Sammlung: Erfahrungen mit der Futtertonne

  • Mich würden eure Erfahrungen mit der Futtertonne interessieren.


    Futtertonne = Honiglager zur Fütterung der Bienen in den periodisch auftretenden, schlechten Jahren.


    Gruß
    Bernhard

  • Nein, nur Verwahrung von Honig in der Tonne für die schlechten Jahre. Dann ganz normal einfüttern per Futterzarge. Anstatt der Verwendung von Zuckersirup.


    Insbesondere interessiert mich, ob jemand Erfahrungen mit dem Stampfhonig gemacht hat und dessen Fermentierung, wie bei Lehzen beschrieben.


    Gruß
    Bernhard

  • Ganz nach Wallner, der allerdings den Honigvorrat für die Absatzsicherung anlegt und nicht zum Einfüttern: >>Betrachtet man die Ertragsstatistik, so läßt sich sagen, daß in zehn Jahren mit sechs
    Durchschnittsernten, zwei Rekordernten und zwei Mißernten zu rechnen ist. Damit gewinnt für den erwerbsorientierten Imker die Anlage von Honigvorräten an Bedeutung.<<[Wallner]


    Lehzen schreibt dagegen die Verwendung der Futtertonne zum Wiedereinfüttern/Reizfüttern:
    >>Die brutfreien Honigwaben, welche in die Futtertonne wandern, werden zu einem Brei gestampft. Luftleere Räume dürfen in der Honigtonne nicht bleiben. Ist die Tonne fast gefüllt, so wird ein Deckel aufgelegt und die Tonne beiseite geschoben. Es mag noch bemerkt werden, daß es nicht schadet, wenn einige ausgewachsene Bienen zwischen den Futterhonig geraten. Ebensowenig ist bedeckelter Pollen nachteilig. Was in den letzten Jahren über Pollen geschrieben ist, mag in mancher Beziehung richtig sein, aber es ist noch nicht aufgeklärt, warum mehrjähriger Futterhonig, der also die Gärung durchgemacht und die Pollenteile abgesondert hat, bei den Bienen auf Regsamkeit und Volksvermehrung mehr reizt als solcher, der noch in keine Gärung gekommen ist und auch sämtlichen Pollen enthält. Bei der Gärung steigt der Honig im Fasse, und die Pollenteilchen kommen auf die Oberfläche. Würde die Tonne bis an den Rand gefüllt, so flösse der Honig in der Gärung über. Um dies zu verhüten, wird stets das Faß nicht ganz gefüllt, es bleibt eine handbreit oben leer. Alter Honig ist flüssig und schmeckt säuerlich, und blaues Lackmuspapier wird davon rot gefärbt. Dennoch wirkt gerade dieser Honig am besten auf den Brutansatz.
    Nicht im Herbst verfüttern! Die Königin wird dadurch nur zum massenhaften Bruteinschlage gereizt, und die Folge ist, daß das gereichte Futter nicht aufgespeichert wird und der Stock entweder an der Ruhr zugrunde geht oder im Winter verhungert. Auch im Frühjahr füttert man mit altem Honig die Bienen aus dem Stock. Erst bei Eintritt recht warmer Witterung, also im Mai, ist dieser Honig von hohem Wert bei der Spekulationsfütterung. Die Annahme, daß säuerlicher Honig die Faulbrut erzeuge, ist hinfällig, weil sonst diese Krankheit auf jedem hannoveranischen Bienenstande der Heidimker angetroffen werden müßte. In recht guten Jahren wird aus 6-7 Stöcken eine Tonne Futterhonig gebrochen (ca. 300 Pfund). Der Lüneburger Imker brach früher in guten Jahren fast allen Honig in die Futtertonne, so daß bei manchem 40, ja 50 gefüllte Tonnen auf dem Honigspeicher zu finden waren. Dies Bild hat sich heute jedoch geändert, nachdem die Zuckerfütterung allgemein in Aufnahme gekommen ist und der Honig zu guten Preisen verkauft werden kann. Einen gewissen Vorrat von Futterhonig hat jedoch auch heute noch jeder Berufsimker, den er im Frühjahr mit Zuckerlösung mischt. Ob aber nicht in absehbarer Zeit bei den ständig steigenden Zuckerpreisen der Imker doch wieder auf die Gewohnheit der Väter zurückgreift und die Futtertonne wieder zu Ehren kommen läßt? [...] Vorrat auf 3-5 Jahre ist das Fundament der Lüneburger Imkerei. Wehe dem Imker, der Futterhonig kaufen muß!<< [Lehzen, Hervorhebung von mir.]


    Gruß
    Bernhard

  • Erfahrungen mit Futter bei Zuckermangel könnten wirklich nochmal wichtig werden, als Jungimker habe ich sowas nicht mehr mitbekommen.


    Ich habe keine Erfahrung mit Futtertonnen, doch die Lüneburger machten ihre Bienen für ne Spättracht fit, die dann auf Heidehonig überwinterten.
    In den meisten Gegenden haben wir heute Frühtracht oder Früh-und Sommertracht - woher kommt dann das Winterfutter, wenn keine Spättracht zur Verfügung steht ?
    Lehzen empfiehlt ja eindeutig den Futtertonnenhonig nicht zur Herbstfütterung zu reichen.


    Anstatt Futtertonne ist ein HR mit verdeckelten Waben bei der letzten Ernte drauflassen und/oder später zum Einfüttern untersetzen vielleicht praktikabler...


    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Allerdings müsste der Preis noch massiv ansteigen. Mein Honig kostet 500 gr. 5.50 Euro. Bei uns kostet der Zucker schon lange 90 C, heuer teilweise bis 1,20. Darum kann ich Eure Aufregung wegen der Zuckerpreise nicht nachvollziehen.
    Klar ist er teuer aber so das es sich rechnen würde, das ich Honig einfüttere, da fehlt noch viel. Gut für die Biene ist Honig auf jeden Fall aber Honig ist auch gut für meine Geldbörse und all das Zeug das ich in den letzten Jahren angeschafft habe, will auch bezahlt werden.

  • In recht guten Jahren wird aus 6-7 Stöcken eine Tonne Futterhonig gebrochen (ca. 300 Pfund). Der Lüneburger Imker brach früher in guten Jahren fast allen Honig in die Futtertonne, so daß bei manchem 40, ja 50 gefüllte Tonnen auf dem Honigspeicher zu finden waren. Dies Bild hat sich heute jedoch geändert, nachdem die Zuckerfütterung allgemein in Aufnahme gekommen ist und der Honig zu guten Preisen verkauft werden kann.



    Wenn ich das richtig verstehe, waren die "Futtertonnen" die Reserven der Stabilbauimker zum Nachfüttern. Waben rausnehmen und im Frühjahr wieder einhängen ging ja nicht, daher vermutlich der ganze Aufwand. Und Zucker war sicher teurer als der eigene Honig. Also eher eine Notlösung. Die beschriebene Phasenbildung und die Gärung sprechen nicht unbedingt für ein verkehrsfähiges Lebensmittel. An der Biologie der Biene orientiert wäre die Entnahme von Honigwaben im Vorjahr und das Zuhängen im Frühjahr sicher eine naturnahere Variante.


    Ich denke das Ganze ist mehr ein historisches Artefakt als bienenbiologisch sinnvoll. Aber du fragst sicher nicht ohne Grund. Was erhoffst du dir vom Sauerstoffkontakt des gewonnenen Honigs und den chemischen Reaktionen in der Tonne?

  • Darum kann ich Eure Aufregung wegen der Zuckerpreise nicht nachvollziehen.


    Es muß korrekt heißen: ...noch nicht nachvollziehen. :wink: Kommt also noch, also das mit dem Nachvollziehen.



    ...all das Zeug das ich in den letzten Jahren angeschafft habe, will auch bezahlt werden.


    Ja, richtig! Es wird sich einiges ändern müssen. Nicht nur bei den Bienen, dort in der Betriebsweise und bei den Betriebsmitteln, sondern in der gesamten Gesellschaft. Und Wirtschaft. Aus der Mißbewirtschaftung des Überflusses wird eine echte Hauswirtschaft werden müssen. Die Zeiten der billigen Energie sind vorbei, sowie der Nahrung im Überfluß. Lange wurde davor gewarnt und auch mehrere tausend Wissenschaftler, die in einem Dokument darauf hinwiesen, daß eine regionale, kleinteilige Landwirtschaft die Ernährungssicherheit langfristig gewähren, konnten bei Industrie und Politik keine Abkehr von ihrer Haltung zugunsten der Menschheit bewirken.


    Langer Rede, kurzer Sinn: die eigene Bevorratung von Honig für die schlechten Jahre wird noch mal interessant.


    Ich meine, reiner Honig kann ja problemlos in Hobbocks für längere Zeit gelagert werden, oder? Nur praktische Erfahrungen, so 20 Jahre lang :wink:, sind da schon für die Details nicht zu verkennen, in denen die Tücken ja versteckt sind. Weshalb ich um Offenlegung dieser Erfahrungen bitte.


