Raubmilben oder Nematoden gegen Varroa?

  • Hi,


    nachdem ich mir die Videos angesehen hatte, und nach der ersten oberflächlichen Googlesuche (mit Treffern zu Erfolgen u.a. in Terrarien), und nachdem ich dann auch noch feststellte, dass die Viecher sogar hierzulande problemlos erhältlich sind, war ich auch erstmal hoffnungsvoll und plante bereits Tests.
    Guter, detaillierter Einsteigerartikel über Hypoaspis miles (Stratiolaelaps miles)
    Aktueller Versuch am Bienenstock, noch keine Ergebnisse
    PDF mit Kurzbeschreibung bei bee-vet.co.uk
    Diskussion auf beesource.com, Posting #10 sehr interessant
    Hier wird das Vorkommen von 4 Arten von Hypoaspis-Raubmilben in Bienenvölkern erwähnt,, aus dem Jahr 1989, ohne das Thema Varroa, leider ist der Artikel nicht frei zugänglich. Vielleicht hat ja jemand hier entsprechenden Datenbankzugang?
    Hier steht unter anderem etwas zur Temperaturabhängigkeit dieser Raubmilben: http://www.hortipendium.de/Hypoaspis


    ...doch dann setzte schon wieder die Skepsis ein, und die Euphorie ist verflogen:
    erfolgloser Test


    Ein kurzer Logikcheck: die Idee, Varroamilben mit Raubmilben zu behandeln ist für jeden an biologischer Behandlung Interessierten naheliegend. Da ist man garantiert nicht erst 2012 drauf gekommen. Warum liest man dann nichts von den Ergebnissen älterer Versuche? Meiner Erfahrung nach ist das ein deutlicher Hinweis darauf, dass man damals keinen Erfolg hatte. Der Effekt findet sich immer wieder bei allen möglichen Interessanten Themen: vielversprechende Ankündigungen - und dann Schweigen. Und nach ein paar Jahren versucht es die nächste (Hobby-)Forschergeneration erneut...


    Ähnliches gilt wahrscheinlich auch für die Pilze gegen Varroa:
    Da ist von guter Wirkung gegen Varroa und Harmlosigkeit für die Bienen die Rede, im Jahr 2003
    Noch ein positiver Bericht zu Metarhizium
    Metarhizium hält sogar das Immunsystem der Biene auf Trab... weil er eben doch auch die Bienen infiziert: "...high mite mortality (over 90%) and relatively low bee mortality (24%)." Also immerhin auch ein Viertel der Bienen tot... also doch nicht harmlos wie 2003 behauptet...
    ...oder die hatten 2003 einen anderen, besseren Metarhizium-Stamm. Doch warum ist daraus in den letzten 10 Jahren nichts geworden? Immerhin soll das Zeug ja im Pflanzenbau bereits im Einsatz sein, z.B. gegen Käferlarven oder im Weinbau gegen Rebläuse



    Ich finde das alles frustrierend, und es macht mich wütend, wie langsam und ineffektiv die Forschung geworden ist. Ist ja nicht so, dass es hier darum geht, im Waldboden in irgendeinem sibirischen Urwald nach unbekannten Milben zu suchen und sie auf ihre Eignung gegen Varroa zu testen. Nein, wir reden hier von Arten, die im Pflanzenbau seit Jahren in Massen kultiviert und kommerziell eingesetzt werden. Da sollte es doch möglich sein, in wenigen Jahren eine Aussage zu treffen, ob die Viecher gegen Varroa etwas bringen oder nicht.


    Und das ist ja nur ein Beispiel. Ich sehe da u.a. auch den Imkerbund in der Pflicht. Als unsere Lobbyorganisation sollte er erstens dafür sorgen, dass breiter geforscht wird, zweitens schneller und dass drittens die Ergebnisse in Open Access-Journalen nachzulesen sind.



    Grüße,
    Robert



    Nebenbei: auch wenn ich mir bzgl. Hypoaspis miles/Stratiolaelaps scimitus nicht viel Hoffnung mache - gegen Trauermücken an meinen Gemüsejungpflanzen im Frühjahr sieht mir das vielversprechend aus. Und wenn es schon da ist, dann könnte es schon passieren, dass aus Versehen etwas in einen Bienenstock verschüttet wird... mal sehen.

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  • Sven, du findest solche im Gemüll?
    Schaust du denn das Gemüll mit dem Mikroskop an?


