MwSt wieviel wofür ???

  • Hallo zusammen,


    ich habe da mal ein Frage!


    Also bei Honig wird mit dem Steuersatz für landwirtschaftliche Urproduktion angewandt, 10,7% ist klar!


    Aber wie verhält es sich bei z.B. "Zimt in Honig" ??? Hier hat eine Weiterverarbeitung stattgefunden! Also keine Urproduktion, oder?


    Und Met & Bärengfang ???


    :confused:


    Gruß Steffen

  • Hallo Steffen,
    für dich wahrscheinlich 0% aber such dir etwas aus:


    Umsatzsteuergesetz (UStG) – Verzicht oder Gebrauch
    Der Gewerbetreibende kann nun entscheiden, ob er auf die Anwendung des §19 Abs. 1 Umsatzsteuergesetz (UStG) verzichten will oder nicht. Wer darauf verzichtet, führt trotz der geringen Umsätze (vorangegangenes Jahr unter 17.500 Euro und im laufenden Jahr voraussichtlich unter 50.000 Euro) die Umsatzsteuer an das Finanzamt ab. Im Gegenzug wird aber auch die gezahlte Umsatzsteuer für gekaufte Leistungen verrechnet (lohnt sich bei Verlusten in der Anfangsphase aufgrund von Anfangsinvestitionen und -kosten).
    Wer sich für die Anwendung des §19 Abs. 1 UStG entscheidet, der zahlt also keine Umsatzsteuer, der darf aber auch keine Umsatz- / Mehrwertsteuer auf seinen Rechnungen aufführen. Seit 2002 müssen Neu-Gewerbetreibende monatlich abrechnen. Eine Umsatzsteuervoranmeldung kann sich nur sparen, wer als Kleinunternehmer arbeitet und keine Umsatzsteuer berechnet (Gebrauch von §19 Abs. 1).
     
    Die Vorsteuer
    Wer mit seinem Kleingewerbe aber keine Umsatzsteuer zahlt, darf auch keine Vorsteuer geltend machen. Aus diesem Grund sollten sich Unternehmer sehr gut überlegen, ob sie nicht auf die Steuerbefreiung verzichten wollen, wenn sie zum Beispiel hohe Investitionen tätigen mussten oder sehr viele Warenlieferungen erhalten haben. Die Vorsteuer lässt sich mit der Umsatzsteuer verrechnen und sie können sogar vom Finanzamt Steuern zurückbekommen, wenn die Vorsteuer höher ausgefallen ist als die Umsatzsteuer.
     
    Tatsächliche Besteuerung
    Die Steuer sollte nach den „vereinnahmten Entgelten“ (sogenannte Ist-Versteuerung) erfolgen. Das bedeutet, dass bei Kleinunternehmern mit einem Umsatz unter 125.000 Euro nur Steuern auf die bereits von den Kunden bezahlten Leistungen erhoben werden. Anders bei der ‚Soll-Versteuerung‘: Hier werden auch Steuern für Rechnungen erhoben, die noch nicht von den Kunden beglichen worden sind.
     
    Buchführung
    Des Weiteren wurde durch das Kleinunternehmerförderungsgesetz die Umsatzgrenze für die Buchführungspflicht angehoben. Die Buchführungspflicht gilt in der Regel für alle Unternehmer (dazu zählt auch das Kleingewerbe), auch wenn sie nicht ins Handelsregister eingetragen sind. Wer einen Umsatz von weniger als 350.000 Euro und einen Gewinn von unter 30.000 Euro erzielt, ist von der Buchführungspflicht ausgenommen und darf den Gewinn anhand einer einfachen Einnahme-Überschuss-Rechnung (EüR) ermitteln.

  • Hallo Steffen,
    verkaufe dein Zeug und solange du Hobbyimker bleibst, kann dir die Steuer egal bleiben.
    ABER bedenke das Verhältnis Urproduktion (Honig) zu Verabeitung / Zukauf (Honig mit X, selbergemachter Met, eingekaufter Met, Bonbon....). Dieses sollte 70/30 nicht überschreiten, sonst bist du Händler und dann geht der Trödel mit dem Finanzamt loß.
    Wenn du auf dem Merkt stehst bekommst du dort eh Besuch, Marktamt -aufsicht, Lebensmittelüberwachung -die begutachtet deinen selbergemachten Met, Honig mit X .... Dort wird der Alkoholgehalt und die Inhaltsstoffe im Labor geprüft. Die prüfen auch das Verhältnis Urproduktion zu Zukauf / Verarbeitungsstufe.
    Vorsicht mit Propolis!!!!
    Ich warte auf das Ergebnis einer solchen Laborprobe für meinen selbergemachten Honiglikör (seit einem 1/2Jahr).
    Stichwort: Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (alkoholische Getränke) www.gesetze-im-internet.de/lmkv/BJNR016260981.html
    Wer Alimente vom Staat erhält (H4), weckt auch gerne dies Geister, die kann man dann aber schlafen schicken. Die werden aber erst mal versuchen zu stänkern!!!
    Grüße
    Knäcke

  • Da räteln wir doch besser nicht 'rum, sondern werfen einen Blick in die Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung.
    Da steht in Abschnitt 24.2 Abs. 2:
    "Den Tätigkeiten der landwirtschaftlichen Erzeugung sind die Verarbeitungstätigkeiten gleichgestellt. Dabei ist Voraussetzung, dass der landwirtschaftliche Erzeuger im Wesentlichen aus seiner land- und forstwirtschaftlichen Produktion stammende Erzeugnisse verwendet und das Enderzeugnis seinen land- und forstwirtschaftlichen Charakter nicht verliert (sog. erste Verarbeitungsstufe)."


