Verpassen die Bienen die Sonnenwende unter dem Einfluß der Pestizide ---> CCD ?

  • Ich weiß nicht, ob dies hier schon diskutiert wurde, wenn ja, zeigt mir bitte wo.


    Seit ich vom Zusammenhang zwischen Neonicotinoiden, CCD und dem Bienensterben gehört habe, wollte ich herausfinden, warum wir so viele verschieden Erschinungsbilder haben. Mit der Zeit lassen sich mehr und mehr Teile des Puzzles zusammenfügen:



    Die geringer wierdende Tageslänge ist der Auslöser für die Produktion von Winterbienen - in einem gesunden Volk.


    Studien in Amerika haben festgestellt, daß viele Völker anstelle von Winterbienen nur noch Sommerbienen in den Winter bringen.
    Diese sind natürlich kurzlebig, und wenn sie ihre Reserven verbraucht haben fliegen sie davon um entfernt vom Volk zu sterben.
    Wenn das die meisten Bienen eines Volkes innerhalb eines kurzen Zeitraumes machen, spricht man von CCD, Colony Collapse Disorder, das typischerweise im Winter auftritt.


    Da Neonicotinoide Nervengifte sind, können sie die Erfassung der Tageslänge durch die Biene beeinträchtigen.
    Daß das Gedächtnis der Bienen durh diese Pestizide reduziert wird, ist schon bewiesen.
    Die Tageslängendifferenz muß natürlich auch mit Hilfe des Gedächtnisses registriert werden, und es ist durchaus möglich, daß die Bienen die Tageslängenänderung entweder nicht richtig erfassen oder nicht richtig umsetzen können.



    Der Mais blüht zur Zeit der Sonnenwende und danach, und das Nervengift beeinflußt dadurch die Bienen in der kritischen Phase der Umstellung zur Winterbienenproduktion.
    Raps hingegen blüht früher, und ist deshalb wahrscheinlich kein Auslöser von CCD.
    -Das heißt natürlich nicht, daß die Pestizide im Raps harmlos sind, da sie immer noch die Abwehr der Bienen vor allem gegen Varroa beeinträchtigen usw.



    Was haltet Ihr von dieser Theorie?

  • Das ist ein interessanter Gedanke, da ich mich aber nicht auf diesem Gebiet auskenne, möchte ich mich nicht weiter dazu äußern.
    Aber ähnliche Beobachtungen habe ich auch schon gemacht, die Ursache ist mir bis heute unklar.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Da wäre dann wieder die Frage: was macht Sommerbienen zu Sommerbienen und Winterbienen zu Winterbienen? Da spielt ja auch wohl die Leistung eine Rolle, die die Winterbienen noch bringen müssen, z.B. Pollensammeln im November, weil das Wetter warm ist.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Moin, moin,


    der Frage sollte man nachgehen. Vielleicht den Versuch von Herrn Lu(?) mit Augenmerk auf diese Frage wiederholen? CCD hatte der doch mit Imidacloprid verlässlich ausgelöst? Hat er auch auf Winterbienen geachtet?


    In diesem speklativen Stadium würde ich noch keine der Kulturen, in denen Neonics üblich sind, aus der Reihe der Verdächtigen entlassen, insbesondere den Raps nicht. Da kann es Pollenvorräte geben. Die Analytik von Imidacloprid im Bienenbrot ist problematisch: Die Labore finden nix, und dennoch gibt es bei den Bienen Symptome, und es ist völlig unplausibel, dass da tatsächlich nichts sein soll.


    In den USA kommt ja auch noch die Bestäubungsverschubung der Bienen dazu; in verschiedenen Obstkulturen gibt es ebenfalls Neonics.


