Natterkopf (Echium), Salbei etc.

  • Hallo an Euch,
    habe mal eine Fachfrage zu Nektarspendern.


    Wie ist es bei Natterkopf (Echium) mit für den Menschen schädlichen Bestandteilen von Nektar oder Pollen, wie sieht es da aus mit zu Arzneipflanzenzwecken angebauten Arten (z.B. Salbei)?


    Normalerweise würden dies die Honigbienen ja vermutlich weniger eintragen - insofern spielt diese Frage normalerweise keine Rolle.


    Wenn aber bei Begrünungen oder im Arzneipflanzenbau große Flächen damit entstehen - dann sicher schon.


    Gibts dazu Meinungen? Hier finde ich zwar zum Nektar/pollenangebot einiges - jedoch zur Frage schädlcher Bestandteile nichts.


    Danke Euch,
    Klausi

  • Hier finde ich zwar zum Nektar/pollenangebot einiges - jedoch zur Frage schädlicher Bestandteile nichts.


    allo Klausi,
    Hast Du schon etwa hier gelesen:
    http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=25968&highlight=Alkaloide

    Natternkopf, Borretsch, Wasserdost und Jakobskreuzkraut sind bekannte Risikopflanzen, die Pyrrolizidin-Alkaloide (PA)bilden.



    Jeder gewissenhafte Imker meidet somit Gebiete mit reichlichem Vorkommen einer dieser Pflanzen wie die Pest. In Deutschland sind solche Gebiete eher noch die Ausnahme, aber auch hier wurden bereits Honige mit derart hohen PA-Gehalten gefunden, dass der Honig nicht zum Verzehr geeignet war.


    Heft 10/2011 ADIZ/Bienenfreund berichtete von einem Untersuchungsprojekt von LAVES-Celle und Lebensmittelinstitut Braunschweig: an 2 Natternkopf-Vermehrungsflächen wurden -auch in D- viel zu hohe PA-Gehalte gefunden !



    Massenvorkommen von Jakobskreuzkraut sind z.B. von Stilllegungsflächen in den Niederlanden bekannt.



    Wieso Du Dir aber jetzt Gedanken über grosse Anbauflächen von Salbei machst, kann ich im Moment nicht verstehen.


    Viele Pflanzen enthalten Alkaloide, aber nicht alle sind PA's.
    Nicht bei allen Pflanzen in denen Alkaloide vorkommen, sind diese auch im Nektar oder Pollen, und demzufolge im Honig wiederzufinden.



    Lg, Norbert

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Jeder gewissenhafte Imker meidet somit Gebiete mit reichlichem Vorkommen einer dieser Pflanzen wie die Pest. In Deutschland sind solche Gebiete eher noch die Ausnahme, aber auch hier wurden bereits Honige mit derart hohen PA-Gehalten gefunden, dass der Honig nicht zum Verzehr geeignet war.


    Heft 10/2011 ADIZ/Bienenfreund berichtete von einem Untersuchungsprojekt von LAVES-Celle und Lebensmittelinstitut Braunschweig: an 2 Natternkopf-Vermehrungsflächen wurden -auch in D- viel zu hohe PA-Gehalte gefunden !


    Hallo Norbert,
    ich will die Sache nicht herunterspielen, zumal ja momentan auch die Diskussion über das Jakobskreuzkraut aktuell ist.
    Aber offenbar ist die Sache keineswegs so eindeutig (oder die Imker sind nicht mehr gewissenhaft). Wikipedia ist zwar auch nicht Gott, aber dort steht immerhin


    "Der Natternkopf ist eine sehr gute Bienenweide. In der Imkerei ist er aufgrund des hohen Zuckergehalts seines Nektars (25 %) und seines sehr hohen Zuckerwerts (1,64 mg Zucker/Tag je Blüte) eine geschätzte Nebentracht.[2] Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von einem Hektar sind Honigerträge bis zu 429 kg pro Blühsaison möglich."


