Naturbau und Presshonig

  • Bei Naturbau ohne Mittelwand geht kein Abkratzen, weil die Bienen keine Mittelwand in der Dicke bauen, dass man das ohne Zerbröseln könnte. Ich schneide die Waben aus, lasse eventuell honigleere Bereiche stehen und mache die Rähmchen, besonders die Oberträger nicht ganz sauber. Das ausgeschnittene Wabenmaterial fällt auf das Lochgitter des Entdecklungsgeschirrs, das ich noch von früher habe, und darauf zermatsche ich die Waben zu Brei mit einem großen Messer und lasse das Ganze abtropfen. Über Nacht sind 90 % des Honigs abgetropft. Die restliche Wabenmatsche kommt in eine Obstpresse und bringt noch 10 %. Alles zusammen gesiebt und gefiltert hat man dann astreinen Honig, der dem Presshonig entspricht.

    Das alles geht am Anfang mit wenigen Völkern und weil es zeitaufwändig und ein ziemliches Geklebe und Gematsche ist (vor allem die Entnahme des Wachstresterkuchens aus der Presse), habe ich mir einen Entdecklungswachs-Schmelzer angeschafft, womit viele Honig/Wachsprobleme gelöst werde: Das Trennen von Honig und Wachs, das Verflüssigen von kristallisiertem Honig, Einschmelzen von Waben und Wachsabfällen usw.

    Die honigfeuchten Leerwaben und solche mit stehengebliebenen Leerzellen kommen wieder in die Honigräume für die nächste Tracht oder zur Einfütterung, und werden auch wieder nach Bedarf ausgebaut. Wie viel Honigverlust ich deswegen habe, weiß ich nicht, aber ich habe Wachs, das ich auch essen kann, und ich stehe ja nicht unter dem Druck, Ernterekorde zu erzielen.

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  • Meine Empfehlung: Mindest so viele Waben schleudern (also nicht kaputtmachen), dass du im Frühjahr je einen Honigraum ausstatten kannst, also ein Mischung aus Schleudern und Pressen. Es läuft auf ca. 50:50 hinaus.

    Wenn ich das also richtig verstanden habe, lässt Du deinen Honigraum nicht jedes Jahr neu Ausbauen, sondern greifst auf bestehende Waben zurück?

    Bisher bin ich davon ausgegangen, dass der Naturbau auch den Honigraum beinhaltet.

    Dann wird es wohl letzten Endes aufs Schleudern hinauslaufen. Damit habe ich dann zunächst mehr Möglichkeiten.

    Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt:"Das ist technisch unmöglich!"

    Sir Peter Ustinov

  • Bisher bin ich davon ausgegangen, dass der Naturbau auch den Honigraum beinhaltet.

    Ist soweit ich weiß der Fall. Ich hatte es sogar so gehört, dass viele nur im Honigraum Naturbau machen lassen.


    Das eine schließt ja das andere nicht aus; Du kannst ja von den Bienen ausgebaute Rähmchen trotzdem behalten und wieder einsetzen. Vorausgesetzt, sie überleben das Schleudern und da ist es hilfreich, wenn die Rähmchen gedrahtet sind.

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Hallo Maximilian,


    ich mache genau das, wonach Du fragt. Alle Waben im Honigbereich (Einraumbeute) sind neuer Naturbau und werden gepresst. Ich entnehme den Honig allerdings nur einmal im Jahr im Ende Juli, für zweimal im Jahr reicht die Tracht in meiner Gegend sicher nicht. Wenn viel gebaut wird, wird auch viel Energie in Form von Honig benötigt. Meine Rähmchen sind nicht gedrahtet, damit ist das Ausschneiden der Waben einfacher, sie sind dann aber nicht mehr schleuderbar, d.h. die Mischung aus Schleudern und Pressen dürfte nicht mehr funktionieren.


    Bei vielen Völkern und wenn ich guten Ertrag für den Verkauf haben wollte, würde ich das sicher nicht machen. Allerdings ist für mich dieser Honig an Geschmack nicht zu übertreffen, er bekommt eine leicht herbe, fast bittere Note. Ich habe allerdings mal gelesen, dass viele Honigkunden genau das nicht mögen...


    Beste Grüße,

    Thanaidh

  • Wenn ich das also richtig verstanden habe, lässt Du deinen Honigraum nicht jedes Jahr neu Ausbauen, sondern greifst auf bestehende Waben zurück?

    Selbst Mittelwände werden bei Trachtbeginn im Frühjahr nicht gut angenommen. Müssen die Bienen erst Waben bauen, bleibt der Honig gern im Brutraum - mit den bekannten Folgen.

    Bei mir ist die letzte Tracht meist die Linde. Da bauen die Bienen bei üppigem Nektarstrom schnell viele Mittelwände und Leerrähmchen aus (ich mache auch Wabenhonig). Ich kann genug pressen und habe trotzdem Leerwaben für's Frühjahr.

