Extremer Milbenfall nach fortschreitendem Brutauslauf im Oktober

  • Ich habe seit Juni immer so um den 20. des Monats Milbenkontrollen bei allen Völkern (über 50) mit der Windel durchgeführt. In den Monaten Juni, Juli und August fielen kaum Milben, hier und da mal eine je Tag, ansonsten meist keine. Auch im September fielen nur einige Milben in den Völkern, welche keine Brutunterbrechung hatten. Ansonsten sah alles nach wie vor toll aus. Die Wirtschaftsvölker hatten lediglich Ende Juli eine AS - Behandlung mit dem Liebigdispenser und die Ableger nur 2x Milchsäure im Mai erhalten. Jetzt am 20. Oktober kam der Schock. Ca. 15% der Völker hatten 10-20 Milben pro Tag und einige davon sogar 50 und darüber. Die Völker sehen allerdings trotzdem sehr stark und keinesfalls krank aus.
    Jetzt kommt meine Theorie und gleichzeitig Anfrage: letztes Jahr war es ähnlich und sofort wurde 85% AS eingesetzt. Die Völker kamen alle aus dem Winter teils sehr stark, teils schwächer aber unter 30 kg Honig lag keines, welches nicht abgeschwärmt war. Ich vertrete jetzt die Auffassung, dass auf den Bienen tatsächlich bis Ende September kaum Milben waren, die späte Brut aber war voll davon. Jetzt gehen die Völker seit 4 Wochen Zug um Zug aus der Brut und die Milben fallen, weil sie keine frischen Brutzellen mehr finden. Vielleicht ist das Ende Otober sogar etwas Normales? Könnt Ihr mir hier bitte Antworten?



    herzlichste Grüße aus Sachsen mit 15 cm Schnee



    Karli

  • .... Jetzt gehen die Völker seit 4 Wochen Zug um Zug aus der Brut und die Milben fallen, weil sie keine frischen Brutzellen mehr finden. Vielleicht ist das Ende Otober sogar etwas Normales?


    ... so zumindest sieht es aus.


    Man bekommt einen Eindruck, wieviele Milben sich in der Brut befinden. Und man kann hochrechnenen, wieviele Bienen Schäden durch Milben in ihrer Larvenzeit davon getragen haben. Da brauch man sich nicht wundern, dass massiv milben-befallene Völker nicht über den Winter kommen.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Karli


    ich würde den Milbenfall als noch vertretbar ansehen, eine OS-behandlung (Träufelung) ist aber notwendig. Ich werde diese sobald als möglich durchführen.
    Nach meinen Erfahrungen brechen Völker nach dem 3.Jahr, bei unzureichender Behandlung zusammen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Hallo Luxnigra, Wndergesell und Reinhard, vielen herzlichen Dank für Eure schnelle Reaktion. Die Antworten helfen mir sehr. Die Oxalsäurebehandlung werde ich auch bei den per Windelkontrolle nicht befallenen Völkern durchführen. Ärgerlich ist für mich jedoch der Umstand, dass die Windelkontrollen der letzten Monate keinen Befund aufwiesen, der Befall aber vorhanden gewesen sein musste. Ist die Windelkontrolle in der Zeit, in welcher sich die überwiegende Menge der Milben in der Brut befindet, überhaupt repräsentativ? Ich glaube nicht mehr daran. Ein systematisches Pauschalbehandeln aller Völker mit AS Kurzzeit und im August / September dann noch eine Langzeitbehandlung ohne erkennbare Milbenbelastung kann doch auch keine Lösung sein. Zusammenfassend stelle ich fest, dass die Ergebnisse der Windelkontrollen Juli, August und September mit Vorsicht zu betrachten sind. Puderzucker habe ich noch nicht probiert.


    Herzlichst aus dem saukalten Sachsen


    Karli

  • Ein systematisches Pauschalbehandeln aller Völker mit AS Kurzzeit und im August / September dann noch eine Langzeitbehandlung ohne erkennbare Milbenbelastung kann doch auch keine Lösung sein.
    Karli


    Wegen der vorherigen Feststellung ist es doch die einzige Lösung. (M.E.: OS im Winter ist ebenfalls notwendig). Es sei denn, du willst durch das Tal der Tränen gehen.

  • Hi,


    du hast >50 Völker und in allen (die du kontrollierst) reichlich Milben.


