Bäuerliche Fördermittelumverteilungsinitiative - Sächsischer Bauernverband

  • Moin.


    In Sachsens Verbandsrundschreiben fand sich folgendes Dokument: (Vorab versandt mit der Einleitung)


    Dass ein Bauernverband von sich aus in einem extra Schreiben an den
    Minister sich für deutlich mehr Blühflächen und das noch in Abstimmung
    mit örtlichen Imkern einsetzt ist ein sehr gutes Zeichen und das
    Ergebnis jahrelanger beharrlicher "Vorarbeit" von Seiten des LVSI.



    An die Mitglieder des SLB-Vorstandes Dresden, 12. Oktober 2012
    Geschäftsführer/Innen der RBV/KBV
    Verbandsmitglieder


    Programm zur Förderung von Spättrachten als Bienen- und Insektenweide


    Sehr geehrte Damen und Herren,
    SLB Präsident Wolfgang Vogel hatte sich am 10.10.2012 in einem Schreiben an das
    SMUL gewandt, um die Vorstellungen einer Förderung von Spättrachten als Bienenund Insektenweide in der neuen Förderperiode ab 2014 zu berücksichtigen.
    Es wurde verdeutlicht, dass die Mitglieder des Sächsischen Landesbauernverbandes e.V. in ihren Betrieben überwiegend mit den ortsansässigen Imkern bereits gut zusammen arbeiten. Dies wird vom Vorstand des SLB ausdrücklich unterstützt. Dennoch bestehen, dass Differenzen zwischen den Landwirten und Imkern, die zum Teil durch mangelnde wechselseitige Kenntnisse hervorgerufen werden. Um gegenseitig Wissenslücken zu füllen, hat der SLB auf regionaler wie auch Landesebene Kontakte zu den Imkervereinen und zum Landesverband sächsischer Imker aufgenommen. Der SLB regt an, dass der Freistaat Sachsen mit Beginn des neuen Förderzeitraumes über ein attraktives Förderprogramm zur Anlage von Blühflächen und -streifen für Bienen und Wildinsekten auf Ackerflächen als spätsommerliche und Herbsttracht auf den Weg bringt. Die Förderung könnte sich durchaus über einen Verpflichtungszeitraum von 5 Jahren erstrecken. Zuwendungsempfänger sollten Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe sein. Grundlage wäre aus Sicht des SLB ein mit einem Imker vor Ort vertraglich fixierter Anbau. Dabei ist der Standort der Bienenhaltung maßgebend. Die Anbaufläche sollte sich nach der jeweiligen Anzahl der gehaltenen Bienenvölker richten. Angesichts der Saatgutpreise erachtet der SLB einen Zuwendungsbetrag von mindestens 500 Euro pro Hektar, als attraktives Angebot seitens des SMUL. Der SLB hat gebeten, die oben genannten Ausführungen für die zukünftige Ausrichtung der Agrarförderperiode 2014-2020 zu berücksichtigen.


    Nicht nur, daß sich in meinem Verein kein Imker findet, der mit irgendeinem ortsansässigen Landwirt gut zusammenarbeitet - seit nunmehr 3 Jahren versuchen die Grimmaer Imker immer wieder Kontakt mit dem in Grimma ansässigen Landesbauernverband zu knüpfen. Zuletzt wurden 11 Termine vorgeschlagen ... Bei uns waren die unterschiedlichsten Interessenvertreter und sogar der BIO-Gasanlagenverband. Die Bauer interessieren sich nicht für uns. Selbst auf dem Sächsiuschen Imkertag mit dem Thema "Bienen und Landwirtschaft" waren genau 2 Bauern anwesend. Einer davon der Refererent Wolfgang Vogel. Ich denke nun - man redet ja nicht offen mit den Imkern - die Bauern wollen hier für's Phaceliasäen nach dem Rapsdrusch 500 Euro extra pro Hektar abfassen. Oder sie wollen den späten Gelbsenf versilbern, der uns bibbern macht. Leider veröffentlicht der Sächsische Landesbauernverband sein Schreiben und die Antwort darauf nur Mitgliedern. Der Pressetext scheint irgendwie gekürzt. Daß es um 7 Jahre á 500 Flocken pro Hektar geht vermisse ich dort.


