DBJ-Artikel "Die Zukunft der Imkerei"

  • Moin,


    hat schon jemand von Euch den Artikel zur "Zukunft der Imkerei" in der aktuellen DBJ-Ausgabe gelesen? Neben der Hetze gegen die Dunkle Biene von Dr. Pritsch in der selben Ausgabe nun gleich der zweite Artikel, der mich an der Qualität der Zeitung zweifeln lässt. Ist das nun auch nur noch ein Verlautbarungorgan diverser Anzeigenkunden? In dem Artikel lässt sich der Autor Dr. Montau, ein ehemaliger LWK-Geschäftsführer, auf eine Weise über die Probleme der Imkerei aus, die wohl nur als "Naive Bauern(verbands-)Malerei" zu bezeichnen ist.


    Ich zitiere mal aus Seite 33:


    "Bedauerliche Unfälle durch das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln sind in der Vergangenheit in Deutschland örtlich und zeitlich begrenzt geblieben." Verstehe. Wie bitte?


    gleich danach:


    "Ausfälle bei den Völkern lassen sich aufgrund der hohen Regenerationskraft der Bienen und mithilfe der Imker schon nach ein bis zwei Jahren wieder ersetzen." Wäre er noch in seiner Position, dürfte man diese Aussage wohl als Rücktrittsersuchen sehen.


    "Vorschriftsmäßig angewandter Pflanzenschutz dient den Pflanzen und schädigt die Bienen nicht." Bei den Neonics darf man dann wohl bereits deren Zulassung als bedauerlichen Unfall werten, oder wie?

    "Was die Bienen brauchen, sind Trachtpflanzen wie Obstbäume. Raps und Sonnenblumen und die Trachten der Wälder"
    . Aha. Na sowas.


    Die Lösung für die Probleme der Imkerei sieht Mantau konsequenter Weise in Bestäubungsprämien. Klingt ja auch besser als Schweigegeld oder Freikaufen.
    Wenigstens hab ich meine Abo-Rechnung noch nicht bezahlt.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter


  • Und ich hatte mal herumüberlegt, ob ich was Papiernes zum Blättern abonnieren soll...


    da lese ich doch lieber ausschließlich hier weiter wie bisher. :wink:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Moin, moin,


    ehemaliger LWK-Geschäftsführer... Was erwartest Du? Wenn der sich irgendwie mit Phytopathologie im Studium mal befasst hat, dann ist er, falls aus Altersgründen ehemalig, als solcher fortschrittlich, wenn er nicht das Lamento über den Unverstand, der das DDT aus dem Verkehr gezogen hat, anstimmt... Sowas wurde, zum Beispiel in Kiel, noch in den 80ern gesungen. Im Lehrbuch steht das auch. Also kann er auch nicht aus Unahnung schweigen, gerade, wenn die Landwirtschaft so angegriffen wird...


    Da schreibt er denn forsch drauf los. Die Frage ist nur: Warum druckt das DBJ sowas? Die Kammer ist doch kein Anzeigenkunde?


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Warum druckt das DBJ sowas? Die Kammer ist doch kein Anzeigenkunde?


    Man kennt sich, will bei irgendwelchen Arbeitsgruppentreffen nicht immer alleine am Bistrotisch stehen, freut sich über billig gefüllte Seiten, was auch immer. Schade, es müsste ganz andere Fachzeitschriften geben, die bisherige Medienlandschaft taugt da doch maximal für Anfänger bis zur ersten Einwinterung. Und für Ganzaltimker wegen der Jubiläumsnachrichten.


    Aber wenigstens gibt es das Forum hier, das macht einiges wett.

    Viele Grüße
    Marcus


    Beekeeping is not about honey. It’s not about money. It’s about survival.
    "Regional gehört die Zukunft." H. Lichter


  • Da schreibt er denn forsch drauf los. Die Frage ist nur: Warum druckt das DBJ sowas? Die Kammer ist doch kein Anzeigenkunde?


