Grobe Schätzung: Ab wievielen Völkern zahlt sich Imkerei in Deutschland aus?

  • Wir diskutieren öfter mal bei uns die Frage, ab wann sich Imkerei "lohnt". "Lohnt" sich natürlich sogar schon vor dem ersten Volk, weil es einfach herrlich ist, den Bienen zuzusehen und im VHS-Kurs zuzuhöhren. Mit dem ersten Volk wird es dann noch lohnender, weil man das Heft auf einmal selbst in die Hand nimmt.


    Aber all diese Aspekte mal aussen vor: Ab wann lohnt sich das Ganze finanziell? Habt Ihr da einen Überblick? Nehmen wir mal zwei Fälle an:


    A) Ich rechne nur meinen Materialwert gegen: Ausgaben: Beuten, Völker, Futter, Mittelwände, Erstausrüstung, ..., Gebühren zum Schleudern oder direkt eine kleine Schleuder, ... Einnahmen: Honig wird für € 5 pro Glas verkauft
    B) Ich rechne auch meinen Stundenlohn ein, sagen wir pauschal € 10 oder 15; ab wann kann ich mir auch da einen Lohn zahlen? Arbeitszeit ist die Zeit an den Bienen, aber auch zum Verkauf der Produkte, ...


    Hat jemand von Euch schon mal so eine Rechnung aufgemacht?


    Eins noch vorweg: Ich werde auf jeden Fall auf der lohnenden Seite von ein bis zwei Völkern bleiben, ist also nur ein Gedankenspiel... :)


    Viele Grüße
    Pisolo

  • Du kannst auch mit wenigen Völkern "Erträge" erwirtschaften, nur dauert das länger, bis die ersten Investitionen wieder drin sind. Je intensiver die Betriebsweise und umfangreicher die Ausrüstung, desto eher ist es ein Dauerverlustgeschäft. Ist aber eine sehr dünne Decke, die durch Ausgaben für Bücher, imkerliche Spielzeuge usw. schnell verbraucht sind und dadurch bist Du dauerhaft im Minus.


    Das ist das Ergebnis für 1 Beute.
    http://www.immenfreunde.de/docs/wirt/WarreWirt_1v.pdf


    3 Beuten:
    http://www.immenfreunde.de/docs/wirt/WarreWirt_3v.pdf


    5 Beuten:
    http://www.immenfreunde.de/docs/wirt/WarreWirt_5v.pdf


    10 Beuten:
    http://www.immenfreunde.de/docs/wirt/


    Zum Erlernen der Imkerei ist sich ein Schritt-für-Schritt Vorgehen sinnvoll. Aber das kostet am meisten und scheint am wenigsten erfolgsversprechend durch die langen Jahre mit verschleppten Verlusten.


    Wirtschaftlich gesehen, startet man am besten in der gewünschten Größe der Imkerei - hier z.B. mit 100 Völkern. Nur so kommen die Erträge schneller als die Kosten auf:
    http://www.immenfreunde.de/docs/wirt/com_100er.pdf


    (Eine Zeile ist ein Jahr)


    So sieht es aus, wenn Du jedes Jahr um 10 Beuten erweiterst:
    http://www.immenfreunde.de/docs/wirt/com_10er.pdf


    Die finanziell gesehen teuerste Variante ist der schrittweise Aufbau der Imkerei. Trotzdem werden es die meisten so oder ähnlich machen. Weil es Erfahrung braucht und ein großer Fehlschlag noch kostenspieliger wäre. (Bankrott.)
    Im ersten Jahr 1 Beute, im nächsten Jahr 3 weitere Beuten, dann 5 weitere Beuten im dritten Jahr und von da an immer 10 weitere Beuten.
    http://www.immenfreunde.de/docs/wirt/com_1_3_5_10.pdf


    Von 100 Völkern kannst Du keine Familie ernähren, so viel ist sicher. Wer klein anfängt, der hat null Spielraum für Rückschläge. Es zeigt auch, daß man auch als Hobbyimker viel Geld versenken kann!


    Viele Grüße
    Bernhard

  • Moin Bernhard,


    mir ist es nicht erlaubt, die Links zu verfolgen und die Rechnungen zu sehen... Sehr geehrter Besucher, schreibt er, hält einen Fehler für möglich, und zeigt jedenfalls bei 10 Beuten nichts an.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hallo Bernhard,


    spitzenmäßiges Tool, was Du da hast, Du solltest vielleicht als Berater arbeiten! :daumen: Danke, das ist ja echt extrem detailliert.


    Für mich würde die Rechnung irgendwo bei 1-3 Völkern laufen. Wenn ich jetzt die investierte Zeit als Hobby unter "schön war's" verbuche, entfällt der größte Kostenblock. Alternativ müßte ich all die Zeit im Internet vor dem Forum ja auch als "Arbeitszeit" verbuchen. Da ich auch keine Pollen ernten werde, werden die paar Einnahmen über Honig die Anfangsinvestition nie in den Griff bekommen, die laufenden variablen Kosten jedoch kompensieren (ganz im Gegensatz zu meinem anderen Hobby Modellflug, wo alle drei Flüge ein neuer Flieger fällig wird).