    Ich drahte auch die Rähmchen mit Mittelwand nicht. Bei Flachzargen ist das Schleudern damit ohne Bruch möglich. Selbst bei DNM-Vollrähmchen kann man ohne Drahtung noch gut schleudern. Meine Mittelwände sind aber selbst gegossen und deswegen dicker als gewalzte. Junger Naturbau ist natürlich nicht so stabil.


    Naturbau finde ich im Übigen eher zu schade zum Pressen. Wabenhonig ist noch um einiges edler als Presshonig.

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Wabenhonig ist noch um einiges edler als Presshonig.

    das denke ich eigentlich auch. Interessanterweise soll der Binder in einem seiner aktuellen Vorträge aber genau das Gegenteil behauptet und auch begründet haben. Vielleicht hat das jemand hier selbst gehört und kann mal berichten.

  • Vermutlich muss ich, ähnlich wie schon von euch beschrieben, eine Betriebsweise finden, die von allem etwas beinhaltet. Leider kann ich nicht einschätzen wie schnell die Bienen bauen im Naturbau.


    Eine Möglichkeit wäre z.B. grundsätzlich das Brutnest auf NB bilden zu lassen. Um den Bau zu beschleunigen kann im Frühjahr Futterteig in kleinen Menge verwendet werden, da es so nicht zum Honig eingelagert wird ( Quelle: 1×1 des Imkerns). Ich hab diesbezüglich schon Beiträge gelesen, in denen steht, dass Futterteig günstiger ist als Mittelwände und der Bau relativ schnell geht.


    Für den Honigraum kann man theoretisch Mittwände herstellen aus eingeschmolzenem Wachs der Bruträume. So hat man jedes Jahr neues Bauwerk und weiß woher das Wachs für den HR kommt (so die Theorie). Es sei der


    Wie sieht es eigentlich aus mit Verfahrensweisen wie TBE oder Bannwabenverfahren?

    Bzw. welche Alternativen zur AS nutzt ihr?

    Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt:"Das ist technisch unmöglich!"

    Sir Peter Ustinov

  • Leider kann ich nicht einschätzen wie schnell die Bienen bauen im Naturbau.

    Nach meinen Erfahrungen so schnell wie sie's brauchen. Wenn die Königin legen muss und sonst nichts da ist, kann da schon mal eine Dadantwabe in einer Woche voll sein, so ca (ich bin furchbar schlecht drin, mir sowas aufzuschreiben :o)


    Wenn sie genug zu futtern haben, keine Tracht reinkommt und der Imker eh doof war, weil er ihnen unten zu viel Platz gelassen hat, wird aus der Woche mal schnell ein Monat oder so (vorbehaltlich - Kalender ist auch nicht so das meine, wenn es nicht sein muss).

    Wie sieht es eigentlich aus mit Verfahrensweisen wie TBE oder Bannwabenverfahren?

    Funktioniert (bei mir 5B nach Chrigel). Oder was genau war Deine Frage?

    Bzw. welche Alternativen zur AS nutzt ihr?

    S.o., 5B nach Chrigel. Bannen, Brutscheune, Bauerneuerung, Brutableger und Behandeln mit Oxal- oder Milchsäure (hier Oxal).

    HG

    Monika


    Wir sollten immer daran denken: Im wesentlichen sind unsere Bemühungen auf eine vernünftige, fürsorgliche Pflege beschränkt. (Bruder Adam)

  • Sorry für OT: moniaqua Wer ist «Chrigel»? Ich frage, weil man hier in der Schweiz einen Christian «Chrigel» nennt. :)

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Wer ist «Chrigel»?

    Ein Imker aus der Schweiz, der seine Betriebsweise "5B" in einem österreichischen Forum 2018 unter dem Titel "Meine 5 B - Grundlage meiner Varroa-Strategie" beschrieben hat.
    Die 5 B's stehen für Brutbeschränkung - Brutentfernung - Bauerneuerung - Behandlung (gegen Varroa) - Brutableger.

  • Ich habe mir mal das Buch von Günter Friedmann zu Gemüte geführt und einige Internetseiten gewälzt.


    Ich würde es gerne handhaben wie im Buch (Ähnlich wie auch von Wolfgang beschrieben):

    Brutraum Naturbau, Honigräume Mittelwände. Das MW Wachs soll hierbei aus den BR Waben des Vorjahres kommen. Allerdings werden die HR Waben kein zweites mal verwendet. Nach einmaligem Gebrauch gehen sie in Kerzen über. Somit werden die Waben spätestens im Juli gepresst.

    Es ist mir bewusst,dass dieses System weniger Honig abwirft.

    Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt:"Das ist technisch unmöglich!"

    Sir Peter Ustinov