Wie wirkt Ameisen- / Oxalsäure?

  • Liebes Forum,


    wir hatten am Wochenende im Imkerkurs eine Diskussion darüber, wie AS bzw. OS eigentlich wirkt? Ich glaubte mal irgendwo gelesen zu haben, dass die organischen Säuren den Chitinpanzer der Varroen aufweichen, andere Teilnehmer meinten, dass man OS ja gerade deshalb mit Zucker mische, damit die Bienen diese "attraktiver" fänden, schluckten und sich somit eine systemische Wirkung entfalte.


    Kann jemand helfen? Wie wirken die Säuren? Wofür der Zucker?


    Danke Euch,
    Viele Grüße
    Pisolo

  • Interessantes Video!! Liebig schreibt ("Einfach Imkern", 3. Aufl. S. 196), dass die OS nur in wässriger Lösung wirke Sobald sie trocknet sei sie wirkungslos. Ganz kann ich das aber auch nicht nachvollziehen, sonst wäre ja das trockene Verdampfen wirkungslos oder die Wirkung nur erklärbar, wenn die Bienen beim Saubermachen die Stäube mit Speichel auflösen. Jedenfalls wirkt OS nicht systemisch, also über die Blutbahn von Biene > Milbe, sondern als Kontaktgift (etwa im Unterschied zu Perizin, das systemisch wirkt).

  • Hallo ich bin auch der Meinung, das OS als Kontaktmittel wirkt, denn nicht umsonst findet man Milben mit veräzten Gliedmaßen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Oxalsäure flüssig mit Zucker (Oxuvar) soll systemisch wirken, schädigt aber durch Auslösung des sogenannten programmierten Zelltods auch den Mitteldarm der Bienen. Deshalb kann eine solche Lösung nicht mehrfach hintereinander angewendet werden.
    Oxalsäure flüssig ohne Zucker mit einigen Beimengungen (Bienenwohl) wirkt wahrscheinlich, indem sie auf den Bienen antrocknet und durch Putzen verteilt und dadurch auf den Bienen aufgelagert wird. Oxalsäure gesprüht oder verdampft wirkt ebenfalls durch Auflagerung auf den Bienen. Eine Literaturstelle, wo die Wirkung der aufgelagerten Oxalsäure erklärt wird, ist mir nicht bekannt. Ein im Internet verbreitetes Bild mit angeblich abgeätzten Körperteilen ist als Fälschung bekannt. Möglicherweise wird durch den feinen OS-Staub ebenso wie bei feinem Puderzucker und auch anderen feinen Stäuben der Milbe die Haftung auf der Biene erschwert.
    Ameisensäure wirkt systemisch sowohl auf Biene und Milbe durch kompetetive Blockierung von Cytochrom C, das ist ein Enzym der Atmungskette. Die Zellen sterben durch Energiemangel. Die Selektivität zwischen Biene und Milbe ist in Laborversuchen 1, d.h., es besteht keine Selektivität.
    In der AS-Stoßbehandlung (Schwammtuch) wird Selektivität dadurch erzeugt, dass die AS-Konzentration kurzzeitig über die tödliche Grenze für beide Organismen angehoben wird, wobei in der Milbe wegen des kleineren Verhältnisses von Volumen zu Oberfläche die Konzentration schneller steigt als in der ausgewachsenen Biene. Dadurch wirkt die AS auf die Milbe tödlich, während die AS in der Biene während der kurzen Einwirkzeit die tödliche Schwelle nicht erreicht und die Biene sich anschließend wieder erholt.
    Eine Erklärung der Wirkungsweise der AS-Langzeitbehandlung ist mir nicht bekannt. Auf Übersäuerung kann sie wegen der fehlenden Selektivität nicht beruhen. Meine ganz private Vermutung ist, dass die Säuredämpfe eine Fluchtreaktion der Milbe auslösen, wobei sie von der Biene ablässt, vor der AS flieht und schließlich durch das Bodengitter fällt, wo sich der AS-Dampf anstaut und die Milbe tötet.


    Gruß Ralph

  • OS ist nicht ätzend!


    Dann nimm doch mal eine Prise....



    Oxalsäure flüssig ohne Zucker mit einigen Beimengungen (Bienenwohl) wirkt wahrscheinlich, ...


    Die Zusätze im Bienenwohl bewirken einen starken Putztrieb der Bienen. Dadurch verteilt sich die Oxalsäure schneller auf alle Bienen, als es bei "normaler" OS-Träufelung der Fall ist. Die Gesamtbelastung der Bienen wird also schneller auf ALLE Bienen verteilt - womit die Einzelbelastung geringer ist und die Sterberate hier nicht ganz so hoch ist.


    Der schonende Effekt von Bienenwohl ist also wohl allein auf die raschere Verteilung der Gesamtbelastung auf alle Bienen zurückzuführen. Aber im Prinzip ist es einfach nur Oxalsäure...

  • Hallo,


    bin zwar nicht Ralph aber hier die Literatur zur AS-Wirkungsweise


    Und von systemischer Wirkung spricht man, wenn ein Wirkstoff über Aufnahme eindringt und über den Kreislauf überall hin gelangt und dort auch theoretisch überall wirken kann.
    Im Gegesatz dazu wirken andere Sachen eben zB nur von außen, lokal,...


    Perizin wird von den Bienen aufgenommen, über die Hämolymphe verteilt und die saugenden Varroen werden über deren Aufnahme mit dem Wirkstoff dann abgetötet.
    Also systemische Wirkung per Definition.


    *Klugscheißmodus aus* :wink:


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • ...von systemischer Wirkung spricht man, wenn ein Wirkstoff über Aufnahme eindringt und über den Kreislauf überall hin gelangt und dort auch theoretisch überall wirken kann...


    Würde Perizin systemisch wirken dann würde der Totenfallverlauf der Varroen nach einer Peizinbehandlung anders laufen wie bekannt und Perizin könnte auch während der Brutperiode von Völkern verwendet werden.


    Die von Dir zitierte Studie ist nicht das Papier wert auf dem sie steht, reine Werbestudie!


    Der
    Drohn

  • Dann nimm doch mal eine Prise....


    Blödsinn, nimm mal eine Prise Cayennepfeffer, der ätzt auch nicht.


    Bevor man was von ätzend schreibt, sollt man entweder in der Schule gewesen sein oder den Gooogel benutzt haben:daumen:


    Der
    Drohn
    der schon zig Kilos von OS verpackte und nur mit Atemschutz (Absaugungsanlage) arbeitete, also mit blosen Händen die OS angriff ohne die geringsten Verätzungen zu bekommen.
    AS ist aber sehr wohl ätzend.