Selber züchten?

  • Hallo Zusammen,


    ich habe mich gefragt, inwieweit ist es möglich für einen Hobbyimker mit vielleicht 20 Völkern, autark über eigene Zucht gute Erträge und schwarmträge, sanftmütige Bienen zu züchten? Machen das hier viele, oder ist die Regel, dass man sich einfach eine belegstellenbegattete Zuchtkönigin bestellt und dann maximal eine Generation nachzüchtet?


    Viele Grüße,
    Jan

  • Hi JCD,


    ich kenne leider deine Situation in der Schweiz in Bezug auf Belegstellen nicht. Aber bei 20 Völkern sollte doch eines dabei sein, von dem du selbst nachziehen kannst. Damit kannst du zumindest für die Mutterseite auf deine eigenen Bienen zurückgreifen. Für die Vaterseite bist du bei 20 Völkern vermutlich auf eine Belegstelle angewiesen. Damit du eine solche geplant nutzen kannst, reicht es, eine Zuchtreihe beispielsweise im Sammelbrutableger anzusetzen. Die jungen Königinnen in kleine Begattungseinheiten einzuweiseln und diese dann zur nächsten Belegstelle zu bringen. 14 Tage später holst du die Völkchen wieder ab und weiselst sie in größere Einheiten ein. Wenn dir die Nachzucht aus nur einem Volk zu riskant ist, nimmst du deine besten beiden Völker als Zuchtmutter.
    Aber Versuch macht klug. Du kannst auch versuchen über Standbegattung zu arbeiten. Dann bietet sich die Völkervermehrung in 4 Schritten nach Liebig an. Liebig arbeitet mit Zander, aber es sollte problemlos möglich sein, dieses Verfahren mit den meisten anderen Magazintypen zu adaptieren. Hier hast du den Vorteil, dass das Ein- und Umweiseln entfällt, da die Begattungsvölkchen sofort auf Standmaß gebildet werden und von dort aus als Jungvolk weitergeführt werden. Wie lange (also wieviele Generationen) das "gut geht", hängt von vielen Faktoren ab. Hast du Glück bei der Wahl der Zuchtmütter? Helfen dir deine Nachbarn mit, indem diese selbst darauf achten, nur von ertragsstarken, schwarmträgen und sanftmütigen Bienen nachzuziehen? Ein bischen kannst du noch durch Drohnenschneiden - bei den unterdurchschnittlichen Völkern, die Vaterseite beeinflussen. Aber auch bei 20 Völkern wirst du die Lufthoheit selbst kaum erringen können. Dazu wandern Drohnen zu weit.
    Die Vaterseite ist auch der Grund, warum alle Antworten der Art - bei mir funktioniert Standbegattung, bei mir funktioniert Standbegattung nicht, dir letztlich nicht helfen werden. Es kommt hierbei halt sehr stark auf die Nachbarbienen an.
    Ein wenig den Zufall ausschalten kannst du noch, wenn du wesentlich mehr Jungvölker bildest, als du für dich selbst eigentich brauchst. Du kannst dann bereits vor der Einwinterung selektieren, welche der Völkchen sich gut entwickelt haben. Über Sanftmut und Schwarmträgheit erhälst du hierbei allerdings keine Informationen, da solch junge Einheiten nunmal nicht schwärmen und auch selten sonderlich aggressiv sind.


    viel Erfolg
    Ludger

  • Hallo Ludger,


    danke für Deine Infos! Ich bin ja auch schon 3 Jahre am Lesen und verfolge hier das Forum, wie das alles grundsätzlich funktioniert weiss ich also schon, habe dieses Jahr auch erfolgreich aus meinen gekauften Reinzuchtmüttern nachgezogen. Mein Imkervater hier in der Schweiz macht es mit 50 Völkern so wie Du schreibst, mit den eigenen Königinnen zur Belegstelle. Mich hat einfach interessiert, inwieweit es möglich ist, als Kleinimker überhaupt ohne Belegstelle effektiv zu arbeiten. Kommen da nach kurzer Zeit nur aggressive, schwarmfreudige Bienen raus, oder schaffen es manche trotzdem, gute Bienen zu haben (wenn auch vielleicht nicht die Turbo-Völker).


