Völker abgeräumt - Flugbienen dagelassen...?

  • Hallo Ihr Lieben,


    jetzt muss ich doch mal kurz erzählen, was mir heute passiert ist: mein Garten und Bienenstand liegt angrenzend an eine Schafweide. Dort standen letzten Winter 4 Völker von irgendeinem Imker, den ich nie zu Gesicht bekommen habe. Jetzt im Sommer konnte man davon nichts mehr sehen, weil alles so hoch eingewachsen war.


    Heute sind die Leute in den Nachbarsgärten so am frühen Nachmittag plötzlich von Bienen "angefallen" worden. Erst ist meine direkten Nachabarin aus ihrer Hängematte hochgeschreckt und wild wedelnd in ihre Laube geflüchtet, Bienen mit rein, sie wieder raus... und kam natürlich gleich zu mir, weil sie meinte, das seien meine gewesen. Ich habe meine Völker kontrolliert - alles ruhig, kein böses Interesse an mir, obwohl ich direkt in der Einflugschneise stand. Dann löste sich plötzlich eine Kaffeetafel in einem anderen Nachbarsgarten recht kurzfristig auf und die älteren Herrschaften sind recht flugs auf ihre Räder gesprungen... die bösen Blicke gingen natürlich wieder in meine Richtung. Zu guter letzt bin ich selbst noch attackiert worden.


    Mit Blick auf die Schafweide konnte ich dann aber sehen, dass ungefähr dort, wo die anderen Völker standen, richtig Ramba-Zamba war. Räuberei oder offene Fütterung war mein erster Gedanke und habe mich bei den gefühlten 40° (zum Glück) in Vollmontur auf die Suche gemacht. Die Stelle war schnell gefunden, außerdem haben mich die Bienen schon in 30 m Entfernung gebührend in Empfang genommen. Am Stand selbst war - nichts mehr. Nur noch ein Handschuh, eine uralte tiefschwarze Wabe, ein Königinnen-Käfig (offen und leer), einige Rähmchenteile mit Wachsresten und alles voller Flugbienen und Pollensammlerinnen. Die Bienen hatten sich am Untergestell zu kleinen Trauben aufgehängt, aber auch der ganze Boden (und die Luft) war voll mit Bienen.


    Ich habe dann erst mal in meiner Ratlosigkeit meinen Schwarmfangkasten geholt, die olle Wabe rein und den Kasten auf den Balken abgestellt. Sofort sind die Bienen in den Kasten eingezogen, fast als wären sie erleichtert, etliche haben an der Vorderfront gesterzelt, und mir ist ganz schwer ums Herz geworden, weil sie mir so leid taten. Welcher Idiot macht denn so was und holt Völker am Mittag bei solchen sommerlichen Temperaturen?


    Innerhalb von 1 Stunde war Ruhe, keiner wurde mehr attackiert, insofern alles gut erst mal.
    Aber jetzt? Was mache ich denn jetzt mit einem Kasten voller Flugbienen? Die Menge schätze ich mal so auf 1,5-2 kg.


    Bin völlig ratlos,
    Grüße
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Schade, dass jemand so etwas macht!
    Und toll, dass Du sie gerettet hast!


    Ich bin noch Anfänger, aber vielleicht helfen Dir meine Vorschläge :
    1.Jetzt noch einen Flugling aufbauen?
    Wenn Du noch ausgebaute Waben hast-rein damit. Futter oder Speckwabe dazu, Mittelwände und eine Königin aus einem Miniplusvolk/Reservevolk
    Irgendwie muss da dann so spät im Jahr ja eine begattete Königin rein. Drohnen gibt es nicht mehr ausreichend.
    Oder
    2. Vereinigen mit einem kleinen oder schwachen Volk.
    Ich denke mal, die alten Hasen werden Dir bald zur 2. Möglichkeit raten oder bessere Tipps und eine genauere Beschreibung zur 1. Möglichkeit geben. ;-) 
    Jörg

  • Ich habe tatsächlich ein Volk, dass nicht richtig zu pötte kommt und dem ich eher wenig Chancen für den Winter einräumen würde. Die könnten die Verstärkung schon gebrauchen...
    Das Problem ist, dass beide Stände (meiner und der abgeräumte) nur ca. 50 m Luftlinie auseinander liegen und die Flugbienen ja auf ihren Stand eingeflogen sind.
    Ich könnte jetzt nur meinen Mickerling auf die Schafweide stellen und hoffen, dass sich meine eigenen Flugbienen dann irgendwo bei meinen anderen Völkern einbetteln.
    Aber ist das nicht insgesamt auch ein ziemliches Gewürge?


    Gruß, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • henrike : siehe Umsetzen auf kurze Distanz.


    Das aufzulösende Volk dann halb vor das alte stellen, und je nach Stärke am nächsten oder übernächsten Abend die Kiste ganz wegnehmen und Restbienen abfegen.
    Dann sollte alles, was fliegen kann, im alten Volk sitzen, und falls Brutwaben da sind, kannst du die ja zuhängen.

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo Henrike,


    dein Wackelvolk bekommt dadurch aber auch nur vorübergehende Verstärkung, die bereits entstandenen Winterbienen hat der "Imker" ja mitgenommen! Wieviel Varroa oder Viren du dir einsammelst damit, weißt Du auch nicht...


    Du hast da jetzt nun mal praktisch nur alte Tanten gesammelt. JEdoch sind es viele!
    Allerdings hast Du diesen armen Ollen ein Zuhause hingestellt, das find ich schon mal sehr aufmerksam von Dir. :wink: In Deinem Falle wirkungsvoll, weil die Nachbarn die Zusammenhänge wohl nicht wirklich kapieren auf die Schnelle, Ich würd trotzdem versuchen zu erklären, dass da ein anderer der Auslöser ist.


