Anfangsstreifen oder Mittelwände?

  • Hat jemand fundierte Vergleichsdaten zur Frage:


    Keine Mittelwände, sondern Anfangsstreifen in den Honigräumen


    Frage: Die Bienen müssen hier ja erheblich Energie aufwenden, um zu bauen. Hat das Auswirkungen auf Ertrag des Honiges und auf die Zeitdauer, die für den Eintrag des Honiges benötigt wird?

  • Die Bienen müssen hier ja erheblich Energie aufwenden, um zu bauen. Hat das Auswirkungen auf Ertrag des Honiges [...]?


    Hallo,


    fundierte Daten habe ich leider nicht, nur das was ich aus der Imkerliteratur habe:


    - Die herstellung 1 kg Bienenwachses "verschlingt" ca 5kg Honig, weil dazu viel Energie verbraucht wird.


    deswegen "müsste" man möglichst mit ausgebauten Honigrähmchen arbeiten, dann hat man am "Ende" genau diese 5kg Honig mehr in der Schleuder.


    Aber:


    Das Ausbauen des Honigraumes beschäftigt sehr viele (Jung-)bienen, gerade in der aufkommenden Schwarmzeit. Dadurch wird das Schwarmverhalten verzögert. Es herrscht viel länger höchster Sammeleifer, der mit Beginn des Schwarmtriebes verringert würde.
    Somit tragen die Bienen viel mehr Nektar ein. Zur Haupttrachtzeit sind 5kg Honig in 1-2 Tagen gesammelt.
    Also ist das alles (meiner Meinung nach) eher eine Milchmädchenrechnung, ob nun Mittelwände, Leerwaben oder Anfangsstreifen besser sind


    Fundierte Vergleichsdaten wird man schwer ermitteln können, da ein Bienenvolk nicht wie das andere ist.


    Ich werde nächstes Jahr im honigraum 4-5 Mittelwände und den Rest Anfangsstreifen geben, damit die Bienen erst schnell Platz schaffen können die MW, damit Bautrieb genutzt werden kann die Streifen.



    Stefan

  • Hallo


    bei Anfangsstreifen kann es passieren das die Bienen auch Drohnenbau herstellen. Ich würde, wenn schon nur die Hälfte der Zarge mit Anfangsstreifen ausrüsten, es ist auch gut möglich das die Bienen Wirrbau erstellen und das ist im HR, meist eine sehr klebrige Sache. Sonst ist das eine gute Sache für Kenner die Wabenhonig mögen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Werner, meine Naturbauversuche im Brutraum sind durchwachsen, aber gerade im HR funktioniert Naturbau tadellos. Vor allem mit Flachzargen und mehr als einem HR; den ersten HR mit ausgebauten Waben; im 2. HR nur noch mit Wachslinie; bei Tracht wird unten eingelagert und oben gebaut.

    Mit freundlichen Grüßen -- Traugott Streicher

  • Hallo Werner,


    ich hab mit ausschließlich Anfangstreifen im HR experimentiert, ich bin wieder davon abgekommen.


    Erstens:
    Ist bei mir die Tracht nicht so üppig, das ich mir das leisten kann, es geht schon einiges an Honig auf.


    Zweitens:
    Werden, wenn ausschließlich Anfangstr. gegeben werden, die Waben bei starker Tracht dicker ausgebaut als bei wenig Tracht. Da das Trachtangebot immer variiert, erhält man immer Waben, die in so dick sind, das sie in andere Waben rein reichen und andere Waben werden wieder extrem flach ausgebaut oder an einer Seite gar nicht gefüllt.


    Ist so kein Problem, wenn man diese Waben als Wachsproduktion sieht und nach der Ernte einschmilzt, wenn man aber welche aufheben möchte fürs nächste Jahr, dann ist das nicht so gut.


