Wie hoch Kommission?

  • Hallo,


    habe gerade eine an unserem Honig interessierte Bäckerei aufgetan. In zwei Wochen ist Gesprächstermin und ich überlege nun welche Konditionen ich anbieten soll. Soll ich anbieten, dass die Bäckerei den Honig auf Kommission verkauft? Falls ja, was und wieviel verdient der Imker bzw. die Bäckerei daran? Hat da jemand Erfahrungswerte? Besser ist wahrscheinlich, den Honig zu einem günstigeren Preis an den Bäcker zu verkaufen, oder? Was denkt ihr wieviel (Prozent) eine Bäckerei da an einem Glas verdienen "will"? Nur interessehalber - wir verkaufen das 500g-Glas im Raum München für 6 Euro an den Endverbraucher (Frühjahr-, Sommer-, Waldblüte und Raps).


    Danke schon mal für alle Antworten!

  • Moin , Moin aus Hamburg ,
    freie Anlieferung der Ware und die Bedarfsmenge auf Kommisssion. Ich weiß ja nicht , was die Umsetzen. Gezahlt wird jeweils die Nachlieferung.
    Da keine Vorleistung und der Honig auch nicht wesentlich zum Umsatz beitragen wird, sondern eher ein Serviceprodukt ist, würde ich den Honig für 4,-€ wenigstens verkaufen. Dann haben die eine gute Kalkulation, wenn Sie Ihn auch für 6,- verkaufen.
    6- 8 € sollten , je nach Aufmachung der Ware und Typ und Lage des Geschäftes von denen erzielbar sein.
    Beste Grüße aus dem Norden
    Daniel

    Die Quelle des ewigen Lebens liegt nicht im Finden eines Heilmittels zum ewigen Leben, sondern im Akzeptieren des Sterbens, im Eingehen in die Kreisläufe der Natur. Alles muß vergänglich sein, um seine Bestandteile immer wieder in den Gral des ewigen Lebens einzubringen, sich neu zu fügen,zu entstehen und zu vergehen. (Meine Ansicht)

  • Hallo kurzzeitig und schön anzusehende Jule,
    am Ende sollte der Honig nicht weniger kosten als bei dir. Einen Euro sollte der Laden aber schon draufschlagen können, zwei, naja, ich halte 2 € Aufschlag für zu viel. Aber ihr solltet mal drüber nachdenken, den Honig dort an der Theke vielleicht in kleineren Gläsern zu verkaufen. Als Geschenk oder für sich selbst zum probieren mögen viele Leute die kleineren Gläser. Und 8 € mal so nebenher in der Bäckerei zusätzlich auszugeben, das merkt man wahrscheinlich selbst in München.
    Nehmt ihr die kleineren 25o g-Gläser, kann der in der Bäckerei vielleicht für 4,5o € verkauft werden, was nicht so weh tut wie 8 €. Einen € ab für die Bäckerei bleiben dir 3,5o €, macht etwa 3,- € für 25o g Honig, macht immerhin 12 € für das Kilo Honig, ohne dass Du wirklichen Aufwand für den Vertrieb hast.
    Mit besten Grüßen aus dem tiefsten Osten


    Wolfgang, der den 1oo m - Endlauf von Ben Jahnson und das Unglück von Ramstein in Bogenhausen erlebt hat, ersteres in der Badewanne, zweites auf dem Bett.

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo julepiep,


    die Handelsmargen im Lebensmitteleinzelhandel liegen zwischen überwiegend 15 und 35% (= Aufschlag auf den Großhandelspreis). Interessanterweise haben haltbare Produkte wie Honig eher höhere Margen. Da der Händler beim Kommisionsverkauf kein Risiko hat, muss die Kommissionsgebühr nicht über 25% liegen.
    Von Vorteil für den Imker: Er kann dem Händler die Umsatzsteuer berechnen, ohne sie selbst abführen zu müssen. So wird es für den Händler günstiger, ohne dass der Imker weniger verdient. Es macht also Sinn, die Umsatzsteuer zu berechnen, auch wenn Du als Kleinunternehmer (17.500 Euro Umsatz im Vorjahr) umsatzsteuerfrei verkaufen könntest.
    Beispiel: Der Händler bekommt das Glas Honig von Dir für 4 Euro brutto, d.h. 3,74 Euro netto. Er verkauft es für 5 Euro brutto (= 4,67 Euro netto). Er hat also 93 Cent verdient, das ist eine Roherlös von 25%. Mehr bleibt dem Bäcker bei anderer Handelsware auch nicht.


