Wächterinnen am 23.12.12

  • Hallo Leute
    Gestern am 23.12.12 flog ein Volk von vier nebeneinanderstehenden. Dabei konnte ich beobachten wie zwei Wächterinnen eine Arbeitsbiene attackierten und töteten. Da nur ein Volk flog, stellen sich mir ein paar Fragen.
    Wenn jetzt Sucherbienen ausfliegen, fliegen die solange bis sie etwas finden? Also, wenn sie nichts finden, sterben sie beim Suchflug oder kehren sie irgendwann um und dann zum Volk zurück? Falls sie zum Volk zurückfliegen und keine Nahrung mitgebracht haben, werden sie dann von den eigenen Wächterinnen attackiert?
    Meine Fluglochbeobachtung dauerte nur 15 Minuten. Was habe ich jetzt gesehen? Eine Sucherbiene eines fremden Volkes die abgestochen wurde oder doch eine eigene die keinen Nektar und Pollen mitbrachte und deswegen nicht ins Volk durfte?
    Ich hätte gerne ein von mir gemachtes Foto von der Stecherei dazu gestellt. Geht das?
    Gruß Noaber

  • Ich kann zu deiner eigentlichen Frage leider keine Antwort geben, aber ich kann mir beim besten Willen keinen Grund vorstellen, warum eine Biene vom eigenen Volk abgewehrt werden sollte, nur weil sie nix dabei hat. Dann würden sich ja Bienenvölker in plötzlich trachtlosen Zeiten alle in kürzester Zeit selbst umbringen.


    Abgewehrt und attackiert werden nur Bienen, die "fremd" riechen oder "krank" wirken.


    Während der schneereichen Phase vor 2 Wochen sind bei mir auch immer wieder Bienen selbst bei Schneefall und geringem Frost ausgeflogen, noch mehr bei Sonnenphasen zwischendurch.


    Meine Vermutung: Es waren Bienen, die krank waren, oder dringend die Kotblase entleeren wollten oder - meine stärkste Vermutung - Bienen, die durch den hellen Schnee hervorgelockt wurden, weil es wie Sonnenschein und Flugwetter aussah. Einmal draußen haben sie zu spät erkannt, dass es draußen lebensfeindliche Bedingungen hat und die Helligkeit nicht wie sonst warm-sonniges Flugwetter anzeigte.


    Die allermeisten davon sind irgendwo gelandet und verendet, da sie sich im frischen Schnee verfingen, kaum noch wegfliegen konnten und dann auch fast sofort erstarrt sind. Viele sind auch direkt vom Flugloch auf und davon sofort außer Sichtweite geflogen und haben danach irgendwo das selbe Schicksal erlitten. Denn Zurückkehrer konnte ich nur ganz selten sehen, also sind die anderen wohl alle hin.


    Und was die Zurückkehrer betrifft: Die hatten allesamt garantiert auch nix dabei, denn zu finden gab es weder Wasser noch Pollen, war ja alles gefroren oder unterm Schnee. Und von denen wurde keine attackiert.


    Jetzt, wo der Schnee verschwunden ist, kehren etwa so viele zurück wie zuvor ausgeflogen sind und es fand gestern und heute sogar extrem starker Flugverkehr mit Vorspiel statt wie sonst im Hochsommer (siehe hier). Manche haben Pollen gebracht, wohl auch Wasser und die Kotblasen haben sie wohl auch entleert. Ich vermute sogar stark, dass mein starkes Bienenkistenvolk wieder brütet, wahrscheinlich hat es gar nie aufgehört sondern sogar durchgebrütet bisher.


    Gruß
    hornet

  • Schönen weihnachtlichen Abend,


    Räuberei, und das zu Weihnachten? Ist das tatsächlich eine Gefahr?


    Heißt das, Beuten bei dem weihnachtlichen Flugwetter regelmäßig kontrollieren und gestorbene Völker sofort zu verschließen?