    Gruß
    Bernhard

  • ...bienenbiologisch sinnvoll. Aber du fragst sicher nicht ohne Grund. Was erhoffst du dir vom Sauerstoffkontakt des gewonnenen Honigs und den chemischen Reaktionen in der Tonne?


    Durch das Stampfen und nur oberflächlichen Kontakt ist da eher mit einer Fermentierung unter Sauerstoffabschluß zu rechnen, wofür nur wenige Mikrobenstämme in Frage kommen. Milchsäuregärung zum Beispiel. Pollen und Bienenbrot wurde ja auch einschlossen.


    Würde mich schon mal interessieren, was da an Mikrobensuppe rauskommt und ob diese vielleicht sogar tatsächlich den Bienen bekömmlich sind, und zwar derart, daß sie eine Brutstimulierung bewirken, wie beschrieben.


    Siehe Thread: Bienen und Mikrobiologie.


    Gruß
    Bernhard

  • Würde mich schon mal interessieren, was da an Mikrobensuppe rauskommt und ob diese vielleicht sogar tatsächlich den Bienen bekömmlich sind, und zwar derart, daß sie eine Brutstimulierung bewirken, wie beschrieben.


    Kann ich mir schon vorstellen. Die Bienen sind auch ökonomisch denkende Wesen, sprich Nahrung, die einfach so rum liegt wird nicht verachtet. Sieht man momentan ja ganz gut, wenn man ein räuberndes Volk hat. ;-) Ich hätte nun aber nicht nur die "guten Mikroben" in Verdacht, sondern - nur mal als Theorie - das angegorene, alte Zeug ist qualitativ einfach so schlecht, dass die Bienen es selbst noch verstoffwechseln können, und zwar direkt vom Honigmagen in den Darm, sie aber auch merken, dass der Honig eben nicht mehr einlagerungsfähig ist, wegen der Hefen, anderen Mikroben, was auch immer. Das wäre dann eine aufgezwungene Reizfütterung, die die Bienen bei natürlicher Überwinterung mit genügend Winterfutter nicht "gewollt" hätten.


    Interessant finde ich das Thema dennoch, Liebig weist ja auch in der neuen Auflage an mehreren Stellen darauf hin, dass eine Reizfütterung überhaupt nichts bringe, gar nichts. Wenn das mit Zuckerlösung tatsächlich so ist, mit dem "vorgegorenen" Honig aber anders, muss es ja an den "Beistoffen" liegen. Nun ist nur die Frage, ob die Biene "Hmmm, lecker!" sagt oder "Augen zu und durch, hier wird nichts verkommen lassen, würg und runter damit!" :-)

  • Nun, alleine die Lebenstätigkeit und die Lyse der Mikroben verursacht ja die Beimengung von neuen Stoffen. Und bei grundsätzlich guten Fermentationen sind viele der Stoffwechselendprodukte der Mikroben für uns/für die Bienen lebenswichtige, also essentielle Nährstoffe. Als Beispiel mag hier gelten, daß die Mikroben den Pollen derart zersetzen, daß sie unter vielem anderen auch Vitamin K produzieren. Die Ausscheidungen der Mikroben bei der Zersetzung des Pollens zu Bienenbrot sind die einzige Vitamin K-Quelle der Bienen.


    Zur Erinnerung auch hier: http://www.imkerforum.de/showthread.php?t=25808&p=295330#post295330

  • ..Liebig weist ja auch in der neuen Auflage an mehreren Stellen darauf hin, dass eine Reizfütterung überhaupt nichts bringe, gar nichts.


    Dem gegenüber stehen einige Aussagen, wie von Ritter in seinem Buch: >>Aus der Praxis weiß man, daß mit dem Aufritzen des noch gedeckelten Winterfutters oder Verfüttern von Blütenhonig die Entwicklung der Völker beschleunigt wird. Nach exakten Brut- und Populationsmessungen führt dies nicht unbedingt zu stärkeren, aber sicher gesünderen Völkern.<< [Ritter]


    Auch der Hinweis von Böttcher mag einige grundlegende Dinge zur Reizung aufklären:
    >>Wie immer man vorgehen mag, ein Reizen ohne Pollen oder ohne einen geeigneten, eiweißhaltigen Pollenersatz bleibt stets erfolglos. In solchen Fällen legt die Königin zwar noch Eier, die Bienen sind aber nicht imstande, die Larven zu pflegen. Da ihnen Eiweiß fehlt, können sie keinen Futtersaft erzeugen, der den Larven zur Nahrung dient. Sie zehren dann die Eier auf. Am besten werden Pollenwaben eingehangen.<< [Böttcher]


    Die Aussage von Böttcher mag erklären, warum eine Reizfütterung mit Zuckerwasser hinsichtlich der Brutaufzucht erfolglos bleibt, wenn sie ohne zusätzliche Pollenfütterung gemacht wird. Und der Erfolg des Reizens, wie bei Pfefferle beschrieben, mag darin begründet sein, daß er Pollenwaben in den Winterfutterwaben eingehangen hat, die von den Bienen mit Winterfutter überdeckt wurden. Diese stillen Reserven kommen dann bei der Frühjahrsreizung voll zum Tragen.