    Gruß
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Hallo Wolfgang,


    Dein Tipp ist ja ganz nett, nur leider absolut illegal. Als Kleinunternehmer darf ich keine Umsatzsteuer/MwSt auf Rechnungen ausstellen. Wer eine Rechnung mit Umsatzsteuer ausweist, muss die eingenommene Steuer auch an das Finanzamt abführen. Oder er darf sich nicht erwischen lassen. Aber ob sich das Risiko lohnt, ...


    VG
    Denise


  • ... Als Kleinunternehmer darf ich keine Umsatzsteuer/MwSt auf Rechnungen ausstellen. Wer eine Rechnung mit Umsatzsteuer ausweist, muss die eingenommene Steuer auch an das Finanzamt abführen. .


    Mit Verlaub, das ist falsch. Als landwirtschaftlicher "Urerzeuger" gehören auf die Rechnung 10,7% Umsatzsteuer drauf, aber man muß sie als "kleiner Landwirt" nicht ans Finanzamt abführen.
    Irgendwo in den Tiefen dieses Forums wurde das mal ausführlich diskutiert und auch beschrieben. Meine Kenntnis beruht aus der Beratung durch eine landwirtschaftlichen Steuerberater.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Der Tipp ist nicht illegal. Es handelt sich hier um die Besteuerung nach Durchschnittssätze für land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach § 24 Umsatzsteuergesetz. Ich habe aber - wie wald&wiese richtig bemerkt - einen Fehler beim Steuersatz gemacht; der ist nicht 7% sondern 10,7%.
    Diese Regelung führt dazu, dass der Imker keine Umsatzsteuer abführen muss, obwohl er sie in Rechnungen ausweisen kann.


    Das Rechenbeispiel sieht korrekt so aus:
    Der Händler bekommt das Glas Honig von Dir für 4 Euro brutto, d.h. 3,61 Euro netto. Er verkauft es für 5 Euro brutto (= 4,67 Euro netto). Er hat also eine Marge von 1,07 Euro , das ist ein Roherlös von 29,3%.


    Das Du bisher Kleinunternehmer bist, ändert sich durch die Umsatzsteuerpauschalierung gar nichts (kein Vorsteuerabzug).
    Durch das besondere Besteuerungsverfahren musst Du keine Umsatzsteuererklärungen abgeben.


    Gruß
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von WFLP ()

  • Falsch. In allen Bundesländern.


    Entweder du bist pauschalisierend und darfst keine USt ausweisen, oder du weist sie aus, und beendest damit die Pauschalisierung - dann USt-Vollabrechnung.


    Mein Steuerberater würde das Mandat niederlegen, wenn ich deswegen mit dem Finanzamt Theater anfangen würde.....

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Oh Leute,
    das ist es, was ich so liebe an der Imkerei. Im Umgang mit den Bienen, bei Betriebsweise und Rähmchenformat denkt jeder, dass er Recht hat, und irgendwie, bei der einen oder anderen Sicht der Dinge, bei günstigen Wetter- oder Trachtbedingungen, bei der richtigen Höhenlage oder Bienenrasse hat auch jeder irgendwie für sich etwas Recht.
    Aber kaum wird es mal konkret und gesetzlich, lese ich nur noch: Falsch, ganz falsch, illegal,total falsch. Hier weiß es offensichtlich nur Einer oder Eine wirklich richtig.
    So, und jetzt habe ich die freie Wahl.
    Wobei, oh Gott, die Mehrwertsteuergeschichte für Honig ist ja eigentlich eine echte Imkersache. Ich würde einfach mal gerne davon ausgehen, dass sie die hier im Forum und auf dem Markt aktiven, sich damit auskennen. Wie soll ich denn sonst glauben, dass sie sich in Bienendingen auskennen. Wird doch nicht nur gelaber sein, was ihr Könner hier im Forum so absondert.
    Viele Grüße


    Wolfgang, bei dem das Gelaber logisch ist, weil er nunmal keine Ahnung hat

    Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie, also theoretisch.