    Im konkreten Fall: Wenn im Glas mehr Honig als Zimt ist, gilt der Steuersatz von 10,7%.


    Die Kleinunternehmeroption bleibt natürlich vorbehalten. Wichtig dabei: Will man als Imker die Kleinunternehmerregelung nutzen, muss man dem Finanzamt gegenüber ausdrücklich den Verzicht auf die Besteuerung nach Durchschnittssätzen (§ 24 UStG) erklären (so steht das in Abschnitt 24.8 Abs. 2 Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung.) Anders als bei anderen Unternehmern ist man also nicht automatisch Kleinunternehmer. Das nimmt sich aber in der Praxis nichts, weil auch die Besteuerung nach Durchschnittssätzen dazu führt, dass man keine Umsatzsteuer abführen muss.


    Ich kann nur immer wieder betonen, wie wunderbar diese Regelung für Imker (= Land- und Forstwirte) ist: Man kann die Umsatzsteuer ausweisen, muss sie aber nicht abführen!


    Beste Grüße
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo HonigBombus,


    Deine Zahlen sind leider nicht auf dem aktuellen Stand: Für die Buchführungspflicht liegt die Grenze bei 500.000 Euro Umsatz bzw. 50.000 Euro Gewinn (§ 141 Abgabenordnung).


    Auch die Option bei der Kleinunternehmerregelung stimmt so nicht. Regelmäßig werden Imker (als Landwirte) nach Durchschnittssätzen (§ 24 UStG) besteuert. Sie müssten, wenn sie die Kleinunternehmerregelung nutzen wollten, zunächst gegenüber dem Finanzamt den Verzicht auf die Besteuerung nach Durchschnittssätzen erklären.
    Das macht aber überhaupt keinen Sinn, weil sie schon nach § 24 UStG keine Mehrwertsteuer abführen müssen (und keine Vorsteuer geltend machen können). Deswegen ist auch die Grenze von 17.500 Euro ohne Belang. Das heißt: Der Imker muss unabhängig von der Höhe des Jahresumssatzes keine Umsatzsteuer abführen, zugleich entfällt der Vorsteuerabzug.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hi,
    welchen Sinn macht es die MwSt auszuweisen wenn man sie nicht abzuführen braucht???
    Also lass den Sche.... auf den Etiketten weg!
    Etwas vollig sinnentleertes zu tun macht keinen Sinn. Auch nicht, wenn 100 Leute sinnlos darüber reden.
    Knäcke

  • Hallo Knäcke,


    die Umsatzsteuer auszuweisen macht natürlich Sinn - wenn man an Wiederverkäufer liefert. Gerade da zeigt sich der Vorteil der Besteuerung nach Durchschnittsätzen.
    Wir dürfen ja nicht davon ausgehen, dass alle Imker nur an Endverbraucher verkaufen.


    Auf dem Etikett hat die Umsatzsteuer nichts zu suchen - aber auf der Rechnung.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Knäcke,
    nee...
    Zimt mit Honig!


    Hallo Brummbär,
    ist doch ganz einfach:
    Wenn Du Zauberer bist und lässt eine Jungfrau verschwinden, dann ist das geistige Arbeit und mit MwSt 10,7% versteuert.
    Zersägst Du die Jungfrau, ist das Handwerk und wird mit 19% versteuert.
    Alles klar? :wink:
    Viele Grüße
    Lothar
    der sicherheitshalber mal nen Smiley zusetzt, sonst missversteht man die Ironie - wie bei der Zeitung und der Beute...

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Vielen Dank erstmal für die vielen Hinweise!



    Also das es "Zimt in Honig" heißt ist klar!


    Die Frage ist : Ist es noch landwirtschaftliche Urproduktion wenn ich etwas hinzufüge!!! Egal wie wenig es ist!?


    Ich brauche die MwST für eine Rechnung für einen Wiederverkäufer und nicht für´s Etikett!


    Gruß Steffen

  • Also ob "Zimt in Honig" wirklich noch als "Urprodukt" vom FA anerkannt wird, bezweifel ich etwas.