    Wir haben hier einen bislang sehr begrenzten Faulbrut-Ausbruch. Da bringt der Gedanke an Räuberei noch weniger Spaß.


    Und wenn keine Faulbrut im Flugkreis ist: wie ist die Gefahr durch potentiellen Viren im Honig von Varroa-toten Völkern zu bewerten?


    Gruß, Gunnar

    Meine Bienen fliegen zu 100 % mit flüssigem Sonnenschein.

  • Hallo nochmal,


    na ja, zu Weihnachten eigentlich nicht.Es geht um die Witterung:


    Ich hab das leider beobachten müssen bei einem ausgewintertem Mini-Restvölkchen. Der Gedanke an doch recht erfreuliche Stärke des Bienenfluges währte nur Sekunden.... die waren heftigst mit Ausräumen beschäftigt.
    Bei gutem Flugwetter und gefundenem Fressen - da ist erst Schluß, wenn nichts mehr zu holen ist.
    Und gutes Flugwetter hatten wir ja mancherorts heute.


    Faulbut entwickelt und vermehrt sich in der Brut! Trotzdem ist Sporenholen natürlich nicht unwahrscheinlich.
    Handelt es sich um aus sonstigen Krankheitsgründen geschwundene Völker, dann ist auch hier ein Mitbringen der Erreger denkbar.


    Weihnachtsgrüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Moin Marion,


    nicht nur nicht unwahrscheinlich. Wenn Völker dran gestorben sind und ausgeräubert werden, holen sich die Räuber annähernd den Erreger- oder Krankheitsstatus des gestorbenen Volkes. Die Sporen sind dann auch massiv in den Vorräten; sonst würden Futterkranzproben keinen Sinn ergeben. Tun sie aber. Die Räuber überleben in dem Fall die nächste Saison nicht, in aller Regel. Und sei es, weil der Veterinär die Schwefelschnitte anordnet...


    Wenn das Volk an was anderem gestorben ist, aber positiv war, holen sich die Räuber den Status auch, in aller Regel.


    So ist es mir, aus im vergangenen Winter/Frühling gegebenem Anlass erklärt worden.


    Ob durch die Milbe übertragene Viren auch im Futter sitzen, weiß ich nicht.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin Clas,


    ja, sicher. Ich möchte aber nicht pauschalisieren, daher die vorsichtige Formulierung.


    Auch beim menschlichen Thema mag ich die Ansteckungshystrie nicht - Kopf in den Sand ist natürlich genauso unangebracht. Ein räuberndes Volk zu haben sollte immer ein mulmiges Gefühl der Vorsicht hervorrufen.


    Die Beobachtung ist übrigens nicht von diesem Jahr gewesen. Bei meinem Mickervolk fand das Anfang März statt, ich konnt`s erst kaum glauben.


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Thomas
    Es stehen vier Völker direkt nebeneinander. Alle mit einem verkleinertem Flugloch. Ein weiteres in fünf meter und eins in zwanzig Metern Entfernung.( diese sind alle nicht ausgeflogen) Das Volk mit den attackierenden Wächterinnen ist das stärkste und es fliegt öfter als die anderen.Es gibt drei Nachbarimker etwa 200m entfernt.
    Gruss Noaber