  • Hallo Sabi(e)ne,
    Dein Steuerberater würde besser im Umsatzsteueranwendungserlass nachlesen. Das steht (in Ziffern 24.9):
    "Die Regelungen der §§ 14 und 14a UStG zur Rechnungserteilung gelten auch für die im Rahmen des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs ausgeführten Lieferungen und sonstigen Leistungen. Als anzuwendender Steuersatz (§ 14 Abs. 4 Satz 1 Nr. 8 UStG ) ist der für den Umsatz maßgebliche Durchschnittssatz anzugeben (§ 24 Abs. 1 Satz 5 UStG )..."
    Wohlgemerkt: anzugegeben (!)
    Dürfte ich die Steuer nicht ausweisen, wär das eine Steuerbefreiung. Es handelt sich aber um eine Steuerpauschalierung.
    Da geht es um den Vorsteuerabzug (der entfällt), nicht um den Wegfall des Steuerausweises.


    Gruß
    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • WFLP hat zu 100% recht. Auf die Rechnung wird 10,7% USt ausgewiesen und der Käufer kann sich dies als VoSt auch wieder vom FA holen. Der Imker muss die ausgewiesene USt von 10,7% nicht ans FA abführen, darf sich im Gegenzug aber auch keine VoSt geltend machen. Das Finanzamt pauschalisiert die Wert der USt mit der VoSt so, dass sich beide saldiert aufheben.


    Für Fragen zum Steuerrecht in der Landwirtschaft würde ich nur zu einem StB raten, der sich darauf spezialisiert hat. "Normale" StB hatten z.b. die Durchschnittsbesteuerung nach §24 UStG irgendwann mal im StB-Lehrgang, aber haben das meiste - weil nicht benötigt - wieder vergessen.

    MFG


    Christian



    "Haben zwei Imker die gleiche Meinung, so hat mindestens einer keine Ahnung"

  • Hallo !


    Falsch. In allen Bundesländern.


    Entweder du bist pauschalisierend und darfst keine USt ausweisen, oder du weist sie aus, und beendest damit die Pauschalisierung - dann USt-Vollabrechnung.


    Mein Steuerberater würde das Mandat niederlegen, wenn ich deswegen mit dem Finanzamt Theater anfangen würde.....


    FALSCH Sabi(e)ne
    Wir und einige Berufsimker praktizieren das so, die Regionale Honiglandgruppe macht das so,
    es wird am BI so gelehrt, der Landesverband referiert das so,
    die landwirtschaftliche Rechnungsstelle und mein FA geben dem statt.


    Das 10,7% Konstrukt haben wir hier doch schon oft besprochen,
    u.a. gabe es doch auf dem IFT (ich glaube 2009) einen guten Vortrag zu dem Thema
    lies doch in dem Script dazu mal nach.


    TIP: Man muß ja nicht zu den Steuerberatern der Berufsimker gehen,
    (hier reicht es schon) zu Jemanden zu gehen der Hofläden oder ähnliches betreut.

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Noch mal zu Klarstellung: Es handelt sich hier um keine Auffassung, die auf Verwaltungsanweisungen der Finanzbehörden beruht, sondern um eine klare gesetzliche Regelung (§ 24 UStG). Hier geht es nicht um Ermessensfragen oder Billigkeitsregelungen.
    Der Gesetzgeber subventioniert damit explizit die landwirtschaftlichen Betriebe.


    Gruß Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)