Erlösen oder Amputieren?

  • Was würdet Ihr tun? 31

    1. Töten (29) 94%
    2. Amputieren (2) 6%

    Moin,


    wurde heute früh zu einem weiblichen Lamm gerufen.
    Diagnose: nekrotische, auf dem Mittelfuß klar demarkierte Hinterläufe.
    Allgemeinzustand: hervorragend.
    vermutete Ursache: zurückliegende Erfrierung.
    Therapiemöglichkeit: Amputation und dauerhafte Versorgung mit Schuhen.



    Demarkation in Höhe der Linie 25 an beiden Hinterläufen gleich hoch.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

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  • Das kenn ich nur zu gut. Eine echte .... - Situation. Man kann sich einfach zu wenig in das Tier hineinversetzen.


    Zweiter Aspekt, wenn auch wahrscheinlich eher zweitrangig: Kosten für Amputation.


    Wenn du sagst, der Allgemeinzustand des Lamms ist hervorragend, würde ich amputieren. Wie ein Schaf damit leben kann, weißt du wahrscheinlich besser als ich.
    Ich hoffe du findest die richtige Entscheidung.
    LG


    Simon

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Henry,


    auf was man sich mit einem dauerhaft behindertem Tier einlässt, davon kann ich Dir berichten.
    Es ist eine wahnsinnige Belastung. Du musst fortlaufend die "Stumpen" beobachten und behandeln.
    Schuhe nutzen sich ab, müssen erneuert, angepasst und beobachtet werden.
    Ob sie, wie beim Menschen angepasst, optimal dem Tier angepasst werden? Ob es Schmerzen bereitet oder Wundlaufen?


    Wenn Du einen großen Bezug zu dem Tier hast und die Zeit aufbringen kannst und möchtest: Amputieren.


    Bist Du Dir dessen nicht sicher: Erlösen.


    Ich habe mich übrigens damals für's Leben mit einem behinderten Hund entschieden.
    Ich liebe dieses Tier, aber es erfordert meine volle Aufmerksamkeit.
    Pflegemenschen für Urlaubszeit sind schwer zu finden.
    An manchen Tagen erwische ich mich bei dem Gedanken, wie es wäre, hätte ich sie einschläfern lassen....


    Viel Verstand bei der Entscheidung wünscht Dir:


    Anni

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • OK. Ich begründe meine Meinung noch:
    Lamm heißt jetzt frisches LAmm oder vom letzen Jahr? Da hast Du also ein Jungtier, auf der einen Seite anpassungsfähig, auf der anderen Seite in der weiteren Entwicklung gehemmt. Statik stimmt nicht. Folgeprobleme.
    Es folgt die Strapaze des Eingriffes, die Risiken, die Schmerzen, die Heilphase. Bis der Knochen abgeheilt ist Minimum sechs Wochen, bis der Stumpf belastbar wird noch länger. Komplikationsmöglichkeiten gibbet immer.
    Verstehen tut so ein Schaf das nicht. Es wird hoch wollen, Laufen wollen, fluchtbereit sein wollen, bei der Herde sein wollen. Kommt weder gut mit noch bewegt es sich normal - längerfristig eben ausgeprägt, später weniger ausgeprägt.
    Es wird eine dauerhafte Benachteiligung sein, das merken die Weidekumpel sofort. Man bedenke Folgeerscheinungen.
    Ob so ein Schaf dann Phantomschmerzen bekommen kann, weiß nicht, Du aber ggf auch nicht. JEdenfalls kann es zwischendurch nicht die Füße hochlegen und sich neue Schuhe anpassen lassen oder den Stumpf massieren und trockenfönen lassen.
    Es wird auch mal wieder Winter etc. etc.


    Ein Schaf ist ein Schaf ist ein Schaf.
    Weide- Herden- Lauftier. Das ist sein Leben.


    Finde ich jetzt so.


    Ich weiß, dass Du weißt, worum es mir geht. Geigel nicht rum.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ich bin ein absoluter Tierfreund, aber hier muss man das Tier erlösen


    Werden doch jedes Jahr tausende geschlachtet, warum sollte dann ausgerechnet ein solches Tier weiter gequält werden

    Nur wir Imker können funktionierende Varroa Abwehr schaffen, sicher nicht die Chemie

  • Irgendwie kommt mir das Ganze komisch vor, Erfrierungen an diesen Stellen, symmetrisch und dann nur Amputation als Lösung???
    Wie alt ist das Tier, hat es Schmerzen, kann es laufen, sieht es einfach nur unschön aus?
    Oder was verstehst du unter Allgemeinzustand hervorragend?
    Tendiere eigentlich bei fast allem zum Abwarten und der Natur eine Chance zur Selbstheilung zu geben.