    Reinvasion: gerne immer wieder benutzt; ich kenne die Zahlenspiele diverser Studierter die uns das immer und immer wieder erzählen, vielleicht glauben sie es selber. Ich frage mich wo die vielen Varroa herkommen ? Von Außen? So viele zusammenbrechende Völker gibts doch gar nicht. Nur weil keiner zugeben will, dass die ganze Behandlung nach "Varroa unter Kontrolle" etc. zu sehr von der Witterung abhängig ist und nicht richtig funktioniert und jetzt deine Varroa aus deiner Brut raus müssen weil keine Brut mehr da ist.
    Bleibt nur abzuwarten bis alle Brut ausgelaufen ist, oder wenn mal noch ein warmer Tag kommt die Restbrut ausschneiden, und dann träufeln. Außer du lebst in Ch oder Ö und darfst verdampfen, das greift jetzt noch.


    Alois

  • Hallo Brummerchen, es handelt sich hier um ein kleines Mißverständnis, ich hatte an allen 50 Völkern die Messungen vorgenommen und an 15% dieser Völker traten eben jetzt so viele Milben auf. die anderen 85% sind auch im Oktober noch sauber. Im September hatten allerdings auch diese jetzt befallenen 15% der Völker noch keine Milben laut der Windelprüfung und nun im Oktober derart hohe Befallszahlen. Daraus resultieren jetzt meine Zweifel an der Messung mit der Windel. Ich tendiere für nächstes Jahr zum Vorschlag von Luxnigra (siehe oben) und fahre das volle Programm. Evtl. auch mit Brutscheune und so weiter. Das ist aber sehr arbeitsintensiv. Ansnsten geht es mir mit den Bienen insgesamt nicht schlecht, weil ich jährlich ca. ein Drittel Jungvölker bilde mit Umlarven und Sammelbrutablegern und Milchsäurebehandlung und so weiter. Da lasse ich auch nichts anbrennen. Werde diesen Anteil erhöhen. Die auserwählten und geeigneten Wirtschaftsvölker werden dann mit 2x AS und nach Brutauslauf OS behandelt, egal was die Windelprobe ergibt. Die Windelproben mach ich trotzdem weiter, da der afwand dafür sehr gering ist.


    Herzlichst an Euch alle aus Sachsen


    Karli

  • Hallo Karli,


    bei mir gibt es neben Völkern mit sehr geringen Milbenfall auch 3e mit einem Milbenfall von 10...15. Ich würde das damit erklären, daß bei denen die vorherigen Behandlungen irgendwie nicht richtig gewirkt haben.
    Trozdem finde ich Deine Ausgangsthese nachdenkenswert. -> Die plötzlich hohen Fallzahlen haben sicher mit der Brutfreiheit zu tun!


    Das mit dem Behandeln "egal was die Windelprobe ergibt" wird nicht den gewünschten Erfolg bringen....


    Gruß Jörg

  • Hallo Jörg, vielen Dank für Deine Darstellung. 'egal was die Windelprobe ergibt' ist bitte nicht ganz so wörtlich zu nehmen, aber Luxnigra s. o. hat sicher irgendwo recht.


    Gruß


    Karli

  • Naja, wer weiß, wie er das meinte.


    Mit mehrmaligen pauschalen AS-Behandlungen wäre ich vorsichtig, mit Bienenwohl (etc.) im Winter sieht es nicht besser aus.


    Ich grüble gerade, ob ich aus den Milbenzählungen dieser Saison vielleicht ein (für mich u. meine Bienen) passendes Behandlungskonzept ableiten könnte.


    Bsp.:
    - "alte" Vollvölker - TBE (komplett) im Juli mit 1 o. 2x Fangwabe (alternativ MS/OS) -> Ende Aug./Anfgang Sept. Thymol -> Winterbehandlung OS-geträufelt
    - 1-jährige Vollvölker - AS-180ml klassisch im Juli -> Ende Aug./Anfgang Sept. Thymol -> Winterbehandlung OS-geträufelt
    - Ableger/Jungvölker etc. -> Ende Aug./Anfgang Sept. Thymol -> Winterbehandlung OS-geträufelt


    Neu wäre bei mir die Thymolsache. Damit hat ein Kollege gute Erfolge. Vielleicht noch in Kombination mit einem Rohrboden o.ä.


    Das mit den niedrigen Milbenzahlen im Juli und den Massen im September hat mir auch erschreckt.


    Gruß Jörg

  • Das mit den niedrigen Milbenzahlen im Juli und den Massen im September hat mir auch erschreckt.


    Gruß Jörg



    Im Juli sind die Milben auf vielmehr Brut und vielmehr Bienen verteilt, sie vermehren sich weiter während Brut und Bienenzahl zurückgeht, aber das weißt du doch alles, was ist also erschreckend wenn es bekannt ist wie ein alter Hut ?


    Exponentielles Wachstum ist erschreckend, falls du das meinst stimme ich dir zu. :)


    lg

    "One of nature's biggest forces is exponential growth" (A.Einstein)