Mortalitätsrate adulter Honigbienen

  • Kann mir jemand weiterhelfen? Für eine Modellrechnung benötige ich die Mortalitätsrate adulter Bienen pro Tag im Verlauf der Monate. :confused:


    Also wie viel Prozent der Bienen eines Volkes sterben im März, April, Mai...pro Tag?


    Danke!


    Bernhard

  • Tja,


    es stellt sich heraus, daß diese Frage wohl noch nicht erforscht worden ist.


    Als ersten Ansatz habe ich gedacht, OK, wir nehmen einfach die Eiablagerate und ziehen den Wert 30-40 Tage später wieder von der Gesamtbienenpopulation ab. Wegen der Lebensdauer. Das funktioniert per se aber nicht so einfach. Denn entweder explodiert die Anzahl adulter Bienen weit über 100.000 Bienen schon im März/April oder die Anzahl bricht komplett zusammen. Ziemlich unglaublich, wenn Du das versuchst so einzustellen, daß es die Beobachtungen im Frühjahr wiedergibt.


    Ich habe dann mal mit absoluten Werten rumexperimentiert, im März 100, 200, 300 pro Tag und dann je Monat mehr. Auch hier gibt es dann die gleichen Probleme. Viel zu viele Bienen!


    Hier mal meine OpenOffice-Tabelle (.ods), falls jemand sich die Sache mal ansehen will: http://www.immenfreunde.de/docs/EntwicklungVoelker.ods - über eine Rückmeldung würde ich mich freuen.


    Ich werde dazu noch was schreiben, denn bei der Eiablage und bei dem Brutumfang klappt die Berechnung in Abhängigkeit der Tagesmaximumtemperatur schon ganz gut. Dazu würde ich gern ein Experiment vorschlagen, bei dem ihr mitmachen sollt. :wink: Doch dazu später mehr.


    Es geht um die Spalte E. Im Moment sind nur Fragmente und Überreste meiner verzweifelten Versuche, die Sterblichkeit mit einzubauen, darin zu finden. Also nicht wundern.


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Gibt es nicht jemanden hier, der sich mit Regelungstechnik, Rückkopplungen usw. auskennt. Das ist doch eine klassische Regelung mit unterschiedlichen Sollwerten (Volksstärke je nach Monat).


    Elias

  • Also der Faktor 0,975 bringt es.


    Also für eine stabile Population dürfen nicht mehr als 0,35 % der Bienen täglich sterben. 0,25 % ist der Durchschnitt.


    Ich lade gleich die Tabelle neu hoch.


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    die Mortalitätsrate ist sicherlich kein fester Parameter, Arbeitsbienen werden auf Grund verschiedenere Einflüsse (Wetter, Tracht ...) unterschiedlich beansprucht und dadurch ändert sich auch ihre Lebensdauer, 3 - 5 Wochen ist schon eine ziemliche Spanne.
    siehe auch: http://www.agroscope.admin.ch/publikationen/einzelpublikation/index.html?aid=30352&lang=de&pid=30173


    Gruß Jan

    Dubium sapientiae initium. Zweifel ist der Weisheit Anfang. René Descartes

  • Auch interessant: Die Brutpflege alleine scheint nicht der Schlüssel für die Lebenserwartung zu sein:http://www.agroscope.admin.ch/…/1349705445_as544_web.pdf


    Nur ein Hinweis, auch wenn der nichts mit der Frage von Bernhard zu tun hat: Der Abschnitt "Einfluss des Nachwuchses an Jungbienen in brütenden Völkern" auf Seite 6 ist von besonderem Interesse für die Anwendung von Varroa-Fangwabenmethoden. Er liefert eine Erklärung, warum kaskadierte Fangwabenmethoden möglich sind: Wenn Brut immer wieder entfernt wird, leben die Bienen einfach länger.


    Gruß Ralph

  • Arbeitsbienen werden auf Grund verschiedenere Einflüsse (Wetter, Tracht ...) unterschiedlich beansprucht und dadurch ändert sich auch ihre Lebensdauer, 3 - 5 Wochen ist schon eine ziemliche Spanne.


    Das meint man landläufig, dass die Tracht und das Wetter _der_ entscheidende Faktor für ein kurzes Bienenleben ist. Liebig fasst den aktuellen (?) Kenntnisstand im dbj 01/2013, S.12-13 aber so zusammen:



    Die Lebensdauer der Arbeiterinnen wird in erster Linie von der Brutleistung bestimmt. Es gilt: Wer Larven füttert, lebt kürzer. Die Lebenserwartung liegt von April bis August eher bei zwei als bei drei Wochen. Winter- und Schwarmbienen leben länger.