    Die Grimmaer Imker jedenfalls haben sich gegen die Blühstreifenförderung ausgesprochen! Wir wollen nicht, daß die Landwirtschaftsindustrie für unser aller Geld unsere Bienen mit Nektar und Pollen von Nutzflächen versorgt. Bienenfutter können wir selber kaufen und wir wissen auch, daß man immer draufzahlt, wenn man versucht etwas für die Bienen anzubauen. Unsere Bienen kommen in einer vielseitigen brach liegenden Landschaft mit wertvollen artenreichen Wiesen, Hecken und Sukzessionsbereichen ganz hervorragend klar. Sogar die Ackerunkräuter wie Kornblüme und Distel machen sie glücklich. Angebaute Feldfrüchte, Massentrachten zur Unzeit machen ihr das (Über-)Leben schwer.


    Ich sehe in der Initiative also nicht viel mehr, als über die Umverteilung von Fördermitteln der Imker in die Töpfe der Bauern, ein neues "Marktsegment" zu erschließen und uns Imker als Alibikunden und Flächenfördermittelbeschaffer zu gewinnen. Meiner Meinung nach, wären unsere Bienen besser dran, zahlte man den Bauern die 500 Euronen nicht, sondern beließe sie den Steuerzahlern. Imkerei braucht keine Förderung! Imkerei braucht Rahmenbedinungen, die nichts kosten. Ein Verbot, Konblumen wegzuspritzen oder Mais auf Mais anzubauen käme preiswert und gut. ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hallo Miteinander,
    hat da nicht mal einer für diese Gegenden blühende Landschaften versprochen?
    Viele Grüße
    Lothar

    Solange Menschen denken, das Tiere nichts fühlen,
    müssen Tiere fühlen, das Menschen nicht denken.

  • Einen schönen Vorweihnachtsabend allen.


    Bei den vorangegangenen Beiträgen, traut man sich ja gar nichts positives mehr zu schreiben.
    Also in meiner Nähe, wird seit etwa 2 Jahren Phacelia, Senf, Sonnenblume und Erbsen angebaut und das finde ich positiv, ob die Bauern dafür was bekommen weis ich nicht. In den Feldern blühen jedes Jahr mehr Kornblumen und auch die Maiblumen auf der Wiese neben meinem Stand blühen 3 Mal im Jahr, was will ich mehr.


    Allen eine schöne Bescherung.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Es geht durchaus nicht um pauschale Kritik. Es geht darum, daß ich nicht möchte, daß der Biotopzerstörer und verbrauchende Flächen(be)nutzer Geld dafür bekommt, Schäden die ausschließlich er verursacht hat, wenigstens und bloß zum Schein wieder auszugleichen.


    Ich möchte hier nur an das Rebhuhnprogramm erinnern. Dort wurden und werden Gelder aufgewendet, damit Feldlebensraum - also Lebensraum in Ackerkulturen - wieder entsteht und so das nahezu ausgerottete Rebhuhn zurückkehren möge. Es ist unbestritten, daß das Rebhuhn durch die Industrialisierung der Landwirtschaft verdrängt oder eben ausgerottet wurde. Wenn konsequent Insektizide eingesetzt werden, die keine Insekten zur Aufzucht der winzigen Kücken übrig lassen und wenn Halmdichten angestrebt werden, die für die Hühner unüberwindliche Hindernisse darstellen, wenn Stoppelbrachen als schlampig gelten oder wegen des monokulturellen Schädlingsdrucks unmöglich sind, wenn Mais auf Mais folgt mit schwarzeem Acker im Winter ist jedoch jeder Rebhuhn-Cent vertan. Zumindest für's Rebhuhn. Denn beim Landwirt ist er ja angekommen und der hat ja die von uns bezahlte Maßnahme durchgeführt. Zumindest auf Teilflächen. Auf andern Flächen seines Betriebes betreibt er genau die rebhuhnvernichtende Flächennutzung weiter, wegen der es das Rebhuhnprogramm überhaupt gibt. Geschickterweise im Wechsel. Rottete er es nicht einerseits aus, gäb es andererseits auch kein Geld für Fördermaßnahmen.


    Der Landwirt ist geförderter Brandstifter auf der einen Seite und will nun auch noch geförderter Feuerwehrmann auf der andern sein. Dabei sehen wir alle, daß es nichts zu löschen gäbe, zündelte er nicht.


    Mit Rebhuhn und Lärche ging das hier in Sachsen los und mit dem Kiebitz. Und das klappte aus Sicht der Landwirte ganz gut. Nun kann man sich auch was Gutes mit den Bienen tun. So 'ne Blühfläche nebst Förderung ist schließlich risikolos und weltmarktpreisunabhängig oder paßt vielleicht sowieso ins Nutzungskonzept. Wäre doch schade, wenn man das was beim Rebhuhn und beim Kiebitz klappt, nicht wenigstens bei den Bienen mal probiert. Es können doch alle nur gewinnen. Die Imker sind zufrieden oder können als undankbar hingestellt werden, die Fördermittel für Imkerei können in Richtung landwirtschaftlicher Naturschutz EU-mäßig umgebucht werden und schließlich kann der Landwirt Ertrag und Naturschutzimage aufbauen und vergessen machen, daß nur er die Ursache des Grundproblems ist.


