Projekt: Beobachtung Temperaturmaxima, Eiablage und Brutumfang.

  • 30 000, da kann ich aber echt nur schmunzeln. Nach der Liebefelder Schätzmethode sind auf einer vollbesetzten Dadant je Seite 1500x2x10=30 000, dazu kommen für 3 Flachzargen je 15 000=45 000, also 75 000.
    Also 60 000-80 000 sind keine Ausnahmen, sondern eher die Regel bei richtigen Ertragsvölkern. Was habt Ihr nur für Krüppelvölker. Eine Februarauszählung vor 2 Jahren ergab 20 000 Bienen. Da macht Ihr echt was falsch.
    Gruß Peter
    Rechnet mal von Mai bis Juni 2 000 Bienen pro Tag und das diese 6 Wochen leben.......

  • Ganz verstanden habe ich das noch nicht - soll ich also an einem Tag mit bekanntem TempMax die Eier im Volk zaehlen? Dann gibt es aber keine Zahlen vor Maerz und dann sind es womoeglich zu viele zum zaehlen ;-)
    Ist das denn mit der Temperatur eindeutig korrelliert? Kein Einfluss von Sonnenschein, Pollen/ und Wassereintrag oder sowas? Wie kriegt die Gute das blos so gradgenau gesteckt?
    Oh Bien, Oh Wunder...


    Melanie

  • Hallo Hubert


    mit 30000 Bienen in HBB, das kann stimmen, aber nicht mehr in Magazinen. Meine Segeberger waren vergangenen Frühjahr mit einem Brutraum 1,5 und 4 Normalzargen besetzt, aber wirklich voll besetzt, da waren bestimmt 60000 drin und beim Honigertrag habe ich ganz schön gestaunt, das hatte ich noch nie.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo,


    nee, keine Stifte zählen! Da würde ich auch nicht mitmachen wollen bzw dafür dauernd im Volk wühlen und stören.


    Die Formel ergibt aus der Tagstemperatur und den Eingangsschätzwerten eine Tageslegeleistung, die von Zeit zu Zeit mit den tatsächlich gesehenen und geschätzten Brutmengen abgeglichen werden soll.
    Je nach eingetragenen Werten ändern sich die Berechnungen doch täglich.
    Man soll also die Fähigkeit dieser Formel bzw. der Vorhersage in der Praxis mit seinen Zahlen untermauern oder eben nicht.


    Kann man machen, braucht man aber nicht. Reingucken und abschätzen macht man sowieso. So what?



    Grüße


    Marion


    P.S.: Bernhard, das hieße aber, dass das Beobachtungsvolk z. B. auch nicht geschröpft werden darf.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Anhand der gemessenen Tageshöchsttemperaturen bei mir, hat die Königin 3.943 Eier im Februar gelegt. Also relativ wenig, kein Wunder bei Temperaturen gegen Null.


    Abzüglich der bereits geschlüpften 1.612 Jungbienen sind jetzt 2.331 Brutzellen im Stock. Also ein Minibrutnest.


    Von den Altbienen sind fast 50 % des Bestandes seit Anfang Februar abgestorben. Die neu geschlüpften Jungbienen machen je nach Anfangsgröße der Wintertraube 14-25 % der jetzigen Bienen aus. Ein Volk mit 10.000 Bienen Anfang Februar ist demnach auf 6.360 Bienen geschrumpft. Ein Volk mit 20.000 Bienen auf 11.408 Bienen.


    Hochrechnungen auf Grundlage der oben genannten Arbeiten.


    Aufs Ei genau wird die Kalkulation naturgemäß nicht stimmen, aber die Tendenz ist da. Der Abgleich findet dann bei der ersten Durchschau statt.

  • Oh Bien, Oh Wunder...


    Yessss!
    Den Bien in ein wissenschaftliches Korsett stecken...
    Wird eng...
    Wer badets wieder aus? Dr. Dr. Dr.?
    Vermutlich nicht.


    Cloud

    Dance like no one is watching, love like you'll never be hurt, sing like no one is listening and live like it's heaven on earth. Osho

  • Stand 18.3.2013


    Die Kirschpflaumen und Zwetschgen sind kurz vor der Blüte oder blühen teils schon. Im vergangenen Jahr war das bereits eine Woche früher der Fall. Die Temperaturen sind etwas kälter als im vergangenen Jahr, verlaufen aber um ein paar Grad versetzt fast parallel.


    Laut Kalkulation und den gemessenen Tageshöchsttemperaturen von Anfang Februar bis jetzt ist das Brutnest im überwinterten Volk etwa 8.000 Brutzellen groß. (Klein. :wink:)



    Die Anzahl der adulten Winterbienen nimmt weiter ab. Jetzt ist aber (hier am Niederrhein) der Wendepunkt gekommen, an dem die Anzahl der Bienen wieder steigt anstatt zu fallen. Der sogenannte Massewechsel beginnt pünktlich zum Frühlingsanfang.



