Erfahrungen mit Lederhülsenbaum/ Gleditschie?

  • Guten Tag,


    wer hat denn vielleicht in unseren Gefilden Erfahrungen mit dem sog. Lederhülsenbaum?


    Für mich waren diese Dinger unbekannt, bis ich sie in diesem Urlaub sah und zuhause identifizierte. Scheinen ja massig Blüten hervorzubringen. Wird er gut beflogen?


    Und vor allem: Wie sind die klimatischen Bedingungen, mit denen er (noch) zurechtkommt?


    Immerhin kann ich hier nur mit Jahresmitteltemp. um die 5° aufwarten. -29 war diesjahr der Rekord. Niederschlag fast an die 1000mm/a


    Kommt der damit zurecht?

    Die beste Zeit, einen Baum zu pflanzen, ist vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt. (afrik. Sprichwort)

  • Tachchen


    ich glaube mich zu erinnern, das ich den Baum schon in diversen dt. Stadtparks gesehen habe, u.a. in Dresden. Nun ist Dresden zwar klimatisch ein bisschen milder als bei euch, aber nen Versuch wäre es ja wert. Andererseits sind so Bäume verdammt langsam im Wachstum und bis zur 1. Blüte vergehen da durchaus ein paar Jahre bis Jahrzehnte. Weiß nicht, ob sich der Aufwand lohnt oder ob du mit anderen Pflanzen deinen Bienen schneller einen Gefallen tust.


    Grüße, Robert

  • wer hat denn vielleicht in unseren Gefilden Erfahrungen mit dem sog. Lederhülsenbaum?
    Und vor allem: Wie sind die klimatischen Bedingungen, mit denen er (noch) zurechtkommt?
    Kommt der damit zurecht?


    Es gibt mehrere Arten. Einige sind auch bei uns völlig winterhart.
    Allerdings rate ich von diesen Bäumen ab. Die meisten bei uns lebensfähigen und erhältlichen Arten haben derart aggressive Dornen, dass man die Fläche in der Nähe dieser Bäume nicht mehr barfuss betreten kann. In den USA werden sie zwar gelegentlich sogar als Straßenbegleitbäume gepflanzt, doch ich habe den Verdacht, dass hier nur die Reifenindustrie unterstützt werden soll.
    Radfahren oder gar unter solchen Bäumen Autos parken - viel Spaß damit, die Dornen gehen nämlich zuweilen tatsächlich auch bei Autoreifen durch!

  • Es gibt mehrere Arten. Einige sind auch bei uns völlig winterhart.
    Allerdings rate ich von diesen Bäumen ab. Die meisten bei uns lebensfähigen und erhältlichen Arten haben derart aggressive Dornen, dass man die Fläche in der Nähe dieser Bäume nicht mehr barfuss betreten kann. In den USA werden sie zwar gelegentlich sogar als Straßenbegleitbäume gepflanzt, doch ich habe den Verdacht, dass hier nur die Reifenindustrie unterstützt werden soll.
    Radfahren oder gar unter solchen Bäumen Autos parken - viel Spaß damit, die Dornen gehen nämlich zuweilen tatsächlich auch bei Autoreifen durch!


    Wen stören schon ein paar Dornen, wenn die Tracht stimmt. Ist doch alles kein Problem, wenn man vorsichtig ist und nur der Nachbar in die Dornen fährt
    :oops:


    Langsames Wachstum ist wohl eine Fehlinformation. Laut "Stihl-Baumlexikon" zeichnet sich der Baum durch "rasantes Wachstum" des jungen Baumes aus.

  • ... Laut "Stihl-Baumlexikon" zeichnet sich der Baum durch "rasantes Wachstum" des jungen Baumes aus.