    Kein Imker richtet mit seinen Bienen Schaden an der Umwelt an! Das ganze Gegenteil ist der Fall. Wir haben folglich keinen Grund uns vor den Karren derer spannen zu lassen, die das mit ihren maisfressenden Biogasanlagen, ihren Hühner-KZs, ihren tierverachtenden Schweinemästereien, ihren hocheffizienten Milchviehbetrieben und ihrer kitz- und alles und jeden zerhackenden High-Speed Ackergrünlandnutzung von sich nun wirklich nicht behaupten können. Die sollten nicht anfangen, die Umwelt als Dienstleister wieder aufzuhübschen - Sie sollten aufhören sie zu zerstören.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Bevor ich raus zu meinen Tieren gehe:
    Henry :liebe002:


    Fördergelder versauen den Charakter. Für eine Abschaffung aller jeglicher würde sogar ich auf die Straße gehen.


    LG Silvia

    Um ernst zu sein genügt Dummheit, während zur Heiterkeit ein großer Verstand unerlässlich ist. Shakespeare
    Alle sind irre; aber wer seinen Wahn zu analysieren versteht, wird Philosoph genannt. A.Bierce

  • An welche Adresse könnte man sinnvollerweise eine Welle von Empörungsmails schicken?

    Landesverband Sächsischer Imker, Landesbauernverband Sachsen, Minister Frank Kupfer ...

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Hier noch ein paar Argumente aus einem offenen Brief an die Landwirte der Uckermark:


    Offener Brief
    An den Kreisbauernverband Uckermark, zu Händen von Frau Wencke Fichtner Landesbauernverband, zu Händen von Herrn Udo Folgert
    betr.: Treffen im „Schwarzen Adler“, Gerswalde, 17. August 2012 – eine Nachlese


    Liebe Landwirte !
    Die Bienen sind in akuter Lebensgefahr. Auf der Suche nach den Ursachen für das rapide Sterben der Bienen, der Amphibien und Vögel in der Uckermark haben wir dazu die neuesten Veröffentlichungen recherchiert. Diese besagen, dass das Artensterben durch den massiven Gifteinsatz auf unseren Äckern verursacht wird. Unter den Pestiziden ist Glyphosat das meist verkaufte Pflanzengift, - in Deutschland sind z.B. 70 glyphosathaltige Mittel zugelassen, z.T. als gefährliche Cocktails, welche ihre „Effekte“ in Kombination zum Beispiel mit Fungiziden teilweise in enormem Ausmaß erhöhen. Internationale Studien belegen nun, dass Glyphosat Embryonen schädigen und Krebs auslösen kann. Das Totalherbizid reduziert die pflanzliche Artenvielfalt auf dem Acker. Dadurch fehlen den Insekten und Vögeln Nahrung und Lebensraum. Wenn es, wie in der Uckermark, auf abschüssigem Gelände eingesetzt wird, läuft es in die tiefliegenden Sölle. Die Tiere, die daraus trinken, werden nicht zuletzt dadurch vergiftet. Ausreichend sind schon Mengen im Mikrogrammbereich.


    Sie als Landwirte bringen Jahr für Jahr Unmengen von Glyphosat aus. Die Chemikalie hat eine Halbwertszeit von 3-240 Tagen, ihr nicht minder gefährliches Abbauprodukt AMPA von 78 bis maximal 875 Tagen. Wir haben Rückstände davon in den Söllen nachgewiesen. Zur Bewertung haben wir Studien internationaler Wissenschaftler gelesen und diesbezügliche Informationen über unseren „Pestizid-Blog“ verbreitet. In den Studien ist analysiert, was das Gift anrichtet. Wir haben sie übersetzt, kopiert und Ihnen ausgehändigt. Ergänzend dazu haben wir Ihnen aktuelle Fernsehbeiträge gezeigt, die gravierende gesundheitliche Risiken von Glyphosat auch beim Menschen belegen, und zwar auch hier schon in geringsten Konzentrationen. Die Folgen sind Fruchtbarkeitsstörungen, Schädigung des Erbguts, der Embryonalentwicklung, des Immunsystems, der Leber und des Nervensystems. Neueste Studien der Universität Leipzig belegen, dass Glyphosat bereits im menschlichen Urin ist, auch diesen Film haben wir mitgebracht, um Sie zu überzeugen. Ebenso haben wir Sie auf Forschungen hingewiesen, welche besagen, dass Glyphosat auf lange Sicht eine Zunahme resistenter Unkräuter verursacht, weswegen selbst Monsanto inzwischen den Einsatz zusätzlicher Herbizide empfiehlt. Die Folge: noch mehr Pflanzengifte, weil weder die resistenten Unkräuter noch „Nicht-Ziel-Organismen“ wie z.B. unerwünschte Insekten dadurch auf Dauer zu beherrschen sind. Schließlich haben wir daraus unser Fazit formuliert: die sogenannte „intensive Landwirtschaft“ ist dabei, die ganze Natur zu vergiften, uns alle, und selbstverständlich Sie, die Landwirte, auch.