    @ Drops:

    Zitat

    Das Ausbauen des Honigraumes beschäftigt sehr viele (Jung-)bienen, gerade in der aufkommenden Schwarmzeit. Dadurch wird das Schwarmverhalten verzögert. Es herrscht viel länger höchster Sammeleifer, der mit Beginn des Schwarmtriebes verringert würde.
    Somit tragen die Bienen viel mehr Nektar ein. Zur Haupttrachtzeit sind 5kg Honig in 1-2 Tagen gesammelt.
    Also ist das alles (meiner Meinung nach) eher eine Milchmädchenrechnung, ob nun Mittelwände, Leerwaben oder Anfangsstreifen besser sind


    Fundierte Vergleichsdaten wird man schwer ermitteln können, da ein Bienenvolk nicht wie das andere ist.


    Ich werde nächstes Jahr im honigraum 4-5 Mittelwände und den Rest Anfangsstreifen geben, damit die Bienen erst schnell Platz schaffen können die MW, damit Bautrieb genutzt werden kann die Streifen.


    Ähnlich sehen auch meine Erfahrungen aus. Ich gebe inzwischen in die erste (Halb) Zarge ausgebaute Waben, wenn ich genug davon habe, in die zweite (Halb) Zarge dann MW und in die Mitte davon 4 Anfangstreifen. So wird, wenn die Anfangstreifen nicht so schön ausgebaut werden, diese durch die angrenzenden MW begrenzt. Je mehr Anfangstreifen, umso größer ist die Gefahr, das Waben ineinander gebaut werden.


    @ Drobi:

    Zitat

    bei Anfangsstreifen kann es passieren das die Bienen auch Drohnenbau herstellen.
    ...es ist auch gut möglich das die Bienen Wirrbau erstellen und das ist im HR, meist eine sehr klebrige Sache.


    Sie bauen sogar mit Sicherheit einen großen Teil der Zellen als große Zellen aus. Das muss man in Kauf nehmen und ist in der Regel auch nur für MW Imker ein Problem. Ist aber für mich kein Problem, denn zum Erweitern gibt es andere Möglichkeiten, als HRW zu verwenden. Das ist meiner Meinung nach überholt.


    Wirrbau wird man nicht haben, wenn die Anfangstreifen groß genug sind, denn dazu gibt man diese ja. Wirrbau werde ich nur bekommen, wenn ich KEINE Anfangstreifen gebe.


    Ich hatte in den Jahren seit ich NB (im HR und BR) betreibe noch nie Wirrbau. Manche Waben wurden bei meinen Experimenten ineinander bebaut, nie aber mit Anfangstreifen.

  • Noch was vergessen:


    Es ist auch nicht unproblematisch, wenn mit nur Anfangstreifen erweitert wird, da die Annahme des Raumes länger dauert als mit ausgebauten oder MW, einfach weil die Steighilfe fehlt. Ganz besonders bei ganzen HR.


    Noch schwieriger wird es, wenn ein ASG gegeben wird.


    Darum wird bei mir ausschließlich ohne ASG erweitert und wenn einzelne Waben im HR bestiftet sind, lege ich das Gitter ein. So bleiben die Bienen dann oben und ich schneide nach dem Auslaufen und Schleudern die bebrüteten Teile aus.
    Meist sind das nur sehr kleine Teile der Wabe.

  • Kommt aber auch bestimmt auf das Trachtangebot an. Wenn die Bienen zu lange mit dem bauen beschäftigt sind, kann die Tracht schon vorbei sein und der Honigertrag wesentlich geringer ausfallen.


    Uwe


    Quatsch. Nachts wird nicht gesammelt, sondern gebaut.
    Im Ernst: Sammlerinnen sind keine Baubienen.

  • Walter Wright - bekannt durch das Nektarmanagement - hat die Angelegenheit mit dem Bauwillen treffend in einem Artikel niedergeschrieben, den ich hier ins Deutsche übersetzt habe: Über das Alter eines Bienenvolkes und die Wirkungen. Siehe: http://www.immenfreunde.de/docs/AlterBienenVolk.pdf


    Wenn Du dich an dem Alter des Volkes orientierst und "im" Brutnest, anstatt außerhalb arbeitest, kannst Du sie gut zum Bauen animieren. Jederzeit. (Außer im Winter. :wink:)


    Gruß
    Bernhard