30-Völker-Grenze bei der Besteuerung

  • Liebe Steuerexpert/inn/en unter den Imker/inne/n,


    ich suche verzweifelt nach einer Verwaltungsanweisung der Finanzbehörden zu der verbreiteten Ansicht, dass die Imkerei erst von 30 Bienenvölkern an aufwärts steuerlich zu bewerten ist.
    Die Datenbanken (Juris usf.) liefern dazu nichts. Hat irgendjemand einen konkreten Hinweis oder eine verbindliche Aussage eines Finanzamtes im eigenen Fall?


    Vielen Dank und beste Grüße
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Im NWB-Verlag findet sich kein Artikel, der konkret auf die 30 Völker-Grenze eingeht. Als Anhaltspunkt kann ich Dir nur folgendes an die Hand geben:



    Dieser Text stammt wohl aus einer Verfügung der OFD Münster v. 27.07.1998. Des Weiteren wird auf ein Erlass des Finanzministeriums vom 26.04.1972 bezug genommen. Vielleicht helfen Dir die Hinweise weiter?

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Liebe Steuerexpert/inn/en unter den Imker/inne/n,


    ich suche verzweifelt nach einer Verwaltungsanweisung der Finanzbehörden zu der verbreiteten Ansicht, dass die Imkerei erst von 30 Bienenvölkern an aufwärts steuerlich zu bewerten ist.
    Die Datenbanken (Juris usf.) liefern dazu nichts. Hat irgendjemand einen konkreten Hinweis oder eine verbindliche Aussage eines Finanzamtes im eigenen Fall?


    Vielen Dank und beste Grüße
    Wolfgang


    Hallo Wolfgang ,das Ganze hat nix mit der Völkerzahl zu tun ,sondern mit dem Umsatz . Bis 17500 € ist Urproduktion von der Steuer befreit und darüber musst du Zahlen . Aber ab 25 Völker und mehr bist Du sowiso Berufsimker und musst auch in die Berufsgenossenschaft einzahlen !


    Beitragspflicht zur Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft geändert.


    Der Rechtsbeirat des Deutschen Imkerbundes, RA K.-Werner Senger, unter- richtete den Vorstand und die Imkerfachzeitschriften mit folgendem Text über die Änderung des § 4 SGB VII betreffend Beitragspflicht zur Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft:


    Inzwischen hat der Gesetzgeber im Rahmen des „Gesetz zur Modernisierung des Rechts der landwirtschaftlichen Sozialversicherung (LSVMG)“, welches am 01.01.2008 in Kraft tritt, folgende Ergänzung zu § 4 Abs. 2 Nr. 2 beschlossen: „Ein Unternehmen der Imkerei gilt als nicht gewerbsmäßig betrieben, wenn nicht mehr als 25 Bienenvölker gehalten werden.“ Nach den „Informationen zum Gesetz zur Modernisierung des Rechts der landwirtschaftlichen Sozialversicherung (LSVMG)“ vom 30.11.2007 (Bundesministerium für Arbeit und Soziales/Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) wird dazu folgendes ausgeführt,


    Zitat:


    „Warum wurde die Grenze für die Versicherungspflicht zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung als Imker bei 25 Bienenvölkern festgelegt?
    Durch das LSVMG wird eine gesetzliche Definition für die Beurteilung des gewerbsmäßigen Betreibens einer Imkerei eingeführt. Dies dient der Verwaltungsvereinfachung und trägt einem Beschluss des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages Rechnung, nach dem Rechtssicherheit für die Grenzziehung zwischen gewerbsmäßig betriebenen Imkereien und Hobbyimkereien geschaffen werden soll. Außerdem wird dadurch eine bundesweit einheitliche Verfahrensweise sichergestellt, nach der zukünftig bei Imkereien mit mehr als 25 Bienenvölkern eine gewerbsmäßig betriebene Imkerei vorliegt. In diesen Fällen sind die Unternehmer sowie ihre im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner und im Unternehmen nicht nur vorübergehend mitarbeitenden Familienangehörigen versicherungspflichtig in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung. Die Grenze von 25 Bienenvölkern wurde nicht willkürlich festgelegt. Zum einen ist ab dieser Größe bei der Menge des erzeugten Honigs davon auszugehen, dass diese nicht mehr nur für den Privatverbrauch bestimmt ist, also ein größerer Teil verkauft wird. Außerdem besteht in der Alterssicherung der Landwirte eine Versicherungspflicht für Imker ab einer Grenze von 100 Bienenvölkern. Da bei einer Rentengewährung ein Rückbehalt von 25 % der Versicherungspflichtgrenze zulässig ist, besteht auch für ehemalige hauptberufliche Imker im Rentenalter mit dem zulässigen Rückbehalt von 25 Bienenvölkern keine Versicherungspflicht in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung.
    Welche Folgen hat diese neue Regelung zur Gewerbsmäßigkeit von Imkern für die im Unter-nehmen tätigen Menschen?
    Da bei einem Unterschreiten der Grenze der Gewerbsmäßigkeit ab 1. Januar 2008 keine Versicherungspflicht in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung mehr eintritt, entfällt nicht nur die Beitragszahlung an die Berufsgenossenschaft, sondern auch der Versicherungsschutz für den Unternehmer, seinen Ehegatten und die im Unternehmen tätigen mitarbeitenden Familienangehörigen. Viele, auch kleinere Imkereien waren es aber bisher gewohnt, über die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft abgesichert zu sein. Damit sie nicht zwangsweise künftig von der Möglichkeit ausgeschlossen sind, sich für das Arbeitsunfallrisiko bei ihrer landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zu versichern, besteht ab dem 1. Januar 2008 die Möglichkeit einer freiwilligen Versicherung. Den Imkern, die davon Gebrauch machen wollen, ist zu empfehlen, sich alsbald mit ihrer Berufsgenossenschaft in Verbindung zu setzen.
    Wie sind Helfer in Imkereien künftig versichert?
    Weitgehend ausgeschlossen vom Versicherungsschutz in der landwirtschaftlichen Unfallversicherung sind bereits nach geltendem Recht Helfer in nicht gewerbsmäßig betriebenen Imkereien. Neben den Unternehmern stehen deren im Unternehmen mitarbeitende Ehegatten oder Lebenspartner sowie Verwandte oder Verschwägerte bis zum 2. Grad oder Pflegekinder nicht unter dem Versicherungsschutz der landwirtschaftlichen Unfallversicherung, wenn sie unentgeltlich für die Imkerei tätig werden.
    Darüber hinaus wird durch das LSVMG der Versicherungsschutz für die Helfer weiter eingeschränkt. Auch in gewerbsmäßig betriebenen Imkereien stehen die vorübergehend unentgeltlich tätigen Familienangehörigen, die bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, künftig nicht mehr unter dem Versicherungsschutz.“


    Ende des Zitats.


    Damit ist nach langem Bemühen und einer wechselvollen Entwicklung der Streit mit der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft durch den Gesetzgeber entschieden, und es besteht für die Imker Rechtsklarheit, an der sich alle Beteiligten zu orientieren haben.
    RA K.-Werner Senger
    D.I.B.-Rechtsabteilung
    Bismarckstraße 4
    69469 Weinheim


    Gruß Josef

    Buckfast . 10 Völker . DNM Holzbeuten 13 ner Zargen . Dadant US Frankenbeute. Königinnenzüchter.

  • Es hatte schon einen Grund, warum ich nach Steuerexperten gefragt hatte.
    Also: Die 17.500 Euro sind die umsatzsteuerliche Kleinunternehmergrenze (§ 19 Umsatzsteuergesetz). Die spielt für mich keine Rolle, weil ich die Umsatzsteuer nach Durchschnittsätzen ermittelt werde und dann keine Steuer abgeführt werden muss (§ 25 Umsatzsteuergesetz). Das war auch nicht die Frage, mir ging es um die einkommensteuerliche Behandlung.


    Es war auch nicht nach der Berufsgenossenschaft -also der gesetzlichen Unfallsversicherung - gefragt, die hat eigene Untergrenzen.


    Imker, bleib bei deinen Rähmchen - oder wie man da sagt.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    ich habe beim NWB-Verlag, sowie im Internet gesucht, aber nicht die Richtlinien des Bundesministers der Finanzen zur Bewertung des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens vom 17. November 1967 gefunden. Dort soll wohl etwas zur Liebhaberei ab Absch. 7.19 stehen.


    @Bocholter, Du bringst USt mit ESt durcheinander und zu allem Überfluss bringst Du auch noch die gesetzliche Unfallversicherung ins Spiel, die mit Steuern - und das ist das Thema hier - gar nichts zu tun hat.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo,
    lies mal hier
    http://www.deutscherimkerbund.de/phpwcms_ftp/Steuer.pdf
    Datumsangaben auf Dokumenten würden manchmal nicht Schaden......
    und das Urteil
    BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 14.4.2011, IV B 57/10, unter
    http://www.bundesfinanzhof.de/…gen/entscheidungen-online


    war jemand zum Berufsimkertag auf dem Vortrag zu §13a und seinen Tücken.
    Welche Grenze gilt nun eigentlich, wenn man keine Flächen hat?

