Frage zu Räuberei

  • Hallo zusammen,


    ich hab ne Frage zu Räuberei. Zu welcher Zeit findet Räuberei hauptsächlich statt?
    Ist das immer ne Sache, die jederzeit stattfindet oder ist das primär ab Juli dann wenn es weniger in Natur zu holen gibt?


    Bin am überlegen ob ich für meine Beuten Räubergitter baue (bee robber screens.)
    Bei uns in der Nachbarschaft hat noch ein anderer Imker seine Bienen am Balkon stehen und in 2012,
    gabs an meinem Stand dann regelmäßig Räuberei.


    Ich weiß dass man dann einfach das Flugloch begrenzt, aber das hat bei mir trotzdem nicht wirklich viel gebracht.


    Danke für Eure Hilfe

    :daumen: Iss Honig, mein Sohn, denn er ist gut, und Honigseim ist süß für deinen Gaumen! Die Bibel - Sprüche 24,13 -> http://THEFOUR.COM

  • Hallo Johannes!


    Die Gefahr von Räuberei ist sehr saisonabhängig. Im sehr zeitigen Frühjahr besteht erhöhte Gefahr. Dann wenn alles blüht, und die Zeit der natürlichen Völkervermehrung gekommen ist, besteht annähernd keine Gefahr mehr. Etwa ab Juli gehts voll los, da kann man nicht genug aufpassen.


    Wenn man mit der Räuberei vermehrt Probleme hat, muss man der Ursache auf den Grund gehen. Ein gesundes Volk, bei dem alles passt, wird nicht beraubt. Bei Räuberei muss man den Fehler bei sich selbst suchen, nicht beim Nachbarsimker.


    Häufige Gründe für Räuberei sind:
    1. Weisellosigkeit
    2. starke Milbenbefall
    3. falsche Fütterung im Spätsommer (fluglochnah, verschüttetes Futter, nur am Abend füttern, zu großes Flugloch),
    4. Bei Ableger, wenn das Flugloch zu groß oder vom Bienensitz zu weit weg ist.


    Die Völkerführung muss dem natürlichen Verlauf angepasst sein, also Völkervermehrung im Mai und nicht erst im Juli. Im Juli muss das Volk schon so gefestigt sein, dass es sich vor Räubern schützen kann. Im Mai wird der kleinste Ableger nicht ausgeraubt, wenn das Flugloch klein und in der Nähe des Bienensitzes ist.


    Der Instinkt der Bienenvölker ist von Natur aus so ausgelegt, dass die nicht überwinterungsfähigen Völker im Spätsommer beraubt werden, damit das eigene Überleben besser gesichert ist. Bei guten Futtervorräten können diese Völker dann im Frühjahr einen kräftigen Schwarm abgeben und das Überleben der Spezies ist gesichert. Es wäre sinnlos, wenn das schwache Volk aufgrund der Schwäche verenden und das starke Volk aufgrund von Futtermangel verenden würde.


    MfG
    Honigmaul


  • Ich weiß dass man dann einfach das Flugloch begrenzt, aber das hat bei mir trotzdem nicht wirklich viel gebracht.
    Danke für Eure Hilfe


    Hallo ritterjohannes. Wenn die Räuberei schon im Gange ist besteht kaum eine Möglichkeit das erfolgreich einzudämmen. Besser ist es so zu Arbeiten das erst gar keine Räuberei entsteht. Das heißt grundsätzlich die Fluglöcher bei Ablegern oder Kleinvölker klein halten. Als letzte Möglichkeit können die beräuberten Völker an einen anderen Standort gebracht werden.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Wie soll ein solches 'Räubergitter' funktionieren?
    Ich versteh den Sinn noch nicht so ganz...



    Hallo BaarImker!


    Die Räuberbienen gehen nach dem Geruch und suchen am Gitter, finden aber keinen Eingang, bzw. sollten zumindest keinen Eingang finden. Die Stockbienen fliegen sich auf ein kleines Flugloch ein und finden dieses wieder aufgrund ihrer Orientierung und nicht aufgrund des Geruches.


    Siehe auch:


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=26640&p=287443#post287443


    MfG
    Honigmaul

  • Hallo


    die günstigste Zeit für Räuberei ist nach Trachtschluß ab Juli, aber auch wenn im Sommer eine Tracht ausfällt und die Bienen keinen Futtervorrat haben. Für mich ist es wichtig, das die Bienen jederzeit stark das Flugloch besetzen, da kann es auch größer sein, ich bin für große Fluglöcher. Wichtig ist, das sich keine Schwächlinge auf den Bienenstand gibt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Danke für Eure zahlreichen Rückmeldungen:


    Kann so ein "Anti-Räubergitter", sowas wie hier im Video funktionieren und sinnvoll sein?


    http://www.youtube.com/watch?v=mahoE81NlhE


    http://www.youtube.com/watch?v=1hBUZE8xNhU


    http://www.youtube.com/watch?v=F8HkQTnnP3s


    Wer hat mit so einem "Robber Screen" schon Erfahrungen gemacht?