    Warum die Bienen sterben, kann jeder enträtseln, der 3x1 zusammenzählen kann: erstens durch Wegfall ihrer Nahrungsquellen, zweitens durch Nervengifte in dem häufig mit Neonicotinoiden gebeizten Saatgut, welches sie aufnehmen, wenn sie im Frühjahr die Felder anfliegen sowie drittens durch mit Pestiziden kontaminiertes Oberflächenwasser. In dieser geballten Kombination einer dreifachen Schädigung ihres Immunsystems haben die Tiere keine Überlebenschance mehr. Sicherlich kennen Sie Berichte über den neuen „Imkerboom“ in Großstädten wie Berlin, wo es den Bienen seltsamerweise sehr viel besser geht als auf dem Land. Von der Varroa-Milbe als angebliche Ursache für das Bienensterben ist hier nicht die Rede.
    Darüber lohnte es sich nachzudenken.


    Sie haben uns in der Debatte vor allem eins klar gemacht: dass Sie kaum oder gar keinen Handlungsspielraum hätten, denn die neuen Vorgaben der Bewirtschaftung seien verbunden mit der Anwendung von Pestiziden. Weniger könnten Sie nicht nehmen, wenn Sie irgendwie auf „vernünftige“ Erträge kommen wollen. Wenn man mithalten wolle im Wettbewerb, habe man gar keine andere Wahl. Das „System“ bringe eben bestimmte Zwänge mit sich, und in diesen sei man nun mal gefangen. Das hat mich beeindruckt, weil es irgendwie auch ein bisschen wütend und hilflos klang. Ich habe nachgedacht über die Mühen und Härten des Bauernjahres, denn auch ich komme vom Lande, und ich habe versucht, Ihre Handlungsweise zu verstehen. Die Pflanzen und Tiere wurden damals allerdings noch nicht mit Chemie vergiftet. Natürlich bedaure man das Bienensterben, sagten Sie. Auf den Einsatz moderner Agro-Chemie könne man aber trotzdem nicht verzichten.


    Mein Eindruck nach einigen Tagen Abstand ist folgender: Sie sind offenbar Abhängige eines Systems, von dem Sie wissen, dass es die Natur schädigt, durch chemische Eingriffe in die Nahrungskette immer mehr Tiere sterben lässt und äußerst gefährlich ist für die Gesundheit der Menschen. Dabei befinden Sie sich auf Kollisionskurs mit einer wachsenden Zahl von Menschen und Medien, die Alarm schlagen – seien es Imker, Naturwissenschaftler, Toxikologen, Umweltverbände, Fernsehmagazine etc., müssen aber so weiter machen. Von dieser zwiespältigen Lage sind Sie sichtlich genervt, deswegen reagieren Sie oft so aggressiv, denn natürlich wollen Sie „zu den Guten gehören“, andererseits aber sind die o.g. Argumente wohl nicht ganz von der Hand zu weisen. Wider besseres Wissen durch Aufklärung über die Folgen der intensiven Chemie auf Ihren Äckern sind Sie jedoch gezwungen, weiterhin die Landwirtschaftspolitik der großen Agrochemiekonzerne umzusetzen. Ich denke, das muss ein recht ungemütlicher Zustand sein. Bliebe für mich die Frage, wer oder was Sie daran hindert, sich aus diesem kranken und krankmachenden System zu verabschieden, um mit seinem Gewissen und der Natur, die man doch erhalten will, im Einklang zu wirtschaften. Kann es sein, dass es schlicht der gute Verdienst ist ? Diese Frage muss erlaubt sein, denn Sie werden hoffentlich in Deutschland (noch) nicht von den Agenten der großen Chemie- und Saatgutkonzerne besucht bzw. bedroht wie in den USA.


