paar allg. Fragen zu "Wachs Entseuchungskessel"

  • Hallo!


    Unser Verein hat ein Preis gewonnen und davon wird evtl. unter anderem so ein Kessel (wenn, dann wohl von Graze) besorgt.


    Wie ihr euch denken könnt, überlege ich mir so einen doppelwandigen Kessel irgendwann selbst zu bauen bzw. schweissen zu lassen. (Vorallem, wenn das mit dem vereinskessel nix wird) Bitte keine Diskussion ob die Einzelanfertigung / Eigenbau lohnt.


    Auf den Gedanken kam ich, als ich mir überlegte, wie man am besten eine Tresterpresse konstruiert. Warum nicht das ganze Doppelwandig und mit Heizung, die auch bis 140° macht und mit Wärmeträgerfluid.


    Und hier die erste Frage dazu:
    Könnte man das sündhaft teure Thermo-Öl nicht einfach mit neuem Frittieröl ersetzen?

    "Das ist zu gefährlich" - war eine Reaktion eines Nutzers von einem Originalkessel. Auf die Frage warum bekam ich bisher leider noch keine Antwort.


    Ich denke, es ist sogar weniger gefährlich als eine normale Fritteuse in der Küche! Denn ich bringe keinerlei wasserhaltiges Frittiergut oder sonst irgendeine Verunreinigung in das heisse Öl .... oder wie seht ihr das?


    Thermoöl oder Thermofluid ist vermutlich nicht brennbar, das wäre natürlich ein Vorteil, aber das zu erhitzende Wachs ist wohl noch brennbarer als das Frittieröl. Vielleicht ist das Thermoöl auch von der Viskosität "dünner" und die Erwärmung erfolgt evtl. gleichmässiger, da sich das Fluid schneller im Kesselzwischenraum (nenne ich hier ab sofort "Simmer") verteilt. Wobei heisses Öl ja auch dünnflüssiger wird, je wärmer es wird - oder?


    Der Simmer bleibt selbstverständlich drucklos aber weitestgehend geschlossen. Dachte an eine kleine Öffnung nur für den Druckausgleich durch die Temperatur-Ausdehnung und natürlich ausreichend gross, dass man das Öl leicht mit Trichter einfüllen kann.


    Kontrollthermometer und ständige Aufsicht wäre zunächst obligatorisch! Als Heizelement eine Fritteusenheizung und auch den Regler. Die gehen meist bis 190° - was man aber mechanisch begrenzen könnte.


    Es gibt Fritteusen, die die Anschlüsse der Heizung im Kessel unterm Ölniveau nach aussen führen, für die elektr. Anschlüsse und den Temperaturfühler. Viele Anschlüsse sind allerdings nach oben aus dem Kessel geführt und sind m.E. eher ungeeignet.


    Jeder, der sein eigenes Wachs entseucht, möge bitte wertfrei hier mitteilen, welche Parameter er / sie beachtet und ggf. warum.
    Die Vorgaben, wie lange und wie heiss gehen stark auseinander und wurden m.E. hier im Forum schon gut ausdiskutiert.


    Danke für eure Gedanken!

  • Bist scho a wuida hund, Frank :)


    Das Frittieröl wird halt ranzig werden, könnte ich mir vorstellen. Wie schauts mit der thermischen Ausdehnung aus? Bei mineralischen Ölen wird das alles anders sein. Ist nicht Paraffinöl günstig zu bekommen? Schreinerbedarf?


    Servus
    Reiner

    42

    ganz sicher

    nur nicht beim bee-space

  • Thermoöl oder Thermofluid ist vermutlich nicht brennbar, das wäre natürlich ein Vorteil, aber das zu erhitzende Wachs ist wohl noch brennbarer als das Frittieröl. Vielleicht ist das Thermoöl auch von der Viskosität "dünner" und die Erwärmung erfolgt evtl. gleichmässiger, da sich das Fluid schneller im Kesselzwischenraum (nenne ich hier ab sofort "Simmer") verteilt. Wobei heisses Öl ja auch dünnflüssiger wird, je wärmer es wird - oder?


