Naturbau im 2. Jahr

  • Hallo zusammen,
    bin Jungimker im zweiten Jahr.
    Schon kurz nach Beginn der Imkerei hat mich der Naturbau gefesselt.
    Aber wie geht das? Literatur? Fast Fehlanzeige! Bei uns im Verein gibt es zwar ein paar Imker, die dem Bio-Imkern sehr nahe stehen. Aber mit Naturbau hats irgendwie keiner so richtig.


    Dieses Forum hat mir bereits sehr geholfen und Dank der vielen Beiträge bin ich, denke ich schon, ein gutes Stück weit gekommen: Meinen ersten vorweg genommener Vorschwarm habe ich im Frühjahr in einer Dadantkiste auf Anfangsstfreifen gesetzt. Wunderschöner Naturbau. Bischen zu wenig im Frühsommer gefüttert sitzt er nun auf ca. 7 Waben.
    Behandelt und eingefüttert harrt er dem Frühjahr entgegen.


    Wie gehts nun im Frühjahr weiter?
    Brutnest möchte ich eigentlich nicht anrühren!
    Wer kann mir Tipps geben?


    Sonnige Grüße aus Nürnberg

    Immele [immälä, fränk.] das bzw. des, nordbayrisch für kleine Biene


  • Brutnest möchte ich eigentlich nicht anrühren!


    Hallo Immele,


    im ungeteilten Brutraum, entspricht also Deinen Dadantbeuten, bei mir 1,5 Deutsch-Normalmaß, lasse ich im zweiten, vielleicht sogar im dritten Jahr das Brutnest unangetastet. Eine kontinuierliche Bauerneuerung mache ich nicht.


    Im dritten oder vierten Jahr nutze ich die brutfreie Zeit nach einem Schwarm für eine totale Bauerneuerung. Also 3-4 Wochen nach dem Schwarm, wenn die Jungkönigin gerade anfängt zu legen, alle Bienen abfegen in eine neue Beute mit Anfangsstreifen und das Spiel beginnt von Neuem. Idealerweise 3-4 Wochen vor Trachtende, dann gehts bei entsprechender Bienenmasse und gutem Wetter ohne Füttern.


    Es ist wirklich so einfach. Nur die Futterkranzprobe im Herbst nicht vergessen :-)


    Beste Grüße, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • Hallo Gunnar,


    Das hört sich ja fast zu einfach an.
    Also keine Randwaben im Frühjahr aussortieren oder Ähnliches? Eine komplette Bauerneuerung hatte ich auch geplant, so alle 2-3 Jahre.
    Was hat die Futterkranzprobe im speziellen mit Naturbau zu tun?


    Immele

    Immele [immälä, fränk.] das bzw. des, nordbayrisch für kleine Biene

  • Das frage ich mich auch.
    In Dadant und auf Naturbau zu imkern ist eigentlich auch einfach. Eine Bauerneuerung bietet sich auch unbedingt an, spätestens alle 3 Jahre. Dazwischen sortiere ich die dunkelsten Waben an den Rand und nehme sie im Frühjahr raus. Geht alles und man sollte nicht meinen, was die Mädels sich alles gefallen lassen. Die sind sehr genügsam und verzeihen auch mal Fehler.

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hallo


    Das was Gunnar schreibt finde ich sehr gut und sollte auch von den konventionellen Imkern beachtet werden, das Brutnest soweit als möglich unberührt lassen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Guten Morgen zusammen,


    Naturbau ist bei mir die Folge des Konzeptes, dass Bienen sich Ihren Wohnraum komplett selber einrichten und den Imker nicht brauchen. Das kann im Stabilbau (Bienenkiste, Warre) oder Mobilbau (Magazin, Einraumbeute) TopBarHive) sein.


    Das Bienenkisten-Konzept ist da für mich das Richtige - auch in anderen Beuten! Randwaben aussortieren, schwarze Waben aussortieren, Waben um- und aussortieren - das ist nicht meins. Aber natürlich Geschmackssache.
    Immer leicht welligen Naturbau umzusortieren - ich weiss nicht.


    Mein Ideal: Wohnraum zur Verfügung stellen, für Gesundheit sorgen (befallsorientierte Varroa-Behandlung und Futterkranzprobe um Faulbrut keine Change zu geben) und weiter nicht stören, auch nicht durch Wohnraumveränderung, Honigernte, Fütterung etc. In Realität mache ich Schwarmvorwegnahme im Mai.


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • Geht alles und man sollte nicht meinen, was die Mädels sich alles gefallen lassen. Die sind sehr genügsam und verzeihen auch mal Fehler.


    Und ich sag immer:


    Imker beheben mit viel Aufwand Probleme, die sie selber verursacht haben.


    Gunnar,
    der gute Laune hat,
    jetzt Beuten bauen geht
    und sich über blauen Himmel, Sonne und Frost freut.