    Bleiben sie dort stehen, dann werden sie einfach weniger, sind weisellos, tragen noch was ein und Ende. Du könntest sie zum Futterwabenmachen dort stehen lassen (Einfüttern). Die Flugtanten verlierst Du sowieso. Vermutlich werden sie dann aber in absehbarer Zeit ausgeraubt und zum "Futterwabenmacher" werden ja auch normalerweise Vollvölker abgestellt.


    Weil der Abstand so gering ist, könnte ich mir auch noch vorstellen:


    Mit diesem Ablegerkasten machst Du "Verstellen auf kurze Distanz", d.h., Du machst sie zu mit Zweigen etc. (hast Du glaub ich schon mal selbst gemacht, oder täusche ich mich?) und stellst sie auf Dein zu verstärkendes Volk. Dort eingeflogen nimmst Du ihnen dann nach Rauchgabe möglichst spät am Tag die Schwarmfangkiste und lässt sie am Standplatz unten eins tiefer einziehen. So weit liegen die Fluglöcher nicht auseinander.


    Alles andere hat wohl so spät gar keinen Effekt, selbst mit ausgebauten Waben. Das ist ja kein richtiger Flugling mit Brutwaben drin zur rechten Zeit in der Aufwärtsentwicklung. Die alten Damen sterben weg und kriegen niemals so eine Brutpflege hin, wie notwendig wäre. Das wääre wohl schade um eine zugekaufte begattete Königin.


    Soweit meine Ideen dazu.


    Ich bin gespannt


    Grüße


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo Henrike,


    zuerst würde ich die Fremdbienen in einen Eimer abschütteln und mit Milchsäure besprühen. (Nicht duschen oder schwimmen lassen.) Nochmals kräftig durchschütteln. Dann, siehe oben, einbetteln lassen.


    Die 'alten Tanten' könnten dann für Dein Volk noch Nektar und Pollen sammeln.


    Viel Erfolg!
    Wolfgang, der Heidjer

    "Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit." (v. Sören Kierkegaard)

  • Ich würde (nebst vorstehend beschriebener Maßnahmen) mal versuchen rauszukriegen, wer da seine Bienen hatte. Finde das unmöglich und rücksichtslos...in Deinem Fall ja sogar ehrabschneidend da Du ja auch imkerst und so in Verdacht gerätst! Und dann diese Vermüllung - Unverschämtheit!!!
    Frag doch mal den Besitzer dieser Weide - der muss das ndoch wissen (wenn er es nicht gar selber war...). Dem sollte man die Bienen vors Haus kippen (wenn es einem nicht leid um die Bienen täte....)


    Melanie

  • Also, ich würde die Bienen behalten und den Müll vor die Haustür kippen.:p


    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • ...nur ganz kurz ein paar Fotos (leider nur schlechte Handy-Qualität und auf die Schnelle geschossen):





    Das war kurz nachdem ich den Kasten hingestellt hatte.
    Die große Menge an Bienen sieht man so leider nicht genau, viele saßen in Trauben unter den Balken und auf dem Boden...


    Später mehr, Danke Euch schon mal
    liebe Grüße


    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Setze Dein Mickervolk da hin, wo aktuell die Schwarmkiste steht. Flugbienen geben Völkern immer Schwung. Umsetzen kannste den ganzen Haufen dann nach Bienenflugende im Dezember. Die Flugbienen des Mickervolkes betteln sich an Deinen Stande ein und sind auch nicht verloren.

    Mit vielen freundlichen Grüßen
    Henry Seifert (Honig-Bienen-Kurse-Gutachten)
    Faulbrutsanierer, Königinnenverschicker, Schwarmfänger, Bienenretter, Streitschlichter, Kunstschwarmkehrer, Belegstellenwirt, Imkerpate, Probennehmer, Schadenschätzer, Ablegerbilder

  • Vor allen Vereinigungsaktivitäten würde ich aber eine Varroabehandlung durchführen, am besten mit OS-Dampf am Abend. Bei der Vorgeschichte (Bienen von einem unbekannten Imker) scheint mir das wichtig. Danach würde ich so vorgehen, wie von Henry beschrieben, wenn du dich dabei nicht auf einem fremden Grundstück befinden solltest. Falls es ein fremdes Grundstück ist, würde ich das Verstellen mit den Zweigen machen.


    Gruß Ralph

  • Ich hatte heute den Nutzer der Schafweide am Telefon, er ist nicht derjenige welcher das Chaos verursacht hat, den Standplatz nutzt ein Imker als "Außenstand" und zum Zwischenparken von Völkern und Ablegern. War also sicherlich nicht das letzte Mal, dass dort Völker weggeholt werden. :roll:


    Tatsächlich hat nämlich der Imker selbst am Sonntag Mittag seine Bienen dort weggeholt. Ich hatte ja immer noch gedacht, gehofft, dass irgendein Schurke die Völker ganz dreist am hellerlichten Tage geklaut hat und deswegen so rücksichtslos vorgegangen ist.


    Mein Mickriges dort hinzustellen habe ich dann mit dem Schafweidenbesitzer verworfen, der Stand und Untergestell "gehören" ja immer noch dem anderen. Der Schäfer wollte den Imker erst noch informieren, damit er seine Flugbienen doch noch abholen könnte, aber ich habe ihm aufgetragen, dem Imker lieber einen Tritt vors Schienenbein von mir auszurichten und seine Bienen behalte ich jetzt.


    Also umsetzen auf kurze Distanz. Sie stehen schon bei mir, morgen wird sich dann zeigen, ob ich es so einrichten konnte, dass sie ihre letzte Chance nutzen können...


    Viele Grüße,
    Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.