    Das Brutnest wird bis Anfang-Mitte April rapide anwachsen. (Je nach weiterem Temperaturverlauf.) Laut Prognose wird in der zweiten Aprilwoche ein Brutumfang von >18.000 Brutzellen erreicht. Diese Anzahl wird benötigt, um vier Wochen später - Anfang Mai - eine Mindesttrachtstärke zu erlangen.


    Das ist sehr spannend, denn im vergangenen Jahr habe ich den ersten Weiselbecher genau in der ersten Woche des Aprils im Beobachtungsstock gesichtet. Und Ende April die ersten Drohnen. Das bedeutet, sobald die >18.000 Brutzellen in etwa erreicht werden, werden die ersten frühen Schwarmvorbereitungen getroffen.



    Ab jetzt wird es laut Kalkulation eine lange Zeit mehr Brut als adulte Bienen geben - etwa bis Mitte Mai. (Laut Berechnung etwa ab dem 10. Mai., wenn der April relativ warm wird.) Dann kippt das Verhältnis wieder und es gibt wieder mehr Bienen als Brut. Zu diesem Zeitpunkt sollten die Weiselzellen bestiftet werden und der Schwarm vorbereitet. Und so war es auch im vergangenen Jahr!


    Der Höhepunkt in der Entwicklung sollte dann ungefähr am 24.5. erreicht sein. => Schwarm! Im Jahr 2012 fiel der erste Schwarm am 20. Mai. Da wir dieses Jahr von der Entwicklung her eine Woche zurückliegen, passt das ganz wunderbar.



    Die Ergebnisse von Josef Bretschko & Prof. J.-H. Bergmann & Dipl.Ing. L. Bergmann scheinen den Beobachtungen des vergangenen Jahres (und auch nach meinen Aufzeichnungen in den Jahren davor), in sich stimmig zu sein.


    Die ersten frühen Schwarmvorbereitungen (Drohnenbrutaufzucht, Weiselbecher) werden getroffen, wenn das erste Mal im Jahr auf eine adulte Biene zwei Brutzellen kommen. (Etwa 18.000 Brutzellen bei 9.000 Bienen.) Wie gesagt - das erste Mal nach der Überwinterung.


    Danach geht das Volk schwarmmäßig in Wartestellung. Bis das Verhältnis erneut kippt und es mehr Brutzellen als Bienen gibt. Das ist dann das "Signal". Vermutlich hat es mit der Verteilung von Pheromen oder ähnlichem zu tun, jedenfalls merkt der Bienenkörper: Das ist der Zeitpunkt, an dem die Weiselzelle bestiftet und gepflegt wird.


    Zwei Wochen später geht der Vorschwarm ab.


  • Vielen Dank Bernhard für deine Ausführungen.


    Zitat

    Die ersten frühen Schwarmvorbereitungen (Drohnenbrutaufzucht, Weiselbecher) werden getroffen, wenn das erste Mal im Jahr auf eine adulte Biene zwei Brutzellen kommen. (Etwa 18.000 Brutzellen bei 9.000 Bienen.) Wie gesagt - das erste Mal nach der Überwinterung.


    Danach geht das Volk schwarmmäßig in Wartestellung.


    Die Frage ist nur wie gehen wir Imker jetzt damit um? Wann und wie betreibst du aufgrund der Erkenntnisse nun Schwarmverhinderung falls gewünscht?
    Was tu ich wenn ich ein Volk z.B. durch Entnahme von Brut oder Bienen nicht schröpfen will?


    Grüße
    Raimund

  • Wenn das oben Geschriebene sich bewahrheitet, dann ist die Brutentnahme sogar kontraproduktiv. Das ergibt sich aus den Berechnungen.


    Dann wäre es besser, eben nicht Brutwaben zu entnehmen oder auf irgendeine Weise zu schröpfen. Sondern zeitlich genau abgestimmt und frühzeitig Brutwaben ohne aufsitzende Bienen in das Volk zu geben. Also das völlige Gegenteil. :u_idea_bulb02:


    Für ein Zweiköniginnenvolk habe ich 20.000 Brutzellen errechnet, die benötigt werden. Im Zweiköniginnenvolk wohlgemerkt. Für ein Volk mit nur einer Königin sind es weniger und auch der Zeitpunkt wird anders sein. Anhaltspunkt ist der Verlauf der Tagesmaximaltemperatur des jeweiligen Jahres.


    Ohne jetzt schon völlig in Begeisterung aufzugehen - ich kenne Bienen insoweit, daß sie immer für Überraschungen gut sind - es wäre total klasse, wenn die Schwarmvorbeugung mal ausnahmsweise nicht auf eine Schwächung hin abzielt, sondern das Volk sogar noch stärkt!