    Gruß
    Bernhard


    Böttcher: Friedrich Karl Böttcher, Bienenzucht als Erwerb, ISBN: 3-431-02358-4
    Ritter: Wolfgang Ritter, Bienen gesund erhalten, ISBN: 978-3-8001-5729-7

  • Das ist ein interessanter Ansatz, ich denke auch, der Pollen muss da der trigger sein. Ohne Eiweiß kein Larvenfutter und die körpereigenen Reserven der Ammenbienen sind vermutlich schon aufgebraucht.


    Die Reizung nach Pfefferle hatte ich auch mal einige Zeit versucht: Zargentausch-/Drehen oder Futter anritzen hatten wenn überhaupt aber nur einen kurzen Effekt, vielleicht waren die Völker etwas mehr in Brut, vielleicht war es auch nur mein Wunsch. :-) Jedenfalls war der Effekt nicht substantiell und ein paar Wochen später, wenn alle Blüten "explodieren" der Unterschied schnell wieder von den anderen nicht gereizten Völkern eingeholt. Ich würde das vielleicht nochmal ausprobieren, wenn ich sehr frühen Sortenhonig ernten möchte, ansonsten sehe ich da kein Bedarf. Wenn sich aber nun herausstellen würde, dass an der Aussage von Ritter etwas dran wäre, und das positiv auf die Gesundheit wirkt, ... Nur frage ich mich, warum die Bienen dann nicht von selbst ihre Pollenreserven angehen? Irgend ein Grund muss es doch haben, dass sie zögern?!


    Den Hinweis zu den Pollenwaben finde ich wichtig! Bei 2-magaziniger Betriebsweise gibt es theoretisch zwei Termine um die alten Waben zu entfernen. Im Herbst: Noch vor der Einfütterung, wenn die Bienen im B2 sind die untere Zarge wegnehmen und Einschmelzen oder im Frühjahr die untere, nun leere Zarge entfernen, noch bevor nach unten gebrütet wird. Arbeitstechnisch finde ich die Aussortierung im Herbs praktisch, man hat den Winter um die Waben auszukochen und wieder herzurichten. Es tut aber einem das Herz weh, wenn man sich diese Waben anschaut. Tolle Pollenbretter, in denen viel Arbeit und viel Eiweiß steckt, die zum Einschmelzen viel zu schade sind. Daher besser auf diese Waben auffüttern und mit dem "Zucker"vorrat den "heimlichen" Eiweißvorrat darunter gut schützen.

  • sondern in der gesamten Gesellschaft. Und Wirtschaft. Aus der Mißbewirtschaftung des Überflusses wird eine echte Hauswirtschaft werden müssen. Die Zeiten der billigen Energie sind vorbei, sowie der Nahrung im Überfluß. Lange wurde davor gewarnt und auch mehrere tausend Wissenschaftler, die in einem Dokument darauf hinwiesen, daß eine regionale, kleinteilige Landwirtschaft die Ernährungssicherheit langfristig gewähren, konnten bei Industrie und Politik keine Abkehr von ihrer Haltung zugunsten der Menschheit bewirken.



    Gruß
    Bernhard


    Ist zwar total o.t., aber der Mann hat sowas von recht!


    Ich kann nicht umhin, darauf hinzuweisen: "Die Zukunft pflanzen"


    http://programm.ard.de/TV/2012/10/20/die-zukunft-pflanzen/eid_287248765828388?monat=&jahr=&sender=28106&list=main3#top


    Der Paradigmenwechsel wird kommen, ob wir wollen oder nicht, denn er ist die logische Konsequenz zu unserem bisherigen sorglosem Handeln im Überfluss und dem Schöpfen aus den Vollen. Wir werden die Bescheidenheit erst wieder erlernen müssen.
    Auch bei den Bienen!


    Sie werden uns dabei helfen!


    Doch zuerst müssen wir ihnen helfen, um nicht vor die Hunde zu gehen.


    Gruß Simon