    Hmmh, was heißt denn rasantes Wachstum in Zahlen ? Nen Imker hat da sicherlich andere Ansprüche (Blüte) als der durchschnittliche STIHL-Nutzer (Holzmasse). Selbst wenn es nur 10-15 Jahre sind (was für Bäume wenig wäre, andererseits erscheinen auch bei Birke, Weide, Pappel, Robinie, Ahorn usw. schon Blüten in diesem Alter), ist das ne lange Wartezeit für Bienen, oder ? Ein- oder mehrjährige krautige Pflanzen wären da für die Bienen sicherlich besser. Darauf bezog sich das "relativ langsam"


    Grüße, Robert

  • Es gibt auch Sorten ohne die Dornen, gerade für den Straßenbereich. Ich kann gerade nicht nachsehen, aber ich glaube das ist dann "Gleditsia triacanthos forma inermis", hier in Osnabrück macht die sich als Straßenbaum ganz gut. Zur Trachtqualität kann ich allerdings nichts sagen.
    Grüße, Henrike

    Das Ganze ist mehr als das Summen seiner Teile.

  • Ein paar Dornen? :roll: Die Dinger sind ungelogen fingerlang, richtige Mordwerkzeuge - jedenfalls bei unserem Nachbarn und dieser Baum wurde noch nie von unseren Bienen beflogen. Es soll aber auch dornlose Sorten geben. Vielleicht sind die ja auch besser für die Bienen!


    Gruß Frauke

  • Hallo Erzgebirgler,


    mit den Winterhärtezonen ist das so eine Sache, die Frostresistenz von Gehölzen ist keine absolute Größe, sondern von zahlreichen Faktoren abhängig. Die Gleditschie liegt je nach Sorte in den Zonen 5a-6a, da liegst Du mit Deinen -29°C knapp drunter. Sind die Bedingungen aber sonst perfekt, d. h. eher nährstoffarmer und leichter Boden, windgeschützte Lage und eher trocken, kann das funktionieren. Außer die von Henrike genannte inermis gibt's noch mehr dornenlose Sorten, wie 'Sunburst', 'Skyline' oder 'Shademaster'.
    Die Gleditschie hat übrigens einen Nektarwert von 4!


    Gruß,
    zonia

    'If you don't have a plan, you become part of somebody else's plan.'
    Terence McKenna

  • Wen stören schon ein paar Dornen, wenn die Tracht stimmt.


    Da hast du allerdings auch wieder recht, siehe Springkraut :p
    Aber es soll ja Gartenimker mit kleinen Kindern geben, da wären die Dornen vielleicht doch ein Argument.
    Dumm ist auch, dass für Neophytenphobe Imker so oder so weder bedornte noch dornenlose Gleditsien in Frage kommen... :wink:


    Gruß
    hornet

  • Moin, moin,


    fingerlang ist stark untertrieben. Bis 30 cm und mehrfach verzweigt. Spinosissima heißt die Art, und treibt solche Dornen auch unten am Stamm irgendwo. Bienen gehen schon rein, aber was es bringt, weiß ich nicht.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Da hast du allerdings auch wieder recht, siehe Springkraut :p
    Aber es soll ja Gartenimker mit kleinen Kindern geben, da wären die Dornen vielleicht doch ein Argument.
    Dumm ist auch, dass für Neophytenphobe Imker so oder so weder bedornte noch dornenlose Gleditsien in Frage kommen... :wink:


    Gruß
    hornet


    Ich bin keineswegs Neophytenphob, wie Du es ausdrückst. Ich esse gerne Kartoffeln, Mais und andere Neophyten, trinke gerne Wein und erfreue mich auch am Anblick blühender Robinien (die allerdings aufgrund ihrer starken Ausbreitung und der Dornen vereinzelt auch zum Problem werden) und anderer Zuwanderer im Pflanzenreich.
    Allerdings ist das alles nur in Maßen schön. Ich bin ein großer Verfechter einer naturnahen, artenreichen Landschaftsgestaltung. Wenn heimische Arten wie beim Springkraut großflächig keine Chance mehr haben, dann hört der Spaß auf. Wo Neophyten nachteilig sind oder heimische Alternativen vorhanden sind, würde ich nie auf die standortfremde Art pflanzen oder aussähen.