  • Hallo Hornet
    Bei uns lag kein Schnee(Gronau in NRW). Wir hatten am 23.12 um die 12ºC und die Sonne schien auf die Beuten. An dem Tag flog nur ein Volk. Zwei Tage vorher alle. Trachtlose Zeiten in denen gar nichts zu finden ist, haben wir wohl jetzt. Obwohl, selbst jetzt trägt eine Rose im Vorgarten noch ca 10 Blüten. Ich denke mal ohne Nektar. Im Februar blüht ein Mandelbaum mit ca 100 Blüten, der bei entsprechender Witterung auch von den Bienen besucht wird. Also trachtlos heißt ja nicht, dass eine Sucherin nicht irgendwo mal ein paar Blüten findet. Wenn es auch noch so minimal ist. Wir hatten auch im Herbst schon Bienen(ausdrücklich, keine Wespen) auf von Vögeln angepickten Äpfeln sammeln gesehen. In diesem Fall ist die Frage, was passiert wenn sie gar nichts finden? Für das Überleben des Volkes ist diese kleine Stecherei wohl auch nicht überlebenswichtig.
    Auch fremde Bienen werden vom Volk reingelassen wenn sie etwas mitbringen. Da ist dann der Geruch egal, der Ertrag zählt.
    In diesem Fall kam eine Biene angeflogen, wurde am Flugloch abgefangen und gestochen. Von unseren Völkern flog nur dieses eine. Von den Nachbarvölkern weiß ich nur, dass die um diese Uhrzeit(durch eine Lebensbaumhecke) keine Sonne haben.
    Gruss Noaber

  • Moin Marion,


    nee, von Ansteckungshysterie halte ich auch nichts; Hysterie halte ich für ungesund, aber ich habe schon beobachtet, dass sie ansteckend sein kann...


    Räuberei oder Leichenfledderrei ist aber einer der Wege, auf dem manche Krankheitserreger massiv in die Völker gelangen, und gerade bei Faulbrut ist das so und hat man es da dann auch noch mit Amtspersonen zu tun, deren seuchenpräventiver Tätigkeitsdrang nicht immer durch den neuesten Stand der Erkenntnis beeinflusst werden muss...


    Bei den Viren weiß ich das nicht. Wie stur sind die auf ihren angestammten Überträger angewiesen? Wahrscheinlich jeweils unterschiedlich, oder? Aber denkbar ist doch jedenfalls, dass ein Virus, der normalerweise von einem Hämolyphe saugenden Parasiten übertragen wird, auch besser nicht gegessen werden sollte... Denkbar ist natürlich auch, dass er gut zu essen und oral aufgenommen kein Problem ist.


    Gruß Clas, der den Komposthaufen für hygienisierend hält, soweit es nicht um Faulbrutsporen geht...

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Clas
    Ich hoffe nicht, dass überhaupt irgend jemand mit Faulbrut in Kontakt kommt. Leider kommt es in unserer Region auch immer mal wieder vor.(Stadtlohn, Vreden) Angeblich weil einige Altimker mit Uraltrahmen arbeiten. Nun gibt es in unserer Gegend noch ein anderes riesiges Problem. Wir leben direkt an der niederländischen Grenze und grenzübergreifend wird amtstierärztlich gar nichts an Informationen ausgetauscht.
    Gruss Noaber

  • Moin Noaber,


    sag ich ja. Der neueste Stand der Erkenntnis, der bei Euch nicht angewendet wird, wäre doch: Thermische Nutzung solcher Uraltrahmen und Neukauf sowie grenzübergreifende Zusammenarbeit bei der Untersuchung und Festlegung der Untersuchungs- oder Sperrgebiete. Das funktioniert mitunter schon an Kreisgrenzen nicht. Die Erkenntnis, die hier zu berücksichtigen wäre: Bienen fliegen hin, wo was zu holen ist. Für Verwaltungsgrenzen haben sie vermutlich nicht mal Begriffe.


    Möglicherweise haben die Niederlande da sowieso eine andere Rechtslage... Anhaltspunkte dafür habe ich gefunden, aber so, wie mein Niederländisch ist, würde ich das nur im Fall von wirklichem Eigenbedarf genau recherchieren.


    Auf jeden Fall bist Du zu beglückwünschen, Bienen zu haben, die auch um diese Jahreszeit bei passendem Wetter eine wirksame Einlasskontrolle durchführen. Wobei die Seuche meist zum Räuber hin verschleppt wird, von Völkern, die das Flugloch krankheits- oder todesfallbedingt nicht mehr bewachen...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...