    Gruß Clas


    Hallo Clas, ist doch ganz einfach. Das Heft muß doch voll und als ehemaliger LWK-Geschäftsführer bekommt er doch sein Geld von den Bauern.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Moin Josef,


    nu ja, sicher, das Heft muss voll. Aber lesen sollen das die Imker, und wenn man die zu sehr ärgert, kündigen sie das Abo und irgendwann gibt es dann kein Heft mehr, das voll muss...


    Wenn man also nachhaltiger Weise so ein Heft machen will und wiederkehrend, sollte man solchen Unfug besser nicht drucken.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Nach meinem Dafürhalten sollten Imkerzeitschriften auch kontroverse Artikel zu aktuellen Themen (bzw. Problemen) bringen (dürfen).


    Solche Artikel befördern jedenfalls Diskussionen (und damit gründliches Nachdenken über ein Thema) in der Imkerschaft. Schon deshalb ist ein solcher Artikel wichtig. Man muß sich mit den Argumenten auseinander setzen. Und man sollte (MUSS) dem Autor (und den Anhängern seiner Argumente) aufzeigen, wo er irrt ....


    Die Aufregung über diesen Artikel sollte in (sehr vielen) Leserbriefen an das Bienenjournal münden! Nutzen wir den Anlaß zur Diskussion!


    Nicht die Imkerzeitschrift, die solche Artikel veröffentlicht, ist zu verurteilen, sondern Imker, die zum Inhalt solcher (unsäglichen) Artikel schweigen.


    "Wer die Wahrheit kennt und sagt sie nicht, der bleibt fürwahr ein knescht'scher Wicht!" ... heißt es in einem alten Studentenlied....

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Moin, moin,


    und wer die Lüge kennt, und druckt sie doch,
    den abonniert man nicht auch noch!


    Es geht mir nicht um Zensur. Natürlich darf es auch kontroverse Artikel geben, aber dann bitte beide Seiten direkt gegenüber. Auch Meinung ist legitim, aber sie sollte in solchen Fragen durch Fakten gestützt sein. Und die zeigen nun mal deutlich, dass systemischer Pflanzenschutz mit Insektiziden bienengefährlich ist, auch bei bestimmungsgemäßer Anwendung. Ein wenig logisches Denken zeigt das auch. Eine Bienenungefährlichkeit, die Flugbienenverluste bis zu 50% und Brutverluste bis 30% einschließt, und dann noch mit Bienenanteilen, die sich der jeweiligen Tracht widmen, argumentiert, ist eine Lüge. Und wenn man diese Definition braucht, um ein Mittel als harmlos zu deklarieren, gehört diese Harmlosigkeit nicht einfach in einer Bienenzeitung referiert und darf nicht schlicht als solche zitiert werden.


    .


    Lasst uns also auf eine paradoxe Wirkung dieses Imkerberuhigungsartikels hoffen...


    Ich bin da nicht frei von Skepsis. Hier in Melsdorf sprach Herr Eich zu Bienenverlusten, unter anderem. Meine Frau war da, und kam wieder mit der Information, Bienenvergiftung liege dann vor, wenn die Bienen tot im Boden liegen und es auch die Ohrwürmer und Asseln erwischt habe. Alles andere sei was anderes. Varroa... Im Ganzen betrachtet seien die Neonics positiv zu bewerten. Ein Fortschritt. Man brauche viel weniger Gift.


    Auch so eine Blödigkeit. Es kann da doch nicht um absolute Mengen gehen, sondern man muss doch die Anzahl tödlicher Dosen und die Persistenz zugrunde legen. Dann wird ziemlich deutlich, dass der Fortschritt in gößerer und länger andauernder Gifitigkeit für alle Arthropoden besteht. Nun ist er ja nicht blöd. Also ist es keine Blödigkeit, sondern ein Wahrhaftigkeitsproblem. Oder warum sagt er sowas?