  • Ich bin keineswegs Neophytenphob, wie Du es ausdrückst.


    Hi Wulle,


    nicht dass da ein falscher Ton reingerät: Mein Posting war schon absichtlich mit Smilies versehen! Habe deine Anspielung "Wen stören schon ein paar Dornen, wenn die Tracht stimmt." aber als scherzhafte Anspielung auf meine Argumentation in der Springkraut-Diskussion ("bringt doch viel Nektar im Herbst und ist gut")verstanden und wollte nur ebenso scherzhaft den Ball zurückspielen.


    Ich kann deine (und auch die anderer wie z.B. Eisvogels) Haltung bezüglich Neophyten (oder allgemeiner und nicht nur auf Pflanzen bezogen: Neobiota) sehr gut verstehen und logischerweise erst recht auch akzeptieren und will sie keinesfalls abwerten, im Gegenteil!


    Ich hatte beruflich mal mit der Neobiota-Problematik zu tun und bin seither vielleicht nur etwas pragmatischer und abgebrühter geworden. Neobiota sind immer potenziell problematisch. Aber die Praxis zeigt, dass nur ganz, ganz wenige der neuen Arten aus irgendwelchen Gründen dann wirklich auf Dauer größere Probleme mit sich bringen. Seien es Krankheiten, Verdrängung, Gifte etc. Problematisch ist auch nicht das Einwandern neuer Arten an sich, das fand schon immer statt. Problematisch ist, dass der Mensch heute neue Arten schlagartig über den ganzen Globus verteilt, sie also springen und nicht mehr allmählich wandern und womöglich gebremst werden. Das wird wohl immer öfter passieren, je mobiler die Welt wird.


    Aber im Vergleich zu den bisher bekannten wirklich gefährlichen, bösartigen Neobiota macht sich das Springkraut in meinen Augen wie ein Spielzeugauto neben einem LWK aus. Und gerade bei den ganz gefährlichen Eindringlingen kann man eben oft nichts mehr machen und muss stattdessen eben schauen, wie man sich damit arrangieren kann. Bei Springkraut finde ich, fällt das jetzt wirklich vergleichsweise leicht.


    Wo Neophyten nachteilig sind oder heimische Alternativen vorhanden sind, würde ich nie auf die standortfremde Art pflanzen oder aussähen.


    Und um wieder die Kurve zum eigentlichen Thema zu kriegen: Gleditsien sind damit also kein Thema für dich und das sehe ich genau so. Egal ob mit oder ohnen Dornen. Zumal ich solche Dornen wirklich noch nicht mal meinen Nachbarn zumuten würde, geschweige denn auf der eigenen Fläche haben wollte :wink:


    Gruß
    hornet

  • Ich bin keineswegs Neophytenphob... Ich ... trinke gerne Wein

    Entschuldige, dass ich hier mal klug scheisse: Vitis vinifera ist kein Neophyt, nur die als Unterlagen verwendeten, gegen Reblaus resistenten Weine kommen aus der neuen Welt.


    Ohne diese Neophyten kein Wein aus Vitis vinifera-trauben für den Normalbürger...ist das jetzt ein Argument für Neodingsbumsda :confused::wink:


    Gruß Molle

    „ Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen.“

  • Entschuldige, dass ich hier mal klug scheisse: Vitis vinifera ist kein Neophyt...


    Einspruch, eure mollige Rundlichkeit, Die Weinrebe kommt aus dem vorderasiatischen Raum, also Kaukasus, Türkei usw. Und die ollen Griechen + Römer haben diese wunderbare Pflanze nach Mitteleuropa gebracht. Neophyt pur, egal ob Unterlage oder Veredelung. Aber auch egal, da einfach nur lecker.


    In diesem Sinne, prost