    Eine Erklärung wäre die Erfolgsstory, die schildert, wie seit dem EEG aus Bauern Energiewirte wurden. Mag sein, zuerst nicht ganz freiwillig, aber doch mit zunehmendem Gefallen. Denn auch als Halbwissende habe ich Kontakt zu solchen, die mir davon berichtet haben, wie sich ihr Gewinn seit dem Energiepflanzenanbau auf unseren Flächen potenziert hat. Ich habe erfahren: dieser Anbau wird mit EU-Mitteln hoch subventioniert. Ein Beispiel: 300 € erhält man pro Jahr/eigenem Hektar Ackerfläche einfach nur deswegen, weil man ihn besitzt, selbst wenn die Bewirtschaftung bloß darin bestünde, ihn für lediglich 20 € mulchen zu lassen. Darüber habe ich nicht schlecht gestaunt. Hinzu kommen natürlich die Erträge pro ha plus die Vergütung aus der Verstromung. Unterm Strich ist das im Gegensatz zu vorher so ungefähr das 8-10fache des Gewinns. Der mir bekannte Energiewirt war über diese neuen Verdienstmöglichkeiten verständlicherweise hocherfreut. Natürlich spritzt er jetzt auch seine Flächen mit Insektiziden, Herbiziden, Fungiziden, Halmstabilisatoren usw., die er nun tonnenweise kaufen muss: so prima funktioniert das System Monsanto & Co. Eigentlich könnte er nun glücklich und zufrieden sein nach dem Motto: und wenn er nicht gestorben ist, dann spritzt er auch noch heute...
    Leider aber endet hier das Märchen. In seiner neuen Landwirtschaft sterben die Bienen, Frösche und Vögel. Die Menschen werden krank. Die Natur wird verseucht. Auch sein Körper wird schließlich vergiftet sein. Überall schlägt es ihm entgegen: das verlockende System hat offenbar einen sehr hohen Preis, der sich immer mehr enthüllt. Warum das ein Pakt mit dem Teufel ist, haben wir uns bemüht, Ihnen aufzuzeigen.


    Daher der dringende Appell an Sie als Landwirte: nehmen Sie unsere Initiative und die Berichte einer zunehmend kritischen Öffentlichkeit ernst. Diffamieren Sie unsere Erkenntnisse nicht wie gewohnt, indem Sie uns sogar „vorsätzliche Täuschung“ unterstellen, sondern kümmern Sie sich mit uns um das Artensterben. Berufen Sie sich nicht auf ein „System“, welches Ihnen angeblich keine Wahl lässt: eine Wahl hat man immer. Man kann sich zum Beispiel dafür entscheiden, auf maximalen Gewinn zu verzichten, wenn man erkannt hat, dass eine Unternehmensstrategie die Umwelt ruiniert oder man für ein dickes Gehalt seine Gesundheit aufs Spiel setzt. Viele Manager haben das getan, weil sie lieber ein besseres Leben haben wollten als reich, aber krank zu werden. Ich kann übrigens nicht erkennen, dass Sie dann am Hungertuch nagen würden, vielleicht würden Sie nur nicht ganz so viel Erträge haben = Geld verdienen, wie wenn Sie Pestizide einsetzen. Sagen Sie mir unbedingt, wenn es anders ist, denn mich interessiert nicht, recht zu haben. Ich bin auf der Suche nach Hilfe und lerne gern dazu. Diese Suche führt mich allerdings zu Ihnen, den Landwirten, die handeln könnten gegen die Doktrin der Chemiekonzerne. Und daher bitte ich Sie: entschließen Sie sich gemeinsam gegen das System „Erträge durch Vergiftung“, weil Sie damit die Natur zerstören. Dabei geht es keineswegs nur um den Mais, und es geht auch nicht nur um Glyphosat. Es geht darum, dass Gifte grundsätzlich nicht in die Natur gehören, sprich: um eine andere Philosophie, wie man m i t der Natur und nicht gegen sie arbeitet. Das allerdings bedeutet eine entschiedene Kurskorrektur. Wenn Sie nicht wollen, dass die Tiere auf der Strecke bleiben, müssen Sie etwas tun, und zwar als Landwirte. Sie sehe ich ganz zuerst in der Verantwortung. Sagen Sie nicht, sie könnten das nicht. Wenn wir unsere Kräfte bündeln, könnten wir etwas bewirken, als menschliche Gemeinschaft, die eine erkennbar unheilvolle Zerstörung stoppt. Gesetzt den Fall, Sie wollten etwas ändern, würden wir Sie dabei sehr unterstützen, – zum Segen der gesamten Uckermark. Ein frommer Wunsch ?


    Mit freundlichen Grüßen,
    Sybilla Keitel


    Grüßle

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!