    Er pointiert das Ganze mit der Aussage:



    Die Nutzung einer guten Tracht kostet keine Bienen, selbst wenn an einem Tag zehn Kilogramm eingetragen werden, egal ob Nektar oder Honigtau. Über 99% der Bienen kehren vom Sammeln zurück, auch wenn saatgutgebeizter Raps oder Mais angeflogen wird.



    Ich finde das sehr interessant, gerade wenn jemand aus einem Waldtrachtgebiet das sagt, wo sich doch die Bienen an der Tanne "abarbeiten". Den letzte Halbsatz könnte man pro Pflanzenschutz deuten, als Beobachtung ist er aber auch bezeichnen. Bei Neonicotinoiden ist es eben nicht wie bei typischen Spritzmittelvergiftungen, bei denen die Bienen direkt sterben, sondern (das interpretiere ich nun rein) eine schleichende Vergiftung.

  • Das meint man landläufig, dass die Tracht und das Wetter _der_ entscheidende Faktor für ein kurzes Bienenleben ist. Liebig fasst den aktuellen (?) Kenntnisstand im dbj 01/2013, S.12-13 aber so zusammen:
    Zitat von Liebig dbj 01/2013, S.12f
    Die Lebensdauer der Arbeiterinnen wird in erster Linie von der Brutleistung bestimmt. Es gilt: Wer Larven füttert, lebt kürzer.


    Belegt Liebig das auch? Diese Aussage widerspricht den mit Verweisen belegten Aussagen aus dem weiter oben zitierten Link. Danach verlängert der fehlende Nachwuchs das Bienenleben, nicht die Brutpflege. In einem 1931 durchgeführten Experiment konnte die Lebensdauer von Ammenbienen durch Entnahme von verdeckelter Brut 4mal hintereinander vor dem Schlupf auf bis zu 78 Tage und mehr verlängert werden.


    Gruß Ralph

  • Naja, widersprechen nicht, der agroscope-Artikel schränkt das Ganze ja ein - oder erweitert es, je nach Sichtweise. Jedenfalls hat es etwas mit Brutpflege und dem Umfeld zu tun und nicht mit der Sammeltätigkeit. Das ist ja die interessante Aussage, Sammeln würde die Lebensdauer nicht einschränken.

  • Moin, moin,


    also, wenn ich den Fluriartikel lese und die Liebigzitate: Da ist schon ein Widerspruch. Liebig sagt: wer Brut pflegt, stirbt früher. Fluri schränkt ein: Wer erfolgreich Brut pflegt und vor allem: wer Nachfolgerinnen hat, stirbt früher. Vielleicht, weil sie früher aufhören, zu pflegen? Denn dass es das Pflegen an sich nicht ist, behauptet er ja deutlich.


    Liebig sagt: Tracht verbraucht keine Bienen. Fluri sagt: Sie haben eine potentielle Flugleistung von 800 km. Daraus ergibt sich, dass sie bei Hochtracht viel fliegend auch eher aufgebraucht sind. Wenn man sich die ausgefransten Flügel alter Tiere anguckt: Das kann man schon als Verbrauch deuten, scheint mir. Und wenn 99% zurückkehren, ist nach 99 Trachtflügen noch 1% übrig... die anderen 99% müssen in der Zeit wieder ergänzt werden, um die Sammelmannschaft auf Stärke zu halten. Nach meinem Verständnis von Zahlen bedeutet dies, dass in der Hochtracht die Bienen diese 99 Trachtflüge in kürzerer Zeit erledigen, als wenn sie hier und da mal rumnüsseln.


    Davon mal abgesehen: Hochtracht kann ja auch unterschiedlich weit entfernt sein...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Imkerfreunde


    Das ist ein weit schweifendes Thema und es müssten viele Bücher zitiert werden.


    Alles was im Bien normal abläuft schadet der einzelnen Biene nicht. Muß aber eine Jungbiene länger Brutpflege durchführen, weil keine Jungbienen nachkommen, wird sie überdurchschittlich belastet und stirbt auch eher. Das gleiche ist wenn eine Jungbiene länger als normal Waben bauen muß, dann schadet das der Biene beim Trachtflug und sie stirbt eher und genau so ist es wenn Bienen im Frühjahr zu kalte Beuten aufheizen müssen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)