    Viele Grüße,
    Jan

  • Zitat

    In diesem Zusammenhang war ich erstaunt und erfreut, von F. Ruttner einen Satz zu hören, den er anlässlich einer Züchtertagung aussprach: Er, Ruttner, wisse nicht, wie viele von uns die gleiche Erfahrung gemacht hätten, die ihm aus mehreren Fällen vertraut sei. Wenn man zu einem Imker komme, der Königinnenzucht betreibe und einen größeren Stand habe, sagen wir mindestens 40 Völker, und der schon seit Jahrzehnten arbeite, ohne von außen Königinnen zu holen, ohne eine Belegstelle zu benutzen, aber der ein geschickter Imker sei, da werde es uns verdammt schwerfallen, aus unseren berühmten Zuchtlinien, hießen sie nun 07 oder hießen sie Peschetz oder wie auch immer, ihm etwas zu geben, was besser sei als sein eigenes Material.
    Er habe das ein paarmal schon gesehen. Das käme eben daher: Die Biene, die jener am Stand habe, die wäre angepaßt an seine Trachtlage und angepaßt seine Betriebsweise. Jener habe ja auch andere Beuten, und er habe sich ein anderes System zurechtgelegt. Das wäre dann ein lokaler Typ, den er sich ausgelesen habe.


    Wolfgang Golz: Die Standbegattung, Grundlage der Zuchtauslese der Biene. 1985, S. 30


    Nicht zu vergessen: wirkungsvoller wird das ganze wenn andere Imker in der direkten Umgebung mitmachen oder Kös von Dir /Euch bekommen.


    viele Grüße
    Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • :lol::daumen: Ich hätte jetzt auch den Golz rausgeholt.


    Irgendwie denkt ihr alle immer, ein Bienenstand sei von einem imaginären Schutzschirm umgeben - hey, die DROHNEN wandern!
    Und die Königinnen fliegen im Schnitt auch 20-30min aus - das ist ein ziemlich großer Flugkreis...


    Man kann ziemlich gut rein lokal selektieren, dafür braucht es aber ein paar Jahre Übung, um in seinem eigenen Urteil sicher zu werden.


    Oft versaut das Wetter eine objektive Beurteilung - manche Bienen sind da wetterfester als andere, oder ständige Störungen machen einen Stand "griffig" (ich hatte einen im Wald, der immer fieser wurde - Wildschweine rumpelten nachts an den Paletten rum, sagte mir der Jagdpächter später :lol: Klar, wo's auf fast Bodennähe nach Honig riecht...- seitdem hab ich keine Paletten mehr :wink:)

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Jan,


    Zitat

    Mich hat einfach interessiert, inwieweit es möglich ist, als Kleinimker überhaupt ohne Belegstelle effektiv zu arbeiten.


    Die Antwort darauf kann ich dir leider nicht geben. Wie schon erwähnt, kommt das zu stark auf deine Nachbarschaft an. Mit einem Nachbarn wie deinem Imkervater stehen die Chancen sicherlich schon etwas besser, als ohne einen züchtenden Nachbarn. Aber noch sicherer wird es sein, wenn du dich mit deinem Imkervater zusammenschließt und die Fahrt zur Belegstelle gemeinsam organisierst. Ein oder Zwei Träger mit EWK, oder Gestelle mit MWK finden sicherlich bei ihm im Kofferraum noch Platz. Wenn ihr euch dann die Fahrten noch aufteilt, bleibt der Aufwand für beide im Rahmen. (Einer bringt die Völkchen, einer holt sie ab) Vielleicht finden sich ja sogar noch andere Nachbarimker, die sich an solchen Transporten - und durch Umlage an den Fahrtkosten beteiligen würden.


    Wenn ihr dann gemeinsam an eurer eigenen Biene züchtet, stehen die Chancen ganz gut, dass ihr euch zumindest für die Wirtschaftsköniginnen auf Standbegattung verlassen könnt.


    Gruß
    Ludger

  • Pia Aumeier empfiehlt in ihren Lehrgängen regelmässig den Hobbyimkern, selber die Königinnen nachzuziehen. Sie selber hat nach meiner Ansicht extrem friedfertige Bienen, und sie nutzt keine Belegstellen, sondern arbeitet mit Standbegattung.

