Auslesekriterien bei "toleranten" Bienen

  • Hallo,


    nachdem ich hier eine Frage gestellt habe, die mich sehr beschäftigt und die wie vorherzusehen war, nicht geklärt werden kann


    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=32189&page=4&highlight=Einheitliche+Messung


    habe ich noch eine, für mich nicht weniger wichtige Frage:


    Nach welchen Kriterien sucht Ihr Völker aus, die Ihr für die Weiterzucht, Vermehrung oder was auch immer heranzieht?
    Wenn man nach K.O. System arbeitet, das einfach alles unbehandelt bleibt und was überlebt wird vermehrt, dann ist ja alles klar. Ich hab das probiert und kann das nicht.


    Wenn ich aber hier im Forum so querlese dann kristallisiert es sich heraus, das die meisten Ihre Völker beobachten wollen und wenn nögig eingreifen.
    Das geht bei kleinen Volkszahlen noch gut, die Kriterien würden mich aber interssieren.


    Sind es die Völker die im Frühjahr ohne Beahndlung die meisten Milben haben, da sie anscheinend gut damit zurecht kommen.
    Sind es die Völker, die die wenigsten Milben haben, aus welchem Grung auch immer.


    Wird differenziert, wie die Völker erstellt wurden, wie oft sie schwärmen durften, ob auf NB oder MW, im Korb oder MAgazin....


    Ich bin ja der Meinung, das eine erfolgreiche Auslese nur mit richtig vielen Völkern Sinn macht, und dafür braucht es eine möglichst einfach durchzuführende Einstufung der Völker.


    Fragen über Fragen, die mich sehr beschäftigen von denen ich aber auch glaube, das sie ähnlich schwierig zu beantworten sind, wie die oben in dem anderen Faden.

  • Im Moment schmeiße ich alles raus (= Umweiseln), was laufend hohe Fallzahlen (natürlicher Totenfall der Milben) hat, was mickert und bei denen Viruserkrankungen zu sehen sind. Ich beobachte quasi ganzjährig den natürlichen Fall. Bisher hat sich gezeigt, daß Völker mit hohen Fallzahlen nie die Kurve kriegen und auch nicht sonderlich munter sind. Ich habe Überlebenstest gemacht und ein Volk schaffte es aus eigener Kraft fünf Jahre lang. Es geht also prinzipiell.


    Die Schwierigkeit besteht in der Krisenbewältigung. Der Bien muß lernen, die Krise rechtzeitig zu erkennen und mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu meistern. Die Mittel bestehen vor allem aus Abwehrverhalten. Ein Verhalten wird hauptsächlich erlernt. Um zu lernen braucht das Volk Erfahrung - es muß in eine Krise geraten.


    Erik Österlund macht etwas Schlaues, er schaut nur auf das Auftreten von Virussymptomen. Erfahrungsgemäß kommen die Völker mit Viruserscheinungen nicht alleine zurecht, weder mit Varroen noch mit Viren, auch nicht morgen, übermorgen oder nächstes Jahr. Also Umweiseln. Denn von der Königin und ihrem Samenrepertoire hängt alles ab.


    Viruserkrankungen sind zwar nicht meßbar, aber leicht zu erkennen, wenn sie ausbrechen. Daneben die Varroapopulation kontinuierlich beobachten und die schlechtesten rausselektieren. Nur behandeln, wenn das Überschreiten der Schadensgrenzen abzusehen ist. Hier sind die üblichen Messungen (Varroafall z. B.) hilfreich, um Trends vorab zu erkennen.


    Ich spiele weiter mit der Idee, "Brachevölker" in Klotzbeuten zu etablieren. So kann sich selbstständig wildes Genmaterial und so eine lokal angepasste Biene entwickeln, deren Überlebenskraft in die Betriebsvölker einfließt. Ich halte es für kontraproduktiv, den Spaghat zur Resistenz/Toleranz/Was-auch-immer mit Produktivvölkern zu versuchen.