    "Die Aussage zu Brennbarkeit ist dabei zu relativieren" steht zumindest unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/W…%C3%A4ger#Thermal.C3.B6le

  • Hi!
    Naja, man macht sich so seine Gedanken ... wenn der Tag lang ist (oder besser die Nacht wie zur Zeit, aber es geht nauswärts)


    Paraffinöl
    Spontan fällt mir dazu im Schreinerbereich das Zeug in der Sprühflasche ein, mit dem wir früher z.B. die Abricht-Hobelmaschine auf den Flächen eingesprüht und abpoliert haben, damit das Massivholz besser flutscht. Ob selbiges sowas ist und ob es auf -sagen wir mal 140°- als Wärmeträgerfluid eingesetzt werden kann, weiss ich absolut nicht (hätte da auch Bauchweh)


    Frittenöl ist ja speziell zur Erwärmung gedacht und zwar bis weit über die Temperaturen, dei man fürs Entseuchen von Wachs benötigen würde.
    Ranzig wird es denk ich nicht so schnell, weil ja keinerlei Verunreingungen reinkommen wie beim Gebrauch in der Küche.


    Und offensichtlich verträgt das Frittenöl auch den direkten Kontakt zur Heizung. Diese kombination wird tausendfach in vielen Haushalten verwendet, rel. gefahrlos, das muss also nicht erst ausgetestet werden - bei vermutlich sehr großen Gefahren!


    Die thermische Ausdehnung muss natürlich erstmal vorsichtig beobachtet werden, aber das hat letztenendes nur Einfluss auf die Befüllhöhe bei zimmertemperatur.


    das Gesamtvolumen im Simmer ist wohl auch nicht riesig, da sehe ich jetzt kein problem.


    Reiner, dein Motor liegt immer noch so wie ich ihn vom Testcenter geholt habe ... bisher hatte ich kein Zug, den zu zerlegen. Hab auch bissl Respekt davor, weils nicht meiner ist und erfahrungsgemäß die Lager fest auf der Achse sitzen (wie es auch sein soll) ... aber ich hab ja noch bissl Zeit.


    Clemens, danke für den Link, weiss einer was "die höherviskosen Silikonöle" bedeutet?


    Viskosität ist m.W. die dünn- oder dickerflüssigkeit des Öls, in Berücksichtigung einer Temperaturkurve.
    Also wie zähflüssig bzw. dünnflüssig bei welcher Temperatur. Und bei Schmierleistung: bei welcher Temp erhöht sich die Gefahr des Schmierfilmabrisses ....
    Ich hab mal versucht, mir das bei Motorenöl erklären zu lassen, z.B. 5W40. ich habs entweder nicht kapiert oder schon wieder vergessen :confused::oops::roll:


    Jedenfalls wage ich keine Hitzeversuche bei Wärmeträgerfluiden. Entweder Frittenöl oder Thermalöl. Ich muss da wohl einen Wärme-Kälte-Klima-Installateur finden, den ich mit meinen Fragen quälen kann :p


    Was ist eigentlich in diesen rollbaren Elektro-Öl-Heizkörpern drinne? Da muss doch auch sowas drin rumschwappen. Aber leider brauch ich mein in der Werkstatt noch als "Frostwächter" ... sonst käme der direkt mal auf die Schlachtbank :cool:


    schön Feierabend!

  • Hi, ich könnte mir vorstellen, daß Frittenöl "altert" und sich zersetzt.
    Weiß ja niemand, welche Inhaltsstoffe da noch mitschwimmen.
    Und Verbrauchtes wird ja weggeschüttet...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • ja, die Alterung "fürchte" ich auch, wobei ich die eher auf die "Verunreinigungen" und damit in Verbindung stehende Reaktionen sehe.


    Mal sehn was draus wird, bin aber sher an Informationen / Erfahrungen zum Thema interessiert.

  • Hallo Fränkle!


    Ich habe mir vor Jahren auch einen doppelwandigen Entseuchungskessel gebaut. Als Medium habe ich Frittieröl eingefüllt. Das funktioniert einwandfrei. Ob sich da was zersetzt oder nicht, kann ich nicht sagen. Falls doch einmal was fehlen sollte, so fülle ich bis zum Schauglas nach.


    Ich würde aber so einen Kessel nicht mehr bauen, da der Aufwand nicht gerechtfertigt ist.