    Ich musste leider arbeiten. Widersprochen oder hinterfragt habe keiner. Die Kollegen gehen zu solchen Veranstaltungen und lesen solche Artikel, um sich beruhigen zu lassen, scheint es. Es stand doch im Bienenjournal. Herr Eich kommt doch aus Celle. Herr Liebig kennt sich doch aus.


    Larry! Es gibt Arbeit! ( http://wissen.dradio.de/nachri…e.html?drn:news_id=175304 )


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Die Aufregung über diesen Artikel sollte in (sehr vielen) Leserbriefen an das Bienenjournal münden! Nutzen wir den Anlaß zur Diskussion!


    Nicht die Imkerzeitschrift, die solche Artikel veröffentlicht, ist zu verurteilen, sondern Imker, die zum Inhalt solcher (unsäglichen) Artikel schweigen.....


    und genau das ist der Zentrale Punkt!


    wir haben zu viele die schweigen


    zu viele PPB!


    = piss poor beekeeper


    man lese dazu auch das Buch zum Film MORE THAN HONEY


    wir brauchen mehr Imker die sich zu den wahren Bienenproblemen bekennen!


    und nicht gleich zusammenzucken, wenn Bienenforscher ihre Varroabekämpfung zerpflücken und mit den Fingern auf uns zeigen und behaupten wir würden unsere Bienen vernachlässigen und nicht richtig die Varroa behandeln usw.


    Wir brauchen aufrechte Imker die Fragen nach dem warum!


    und mal auch über die Grenzen hinaus sich informieren


    Wer den Vortrag von Lodesanie in Donaueschingen gehört hat versteht was ich meine!


    Wer ihn nicht gehört hat mache sich schlau!


    Unter anderm damit in dem man das DBJ fragt!


    z.B. warum der Inhalt dieses Vortrages dort noch nicht veröfftentlicht wurde!


    Denn der inhalt dieses Vortrages ist für uns alle wichtig!


    Er erklärt auch warum die NEONICS in Italien verboten wurden!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Peter ich hab damit nicht dich gemeint, falls du dich da angesprochen fühlst du schweigst ja nicht!


    Hast ja einen Leserbrief geschrieben etc.


    Mir geht es darum, dass die Informationen über die Versuche der Italiener, dass diese bei der breiten Imkerschaft auch ankommen!


    Würde da mehr Information existieren denke ich hätten wir hier alle eine andere EBENE an Diskussion und Handeln


    Da dem nicht so ist, müssen wir abhelfen. Das kann nicht einzelnen überlassen werden!


    Das müssen viele Stimmen sein die das wollen!


    So wie am Samstag!


    Das ist die Sprache die man an den Schaltstellen versteht!


    Daheim hinterm Ofen zu sitzen und zu warten bis einer mal vorbei kommt und ihm sagt wo es lang geht, dass klappt halt nicht!


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Hier mein Leserbrief- bisher wurde er nicht veröffentlicht



    Lerserbrief November 2012


    Ursachensuche des Bienensterbens und die Bienenbrotuntersuchung-


    oder Bienenmonitoring aus meiner Sicht


    Unsere Wissenschaftler haben es nicht leicht mit der Ursachensuche des Bienensterbens. Jeder weiß, dass die Varroa nicht unschuldig am Bienensterben ist. In den 80-er und 90-er Jahren starben die Völker erst nach 4 Jahren ohne Behandlung bzw. überlebten mit Behandlung. Seit mindestens 10 Jahren überleben einige Bienevölker nicht einmal 3 Jahre mit Behandlung und ohne sowieso nicht.


    Laut unseren Wissenschaftlern ist vor allem die Varroa schuld, eventuell noch einige Viren oder die Nosema. Den Vorwurf, dass die Imker die Varroa nicht richtig bekämpfen, hält sich standhaft.