    Natürlich läßt sich das Spiel nicht ewig betreiben, irgendwann geht es mit der Brut zurück und mit dem Bienenbesatz rauf. Die Brut schlüpft ja. Aber wenn sich die Zeit bis nach den Haupttrachten verlängern läßt, dann reicht das ja völlig aus.


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    jetzt denke ich gerade an die Entwicklung meiner eingeengten Völker mit Schied. Da kommt die Erweiterung im Brutraum dann hoffentlich zum passenden Zeitpunkt und nach und nach. Logisch liest es sich mal sicherlich.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ach und noch was:


    diese Theorie des "Futtersaftstaus" in Sachen Schwarmauslösung. Zu viele Jungbienen etc.
    Die kommt einem nun viel plausibler und konreter vor Augen wie ein zeitlich auftretendes Symtom der Entwicklung (die sich bereits Wochen vorher abzeichnet) vor als ein konkret auslösendes Moment.


    überlegt


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • So würde das bei einem Einköniginnenvolk verlaufen. Zuerst ohne Maßnahmen zur Verhinderung von Schwärmen.



    Schön zu sehen ist das Verhältnis von Brut zu Bienen. Vorne das Datum, dann die Tageshöchsttemperatur, dann die Eilegerate, dann die im Volk befindliche Brut, dann die Bienen. Zum Schluß das Verhältnis der beiden.


    Wenn nach der Überwinterung ein Verhältnis 2:1 (2 Teile Brutzellen zu 1 Teil Bienen) erreicht wird, werden Weiselnäpfe angeblasen und Drohnen aufgezogen.


    Wenn all die schönen Brutzellen schlüpfen kehrt sich das Verhältnis von Brut zu Bienen um und erreicht irgendwann 1:1. In meiner phantasievollen Vorstellung ändert sich dadurch der "Geruch" im Bienenstock. Vorher roch es überwiegend nach Brut, nach Aufbruchstimmung, nach Wachstum! Je mehr Bienen im Verhältnis zu Brut, desto eher riecht es nach Bienen und nach Alter. Die Weiselzellen werden bestiftet, dann geht der Schwarm ab.


    Nicht zufällig geht der Schwarm genau dann ab, wenn der Höhepunkt der Entwicklung erreicht wurde.


    Hier scheint also ein Mechanismus zu existieren, der zwar über die Tageshöchstemperaturen und die damit verbundene Eilage (und damit Brutanlage) an das Wetter gekoppelt ist, aber eben nicht absolut. Die Bienen richten sich augenscheinlich nach dem Verhältnis von Bienen zu Brut, vielleicht über den aus der Mischung von Brut- und Bienengeruch = dem Bienennestduft.


    Das erklärt auch das Schwärmen von kleinen Mickervölkern und noch so einiges!


    Wenn die Regelung der "Schwarmverhaltens" über das Verhältnis von Brut und Bienen funktioniert, dann wäre eine mögliche Art der Schwarmverzögerung die Gabe von Brutwaben ohne Bienen aus einem anderen Volk. Genau zu dem Zeitpunkt gegeben, wo das Verhältnis gerade wieder kippen will, dürfte das eine verzögernde Wirkung haben. Rechtzeitig wohlgemerkt! Es müssen nur die Tageshöchsttemperaturen im Frühjahr verfolgt werden, um einen Anhaltspunkt über den richtigen Zeitpunkt zu bekommen.


    Zwei Mal 20.000 Brutzellen gegeben, ist das Volk die ganze Saison über im Wachstumsfieber.



    Ich habe mal mit weniger gerechnet, das war aber zu knapp bemessen.



    @Remsi: Es ist keine echte Wandlung, sondern ich habe einen Plan, den ich mittelfristig umzusetzen gedenke. Wenn Du mal zum Imkerforumtreffen kommst, dann sprechen wir drüber bei einem Mühlenbier.


    Daneben helfen solche Erkenntnisse nicht nur dem Honigjäger, sondern wenn das ganze Schröpfen und Schwächen der Völker zum Zwecke der Schwarmverhinderung wegfällt, dann ist die Welt schon wieder ein bisschen besser geworden. Gerade für Kleinstimker kann das doch interessant sein: mit dem einem Volk mache ich einen vorweggenommenen Vorschwarm, die Brutwaben gehen zum zweiten Volk. Fertig. Zwei Mal getan, erledigt fürs Jahr. Und mit dem einem gestärkten Volk bekomme ich sogar noch mehr Honig zusammen, als mit zwei Völkern, die durch Beschränken, Schröpfen, Umschichten, Brechen und Biegen schlechte Laune haben. :wink:


    Wer den Honig nicht selbst verwenden will, der füttert ihn eben ein. Besser als zwei schwache Völker die nix gesammelt haben und dann mit Zucker eingefüttert werden müssen.


    Zu früh für weitere Spekulationen, ich freue mich aufs Frühjahr und die Widerspenstigkeit der Bienen. :lol:


    Bernhard