    Aus welcher Kultur die Gifte in die Bienen gelangen, scheint mir von nachgeordneter Bedeutung. Wenn sie in sublethaler Dosis bewirken, dass keine oder zu wenig Winterbienen aufgezogen werden, reicht mir das. Und diese Wirkung sollte doch nachweisbar sein. Hat da nicht jemand einen Draht zu den französischen Instituten? Oder Italien? Unsere hier haben je eine Varroa in der Pupille...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Auch bei Hummeln hat man beobachtet, daß sie sich in ein paar Gebieten anscheinend nicht mehr auf den Winter einstellen:



    http://www.telegraph.co.uk/ear…n-of-the-winter-bees.html


    Kurzfassung:
    In England hat man beobachtet, daß manche Hummeln in den letzten Jahren anstatt als begattete Königinnen zu überwintern, im Spätherbst anfangen, Nester anzulegen.
    (Bombus terrestris, B. pratorum).
    Sie fliegen während des Winters und produzieren Königinnen im Frühling.
    Das kann mit dem Verlust des Volkes enden, wenn der Winter zu hart ist.
    Interessanterweise hat man dasselbe in ähnlichen klimatischen Bedingungen in Frankreich nicht beobachtet.

  • Da wäre dann wieder die Frage: was macht Sommerbienen zu Sommerbienen und Winterbienen zu Winterbienen? Da spielt ja auch wohl die Leistung eine Rolle, die die Winterbienen noch bringen müssen, z.B. Pollensammeln im November, weil das Wetter warm ist.


    Hallo Sabine,


    das ist aber eine irrige Auffassung, denn die langlebigen Winterbienen zeigen ein völlig anderes Verhalten als die Sommerbienen, und wer da sammeln fliegt, sollte es zu Unzeiten so warm sein, das sind die noch übrigen Sommerbienen.
    Die Winterbienen hocken im Stock herum und machen nix außer: Essen :wink:.
    Später gibt es sogar noch eine Unterteilung in eine Hälfte, die die Brut pflegt; eine weitere verharrt nochmals und kommt später zum Einsatz, diese leben auch nochmals länger als die Erstgruppe.


    Angeblich ist noch gar nichts wirklich geklärt, was die Winterbienenproduktion nun genau anregt. Von hormonellen Wirkungen des Juvenilhormons ist etliches bekannt - über dessen Steuerungsfaktoren im Einzelnen dann wieder weniger.
    Es gibt Behauptungen, die die Tageslänge angeben und es gibt welche, die den Rückgang der Brut als Auslöser diskutieren. Dagegen spricht, dass von ein und derselben Wabe sowohl Bienen schlüpfen, die Sommerbienen geworden sind und solche, die Winterbienen wurden. Das scheint sich schon auf Larvenebene zu differenzieren.


    Solang nicht bekannt ist, wodurch, wird sich leider auch keine direkte Störwirkung in die unbekannten Mechanismen nachweisen lassen.
    Schade,
    einen Verdacht dahingehend finde ich auch nicht gerade abwägig.


    Wobei:
    Es ist doch sowieso die Varroa!! :roll:


    Grüße


    Marion


    Edit:

    Zitat

    Die Tageslängendifferenz muß natürlich auch mit Hilfe des Gedächtnisses registriert werden

    Zur Erfassung der Tageslänge bedarf es keiner Gedächtnisleistung, das wird ohne Speicher erledigt auf noch anderer Bais, direkt über die Lichteinwirkung. Das funktioniert bei anderen Tierarten und bei uns auch völlig ohne Gedächntnis.
    Trotzdem ist es ein "neuronaler" Proizess, in den hormonelle Regelkreise mit eingehen. Auch hier sind Fehlwirkungen durch Neonics also nicht unplausibel.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Solang nicht bekannt ist, wodurch, wird sich leider auch keine Störwirkung in die unbekannten Mechanismen nachweisen lassen.


    Das stimmt natürlich nicht:
    Ich muß nicht wissen wie eine Uhr funktioniert, um festzustellen, daß ein kräftiger Schlag mit einem Hammer sie kaputt macht.
    :wink:


    Es sollte recht einfach zu testen sein:


    Behandelte und unbehandelte Völker auf Bienenfettkörper untersuchen.
    Wenn das über das Jahr fortgesetzt wird, sollte sich herausstellen, ob´s noch mit der Winterbienenproduktion funktioniert oder nicht, und ob die dann verschwinden wie in CCD.


