diese Richtung nichts von den Verbänden unternommen wird.

  • Ja, im Prinzip nicht ganz falsch.
    Aber so weit entfernt von Zucker ist Honig nun auch wieder nicht. Klar, verschiedene Zuckerarten, aber wenn wir ehrlich sind, hilft Honig nicht wirklich beim Abnehmen. Was ich richtig finde und aus deinem Artikel herauslese ist, dem Honig doch eher eine Wertigkeit zu geben, anstatt mit dem dauernd nach draußen getragenen Bienenkrankheiten eher die Konsumenten abzuschrecken. Ich habe es schon mal erwähnt, dass eine ständige Diskussion über Bienenkrankheiten unter uns und mit den entsprechenden Stellen ganz gut ist, ich aber ungern mit Honigkunden über Nosema oder Faulbrut parliere. Ein smalltalk über die Varroa und deren Bekämpfung kann schon bei mir den Honighunger zügeln. Wie wirkt das erst bei Kindern, die unsere Hauptkundschaft darstellen.
    Die Wertigkeit versuche ich meinem Honig mitzugeben, indem ich natürlich hygienisch einwandfrei arbeite und die lokale Komponente mit ins Spiel bringe. Mein Honig ist nicht Bienenhonig, sondern Bienenhonig vom Muldensteiner Berg, Altjeßnitzer Irrgartenhonig oder historischer Honig Auf den Spuren der Wettiner. Gut, bei dem Letzten zweifle ich selbst und suche noch nach einer anderen Formulierung.
    Das ist doch der Honig von dem Imker aus Reuden. Von dem Einen oder von dem Anderen? Da stehen doch die Linden vor dem Gutshaus, und wenn die Robinie erst blüht, das ist ein Summen.
    Übrigens gewinnst Du hier im Forum mit 2,5o € für 25o g noch nicht den Halsabschneideravard.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Wenn man die Regionalität mit verkauft, kann man höhere Preise erzielen. Dann schauen die Kunden nämlich nicht auf den Preis, sondern, dass der Nektar aus dem eigenen Ort stammt.
    Und, um auf den ersten Beitrag einzugehen: auch bei uns werden 80% des verzehrten Honigs importiert!! Da helfen dann als Argument auch Gengesetze der EU z.B. und die Region wird immer wichtiger. Wenn die Kunden sich womöglich noch den Stand anschauen können, dann ist der Preis kein Thema mehr.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Ich würde mich nicht an den wenigen Zucker-Argumentieren aufreiben. Es gibt immer Leute, die Gründe für ein Verharren in ihrem Weltbild finden wollen, in dem sie es sich gemütlich gemacht haben.
    Hat gerne auch mal hiermit


    http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz


    zu tun. Sich auf diese Leute zu konzentrieren ist ziemlich unproduktiv. Mir gefällt es viel besser, sich auf die Stärken einer Sache zu konzentrieren statt sich an ihren Schwächen abzuarbeiten.


    Also lieber mit Themen argumentieren wie etwa:


    Erhalt der Imkerei und damit der biologischen Vielfalt
    Honig kann man importieren, Bestäubung nicht
    Imker bekommen keine Subventionen


    Und nicht zuletzt:


    Wir produzieren eines der reinsten und gesündesten Lebensmittel überhaupt und stecken in jedes Glas immense Arbeit und Liebe.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter

  • Ich habe gemerkt, dass die Leute gerne "Beweise" für die gute Qualität des Honigs wollen. Im Verkaufsraum aufgehangen das jährliche Qualitätszertifikat und die eine oder andere Medaillie von Honigprämierungen machen sich gut und der Preis wurde bei mir noch nie kritisiert.(12Euro fürs kilo und 6,50 fürs halbe). Auch wenn ich mit dem Preis über dem meiner Kollegen in der Nachbarschaft liege. Für die Leute ist das der Beweis, hier wird sich um Qualität bemüht.
    LG Hannelore

  • Hallo


    Das Honig bei Ebay aus nicht EG ländern versteigert wird habe ich auch schon gesehen, es steht zumindest drauf.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo !


    Bekommen sie doch.
    Der Streit darüber ist sogar der Grund, weshalb hier in Lux die Imkerei ausstirbt.


    Ja, die Imker bekommen Subventionen ....


    ... wird in Deutschland aber praktisch in jedem Bundesland anders gehandhabt,
    das eine Bundesland ruft fast nichts ab, Andere den ganzen Etat.


    Das eine Bundeland macht Direktunterstützung der Imker,
    ein Anderes Subventioniert Varroabehandlungsmittel,
    das Dritte fördert den Honigmarkt,
    oder ein Weitere Unterstützt Qualifizierungsmaßnahmen,
    es gibt natürlich auch Kombinationen.


    Ich glaube es gibt keinen Imker-LV der keine EU-Subventionsmittel
    in der einen oder anderen Art und Weise bezieht.


    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Hallo Azubee!


    Die Motto`s vom DIB sind gut und richtig! Aber Eigeninitiative ist mehr als wichtig!
    Ich hab z.B. zwei Landwirte "an der Angel". Kommunikation ist sehr wichtig - der eine - bei dem hab ich meine Bienis am Rapsfeld stehen.
    Der ist froh, dass a bisserl mehr Bestäubung und somit mehr Öl aus der Presse fließt. Der kriegt dies ohne Prämie, aber ich bin froh, dass er kaum
    spritzt! Also geben und nehmen!!!


    Der zweite Landwirt - bei dem hab ich meine Jung-und Altvölker an der Wiese stehen. Er freut sich, dass seine Obstbäume mehr Früchte tragen.
    Und ich mich - dass er den Löwenzahn erst nach dem Abblühen mäht - in der Folgezeit dann nur noch 2 mal.
    Und er bekommt von mir als Pacht- und Freundschaftangebot einen Karton Honig von "seinen Bienen". Ist zwar erst das zweite Jahr - aber ich denke, wir beide
    haben davon.


    Mein Honigpreis aufgrund der lokalen Betriebsweise beträgt somit 4,50 € pro 500 gr., aber es gibt noch viele die nur für 3,50 € verkaufen.
    Ich kann guten Gewissens diesen lokal höheren Preis verlangen. Denn alle haben davon. Und wer möchte, kann mich und meine Bienenhaltung besuchen.


    Vg
    Ruth

  • Hallo Ruth,


    genau so war es auch gemeint. Wir wollen doch nicht Äpfel (heimischer Honig incl. Bestäubungslesitung) mit Birnen (Import-Honig aus "Nicht-EU-Ländern") vergleichen. Importhonig hat bei einem Eigenversorgungsgrad von 20% sicher seine Berechtigung. Aber dann bitte mit genauer Qualitätskontrolle und dem Schutz vor Dumping-Ware.


    Deine Vernetzung vor Ort mit den Landwirten zeigt meiner Meinung nach einen gangbaren Weg.


    Viel Erfolg und volle Honigtöpfe.


    LGK

    "Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche." (Dr. Ernesto Guevara de la Serna)

  • Zu niedrige Honigpreise sind letztlich ein Marketingproblem. Deutsche Imker müssen das betreiben, was man eine Premiumstrategie nennt. Und da macht die Qualität des Honigs nicht den ausschlaggebenden Unterschied für die Preisgestaltung.
    Der aktuelle Pferdefleischskandal zeigt das Verfahren: Überall Pferd drin, trotzdem sind die Preise für Lasagne bei Aldi und bei Rewe nicht die gleichen.
    Aber im Ernst: Viele Hersteller verkaufen das (fast) gleiche Produkte unter verschiedenen Marken. Also kann der Inhalt, Geschmack usf. den Unterschied nicht machen.
    Leider ist der DIB da ein abschreckendes Beispiel: Hier wird auf altbackene Weise eine Einheitsbrei verkauft.
    Wenn der Imker seinen Honig nicht als etwas Besonderes herausstellt, verkauft er eben nur Honig und nicht besonderen Honig.
    Wer seinen Kunden nicht erklärt, warum sein Honig besser ist als der bei Aldi, darf nicht erwarten, dass der Kunde bereit ist, mehr zu zahlen als bei Aldi.
    Das fängt schon bei der Verpackung an. Die Plastikdeckel des DIB sehen halt so aus wie sie sind: billig.
    Eine Twist-off-Deckel sollte es schon sein.
    Das alte Problem halt, das Marketingleute in den Sinnspruch gefasst haben. "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!".


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Freunde,
    das DIB-Glas war bei seiner Einführung sicherlich eine Hilfe für viele Imker und hat auch gegenüber dem Käufer eine gute Qualität signalisiert. Heute, und da liegt ja ganz schön viel Zeit dazwischen, bedeutet es einen Standard der vielen kleinen oder älteren Imkern hilft, ihren Honig zu vermarkten. Es hat auch heute noch seine Berechtigung, driftet aber seit geraumer Zeit in eine Anonymität ab mit Tendenz zu einem Provisorium, wenn z.B. die vom Imker noch auf dem Etikett angebrachten Zusatzinformationen mit dem Kuli eingeschrieben oder mit dem Stempel schief eingedruckt sind. Es ist eine Allerweltsverpackung, die immer gleich aussieht und keine Regionalen Bezüge hat.
    Will ich also mehr bieten als der Standard, muss ich mir überlegen, wie ich mich vom DIB-Glas abhebe. Wie ich meine Verpackung gestalte, damit sie in einem langen Regal auffällt, anders ist, neugierde weckt. Begleitend dazu sollte auch der Auftritt des Imkers oder der Imkerei dazu abgestimmt sein. Der Marktstand, das Auto, im Internet usw.. Das ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe und nicht von jedem Hobbyimker zu schaffen.
    Aber das ist auch nicht schlimm. Eigentlich ist es ja garnicht so schwer sich von Aldi-Honig oder vom Rentner-DIB-Glas zu unterscheiden.
    Viele Grüße
    Wolfgang

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.