  • Hallo Thomas,
    der Text beim Imkerbund ist leider veraltet (weil er das genannten BFH-Urteil nicht berücksichtigt).
    In beiden findet sich auch leider keine Antwort auf meine Frage.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,
    bist Du sicher das der Text vom Imkerbund veraltet ist? Er ist ja aktuell auf der Homepage.
    Es steht dort als Auszug
    "Zuvor ist allerdings die Hürde der Bewertungsrichtlinien Land- und Forstwirtschaft zu überwinden. Gemäß Abschnitt 7.19 Abs. 2 Bewertungsrichtlinien erfolgt eine Bewertung der Imkerei erst ab 30 Völkern, weil erst ab dieser Nutzungsgröße der Ertrag den Aufwand übersteigt (Abschnitt 7.23 Abs. 1 Bewertungsrichtlinien)."
    Vielleicht gilt diese Regelung noch?


    Leider konnte ich nicht zum Berufsimkertag, viel zu weit weg. In Soltau zum Berufsimkertag wird es wieder einen Vortrag vom Imkersteuerberater geben. Leider werde ich wohl auch dort nicht hinkommen.

    Grüße aus Leipzig
    Thomas

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Thomasbienen () aus folgendem Grund: RS + Ergänzung

  • Hallo Thomas,
    dass der Text veraltet ist, ergibt sich aus dem Verweis auf § 13 EStG. Der BFH hat ja gerade die Pauschalierung für Imker ohne landwirtschaftliche Flächen ausgeschlossen. Der Imkerbund hat auch noch einen Mustereinspruch dazu auf der Website, der nach dem BFH-Urteil hinfällig ist.
    Rätsel geben mir auch die dort zitierten Bewertungsrichtlinien auf. Es gibt ein Bewertungsgesetz; eine Richtlinie dazu kann ich aber nirgendwo finden.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Unter http://www.deutscherimkerbund.…ms_ftp/aktuell2011-06.pdf findet sich immerhin der Hinweis auf fehlende Rechtsquellen:
    "Die Finanzverwaltung hat erkannt, dass Imkereien bis zu 30 Völkern keinen Gewinn erwirtschaften.
    Diese Grenze von 30 Völkern ist aber weder durch die Rechtsprechung noch durch Gesetz oder zitierfähige Verwaltungsanweisung
    festgelegt. Der Hinweis auf diese Grenze, die in einer Fachbesprechung gefunden wurde, hat aber bereits mehrfach zum Erfolg geführt."


    Ich habe auch etwas Zweifel. Mit 30 gut geführten Völkern kann man schon mal 1.000 kg Honig im Jahr ernten. Ob da das Finanzamt, wenn es die Verkaufserlöse sieht, noch an fehlende Gewinnerzielung glaubt, scheint mir fraglich.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von WFLP ()

  • Hallo!



    ...
    Ich habe auch etwas Zweifel. Mit 30 gut geführten Völkern kann man schon mal 1.000 kg Honig im Jahr ernten. Ob da das Finanzamt, wenn es die Verkaufserlöse sieht, noch an fehlende Gewinnerzielung glaubt, scheint mir fraglich.


    Gruß Wolfgang


    Na wenn das mit den 1000 kg mal so stimmt?
    Sind denn das nicht eigentlich viel viel mehr Honig, was man mit 30 Völkern erwirtschaften kann?


    Wisst Ihr, da wäre jedem geholfen:


    Dem Finanzamt und allen Imkern, weil da jetzt bei solchen Erträgen von 33 kg je Volk auch ne Tonne Honig rüber kommt und der Rubel beim Imker so richtig rollt.


    Ich schüttle ob dieser Steuerdiskussion wirklich nur noch den Kopf. Der Drohn sagt glaub ich "caputschüttel" oder so ähnlich... :Biene:


    hartmut
    Kann man dieses Thema auch beenden oder am besten gleich Löschen? :confused:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)


  • Ich habe auch etwas Zweifel. Mit 30 gut geführten Völkern kann man schon mal 1.000 kg Honig im Jahr ernten. Ob da das Finanzamt, wenn es die Verkaufserlöse sieht, noch an fehlende Gewinnerzielung glaubt, scheint mir fraglich.
    Gruß Wolfgang


    Hallo Wolfgang,
    wenn Du jemandem,z.B. einem Bäcker, eine Rechnung schreibst über 1000 kg gelieferten Honig und das Finanzamt bekommt diese bei einer Prüfung des Bäckers in die Hände, denke ich auch das man Dir eine Gewinnerzielungsabsicht unterstellt. Oder man behauptet das Du bestimmt mehr als 30 Völker hast.