    Unser Verein hat einen Wachsschmelztopf gekauft, der kann auf über 100° C eingestellt werden, der kann ebenso gut zum Entkeimen verwendet werden und kostet einen Bruchteil davon.


    http://bienenshop.puff.co.at/wbc.php?sid=106595060aed&tpl=produktdetail.html&pid=1105&rid=31&recno=3


    MfG
    Honigmaul


  • Achtung, nicht verwechseln: Entkeimen und Entseuchen!
    Zu Letzterem reichen keine 100°C! Da fangen die AFB`s erst an, sich wohl zu fühlen...

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • hier hab ich noch was interessantes zum Thema gefunden: eine Anleitung für einen Entseucherkessel:
    http://bienenshop.puff.co.at/m…iles/B44037962_WEK34L.pdf


    Interessant finde ich bei der Anleitung, dass die OS zwar unter Rühren aber langsam zugegeben werden soll. In den Wachsbüchern (sowohl bei Weber, also auch bei Spürgin) wird immer wieder betont, dass Wachs- und Wassergemisch gut kochen sollen, damit die Klärung funktioniert. Wenn's so auch geht, schön! Hab es selber noch nicht probiert oder probieren müssen. Fertige "Bienenwachs"kerzen schauten manchmal ziemlich "zerkocht" aus, wer weiß, was da alles zur Schönung beigesetzt wird.


    Wir ziehen jedes Jahr einige Bienenwachskerzen, dabei muss das Wachs relativ lange hieß bleiben. Dabei ist mir aufgefallen, dass die letzten Serien diese Jahr vom Duft her nicht mehr so schön waren, wie die ersten. Zu lange würde ich daher das Wachs also nicht erhitzen. Ich sehe auch keinen Grund zur "Entseuchung", wenn das Wachs aus der eigenen Imkerei und von gesunden Völkern ist. Warum soll ich dann entseuchen? Verflüssigen und klären reicht da doch.


    Wasser wird - lt. Anleitung von Puff - auch nur bei 80° C Wachstemperatur zugegeben. Da besteht dann keine Gefahr des Siedeverzugs.


    Reinigung mit AS-Lösung, auch interessant!



    Unser Verein hat einen Wachsschmelztopf gekauft, der kann auf über 100° C eingestellt werden, der kann ebenso gut zum Entkeimen verwendet werden und kostet einen Bruchteil davon. http://bienenshop.puff.co.at/wbc.php?sid=106595060aed&tpl=produktdetail.html&pid=1105&rid=31&recno=3


    Das ist ein normaler Einkochtopf aus Edelstahl von Rommelsbacher, den es z.B. hier http://www.amazon.de/Rommelsba…ollautomat/dp/B000KND5YU/ deutlich günstiger gibt. Ich habe mir im letzten Herbst diesen Weck gekauft: http://www.allego.de/haushalt/…chvollautomat-wat-25.html Da sind auch die Griffe aus Edelstahl. Werden zwar etwas heißer als die Plastikvariante, sind aber leichter zu reinigen. Nachteil dieses Weck-Topfs: Der Deckel passt nicht richtig, ist etwas zu klein!


    Beim Befüllen dieser Einkochtöpfe mit Wachs muss man vorsichtig sein, wenn man kein Wasser unten verwendet - war bei uns zum Kerzen tauchen notwendig, da mit Wasser am Boden das Tauchgestell Wasser aufwirbelt und die Kerzen nichts werden - und sollte zumindest am Anfang dabei stehen bleiben. Die Töpfe sind zwar thermostatgeregelt, man weiß aber nicht, wo das Thermostat am Boden genau ist. Selbst wenn man den Topf auf 70-80° C einstellt kann das Wachs anbrennen, wenn der Boden nicht mit einer flüssigen Wachsschicht bedeckt ist. Besser ist es, erst eine Schicht flüssiges Wachs zugeben und dann die Wachsbrocken einlegen, oder aber das Wachs im Wasserbad verflüssigen, dann kann man sich auch den Edelstahl-Einkochautomat sparen und einen günstigeren aus Email kaufen.


    Mit Wasser & Wachs direkt im Topf (ohne Wasserbad) und Temperaturen um die 100° C muss man auch aufpassen wegen Siedeverzug ... ;-)


    Im Rahmen des Neukaufs haben wir auch unseren alten Wachs-Einkochautomat (Email, ein älteres ABC-Modell) ausgemustert und wollten den zum Honigauftauen verwenden. Ein anderes, noch älteres ABC-Modell ist schon seit 20 Jahren im Einsatz. Das hat leider nicht wie gewünscht funktioniert, das Thermostat läßt als unterste Einstellmöglichkeit nur ca. 48° C zu - zu veile zum Honig auftauen. :-(

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  • Achtung, nicht verwechseln: Entkeimen und Entseuchen!
    Zu Letzterem reichen keine 100°C! Da fangen die AFB`s erst an, sich wohl zu fühlen...


    Hmm, finde recht unterschiedliche Angaben zur "Entseuchung" hier http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=13144&p=137086#post137086 steht 6 bar und 130° C, keine Zeitangabe, Quelle? Es geht aber um AFB-Entseuchung (ist das was anderes wir "nur" Entseuchung?). Spürgin schreibt in "Bienenwachs", S. 52 etwas von 130° C und 5 Stunden, aber im Klärbehälter, d.h. ohne Druck, lt. Verwaltungsvorschrift in NRW.

  • Entseuchen geht unter Druck bei 130°C oder bei 160°C drucklos.
    Zeiten hatte ich mal, weiß ich monentan nicht.

    Mit freundlichen Grüßen - Hardy


    Wende Dich zur Sonne, dann bleiben die Schatten hinter Dir.

  • In der Anleitung von Puff zum Entseuchen sind die Parameter nochmal anders, der Kessel dürfte nach meiner Einschätzung drucklos sein.


    es ist mir auch ein Rätsel, dass soviele Unterschiedliche Angaben zu finden sind, selbst von Quellen, die ich als renomiert einschätzen würde. Die LWG schreibt sogar, dass Faulbrutsporen im Dampfschmelzer bei 30 Minuten aufgeben:


    hier unter "komplette Wabenbauerneuerung" auf Seite 2:
    http://www.lwg.bayern.de/biene…eiten/28881/linkurl_2.pdf


    kein Wort ob mit oder ohne Druck ... auch bei den 160° keinerlei Zeitangabe ....:confused:


    Clemens, mag schon sein, dass Entseuchung von Wachs nicht zwingend vorbeugend nötig ist. Wir hatten in Bayreuth erst vor kurzem die Faulbrut und ich hatte riesen Glück grade nicht mehr im Sperrgebiet zu sein.
    Aber ich hab Schiss vor dem Müll, drum wäre mir weitaus wohler mit dem Bewusstsein, alles mir mögliche getan zu haben.


    Bau ich mir so ein Kessel, dann kann ich ihn ja gleich so bauen, dass er deutlich mehr als 100° liefert. Natürlich untzer berücksichtigung sämtlicher Sicherheitsparameter wie Siedeverzug usw...


    Honigmaul,


    wie und welche Heizung und Regler hast du eingebaut? Bilder wären super :daumen:
    Und wie hast du das mit dem Schauglas realisiert?

  • Hallo,


    vielleicht entstehen die unterschiedlichen Temperatur-/Druck-/Zeitangaben durch unterschiedliche Ziele?


    Sicherlich reduziert ein ausgiebiges Bad im Dampfwachsschmelzer den Anteil der Vermehrungsfähigen unter den AFB-Sporen. Sicher ist auch, dass diese Bedingungen nicht ausreichen um mit hoher Sicherheit von "frei von vermehrungsfähigen AFB-Sporen" zu reden.
    130° C drucklos ist ein weiterer Schritt in Richtung Armut an intakten Sporen. Für das Eigenwachs eines gesunden Betriebes wird dies meist ausreichen. Bei einem MW-Hersteller, der auch mal einen Block mit etwas mehr Sporen erhalten wird, sollte man eher quantitativ wirkende Maßnahmen erwarten dürfen (z.B. 20 min bei deutlichem Überdruck und 130° C).


    Viele Grüße vom warmen


    Mindelsee

    Imkerei Mader, Radolfzell-Stahringen