    Also ich habe Mühe, die Milben zu finden, habe auch noch keine umgedreht, um sie von unten zu begutachten.


    Ich möchte jetzt aber nicht die Rolle des Befürworters übernehmen.
    Ich kannte diese Milbe ja gar nicht vor dem Hinweis hier.


    Ich werde aber die Diskussion dort weiter verfolgen und auch versuchen, aus einigen anderen englischen Texten
    Informationen zu angeln. Die interessieren mich einfach und es scheinen ja im Moment einige Studien zu laufen.
    Leider nicht bei uns.


    Gruß Doro

  • Hallo Doro,


    ich bin stark kurzsichtig (um die -8 Dioptrien), das hat den Vorteil, dass der einzige Bereich scharfen Sehens etwa 5-10 cm vor dem Auge ist, alles andere ist verschwommen. In diesem Bereich sehe ich allerdings deutlich besser, als alle Normalsichtigen. Man muss das Untersuchungsmaterial nur in dem o.g. Abstand vors Auge bringen und über die Brille schielen, da erkennt man problemlos auch solche Winzlinge, die nur 0,1-0,2 mm groß sind. Also quasi ein immer betriebsbereites Mikroskop.


    Gruß Sven


    Edit: Und zu den Milben, Robert hat im Grunde genommen alles dazu gesagt. Gäbe es da etwas, was tatsächlich in jedem Bienenstock funktioniert, dann wäre das schon lange bekannt.

  • Außerdem stellt sich auch hier eine Räuber-Beute-Beziehung ein. Das heißt, wenn die Varroamilbe ausgerottet ist, geht auch die Raubmilbe zugrunde. Wenn dann wieder neue Varroas eingeflogen werden, muss man wieder Räuber ansiedeln, ...


    Ich vermute es wird sich kein Schwarz-oder-Weiss einstellen sondern wenn es weniger Varroamilben werden dann sinkt auch die Anzahl der Raubmilden und beide werden auf einem niedrigen Niveau weiterexistieren. Ich stelle es mir wie auf einem Feld vor, ist es aus den Gleichgewicht, dann gibt es Unmengen von Schädlingen, ist es jedoch vital und es mangelt an nichts, dann findet man vereinzelt Schädlinge, aber diese richten keinen nennenswerten Schaden an.

  • Außerdem stellt sich auch hier eine Räuber-Beute-Beziehung ein. Das heißt, wenn die Varroamilbe ausgerottet ist, geht auch die Raubmilbe zugrunde.


    Dieses Modell ist hier nicht anwendbar, weil die hier diskutierten Raubmilben weder auf Varroa spezialisiert sind, noch Varroa die einzig verfügbare Nahrung darstellt.


    Ich vermute es wird sich kein Schwarz-oder-Weiss einstellen sondern wenn es weniger Varroamilben werden dann sinkt auch die Anzahl der Raubmilden und beide werden auf einem niedrigen Niveau weiterexistieren.


    Auch dieses Modell geht davon aus, dass die Zahl der Raubmilben von der Zahl der Varroa bestimmt wird. Erscheint mir sehr zweifelhaft, siehe oben. Varroa dürfte aufgrund ihrer Größe und ihres Aufenthaltsortes (auf den Bienen) bestensfalls eine alternative Nahrung für die Hypoaspis miles alias Stratiolaelaps scimitus Milben sein.


    Dankenswerter Weise gibt es in unseren Beuten aber eine Menge weiterer kleiner Krabbeltiere und Milben, die als Nahrung dienen können. Und wenn dieser Text hier stimmen sollte, dann könnten die Milben im Stock eh nicht verhungern:
    http://www.petsnails.co.uk/documents/hypoaspis-miles.html: "They are also scavengers and can feed on soil debris and vegetable matter in the absence of suitable prey."


    Die Populationsentwicklung dieser Raubmilben wird also eher von anderen Faktoren abhängen: eigene Feinde (z.B. Bücherskorpione... :wink:), Krankheiten, Umgebungsbedingungen wie Feuchte, Versteckmöglichkeiten, Verhalten der Bienen und nicht zuletzt: Abwanderung. Die meisten Beuten stehen in Bodennähe, und der natürliche Lebensraum dieser Milben ist die oberste Bodenschicht. Wenn die bisher nicht in größerer Zahl vom Erdboden in die Beuten gekrabbelt sind um sich an fetten Varroamilben zu laben, dann kann man davon ausgehen, dass der Erdboden attraktiver ist.



    Grüße,
    Robert