    Auch „Pflanzenschutzmittel (PSM) tragen auf keinen Fall eine Mitschuld“, wird behauptet. Seit mehreren Jahren wird das Bienenbrot beim Deutschen Bienen-Monitorring (DEBIMO) mit untersucht und man ist fündig geworden. Die Ergebnisse sind an der Nachweisgrenze oder auch weit darüber. Weit über 200 PSM (256 - 270) wurden nachgewiesen. Pro Monitoringstand werden 10 Völker beprobt und aus dem Bestand werden jeweils 3 Frühjahrs- und 3 Sommerproben vom Bienenbrot untersucht. Dazu werden ca. 100cm² Wabenstücke ausgewählt und von der LUWA untersucht. (Es werden pro Jahr über 600 Proben gezogen, aber nur wenige Rückstandsanalysen im Bienenbrot durchgeführt. 2005 bis 2007 - 215 Proben, 2009 - 88, 2010 - 210, 2011 - 216.). Ob Bienenbrotproben bei den eingegangenen Völkern untersucht wurden, ist nicht bekannt? (Wahrscheinlich nicht!)


    Eigenartig ist auch, dass bei dem neuen EU-Monitoring keine Bienenbrotproben untersucht werden. Warum wird in den Richtlinien der EU zur Überwachung der Bienenverluste die Bienenbrotanalyse zum Nachweis von PSM ausgeschlossen? Nur aus Kostengründen? Hat man Angst, auf die Ergebnisse der Bienenbrotanalysen reagieren zu müssen? Das es Handlungsbedarf gibt, haben ja die bisherigen DEBIMO Untersuchungen eindeutig dokumentiert. Leider konnte ich beim DEBIMO in diesem Jahr nicht weiter mitarbeiten. Ich versuchte lange Zeit vergeblich meine persönlichen Daten zu erhalten. Nach einem Jahr und vielen Bitten und Schriftverkehr wurden mir Teildaten von 2010 zugänglich gemacht. Auf die Daten von 2011 warte ich bis heute vergeblich. Warum, was gibt es zu verbergen? Welche Strategie steckt dahinter? Warum wurde ich ins EU- Monitoring abdelegiert. Warum wird eine Datenlinie damit unterbrochen?


    Wann reagieren die Bieneninstitute und auch das JKI endlich auf die Forderungen der gesamten Imkerschaft, die zB. B4 PSM ( B4 ist angeblich bienenungefährlich)
    neu nach den modernen Richtlinien zu bewerten.


    B4 ( LD= latente Dosis) bedeutet, dass 51% der damit in Berührung kommenden Insekten nicht überleben. Da kann ich doch leicht den Schluss ziehen, warum weniger Rapshonig geerntet wird. Warum sind nach einer Rapsspritzung mit verschiedenen PSM erheblich weniger Bienen in den Völkern, aber vor dem Stand liegen keine toten Bienen? Ja sie kommen nicht mal in den Stand zurück und schließlich ist ein Bienenschaden ohne Bienen beim JKI kein Bienenschaden. Es wird vielfach auf die Reproduktionsfähigkeit der Bienenvölker hingewiesen, besonders im Frühjahr, aber nach solch massiven Schwächungen ist das schon eine erhebliche Belastung und es dauert bis die Völker wieder ihre alte Stärke haben.


    Ich sehe diese Entwicklung besorgniserregend. Die Imkerei ist für den einzelnen Imker viel schwerer geworden, ich kann das aus 50 Jahren Erfahrung berichten.


    Welche Rolle Neonikotinoide aus den Beizmitteln ( z B. am Rapssaatgut) spielen, ist ebenso eine große Unklarheit wie die Rolle des Neonikotinoides Boden Granulat Santana. Auch die Frage, ob der Saatvorgang bei mit Neonic gebeizten Raps Folgen für die Bienen haben kann ist bei weitem nicht geklärt. Wie lange reichern sich die neuen PSM im Boden an? Die Halbwertzeiten sind erheblich.


    Also Fragen über Fragen. Auch weitere Imker sind gespannt!


    Peter Weber, Chemnitz