  • Guten Morgen Ludger, Sabi(e)ne, Molle und Chris,


    danke für Eure Antworten. Das mit den Paletten ist ein guter Tip, da ich gerade einen Stand im Wald machen möchte. Ansonsten muss ich es vermutlich einfach ausprobieren und schauen, wie meine Nachbarschaft drohnenmässig so ist. Im Flugkreis meiner Königin gibt es mindestens ein paar Duzend Kleinimker mit einem Landrasse, Buckfast, Canica, Dunkle-Biene-Mix. Ligustica gibt es auch ein paar. Also alle Gene dabei für eine effektive Zucht ;)


    Viele Grüße,
    Jan

  • Hallo Omni,


    ich habe die Bienen von Frau Aumeier selbst gesehen/erlebt. Natürlich habe ich nur ihren Vorfürstand gesehen, aber was diesen Stand angeht, hast du vollkommen recht. Die Bienen waren absolut pflegeleicht. Allerdings hat Frau Aumeier auch ein paar Völker mehr aus denen sie selektieren kann. Sie verteilt ihre Bienen durch ihre Kurse außerdem noch weiter in die Umgebung, wodurch genau der Einfluß auf ihre Umgebung aufgebaut wird, der eine Zucht in offener Population erfolgversprechend macht.
    Das ist eine ganz andere Ausgangssituation, wenn einige 100 Völker für die Zuchtarbeit zur Verfügung stehen, als wenn 20 oder meinetwegen 70 Völker unter einheitlicher Pflege stehen.


    Gruß
    Ludger

  • Sie hat soweit ich weiß irgendwas um 150 Völker, und vermutlich hat sie ihren Ursprungsstamm von Gerd Liebig. Wie lange sie ohne Neuerwerb (zählen Schwärme dann auch dazu?) diese Bienen züchtet, kann ich allerdings nicht sagen.
    Ich habe selber auch einen Ableger von Ihr, und die sind wirklich friedlich.

  • Ich habe 7-10 Völker und halte es nicht für sinnvoll, mit einem solchen Bestand zu züchten. Ich mache es so:
    Ich fahre zum nächsten anerkannten Züchter, bei mir das LIB Hohen-Neuendorf mit 300 Völkern, und hole mir Larven, aus denen ich meine Königinnen ziehe. Kostenpunkt 0,25€/Larve. Diese lasse ich an meinem Stand begatten und ich ziehe nicht von diesen Königinnen nach.
    So habe ich mit geringem Kostenaufwand immer Königinnen, die von einer leistungsgeprüften Königin aus einem großen Bestand abstammen.
    Und übrigens:

    Und die Königinnen fliegen im Schnitt auch 20-30min aus - das ist ein ziemlich großer Flugkreis...


    An meinem Stand ist das anders. Ich konnte in diesem Jahr fast alle Begattungsflüge der Königinnen verfolgen. Keine brauchte länge als 10min. Bei manchen hatte ich den Eindruck, dass sie nur eine große Runde über dem Stand drehten und dann wieder heimkamen. Die Begattungsflüge fanden während der allgemeinen Vorspielflüge statt, an denen auch viele Drohnen teilnahmen. Ich vermute, dass die Königinnen direkt am Stand begattet wurden. Dem entsprechend war auch das Begattungsergebnis: 100%. Ich habe aber generell auch gewollt sehr viele Drohnen in den Völkern.


    Gruß Ralph

  • Wer sich mit Bienezucht beschäftigt sollte sich vorher erkundigen wie das so ist, was Zucht bedeutet, insbesondere die Bienenzucht ist noch viel komplizierter als alle anderen Arten von Zucht die wir kennen.
    Je mehr der Drohn sich mit dem Thema Bienenzucht, auch pseudo-wissentschaftlich beschäftigt, ums so mehr erkennt der Drohn, dass Zucht einer Honigbiene nahe zu reine Glückssache ist.
    Was allerdings funktioniert ist eine Selektion auf Mutterlinie, dies würde der Drohn aber nicht als klassische Zucht sehen.
    Jede Auswahl der Vater und Muttertiere in der Bienenzucht ist immer subjektiv, tja, liebe Züchter wie im richtigen Leben ist der Unsicherheitsfaktor der Drohn.


    Bei den Bienen hat Jahrmillionen sich nur der Überlebende weiter vermehren können, und so ist es noch Heute:cool:


    Der Drohn der von sich weiß dass er nie Züchter wird sein können, wegen der Vererbungslehre und der Genetik bei den Bienen, was allerdings nicht ausschließt, dass der Drohn ein guter Vermehrer sein kann:daumen:


    Der
    Drohn