    Wir wissen aus Frankreich, daß die Bienen in Bäumen aus eigener Kraft überleben und sobald sie in Beuten gesetzt werden, gehen sie zugrunde. Auch mein am längsten überlebendes Volk war im Stabilbau in einer T120 völlig auf sich gestellt. Ich will nicht sagen, daß Klotzbeuten die Lösung sind. Völker in Klotzbeuten gehen genauso zugrunde. Aber (!): Bei Nicol Jacobi steht im Jahr 1568 geschrieben, daß es drei bis fünf Jahre benötigt, bis ein Volk sich in der Klotzbeute etabliert hat. Erst dann durfte es beerntet werden. Ich glaube, neue Klotzbeuten taugen nix. Mein am längsten überlebendes Volk war in einer 60 Jahre alten T120 untergebracht, in der 60 Jahre ununterbrochen Bienen lebten. Keine Ahnung, was da nun ausschlaggebend ist. Ich vermute, es ist die fette Schicht Propolis. Ob die das Klima in der Beute/im Baum beeinflusst oder irgendwelche antibiotischen Eigenschaften hat - keine Ahnung! Könnte auch die Erklärung für die Frankreichgeschichte sein. Dort sind die Bäume auch sehr lange schon von Bienen bewohnt. Von Seeley weiß ich, daß Baumhöhlen sehr dick mit Propolis ausgekleidet sind. Er muß es wissen. Er hat sehr viele wilde Völker aus Bäumen untersucht, weltweit.


    Jedenfalls wäre so eine Klotzbeute mit Bienen zu besetzen und fünf Jahre zu etablieren, um sie dann alleine laufenzulassen. Davon ein paar Stück, eben Brachevölker neben den Wirtschaftsvölkern.


    Solange ich die Völkerzahlen aufbaue, werde ich eine Vorselektion wie oben beschrieben machen. Danach werde ich Brachevölker etablieren.


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Günther,
    ich lege verschiedene Kriterien an, die ich verschieden wichte. Diese sind möglicherweise ziemlich subjektiv, manches interpretiere ich sicher auch falsch, aber wie ich Dich verstehe, möchtest Du Dir einen Überblick über die verschiedenen Ansätze verschaffen. Hier also meine, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit:


    - Meine erste Frage bei einem Volk ist, wie es über den ersten Herbst/Winter kommt, in dem wenig bis gar nicht behandelt wurde. Manche schaffen es nur knapp, andere scheinbar mühelos. Erstere überleben unbehandelt oft auch den zweiten Winter, selten aber deren Ableger. Bei der zweiten Gruppe zeigen nach meiner Erfahrung auch die Ableger eine höhere Toleranz. Ich achte also vermehrt auf das Verhalten im Winter, u.a. die Vitalität an Tagen des Reinigungsfluges.


    - Dann im Sommer die Frage nach Anzeichen von Virusinfektionen. Solche Völker werden auf jeden Fall umgeweiselt.


    - Im Spätsommer: Völker, die trotz ausreichend Spättracht nicht genug Wintervorräte sammeln, um selbständig zu überleben, fallen ebenfalls aus der Auswahl. Das Nachlassen des Sammeleifers zeigt meiner Meinung nach das Befinden während der Varroaschwemme im Spätsommer ebenso gut wie z.B. Krüppelflügel.


    - Weitere Kriterien für mich sind die Sauberkeit des Bodenbrettes (geschlossener Warréboden) und die Menge an Propolis, die ein Volk sammelt. Bei Völkern mit sehr sauberem Boden konnte ich beispielsweise schon beobachten, wie sie sich gegenseitig Varroen abputzten.


    - Dann gibt es noch außergewöhnliche Beobachtungen, die mit reinspielen. Mein Lieblingsvolk beispielsweise jagte im Sommer wie doof die kleinen schwarzen Käfer, die sich auf der weißen Frontseite sammelten. Dieses Volk ist jetzt im zweiten unbehandelten Jahr/Winter und wird, wenn alles gutgeht, eines der ausgewählten Zuchtvölker.