    Dieses Zitat wiederum stammt laut Angabe aus


    "↑ Josef Lipp et al.: Handbuch der Bienenkunde: Der Honig. 3., neubearb. Aufl., Ulmer, Stuttgart 1994, S. 38, ISBN 3-8001-7417-0"


    Auch bei den Honigmachern wird die Giftproblematik zwar erwähnt, aber nicht davor gewarnt und die Pflanze als sehr gute Bienenweide empfohlen. Es gibt sogar mehrere spezielle Bienenweide-Saatgutmischungen, wo sie enthalten ist.


    Zitat von dort zum Gewöhnlichen Natternkopf:
    "Einheimische, schwach giftige Pflanze mit guten Bienenweideeigenschaften." und
    "Der Gewöhnliche Natternkopf ist sowohl in den Saatgutmischungen "Blühende Landschaft und "Veitshöchheimer Bienenweide", als auch in der "Münsteraner Bienenweidemischung" enthalten."


    Gruß
    hornet

    Ja, spinn' i oder bien i?

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von hornet () aus folgendem Grund: Ergänzung

  • „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Bei uns blüht der Natternkopf, wenn mein Honig schon längst in den Gläsern ist. Wann schleudert Ihr??

    Die Welt ist groß genug für die Bedürfnisse aller, aber zu klein für die Gier Einzelner (Mahatma Ghandi)
    Gruß
    holmi

  • Hi Holmi,


    dachte auch, dass die genannten Kandidaten erst Blühen, wenn die Sommertracht bereits geschleudert ist, aber habe dann bei die Honigmacher nachgesehen, dass z.B. der Natternkopf (und auch Jakobs-Kreuzkraut) mit 2. Hälfte Juni - 2. Hälfte Semptember angegeben ist. Dann müsste man zumindest regional darauf aufpassen. Ganz besorgten Honigkunden kann man aber sicherlich zu Frühtrachthonigen raten, da dürften keine Probleme zu erwarten sein.


    Gruß
    Ludger

  • hi molle,
    danke für den Link. Hast mich überzeugt, gut dass ich kritisch gefragt habe. :daumen:


    Jetzt habe ich aber leider auch ein Problem.:-(


    Bin nämlich auch mitten in einem Gebiet mit Sonderkulturen und da ist regelmäßig auch der Natternkopf dabei. 1km entfernt, so ungefähr 1 ha.
    So ein Mist. Muss ich jetzt meinen ersten Honig nächstes Jahr wegwerfen?
    Na gut, ich könnte ihn früh genug ernten, habe leider heuer nicht aufgepasst, wann genau der Natternkopf hier geblüht hat, glaube aber schon, dass es noch zu der Zeit war, als die meisten Imker hier noch beim Ernten waren. Ich selbst habe erst nächstes Jahr zum 1. Mal (hoffentlich) eine Ernte.
    Und ob das die meisten Imker überhaupt wissen, also ich meine das Giftproblem?
    Und eigentlich ist bei uns noch sehr viel satte Tracht auch im Juli, Anfang August. Muss ich darauf jetzt womöglich verzichten?


    Gruß
    hornet

  • hi hornet,


    Du hast mehrere Möglichkeiten:
    1) Du verzichtest auf den Honig
    2) Du wanderst mit deinen Völkern für die Zeit aus - vielleicht findet sich ja in der Umgebung ein Sonderkulturenfreier Raum?
    3) Du machst sobald der Natternkopf in Blühte geht einen Schnitt, schleuderst also vorher ab. Dann erntest du den Honig mit Natternkopfanteil separat und lässt diesen untersuchen. Danach weist du dann aber woran du bist und kannst in den Jahren danach entsprechend handeln.


    Deine Situation ist so speziell, dass wenn nicht zufällig jemand mitliest, der die Problematik aus eigener Erfahrung kennt, alles andere nur Raten bedeutet.


    ich wünsch' dir schonmal eine üppige Frühtracht.


    Gruß
    Ludger