    Ich zitiere mal (Bayerisches Landesamt für Steuern v. 28.6.2011 - S 2230.2.1-11/41 St32; Abgrenzung der Land- und Forstwirtschaft vom Gewerbe; Anwendung des BFH-Urteils vom 25. März 2009 - IV R 21/06 ( BStBl 2010 II S. 113) ):


    Zitat


    1.1 Eigene Erzeugnisse


    Eigene Erzeugnisse sind alle land- und forstwirtschaftlichen Urprodukte, die im Rahmen des Erzeugungsprozesses im eigenen Betrieb gewonnen werden. Hierzu gehören auch zugekaufte Waren, die als Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe im Erzeugungsprozess des Hauptbetriebs verwendet werden.


    Rohstoffe sind zugekaufte Waren, die im Rahmen der Urproduktion weiterkultiviert werden (z. B. Jungtiere, Saatgut oder Jungpflanzen). Hilfsstoffe sind zugekaufte Waren, die als nicht wesentlicher Bestandteil in ein Urprodukt eingehen (z. B. Futtermittelzusätze, Siliermittel, Starterkulturen und Lab zur Milchverarbeitung, Trauben und Traubensaftkonzentrat zur Weinerzeugung, Verpackungsmaterial, Blumentöpfe für die eigene Produktion oder als handelsübliche Verpackung. Betriebsstoffe sind Waren, die im Erzeugungsprozess verwendet werden und nicht in das Urprodukt eingehen (z. B. Düngemittel, Treibstoff, Heizöl). Unerheblich ist, ob die zugekaufte Ware bereits ein land- und forstwirtschaftliches Urprodukt im engeren Sinne oder ein gewerbliches Produkt darstellt.


    Ein Rohstoff ist Zimt nicht, da er nicht weiter kultiviert wird. Ein Betriebsstoff auch nicht. Er ist also Hilfsstoff. Aber ist der Zimt im "Zimt in Honig" auch ein NICHT wesentlicher Bestandteil? Ich denke, bei Zimt in Honig, ist Zimt ein wesentlicher Bestandteil und damit stellt es keine Urproduktion mehr da.


    Aber ein anderer sieht das vielleicht wieder anders und deshalb sind die Finanzgericht auch so gut ausgelastet :wink:

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Da gibt es, wie ich gerade sehe, in Abschnitt 24.2 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses eine klare Regelung:

    Zitat

    Werden selbst erzeugte Produkte untrennbar mit zugekauften Produkten vermischt, unterliegt die Lieferung des Endprodukts aus Vereinfachungsgründen noch der Durchschnittssatzbesteuerung, wenn die Beimischung des zugekauften Produkts nicht mehr als 25 % beträgt. Maßstab ist die im Handel übliche Maßeinheit (z.B. Kilogramm bei Honig, Liter bei Wein). Zugekaufte Zutaten und Nebenstoffe bleiben bei der Prüfung der 25 %-Grenze nach Satz 1 außer Betracht. Als Zutaten und Nebenstoffe sind insbesondere Gewürze, Konservierungsmittel, Zusatzstoffe im Sinne des Weingesetzes , die Süßreserve sowie der Deckwein im Weinbau anzusehen.


    Also: Gewürze zählen überhaupt nicht, weil sie Zutaten bzw. Nebenstoffe sind. Von allem anderen Zugekauften darf man bis zu einem Viertel zumischen, ohne dass es Auswirkungen auf die Durchschnittssatzbesteuerung (= 10,7% Steuersatz) hat.


    Roma locuta, causa finita


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Vom BMF gab es am 27.03.2013 eine neues BMF-Schreiben zum Thema Durchschnittsbesteuerung in der LuF. Das PDF steht hier zum direkten Download bereicht.


    Zitat

    1)Werden im Rahmen eines pauschalierenden land- und forstwirtschaftlichen Betriebs auch der Regelbesteuerung unterliegende Umsätze ausgeführt (z. B. Lieferungen zugekaufter Erzeugnisse oder die Erbringung sonstiger Leistungen, die nicht landwirtschaftlichen Zwecken dienen, aber einen engen Bezug zur eigenen land- und forstwirtschaftlichen Erzeugertätigkeit des Unternehmers aufweisen), können diese unter den Voraussetzungen
    des Absatzes 2 aus Vereinfachungsgründen in die Durchschnittssatzbesteuerung einbezogen werden.


    2)Unter den gleichen Voraussetzungen kann aus Vereinfachungsgründen von der Erhebung der Steuer auf die Umsätze mit Getränken und alkoholischen Flüssigkeiten verzichtet werden.


    Nach meiner Interpretation, dürfte also auch der Verkauf von Met unter die Durchschnittsbesteuerung fallen, wenn:


    Zitat

    (2) Voraussetzung für die Anwendung des Absatzes 1 ist, dass die dort genannten Umsätze (Nettobetrag) voraussichtlich nicht mehr als 4 000 € im laufenden Kalenderjahr betragen. Weitere Voraussetzung ist, dass der Unternehmer neben den in Absatz 1 genannten Umsätzen in dem Kalenderjahr voraussichtlich keine Umsätze ausführen wird, die eine Verpflichtung zur Abgabe einer Umsatzsteuererklärung für das Kalenderjahr nach § 18 Absatz 3 oder 4a UStG nach sich ziehen.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"