    - Das wichtigste scheint aber die Herkunft der Völker zu sein. Völker (auch Schwärme) von Vielbehandlern überleben fast nie. Völker von nachlässigen Hallodris dagegen viel besser. Ist ja auch irgendwie logisch. :wink:


    LG
    Mandy

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)

  • Hallo


    Ich versuche so wenig wie möglich zu behandeln. Aber für die Zucht ist bei mir der Wintertotenfall der Bienen sehr wichtig. Bei solchen Völkern beobachte ich auch den geringsten Milbenbefall und sie gehen sehr zeitig aus der Brut. Die Linie setzt sich schon seit Jahren durch, echte Carnica, nur ich hatte dieses Jahr etwas Pech oder habe mich zu blöd angestellt, eine dieser guten Nachzuchtköniginnen wurde abgestochen und die andere ist mir entflogen und nicht wiedergekommen. Das Problem sie haben immer sehr wenig Weiselzellen und ich mache keine Zuchtserien. Aber bei allem ist mir der Honigertrag wichtig.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Ach so noch zu den Beuten, wäre ich der Meinung, ein Brutraum mit großen Waben, in dem sehr wenig Waben umgehangen werden, bzw der fast unberührt bleibt.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Wenn ich das nur schon bis ins letzte Detail wüßte, wie die richtige Beute aussieht!


    Jedenfalls nichts von dem, was heute so üblich ist: Breitwabe, geteiltes Brutnest, 10er und 12er Waben, 35mm-38mm Wabenabstand, 18mm Wandstärke, Gitterboden.


    LG André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

  • Jedenfalls nichts von dem, was heute so üblich ist: Breitwabe, geteiltes Brutnest, 10er und 12er Waben, 35mm-38mm Wabenabstand, 18mm Wandstärke, Gitterboden.


    Also Warré? :wink:


    Ich selbst bewirtschafte ja so ziemlich jede Beute, vom unbeernteten Klotz ohne jede Vorgabe, über Warré mit und ohne durchgehende Wabe, mit 32er und 36er Wabenabstand; bis hin zur modernen Rähmchenbeute. Einzige Gemeinsamkeit: Naturbau und kein Absperrgitter. Unterschiede in der Varroatoleranz konnte ich bisher keine feststellen. Ich wünschte es wäre anders.


    LG
    Mandy

    "Keine Rähmchen - keine Mittelwände - wenig Arbeit." (Émile Warré)

  • Warré wird heute mit viel zu geringer Wandstärke gebaut!


    Das ist besonders im Zeitalter der Varroa kontraproduktiv!



    LG André

    Der wahre Meister tut nichts, doch er lässt nichts ungetan. (Laotse)

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  • Hallo,
    @Mandy

    Zitat

    von Vielbehandlern überleben fast nie. Völker von nachlässigen Hallodris dagegen viel besser


    - krummel- also wenn meine Völker bei dir überleben, bin "ich" ein Hallodri und wenn sie sterben bin ich ein Vielbehandler ...



    Meine Auslese dieses Jahr erfolge an der Anzahl der Milben auf den Bienen pro Wabe (Ende Juli mehr als zwei Milben pro voll besetzter Wabe -> behandelt)
    Aktueller Stand (aller Magazine) 3 tote Behandelte Völker und 3 tote unbehandelt. Also gleichstand aber 21% = to mutch.


    Die Kriterien für die Auslese sind für mich noch viele kleine Schritte in der Dunkelheit. Ein Jahr, ohne Behandlung ist absolut kein Problem. Auch die Ablegervölker (Restvolk mit neuer Kö) machen einen fitten Eindruck. Aber Völker, welche sich im Mai und Juni weigerten Weißelzellen anzusetzen und zu schwärmen, starben mir im Sep. einfach unter den Fingern weg. -im Frühling top Brut und viel Honig- Ich hab nichts erkennen können: kein DWV nichts ... innerhalb von 14 Tagen waren zwei Zargen Bienen weg.
    Was fehlt sind Erfahrungen von anderen Imkern.


    Und wieso sind 18mm Wandstärke zu gering? Die Isolation ist aussreichend und Zugluft kommt auch keine durch.



    Grüße
    THomas

    Der Mensch steht im Mittelpunkt und somit allein im Weg.