    Jeden Tag aber einen Euro in mein Hobby zu stecken um den Anfangsinvest und den Rest der laufenden Kosten zu decken, ist für mich völlig in Ordnung.


    Damit wurde der thread mit der allerersten Antwort vollumfänglich beantwortet! Spitze, danke!


    Viele Grüße
    Pisolo

  • Hallo,


    die Überlegung ist ja berechtigt, aber die Rechnung, wie sie hier aufgestellt wurde, ist ja nicht mehr als Theorie.


    Die Arbeitsmittel wie Smoker, Beuten usw. kann man gut rechnen und muss man auch.


    Wenn man aber angfängt für das überstreifen des Schleiers eine Minute, Dach entfernen/aufsetzen, Beute versetzen???, Ableger erstellen, Smoker anzünden,....


    Man kann alles auf die Spitze treiben. Ich weis nie, welche Arbeiten bei einem Besuch im Deteil anfallen, das kann man einfach nicht berechnen.
    Die Liste ist ein netter Überblick, aber auch irgendwie drollig.


    Trotzdem danke für den Link.

  • :p_flower01:Bernhard für die Berechnung zur Orientierung.:liebe002:


    Super wäre ja eine Art Exceltabelle, in die Jeder zum Durchspielen verschiedener Möglichkeiten seine individuellen Daten eintragen kann. Die können für Stundenlohn oder Ertrag/Volk, Arbeitszeit/Volk usw. sehr unterschiedlich sein.



    sehr dünne Decke, die durch Ausgaben für Bücher, imkerliche Spielzeuge usw. schnell verbraucht sind

    Je weniger Völker, desto höher der Anteil pro Volk.



    Erlernen der Imkerei...kostet am meisten...Verluste

    Lernen bei (Neben)Erwerbsimkern oder/und Start mit geringer, aber für ernsthafte Erfahrungen ausreichend großer, Volkszahl (mind. 10 - 30), hilft Überblick zu behalten. Wenn die locker gemanagt werden, dann Sprung in die Selbstständigkeit mit X Völkern.



    Wirtschaftlich gesehen, startet man am besten in der gewünschten Größe der Imkerei - hier z.B. mit 100 Völkern. ..Von 100 Völkern kannst Du keine Familie ernähren, so viel ist sicher.


    Grober Richtwert für die Mindestanzahl ist für mich 200 Völker.
    Ab wieviel Völkern kommst Du mit Deinen Daten beim Vollerwerb an ?




    Wenn man aber angfängt für das überstreifen des Schleiers eine Minute, Dach entfernen/aufsetzen, Beute versetzen???, Ableger erstellen, Smoker anzünden...
    Ich weis nie, welche Arbeiten bei einem Besuch im Deteil anfallen, das kann man einfach nicht berechnen.

    Nützlich zur Einschätzung der Arbeitszeit ist es auf jeden Fall.
    Du kannst ja auch die Gesamtarbeitszeit pro Stand bei den verschiedenen Arbeiten im Saisonverlauf (Frühjahrsdurchsicht, Schwarmkontrolle, Ernte, Auffütterung usw.) messen und mit dem Durchschnitt durch alle Stände die Zeit pro Volk berechnen. Bei ungefähr gleich großen Ständen wahrscheinlich am genauesten.



    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Die Exceltabelle lade ich hoch, zum Runterladen. Dann kann jeder selbst rechnen. Ist nur als Orientierung gedacht. Ich denke, daß die Rechnerei verdeutlicht, daß es teuer werden kann.


    Und: Daß einfache Konstruktionen und Betriebsweisen für kleinere Imkereien durchaus ihre Berechtigung haben.


    Gruß
    Bernhard

  • einfache Konstruktionen und Betriebsweisen für kleinere Imkereien durchaus ihre Berechtigung haben.

    Hast Du dass schon gegenübergestellt ?

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Also ich habe das mit einer Honigkasse versucht - alles was an laufenden Kosten (Futter, Gläser usw.) raus muss kommt da raus und Einnahmen aus dem Honigverkauf da rein. Das ist, wie ich finde, besser als jede Tabelle & Co. zumindest wenn man den Kram schon hat und eine Weile nutzt. Könnte da nun rückwirkend rechnen aber was nützt mir das nun? Zudem muss man das immer sehr individuell anpassen - jeder kauft anders ein, benutzt anderes Zeug...muss man alles reinrechnen, ggf. in alten Belegen wühlen. Auch die Lebenszeit mancher Dinge ist ja sehr verschieden.