    Bei wirklich notwendiger Amputation stellt sich doch deine Frage nicht wirklich oder?
    Was macht ein Schaf ohne Beine?


    LG Silvia

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • Es handelt sich um ein Lamm auf einem Hof ohne Stall und ohne 24/7-Überwachung. Es wurde als Winterlamm Anfang Januar 2013 geboren. Würde es anders als mit Dr. Kerner und Patrone für schwaches Vieh behandelt, müßte ich es zu mir nehmen. Die Amputation selbst und auch den Heilungsprozeß sehe ich als durchaus lös- und überstehbar an. Schafe heilen beim Zusehen und bilden zügig brauchbare Laufschrunden an den Amputationstümpfen. Auch ließen sich die Antagonisten noch vor den Knochen legen. Die Frage ist natürlich, was macht man mit einem Lamm und späterem Schaf ohne hinteres Fahrwerk? Nach dem Sommer schlachten! Hat es dann einen schönen Sommer oder nur überhaupt einen?


    Merke: Winterlämmer gehen nur im bzw. mit Stall und warmer sauberer Mistmatte! Doch nicht jeder ist belehrbar.


    PS: Die Klauen stinken schon und die Haut ist lederartig eingetrocknet bis zur Demarkation. Die Behaarung lößt sich ab. Es herrscht völlige Reflexlosigkeit. Das Lamm ist fit und läuft auf den nekrotischen Stümpfen wie auf Stelzen. Das ist ein ganz normaler und typischer Verlauf einer End-Nekrose an einer Extremität nach Abbindung oder Erfrierung. Später würde der Fuß mit samt den Klauen abgelaufen und der Hohlknochen von der Körperseite her soweit mazeriert, daß sich die Wundränder überlappend schließen können. In aller Regel verstirbt das Tier, inbesondere, wenn es die Gliedmaße nicht entlasten kann, an den Folgen von Wundheilungsstörungen durch den Fremdkörper (toter Knochen) und der Belastung (Auftreten) oder Sepsis. Manchmal erreicht eine Infektion aufsteigend zügig das Gelenk und damit die Blutbahn, was sicher zu stärksten Schmerzen und Tod durch Sepsis führt. Generell führen alle Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens und der Bewegungsfähigkeit beim Schaf auch zu Beeinträchtigung der Ernährung. Man muß also zwingend eingreifen und kann nichts sehenden Auges abwarten.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

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  • Hallo Henry


    Mache dem Schaf einen Verband aus Honig und Propolis und gib ihm 3 Wochen, den Verband öfter wechseln und alles gut beobachten.


    Bevor du es amputierst, dann lieber schlachten.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hol es samt Mutter zu dir und versuch es mit Verbänden oder einfach liebevoller Pflege.
    Für Verbände eignen sich wunderbar die Kintex Tapes. Bekommst du günstig im Internet.
    Sind elastisch, nicht so breit und halten prima auch bei Nässe. Hatten wir mal zum Bandagieren eines Knickfüßchens im Einsatz, hat wochenlang gehalten.


    Lamm ohne Hinterbeine ist keine Option, höchstens quälendes Großziehen zum Schlachten.


    LG Silvia

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • Mache dem Schaf einen Verband aus Honig und Propolis und gib ihm 3 Wochen, den Verband öfter wechseln und alles gut beobachten.

    Ich kann Dir - egal ob amputiert oder vom geschlachteten Lamm - die Füße zum Einlegen und Beobachten gerne schicken. :wink: 3 Wochen laß ich den Zustand so nicht.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • ... versuch es mit Verbänden oder einfach liebevoller Pflege.

    Da ist nichts zu versuchen. Wirklich nicht. :cry: Ich habe schon Schafe mit Klauen- und Mittelfußresektion nach Nekrose. Ich kenne mich damit wirklich aus. Die Füße sind tot und vertrocknen noch ohne Maden vor sich hin. Die sind keinenfalls zu retten. Das zu versuchen ist keine Option.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder