Kieler Carnica nach Kirgistan?

  • Hallo allerseits,


    in den heutigen Kieler Nachrichten erschien ein Beitrag über die Verbringung von 60 Carnica-Peschetz-Königinnen des Carnica-Züchterringes Kiel nach Kirgistan. Ziel: Verdrängung der dort heimischen Caucasica durch die Carnica zum Zweck der Steigerung der Honigerträge. Über diese Aktion sei der C-Züchterring besonders stolz; die Ukraine und Russland hätten bereits weiteres Interesse an diesen Bienen gezeigt.


    Ich dachte eigentlich, die Zeit der Ausrottung von heimischen Biene sei endgültig vorbei. Der Carnica-Züchterring Kiel hat dem Artenschutz jedoch einen schweren Schaden zugefügt. Immer wieder erschreckt mich, wie Imker und angebliche Naturfreunde zu solchen Taten fähig sind.


    Mir fehlen nicht die Wort, daher erging ein Leserbrief an die Kieler Nachrichten (siehe hier).


    Gruß
    KME


  • Ich frage mich nur, was es auf Dauer bringen soll (außer die Abhängigkeit von einem Züchterring)? Sterben die F0 und F1 weg, bekommt man wieder einen bunten Strauß Hybriden, der dann wieder nicht zu bändigen ist. Gut, die Osteuropäer machen nun durch, was wir schon hinter uns haben.

  • Koizchen, wieso sollen solche Hybriden nicht zu bändigen sein ? Ist alles nur eine frage der Auslese des Imkers und Caucasica fliegen auch in Deutschland. Also gibt es alles schon.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

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  • Hallo,


    die Diskussion ist eröffnet.


    Dem Päsidenten dürfte aber nach meiner Einschätzung ein Fehler unterlaufen sein:


    Kirgistan gehört eigentlich nicht zum Verbreitungsgebiet der Caucasica, sondern wohl eher der Cerana??? Umso schlimmer.


    Gruß
    KME

  • Hallo Josef,


    gem. dem Mendelschen Gesetz, sind Hunderte Variationen möglich. Wie sollen denn die Kollegen aus gerade einmal 60 Völkern eine gerade Linie schaffen? Sie werden natürlich im Abonnement jedes Jahr frisch gekörte Königinnen einkaufen. Ist nicht schlecht für den Dealer, wenn man eine gewisse Abhängigkeit schafft. Letztlich hat es Kai schon richtig beschrieben. Man hätte ihnen Golz Hefte in die Hand und somit ein gutes Regelwerk geben sollen.


    Da haben Menschen Bienen und müssen sich aus einem anderem Land Bienen kaufen, die nicht klimatisch angepasst sind und nicht territorial dorthin gehören. Mag ja sein, dass da schon viele Gedanken gemacht wurden, aber es leuchtet mir nicht ein, wie man eben ohne eine Abhängigkeit den ganzen Status der Ertragssteigerung dauerhaft beibehalten will (sofern er denn überhaupt eintrifft).

  • Die Reinzuchtköniginnen werden wohl kaum zu der erwarteten Ertragssteigerung beitragen. F1 und F2 schon. Aber das ist dann dem Heterosiseffekt zu verdanken und nicht der Reinzuchtcarnica.
    Bei Buckfast ist es genauso. Denn: Wer kann schon eine "reine" Buckfast von einer gekreutzten unterscheiden?
    Wie definiert sich überhaupt eine reine Buckfast?


    Jedenfalls haben die Kirgisen sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Die am meisten Leidtragenden werden wohl die unbeteiligten, kleinen Imker der näheren und weiteren Umgebung der Importbienenstände sein. Denn diese haben aktuell voll angepasste Bienen mit entsprechender Betriebsweise. Welche natürlich nicht mehr passt, wenn sich fremdes Blut einkreutzt.
    Dann gibt es massenhaft Verluste, und als Schuldiger wird die Varroa ausgemacht....


    Auch hierzuland wird auf Tefel komm raus gezüchtet, mit Bienen von überall her. Hier im Namen der Varroatoleranz.
    Landesweit sind wir aber Spitze in den Völkerverlusten. Um die 30% seit Jahren. Tendenz steigend.

  • Warum sollten die Imker dort vernünftiger sein als bei uns? Wenn eine Biene aus Birma 1 kg mehr Honig bringt, gibt es genug Idioten, die sofort bestellen ... Sehr schade, aber aus Fehlern anderer zu lernen ist keine leichte Aufgabe.

  • Mehr Ertrag ist sowieso Trugschluss
    Denn man müsste eigentlich all die Sommerverluste, Selektionsverluste und Verluste durch Ausmerzung der nicht genehmen Linien in die Rechnung miteinbeziehen. All diese Königinnen/Völker haben Null Kg gebracht, haben aber Aufwand gekostet.
    Dann sieht der Durchschnitt über die Jahrzehnte gesehen schlecht aus.


    Ausserdem bewirkt ein Mehr an Ertrag immer ein Preisverfall.