    :daumen: Iss Honig, mein Sohn, denn er ist gut, und Honigseim ist süß für deinen Gaumen! Die Bibel - Sprüche 24,13 -> http://THEFOUR.COM

  • Moin


    Ich kämpfe, seitdem ich in die Norddeutsche Tiefebene gezogen bin mit Räuberei.
    Davor war ich im lippischen Norden mit meiner Imkerei ansässig und kannte Räuberei nur vom Hörensagen.


    Solange ich noch im Lippischen war, habe ich auch immer gesagt: Räuberei wird durch Fehler des Imker hervorgerufen.
    Klar, denn ich kannte Räuberei ja nicht, also musste ich ja alles richtig gemacht haben:
    Kleine Flugöcher bei Jungvölkern, nicht mir Futter rumgepanscht, nur starke, weiselrichtige Völker usw.


    Seitdem ich nun umgezogen bin, sage ich es nicht mehr.
    Räuberei wird mir mehr oder weniger an den Ar... getragen.


    Also meine Imkerweise hat sich nicht geändert. Warum auch?
    Also warum habe ich mit Räuberei zu kämpfen?
    Meine Imkerkollegen hier nun im Verein haben auch mit Räuberei zu kämpfen.
    Ich habe Kollegen, die verlieren mehr Völker durch Räuberei als durch Varroa.
    Bei mir war es die ersten Jahre auch so. Ich habe mindestens 12 Völker durch Räuberei verloren.


    Seit einigen Jahren benutze ich Räuberei Gitter bei den Jungvölkern und zwar direkt nachdem die Königin angefangen hat zu legen.
    (Meist so ab Mitte Juni. Dieses Jahr: erste Eier ab: 13.06.2013)
    Ertragsvölker werden ab Mitte Juni auf etwa 4 cm Fluglochbreite eingeengt bei etwa 10mm Höhe.
    Seitdem ist der Spuk zumindest bei mir vorbei.
    Selbst ein vorsätzliches Verschütten von Futter um die Bienen herum lässt keine Räuberei mehr aufkommen.


    Also Vorsicht mit dieser pauschalen Aussage: Räuberei ist eine Eselei des Imkers vorausgegangen.
    Es liegt am Standort, auch an den Nachbarn und bestimmt noch an vielen anderen Faktoren.
    (ich kenne Tricks, um Bienen zum Räubern zu bewegen, die ich hier nicht bekannt geben werde. Da spart man sich das Füttern im Herbst...)


    Gruß
    Patrick
    Der gerade heute wieder neuen Draht für neue Gitter abgeholt hat.

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Hallo Patrick


    Mal was zu den pauschalen Aussagen:
    Natürlich kann es am Standort liegen, wenn nichts mehr zu holen ist, aber in diesem Fall muß der Imker für den nötigen Futtervorrat sorgen.
    Auch liegt viel an den Nachbarn, wenn sie den Bienen den letzten Honig wegnehmen und sich dann nicht mehr um die Völker kümmern oder sie zum räubern verleiten.
    Ein anderer Faktor kann die Rasse sein, wir hatte bei meinen Anfängen mit der Imkerei, einen Imker der hatte die italenische Bienen, die waren bei mir auch regelmäßig räubern. Ich muß aber dazu sagen, der Imker soll auch sehr sparsam mit dem Futter umgegangen sein.
    Ich selbst hatte vor etwa 4 Jahren ein Volk (Carnica) das auch oft geräubert hat, obwohl es genügend Futter hatte, das muß an den Genen gelegen haben, nach dem Wechsel der Königin war der Spuck im nächsten Jahr vorbei.
    Vor 2 Jahren hatte ich bei mir einen Schwarm in einer Linde, der hat meine schwachen Ableger zum Auflösen gebracht, die Bienen haben aber aus Not gehandelt, sie haben den Winter nicht überlebt.