    :-)

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • Im Frühjahr kann man ab April in ca. 14-tägigen Abständen einen Leerrahmen mitten in das Brutnest setzen. Bei DNM/Zander können es auch 2 sein. Das dient jedoch nicht der eigentlichen Bauerneuerung sondern der Erweiterung und Schwarmprävention..
    Falls im Juli die Tracht beendet ist, kann man unmittelbar danach aus den Völkern offene Kunstschwärme bilden und die Brutwaben in einen Brutsammler geben. Hierbei müssen die Völker auf ca. die Hälfte der Waben eingeengt und flüssig gefüttert werden. Wenn die Rähmchen einigermaßen ausgebaut sind (nach ca. 14 Tagen), werden die Völker mit Leerwaben aus den Brutsammlern wieder aufgefüllt, um Platz für das Winterfutter zu schaffen. In dieser Weise ist bei Naturbau ein kompletter Wabenumtrieb alle 2 Jahre möglich.
    Das Verfahren wird sinnvollerweise mit einer Varroabekämpfung durch Fangwaben kombiniert, deren Beschreibung hier aber OT wäre.
    Wichtig für Naturbauer zu wissen ist, dass übliche Praxis, im Frühjahr am Rand des Brutnests oder über oder unter dem Brutnest zu erweitern, bei Naturbau nicht funktioniert.


    Gruß Ralph

  • Na das hört sich ja gut und einfach an.
    Also das Brutnest lass ich dann mal so. Eine Leerrähmchen-Gabe im Frühjahr wie vom Kleingartendrohn beschrieben werd ich dann mal planen. Wie sind die Erfahrungen mit Leerrähmchengabe am Brutnestrand. Stört doch das Brutnest weniger?


    Vermutung:
    Leerrähmchen in die Mitte -> macht Arbeiterzellen
    Leerrähmchen an den Rand -> macht Drohnenzellen
    richtig?



    An Gunnar:
    Wie erweiterst du ein 7-Waben-Volk im Frühjahr? Wenn ich dich richtig verstanden habe gibst du ja keine Leerrähmchen mitten rein.
    Oder versucht du das Naturbauvolk bereits im 1. Jahr schon auf alle Rähmchen zu bekommen, sprich ausreichend z.B. 1:1 zu füttern?


    Dirk

    Immele [immälä, fränk.] das bzw. des, nordbayrisch für kleine Biene


  • der versucht du das Naturbauvolk bereits im 1. Jahr schon auf alle Rähmchen zu bekommen, sprich ausreichend z.B. 1:1 zu füttern?
    Dirk


    Hallo Dirk. Genau so gehts. Ergibt nicht nur Wabenbau, sondern auch Bienenmasse.


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • An Gunnar:
    Wie erweiterst du ein 7-Waben-Volk im Frühjahr? Wenn ich dich richtig verstanden habe gibst du ja keine Leerrähmchen mitten rein.
    Oder versucht du das Naturbauvolk bereits im 1. Jahr schon auf alle Rähmchen zu bekommen, sprich ausreichend z.B. 1:1 zu füttern?
    Dirk


    Hallo Dirk,


    ich gebe bereits im ersten Jahr den gesamten Brutraum frei.
    Wenn die Bienen ihn nicht im ersten Jahr ausbauen, machen sie das im zweiten Jahr.
    "Leerrähmchen mitten rein" ist für mich undenkbar. Das Brutnest ist heilig :-)
    Wenn Du nur 7 Rähmchen gegeben hast, fülle Ende März mit Leerrähmchen mit Anfangsstreifen auf. Die Bienen machen das schon. Als maximal extensiv arbeitender Imker glaube ich nicht an den Nutzen von Brutnestmanipulation.


    Das ist natürlich eine Ideologie, funktioniert aber gut.
    Bienenvölker, die das nicht können, dürfen eben auch ausgemendelt werden.
    Aber 85 % der Schwärme können das sehr gut.


    Kleinere späte Schwärme nach dem 10. Juni füttere ich ausnahmsweise auch mal flüssig.
    Natürlicherweise würden die es wohl nicht schaffen.
    Normalerweise besiedele ich Kisten nicht mehr nach dem 10.6.
    Da ich frühe sichere Schwärme aber meist an Naturbau-Anfänger abgebe, päppele ich die späten manchmal selber auf. Evolutionär gesehen ist dies aber nicht sinnvoll ;-)
    Wir wollen doch Bienen, die alleine zurecht kommen, was beinhaltet, dass die, welche zu spät kommen auch sterben dürfen sollten. Imker die jedes Volk retten, tun dem Bien insgesamt nicht gut. Oder?


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • Dann fasse ich mal zusammen:
    1. Anfangsstreifen ins Brutnest hängen
    oder
    2. Im ersten Jahr das Volk auf max. Größe bringen
    oder
    3. Mittelwände ans Brutnest geben


    Wie machens die Bioimker (Demeter, Bioland, etc.)? Wie unterscheidet sich der Honigertrag?


    Dirk


    P.S.: Übrigens total klasse, wie schnell man hier Unterstützung bekommt. Vielen Dank an alle!

    Immele [immälä, fränk.] das bzw. des, nordbayrisch für kleine Biene


  • Wie machens die Bioimker (Demeter, Bioland, etc.)? Wie unterscheidet sich der Honigertrag?



    Hallo Dirk,


    die Bioimker geben natürlich Bio-Mittelwände aus zertifiziertem Bienenwachs, so wie es ihnen von den Richtlinien vorgegeben wird.


    Unterschiede im Honigertrag: Bioimker ernten Honig, der mit dem Bio-Lable versehen werden darf.


    Stefan
    Verallgemeinerungen sind natürlich ausgeschlossen ;)