    Was man auch berücksichtigen muß: Diese Kleinimkerei ist ja noch steuerlich unberücksichtigt, rein netto. Also rechnet auf den Überschuß bitte noch Euren Steuersatz oben drauf und dann erst kann man gegen rechnen was das an "klassischem Einkommen" bedeutet...ist zumindest für den Vergleich wichtig und die Bewertung des Stundensatzes.
    Die Frage nach dem "Lohnen" ist auch etwas schwer zu beantworten denn irgendwann wird aus dem "Hobby" "Arbeit", die man eben nicht mehr so nebenbei schafft. Dann muss mann Abstriche in anderen Bereichen machen, ev. "Einkommensverluste" hinnehmen. Und man muß hinnehmen, dass das was einem vorher Spaß gemacht hat, womöglich nun langweilig, anstrengend oder sogar nervig wird. Das ist ein Preis, den man ab einer gewissen Größe "zahlen" muß..."lohnt" sich das?
    Allerdings hat eine gewisse Völkerzahl auch den Vorteil, dass man sich das "einfach nur mal so gucken" spart, man arbeitet effizienter und neigt weniger zum "Guckimkern" oder gar "Totgucken". Man ist auch eher bereit, mal ein Volk "aufzugeben"; also es z.B. zu vereinigen, anstatt nun krampfhaft (und unter viel Zeitaufwand) eine Königin rein zu bekommen. Das "Aus dem Vollen" schöpfen finde ich sehr angenehm.


    Ich habe mein persönliches Limit bei 20 Völkern ausgemacht; darüber wird es mir einfach zu viel Arbeit und kostet mich zuviel Spaß. Das muß man für sich rausfinden; ist ja auch eine Frage des Platzes und der Zeit....


    Richtig "lohnen" tut es sich aber eigentlich immer noch nicht; ich müßte mit weniger als 60 Arbeitsstunden im Jahr die Völker betreuen, Einfüttern, Honig schleudern, Honig pflegen, abfüllen und verkaufen, Waben einschmelzen, Beuten streichen, Rähmchen vorbereiten, und, und, und damit das in etwa aufgeht - das langt vorn und hinten nicht.


    Aber macht Freude...


    Melanie

  • So,


    jetzt habe ich die PDF-Dateien mal spielbar gemacht (Finereader -> Excel).
    Einige Preise sind scheinbar nicht von hier. Um die Zahlen passend zu machen musste ich:
    das kg Propolis für 250 Euro verkaufen
    für 1 kg Wachs 10 Euro bekommen
    und für einen Ableger 40 Euro
    das passt hier nicht; ne Liter-Flasche Met kriege ich auch nicht für 4 Euro.
    Wie die Zeiten und Materialkosten angesetzt sind habe ich noch nicht durchgesehen, einen Stundenlohn von 17 Euro würde ich mir auch nicht ansetzen, entweder 5 Euro oder 35 Euro.
    Mal abgesehen davon dass ich kein Propolis verkaufe und auch keinen Met herstelle bin ich sehr gespannt wie denn jetzt meine Rechnung aussieht. Mein Gott, ich imkere schon seit über 30 Jahren mit 5 bis 10 Völkern und habe mir noch nie eine solche detailierte Aufstellung gemacht. Ein schönes Spielzeug. Danke


    Alois

  • Hallo,
    ich habe von Anfang an alle Ausgaben (und Einnahmen) aufgelistet. Das ergibt ein realistisches Bild. Ohne das verliert man schnell den Überblick über die Kosten.
    Ferner habe ich einen hypothetischen Business-Plan aufgestellt, jedoch kann ich nicht alle Kosten richtig einschätzen. Ausgehend von 10 Völkern und einer Verdoppelung der Völkerzahl bis zu 100 Völkern rechnet sich die Geschichte nach 5 Jahren.
    Der größte Einzelposten ist die Anschaffung eines imkergerechten Autos.
    Anders als Bernhard bin ich der Meinung, dass ein schrittweiser Aufbau besser ist, weil man nach geeigneten Standorten suchen muss (und, wie Bernhard sagte, Erfahrung benötigt). Geeignete Standorte für 100 Völker auf einen Schlag zu finden, stelle ich mir schwierig vor.
    Auf der Einnahmenseite ist viel machbar. Hier könnte man noch eine Menge Fantasie walten lassen. Es geht weit über den Honigverkauf hinaus.
    Viele Grüße
    apirita

  • Hallo


    wenn ich die Stunde mit 17 Euro berechnen würde, käme bei mir immer Null Gewinn raus. Ich mache das die letzten Jahre wie Melanie, mit der Honigkasse und es bleibt noch was übrig. 8-10 Völker sind der Richtwert, wo es sich dann etwas rechnet und manche Jahre verrechnet man sich ganz schön.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo !


    Die Hessen haben es mal wieder:


    925 - Grundlegende Überlegungen zur Buchführung in Imkereien


    932 - Erzeugungskosten für 1kg Honig



    der Einfachheit einfach die Übersicht:


    LLH Fachinformationen 09



    Am Bieneninstitut Kirchhain bietet man auch in regelmäßigen Abständen Kurse zum Thema an:
    z.B.:
    "Imkerei lohnt sich"
    "Vermarktung und Steuern"



    Gruß
    der Bienen
    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.