    Ich lasse die Bienen zur Eröffnung der Tränke 1-2 Honigwaben leermachen um sie zu Tränke zu locken, klappt prima und es ist noch nie eine Räuberei ausgebrochen,
    ich kenne auch im Spätsommer so gut wie keine Räuberei. Bei Völkern mit sehr wenig oder ohne Bienen ist das natürlich vorprogrammiert.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hier sind mittlerweile mehr als 150 Völker in 3 Kilometer Radius. Es gibt hier welche, die die vielen Völker mit dem Deckelwachs der Ernten füttern. In Wannen - draußen. Was meinst Du was da los ist. => Nix. Keine Räuberei und keine Faulbrut. (Wird jedes Jahr mit Proben belegt.) Carnica dominiert hier, kann also daran auch nicht liegen.


    Die wichtigste Regel ist, immer gleich starke Völker an den Standorten zu halten. Fluglöcher zum Sommer hin klein halten, fertig.


    So ein Räubereigitter wird potentielle Räuber vielleicht ein paar Stunden ablenken, aber sicher nicht über ein paar Tage. Meiner Erfahrung nach mit ähnlichen Ablenkmanövern ist, daß das nicht lange dauert, bis die Räuber den Trick raus haben. Die Bienen stellen sich oft blöde an, aber bei der Räuberei sind sie äußerst lernfähig!


    Wie sieht es denn Varroa-mäßig aus, wenn die Räuberei bei euch ein Thema ist? Laut gängiger Hypothese müßte die "Reinvasion" da voll zum Tragen kommen?


    Gruß
    Bernhard


  • Die wichtigste Regel ist, immer gleich starke Völker an den Standorten zu halten. Fluglöcher zum Sommer hin klein halten, fertig.


    Leider nein.
    Die Räuberei hier bei mir kommt von aussen und fing jeweils an der Seite an, die dem Nachbarn am nächsten war!
    Volksstärke spielte hier in in meiner Gegend nur eine untergeordnete Rolle.
    Haben sich die Räuber auf einen Stand eingeflogen, geht es Volk nach Volk.


    Wer es erleben will. Bitte - Mit Gesundheitszeugnis dürft Ihr hier anwandern und selber ausprobieren.
    Ich habe bis vor 9 Jahren auch wie Ihr gedacht und wurde eines besseren belehrt.


    Ich bin ja mit der kompletten Imkerei umgezogen, selbe Biene, selbe Imkerweise.
    Keine Änderung meines Verhalten - Warum denn auch.


    Erklärt es mir!


    Warum sind 16 km weiter, wo nur ich im weiten Umkreis fast alleine stehe, keine Räuberei im gange?
    Warum ziehe ich dort ohne jeglichen Schutz Jungvölker groß?
    Was soll ich dort anders machen?



    So ein Räubereigitter wird potentielle Räuber vielleicht ein paar Stunden ablenken, aber sicher nicht über ein paar Tage. Meiner Erfahrung nach mit ähnlichen Ablenkmanövern ist, daß das nicht lange dauert, bis die Räuber den Trick raus haben. Die Bienen stellen sich oft blöde an, aber bei der Räuberei sind sie äußerst lernfähig!


    Die Räubereigitter lenken über den kompletten Herbst ab.
    Wenn Räuberei schon im Gange ist, helfen sie nicht mehr!
    Sie müssen vor dem Ausbruch der Räuberei angebracht werden!


    Sollte die Räuberei schon im Gange sein, hilft nur abwandern.
    Das sind meine Erfahrungen der letzten 4 Jahre!


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935

  • Mhmm, das klingt ziemlich krass. Ich denke auch bei vorbeugender Nutzung der Räubereigitter werden Räuber sich davon abhalten lassen.


    Wie sieht es denn bei dem Imkerkollegen nebenan aus - das kann dessen Völkern ja auch nicht gut tun?


    Gruß
    Bernhard

  • Der ganz krasse Nachbar hat aufgehört. - Zum Glück.


    Trotzdem ist Räuberei hier ein großes Thema.
    Einzelne Imker im Verein haben letztes Jahr wieder 30% der Völker durch Räuberei verloren.


    Bei bestehender Räuberei helfen die Gitter nicht.
    Selbst wenn man sie nachts anbringt.
    Ich denke einige Räuber übernachten im ausgeraubten Volk und lernen dann den Trick.
    Habe es ausprobiert und Schiffbruch erlitten.


    Deshalb: Anbringen vor Ausbruch ab mitte Juni.
    Räuberei erst gar nicht aufkommen lassen.
    Dann klappt es. Seitdem habe ich keine Ausfälle mehr.


    Gruß
    Patrick

    "Der geborene Imker muß Adel besitzen, nicht Adel im Geblüt, sondern Adel im Herzen, also weit höheren Adel.
    Häßliche Charaktereigenschaften machen ihn zum Imker untauglich."
    Guido Sklenar, 1935