    Wichtig ist, daß die verfütterten Mengen extrem klein sind, wie in der Chensheng Lu studie, sie sollten bei einigen Versuchsvölkern noch geringer sein, um die unterste Wirkungsschwelle feststellen zu können.


    Auch aus der Praxis bekannt:
    Mein Freind der alle 10 Völker im letzten Winter verloren hat, berichtete im Herbst schon, daß die Bienen nicht aufhörten zu brüten. Er machte sich Sorgen, und im Oktober flogen sie sich alle kahl.
    Mais, mit systemischen Pestiziden behandelt, war in der Nähe angebaut worden. (Österrreich 2011)

  • Hallo, das stimmt schon, wenn wir jetzt die Korinthen auspacken:cool:, denn ich schrieb ja mit Absicht:

    Zitat

    keine Störwirkung in die unbekannten Mechanismen nachweisen lassen


    Sicher kannst Du vorne einen Auslöser einwirken lassen und hinten eine negative Wirkung messen, bei Reproduzierbarkeit ist`s gut. Das Rädchen, an dem gedreht wird, haste dann immer noch nicht. Nur den Effekt. :p


    Das mit der Brüterei wurde schon öfter beschrieben, auch dass bei massig Bruttätigkeit im Spätsommer und Herbst nur sehr unsägliche Zahlen von Winterbienen dabei rauskommen. Nur warum, das konnte keiner sagen.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Das Rädchen, an dem gedreht wird, haste dann immer noch nicht. Nur den Effekt. :p


    Das Rädchen zu finden, wäre natürlich schon interessant, und wenn man einen Faktor findet, der das Rädchen stoppt, dann hat man einen Hinweis darauf, was das Rädchen wirklich sein könnte.


    Momentan ist aber wichtig, daß wir zeigen können, daß dei Neonics schuld sind am CCD, und zwar so schnell wie möglich.


    Die Sache mit dem verzögerten Kahlfliegen der Völker konnte bisher nie so richtig erklärt werden, vielleicht schaffen wir is jetzt aber doch!

  • ... Und diese Wirkung sollte doch nachweisbar sein. Hat da nicht jemand einen Draht zu den französischen Instituten? Oder Italien? Unsere hier haben je eine Varroa in der Pupille...


    Danke, Clas.


    Falls jemand einen Wissenschaftler findet der die Theorie testen will, stelle ich gerne ein paar Völker zur Verfügung.


    Hier in Orkney werden keine Neonicotinoide verwendet, deshalb wäre es ideal für den Versuch.

  • Da kommt auch der Pollen ins Spiel, mit dem die Winterbienenlarven gefüttert werden. Hat der Rückstände? Dann geht die schädigung natürlich durchs ganze Volk.
    Wenn ihr keine Neonics habt, mal dumm gefragt: fliegen sich bei euch auch die Völker kahl? Denn eure Bienen dürften ja dann keine Orientierungsschwierigkeiten haben und in die Beuten zurückfinden. Also doch Varroa?

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi


  • Wenn ihr keine Neonics habt, mal dumm gefragt: fliegen sich bei euch auch die Völker kahl? Denn eure Bienen dürften ja dann keine Orientierungsschwierigkeiten haben und in die Beuten zurückfinden. Also doch Varroa?


    Nein, Kahlfliegen gibt es hier nicht.


    Varroa gibt es auch nicht, aber ich habe in der Vergangenheit Völker mit Varroa gehabt, und die haben sich auch nie kahlgeflogen.


    Das Kahlfliegen kommt eindeutig von den Neonics, wer was anderes behauptet wird wahrscheinlich von Bayer bezahlt.

  • Oh, das ist ja interessant. Gibt es auf den Orkneys insgesamt keine Varroen? Oder nur bei Deinem Stand nicht?
    Wenn Du sie früher hattest, wo sind sie hin, die Varroen?
    Oder hast Du den Standort gewechselt?
    neugierig
    apirita